Gemeinde München

Liebe Gemeindemitglieder,
liebe Freundinnen und Freunde der Gemeinde

vermutlich werden wir noch an Weihnachten „Stille Nacht, heilige Nacht“ summen – so ein Gedanke, der mich bei einem der letzten Gottesdienste befiel. Das Nicht-Singen-Dürfen im Kirchenraum erlebe ich wie viele andere als eine der schmerzlichsten Einschränkungen in unseren Gottesdiensten. Leider haben wir keine Möglichkeit, wie z.B. unsere Filialgemeinde in Bad Tölz, den Gottesdienst ins Freie zu verlegen, wo wir singen könnten. Der Park um St. Willibrord ist verkehrsbedingt dafür nur schlecht geeignet. Der Gottesdienst an Christi Himmelfahrt in Mariabrunn war eine wohltuende Ausnahme, die von vielen gerne angenommen wurde. So summen und brummen wir am Sonntag, begleitet von der Orgel, einige wenige Lieder und Taizégesänge, – ich habe das scherzhaft einmal Bienen­gottesdienste genannt. Aber: „Man darf nicht undankbar sein“, so ein Gemeindemitglied nach der jüngsten Lockerung, bei der die Pflicht zur Mund-Nase-Bedeckung nach dem Einnehmen des Platzes in der Kirche aufgehoben wurde. Und tatsächlich ist ja Vieles wieder möglich. Nach dem Aussetzen der Gottesdienste und den wochenlangen Haus- und Telefongottesdiensten sind wir seit Mai wieder in der Kirche und gestalten mittlerweile die Gottesdienste wieder als Eucharistiefeiern, wenn auch mit Einschränkungen.Dankbarkeit ist in diesem Zusammenhang freilich ein schillernder Begriff. Denn es ist ja nicht so, dass hier von oben etwas verordnet und dann wieder gelockert wurde, um uns zu bevormunden oder zu drangsalieren. Ziel war und ist es, die Coronapandemie einzudämmen und sich und andere vor Covid-19 zu schützen. Das muss ich mir selber immer in Erinnerung rufen, wenn ich Maßnahmen als unangenehm und meine persönliche Freiheit einschränkend empfinde. Ich erlebe sowohl die Bistumsleitung als auch unseren Kirchenvorstand als Gremien, die sehr verantwortungsvoll um angemessene Entscheidungen ringen, und ich bin dankbar, dass die Gemeinde diese im Großen und Ganzen verständnisvoll mitträgt. In diesem Kontaktbrief finden Sie außer den Gottesdiensten nur wenige feste Termine. Coronabedingt ist Vieles abgesagt (die baf-Jahrestagung und das baf–Frauenfrühstück, die Bistumssynode, die Willibrordvesper, eine Ausstellung in unserer Kirche), anderes ist offen (Gartenhausgespräche, Kirchenkaffee, Treffen von Gruppen, Besuche durch den Besuchsdienst). Je nachdem, wie sich das Infektionsgeschehen in den nächsten Wochen entwickeln wird, werden wir kurzfristig zu Veranstaltungen einladen und Sie über die neue Situation informieren. Der dreimal im Jahr erscheinende Kontaktbrief, ist dafür nur begrenzt tauglich. Aktuelle Informationen und Änderungen finden Sie deshalb auf unserer Homepage und erhalten Sie per E-mail über den Gemeindeverteiler. Teilen Sie uns dafür bitte Ihre E-mail-Adresse mit.Wenn Sie keinen Zugang zum Internet haben, schicken wir Ihnen die Informationen gerne auch per Post zu. Eine kurze Nachricht genügt.Ich wünsche Ihnen trotz aller Unsicherheiten eine schöne und erholsame Sommerzeit und ich bin zuversichtlich, dass wir gemeinsam auch die kommenden Herausforderungen gut bewältigen werden.

Ihr Siegfried J. Thuringer, Pfr.

 
 

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Gedenken und Feiern

Am 18. Juli hat unser Bischof ein Wort zum 150. Jahrestag der Papstdogmen von 1870 ­veröffentlicht:

Liebe Schwestern, liebe Brüder!

