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Liebe Schwestern und Brüder, liebe Freundinnen und Freunde der Gemeinde,

unser Bistum gibt jährlich das sogenannte Jahrbuch heraus. Neben dem Liturgischen Kalender und dem Adressenverzeichnis finden sich darin Beiträge zu einem Schwerpunktthema. 2022 steht unter dem ­Leitwort „Missionarisch Kirche sein.“ Ein Blick in die Apostelgeschichte Apg 10 zeigt, dass die Frage, wie Mission geschehen soll, und vor allem, wer die Adressatinnen der frohen Botschaft sein sollen, damals alles andere als klar waren.

Zum einen erfahren wir, dass das Sendungsbewusstsein der ersten Christinnen und Christen noch gar nicht so besonders ausgeprägt war. Zum anderen kann uns diese Geschichte aber auch einen Hinweis geben, wie sich Missionierung oder, um ein historisch weniger belastetes Wort zu verwenden, Evangelisierung entwickeln kann.

Die Apostelgeschichte erzählt von der Entwicklung des ­Petrus, der viel über sich, Gott und die anderen Menschen lernt.

Der Jude Petrus tritt in eine fremde Kultur, in ein fremdes Denken ein und überschreitet damit eine Schwelle. Waren bisher die Adressaten der frohen Botschaft Juden, wird diese Botschaft plötzlich anziehend für Heiden. Gegen diese Heidenchristen melden die Judenchristen aber Vorbehalte an, da diese nicht in der Tradition verwurzelt sind. Sie halten sich nicht an die jüdischen Gesetze, die die Judenchristen auch weiter befolgten.

In der Geschichte wird deutlich, wieviel Angst Petrus hat, sich darauf einzulassen. Und interessant ist: Petrus tut dies nicht von sich aus, sondern er kommt auf Einladung des ­Heiden Kornelius. Die Vorbehalte des Petrus sind groß und klingen bei der Begegnung mit Kornelius noch an: „Ihr wisst, uns Juden ist gesagt, dass wir nicht ins Haus eines Heiden treten dürfen, denn das macht uns unrein.“ Von einem Sendungsbewusstsein zu allen Völkern ist hier noch nichts zu spüren. Petrus weiß sich zu den Juden gesandt, nicht zu den Heiden.

Ein Traum ist es, eine Vision, die ihn die Schwelle überschreiten lässt.

Die Apostelgeschichte erzählt in aller Breite und ein wenig verschmitzt, welchen Weg Gott wählt, um das Herz des Petrus aufzuschließen vgl. Apg 10,9-22. Wie üblich zieht sich Petrus zur Mittagsstunde auf das Dach zum Gebet zurück. Aber Joppe – heute Jaffa – ist eine Hafenstadt, in der Menschen aller Völker zusammenkommen. Und wie der fromme Mann da oben betet, müssen ihm allerlei Küchendüfte aus der Nachbarschaft durch die Nase gezogen sein.

Mitten im Gebet sieht er – verzückt –, wie in Form einer Schale ein Tischtuch vom Himmel herabschwebt, voll mit lauter guten Sachen, die ein Jude, weil es ihm das Gesetz verbietet, nicht essen darf.

Und dann kommt auch noch eine Stimme, die sagt: „Auf ­Petrus, ran an die Sachen!“

Sofort regt sich dessen frommes Gewissen, rastet seine religiöse Erziehung ein: „Nein, Herr, nie und nimmer werde ich von etwas Unreinem essen!“ Da sagt die Stimme: „Vorsicht, Petrus, langsam! Was Gott rein nennt, sollst du nicht unrein nennen“.

Petrus hat es nicht gleich begriffen – Lukas erzählt, dass es ihm die Stimme dreimal sagen muss –, aber dann kommt bei ihm etwas in Gang.

Er ist bereit, die Einladung des Kornelius anzunehmen, und traut sich über die Schwelle zu treten. Und er macht eine verblüffende Erfahrung. Längst bevor er Gottes Wort und Gottes Botschaft in das fremde Haus hineintragen kann, ist Gott dort, bei den Heiden, schon am Werk.

Leonardo Boff hat diese Erfahrung in einem Buch einmal treffend beschrieben mit dem Titel: „Gott kommt früher als der Missionar.“

Es gibt keinen Fleck der Erde, zu dem wir Gott hintragen könnten, an dem Gott nicht schon wäre, denn es ist Gottes Welt. Der Geist Gottes ist verborgen bereits in denen am Werk, denen wir begegnen, noch vor aller Taufe oder Firmung.

Wenn das so ist, dann kann Mission eigentlich nur heißen, miteinander in einen Dialog zu treten. Und zwar in einen Dialog, in dem die Geschichte Gottes mit jedem Menschen zur Sprache gebracht wird. Einen Dialog, bei dem jeder vom anderen etwas lernen, erfahren kann.

Das ist weit weg von einem Tauf- oder Missionsbefehl, was ja vom Wort her schon problematisch ist, weil es beinhaltet, da soll etwas unbedingt durchgesetzt werden. Petrus tauft Kornelius und seine Hausgemeinschaft nicht, weil er dazu einen Befehl hätte. Er tauft, weil seine Gesprächspartner das wollen, weil sie gemeinsam ihre Erfahrungen mit dem lebendigen Gott ausgetauscht haben und weil für Petrus deutlich wird, hier ist der Geist Gottes schon am Wirken, lange bevor er kommt.

Mission heißt für mich deshalb zuallererst, Einladungen zum Dialog anzunehmen und auch mit Menschen das Gespräch zu suchen, die von Kirche und christlicher Religion zunächst weit entfernt scheinen.

Die Erfahrung zeigt mir, religiöse Fragen bewegen viele, und die Ansichten sind oft gar nicht so weit voneinander entfernt, auch wenn sie anders, vielleicht nicht kirchlich ausgedrückt und gelebt werden.

Mission kann auch heißen, selber einladend zu sein. In der anglikanischen Kirche gab es einmal ein Erneuerungsprogramm unter dem Motto: „Make church inviting“. Wörtlich übersetzt: „Mach Kirche einladend“.

Wo Menschen merken, dass sie mit ihren Fragen ernstgenommen werden und wirklich ihr Leben zur Sprache kommt, dass sie als Person mit ihrem Glauben und Unglauben wahrgenommen werden, ist Kirche und sind Gemeinden einladend.

Wenn die christliche Botschaft wirklich eine lebensfördernde Botschaft ist und dies in meinem Leben und auch im Leben der Gemeinde spürbar ist, dann wird sie von selbst Kreise ziehen.

Ihr

Siegfried Thuringer, Pfarrer

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