Gemeinde München

 

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Liebe Schwestern und Brüder, liebe Freundinnen und Freunde der Gemeinde,

am 18 Juli war ich bei unserer Nachbargemeinde in Regensburg eingeladen, um mit ihr gemeinsam Gottesdienst zu feiern. Ursprünglich wollten wir 25 Jahre Frauenordination in unserem Bistum nachfeiern, doch dann kam die Erstkommunion eines Kindes dazu. Ich fand das eine gute Kombination, denn beide Feste sind ja letztlich begründet in dem, was wir jeden Sonntag feiern, der Feier der Eucharistie.

Für mich ist ein wesentliches Element dieser Feier die Gemeinschaft. Paulus hat das einmal so zusammengefasst:

Ist das Brot, das wir brechen, nicht Teilhabe am Leib Christi? Ein Brot ist es. Darum sind wir viele ein Leib, denn wir alle haben teil an dem einen Brot. (1 Kor 10, 16-17)

Es geht also um beides, um die Gemeinschaft mit Jesus, um die „Teilhabe am Leib Christi,“ und es geht um die Gemeinschaft miteinander, um das „ein Leib werden“.

Das ist gleichzeitig ein Geheimnis und doch ganz einfach. Unser Leben wird dann zu einem Fest, wenn wir Gemeinschaft erleben. Eucharistie feiern wir, indem wir miteinander das Brot brechen und, in normalen Zeiten, den Wein teilen. Und in Brot und Wein Christus selbst begegnen.

Gemeinsam Essen und Trinken ist eine zentrale Art, wie wir Menschen feiern und unsere Verbundenheit ausdrücken: In einem Kreis mit Menschen, die ich liebe, sitzen zu können, gemeinsam zu essen und zu trinken und zu reden, sich zu erinnern und Pläne zu schmieden. Das ist die Grunderfahrung von Gemeinschaft.

Gemeinschaft zu erleben verändert uns. In Gemeinschaft zu sein, angenommen zu werden, dazuzugehören, ist wichtig für uns, und kann eine heilsame Erfahrung sein, davon erzählen die Evangelien immer wieder.

Jesus war dieses gemeinsame Essen sehr wichtig. Er hielt immer wieder Tischgemeinschaft mit seinen Freunden und mit den Ausgegrenzten seiner Gesellschaft, und wählte Brot und Wein als Zeichen seiner bleibenden Nähe.

Und so haben seine Freunde sich weiter getroffen, um miteinander zu essen und zu trinken, sich an Jesus zu erinnern und Pläne zu schmieden. Das tun wir heute immer noch, wenn wir Eucharistie feiern, auch wenn wir das Pläne schmieden in das Kirchenkaffee ausgelagert haben.

Freilich feiern wir dieses Essen ritualisiert, in einer festgelegten Form, mit definierten Regeln und einer Leitung des Gottesdienstes. Es ist, denke ich, gut und richtig, dass Männer und Frauen diese Rolle ausfüllen können. Es geht für mich um die Erfahrung der Gemeinschaft, untereinander und mit Christus. Wir sind gemeinsam unterwegs, gemeinsam Gottes Volk, gemeinsam Kirche. Das wird einfach deutlicher, wenn Männer und Frauen die Möglichkeit haben, Priester und Priesterin zu sein, wenn niemand von vornherein qua Geschlecht ausgeschlossen wird.

Ich glaube, jeder Priester, jede Priesterin hat seine, ihre eigene Art, Priesterin oder Priester zu sein, und auch ihre eigene Art, Eucharistie zu feiern. Und es ist gut, dass wir dadurch eine größere Vielfalt erleben, dass die Erfahrungen und damit auch die erlebten Wirklichkeiten von Frauen in der Predigt selbstverständlich zur Sprache kommen.

Ich bin ja römisch-katholisch aufgewachsen, und mir war rasch klar, dass meine Rolle in der Kirche eingeschränkt ist. Priesterin zu werden, ist dort für Frauen einfach unmöglich. Nicht, dass das mein Leben bestimmt hätte, aber es war immer klar, dass es einen Unterschied in den Möglichkeiten für Frauen und Männer gab, der sich auch wie ein Unterschied in der Wertigkeit angefühlt hat.

Und als ich dann zum ersten Mal an einer Eucharistiefeier teilnahm, der eine Frau vorstand, war das für mich etwas sehr Besonderes, etwas, was auch diese Erfahrung des „Unmöglichen“ geheilt hat. Ich weiß noch, dass das 2005 auf der Bundesgartenschau hier in München war, Angela Berlis hat diesen Gottesdienst gehalten und ich war wirklich tief bewegt. Von der Tatsache, dass da eine Frau der Eucharistiefeier vorsteht, und auch davon, dass das ganz selbstverständlich war. Und ich weiß, dass ich nicht alleine bin mit dieser Erfahrung.

Wenn wir also auf 25 Jahre Frauenordination zurück­blicken, dann feiern wir meiner Meinung nach nicht nur das Weihejubiläum von Angela Berlis, und die Erinnerung an ihre Weihe und an die von Regine Pickel-Bossau, sondern wir feiern, dass wir uns als Kirche entschlossen haben, eine sichtbarere Vielfalt auch in den Diensten zu haben, und so hoffentlich auch eine „inklusivere“, eine geschwisterliche Gemeinschaft sind.

Und wie immer, wenn wir als Gemeinde oder Kirche feiern, geht es nicht nur um uns selbst, sondern um die Gemeinschaft, die wir durch und in Jesus sind.

Ein Brot ist es. Darum sind wir viele ein Leib, denn wir alle haben teil an dem einen Brot.

Diese Erfahrung der Gemeinschaft zu ermöglichen und zu erleben, das wünsche ich uns allen.

Dr. Liesel Bach, Priesterin i.E.

 

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