Am heutigen Tag, am 18. Juli, jährt sich zum 150. Mal die Dogmatisierung der Lehre von der päpstlichen Unfehlbarkeit und vom päpstlichen Jurisdiktionsprimat durch das Erste Vatikanische Konzil. Der Widerstand gegen diese Lehrsätze führte innerhalb weniger Jahre zur Bildung einer von Rom unabhängigen alt-katholischen Kirche.

Um es in Anlehnung an einen aktuellen Buchtitel von Peter Neuner zu sagen: Das Konzil wirft bis heute einen langen Schatten auf unsere Schwesterkirche. Der Jurisdiktionsprimat hat zu einer extremen Zentralisierung geführt, die es schwer macht, Pluralität sowie die Möglichkeit zuzulassen, jeweils vor Ort Lösungen für Probleme zu finden. Auch wenn vom Dogma der päpstlichen Unfehlbarkeit nur einmal, 1950, Gebrauch gemacht wurde, leistet es einem Verständnis von kirchlicher Lehre Vorschub, das Entwicklung kaum noch denken kann. Auch Entscheidungen, die nicht im Sinne der Konzilsdefinition ex cathedra gefällt werden, beanspruchen mittlerweile Letztverbindlichkeit. Nach meiner Meinung hat dies das römisch-katholische Lehramt in die eine und andere lehramtliche Sackgasse geführt. Deutlich wird das im Bereich der Ehe- und Sexualmoral, aber ebenso beim Thema „Frauenordination“. Das Verharren in lehramtlichen Sackgassen führt freilich auf Dauer zur Erosion der Autorität des Lehramtes, wenn sich der Glaubenssinn des Volkes und die fixierte kirchliche Lehre immer weiter auseinanderentwickeln.

Eine Kirchenspaltung ist kein Grund zum Feiern, doch dürfen wir dankbar derer gedenken, die vor 150 Jahren bereit waren, für ihre Überzeugung einzustehen. Die alt-katholische Gründergeneration beließ es freilich nicht beim Protest und bei der Verneinung, sondern sie bildete Gemeinden und schließlich ein Bistum, weil sie ihr Ideal von Kirche mit Leben füllen wollte. So entstand eine synodale, reformorientierte, ökumenisch offene und doch katholische Kirche – Kennzeichen, die zugleich Anspruch und Herausforderung sind.

Ich wünsche mir, dass die Jahrestage, die vor uns liegen und die wichtige Wegetappen unserer Kirchwerdung markieren, nicht nur Anlass zur geschichtlichen Rückschau sind, sondern anregen, darüber ins Gespräch zu kommen, wie wir unser Ideal des Christ- und Kircheseins in der Gegenwart ausbuchstabieren können. „Nach vorne feiern“, so habe ich diese Idee vor der Synode 2018 genannt. Um gleich am 18. Juli einen Akzent zu setzen, war für heute in Bonn eine Tagung geplant, die sich nicht mit dem Papstamt beschäftigen sollte, sondern mit der Frage, wie politisch Kirche sein soll bzw. darf, eine Frage, die seit ein paar Jahren verstärkt in unserem Bistum diskutiert wird. Leider hat die derzeitige Pandemie diese Planung zunichte gemacht, doch wir überlegen, wie wir unter den geänderten Umständen diesen Diskussionsprozess dennoch durchführen können.

Gerade an diesem Tag möchte ich betonen, dass ich dankbar bin für das ökumenische Miteinander, das mittlerweile mit der römisch-katholischen Kirche möglich ist, und zwar auf allen Ebenen. Trotz aller Unterschiede und ohne diese unter den Teppich zu kehren, sollten wir weiter diesen Weg der ­Verständigung und Gemeinschaft gehen.

Nach 150 Jahren sind wir als Kirche kein Provisorium mehr, wie es lange Zeit in unseren Kirchlichen Ordnungen stand. Wir sind eine, wenn auch kleine Kirche mit einem eigenen Profil, mit lebendigen Gemeinden und vielfältigen ökumenischen Beziehungen. Dafür dürfen wir dankbar sein und das – meine ich – dürfen wir in den nächsten Jahren auch feiern.

Gottes Segen wünscht Ihnen allen

Ihr

Bischof Dr. Matthias Ring

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