Gemeinde Stuttgart / ABC des Gemeindelebens

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Queer

Gott* schließt niemanden aus. Wir auch nicht. Denn wir sind eine offene Kirche für alle. Und das schließt ganz natürlich queere Menschen mit ein.

Logo des Vereins zur Förderung von Jugendlichen
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Die Bistumssynode hat 1997 erklärt, „dass in vielen unserer Gemeinden gleichgeschlechtlich liebende Frauen und Männer integriert sind. Die Synode bittet die Gemeinden, sich um ein Klima der Akzeptanz, der Offenheit und Toleranz gegenüber homosexuell liebenden und lebenden Menschen weiterhin zu bemühen.“

Schon bevor diese Erklärung zustande kam, hatte sich unsere Gemeinde mit dem Thema Homosexualität auseinandergesetzt. Anlass dafür waren Gemeindemitglieder, die sich als homosexuell bekannten und von der Gemeinde erwarteten, diesbezüglich uneingeschränkt angenommen zu werden. Die Auseinandersetzung gestaltete sich als ein Weg, der mit einer Gemeindeversammlung im Herbst 1995 seinen Anfang nahm und ein Jahr später zu einer Predigtreihe mit dem Thema Keine andere Liebe führte. Kurz darauf fand ein Besinnungswochenende zum Thema Sexualität statt. Eine Arbeitsgruppe erarbeitete schließlich eine Erklärung der Gemeinde an die 53. Bistumssynode.

Doch die Gesellschaft entwickelt sich stetig weiter. Wo in den 90er-Jahren noch der Respekt für und die Rechte von Homosexuellen im Mittelpunkt der öffentlichen Wahrnehmung standen, müssen wir heute den Blick öffnen für die Vielfalt der queeren Bewegung. Es geht nicht nur um Homosexualität. Queerness umfasst viel mehr: Bisexualität, asexuelle und aromantische Menschen, die gesamte Vielfalt der Transidentitäten – von trans Frauen und trans Männern über nonbinäre [1] Personen bis hin zu genderfluiden Menschen – und auch viele Labels [2], die wir nicht nennen oder nicht kennen. Sie alle sind Teil der queeren Bewegung. Anlass unserer fortgesetzten Auseinandersetzung mit diesem Thema ist wiederum, dass es in unserer Gemeinde queere Menschen verschiedenster Facetten und ihre Angehörigen gibt, die von unserer Gemeinschaft Respekt auf Augenhöhe erwarten.

Sie gehören alle zu Gottes* Schöpfung. Nichts an ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität ist falsch oder sündig. Als Christ*innen haben wir die Aufgabe, ihnen mit Liebe und Respekt zu begegnen. In unserer Erklärung von 1995 stellten wir fest: „Für uns gehört Sexualität zum ganzheitlichen Ausdruck menschlicher Liebe und Zuneigung, tiefer gegenseitiger Annahme und Freude aneinander.“ Diesen Satz müssen wir heute erweitern: Für uns gehört Geschlechtsidentität zum ganzheitlichen Ausdruck menschlicher Vielfalt und Schönheit, tiefer Annahme und Freude Gottes*. Zu sexueller und geschlechtlicher Vielfalt sagen wir heute, was wir auch damals gesagt haben: „Für uns ist sie gleich an Würde und Wert.“

Konkret stellen wir fest:

  • Die Ehe für alle in unserer Kirche ist ein heiliges Sakrament, das wir immer wieder aktiv und mit Stolz leben und spenden. Unser Kirchenrecht beruht auf dem Grundsatz: Lex orandi, lex credendi – so wie gebetet wird, so ist das Recht. Wir feiern das Ehesakrament für alle Menschen auf der gleichen liturgischen Grundlage.
  • Die sexuelle Orientierung ist kein Ausschlusskriterium für einen Dienst in der Kirche. Vielmehr ist es entscheidend, ob Geistliche über die für einen solchen Dienst notwendigen menschlichen, geistlichen und fachlichen Voraussetzungen verfügen.
  • Die queere Community ist vielfältig und komplex. Innerhalb der queeren Community kann es ebenfalls zu Diskriminierung und Konflikten kommen und nicht alle queeren Menschen können füreinander sprechen oder eine einheitliche Meinung haben. Queere Menschen sind so individuell wie der Rest der Gesellschaft.
  • Die alt-katholische Gemeinde Stuttgart will ein offener Raum für alle Menschen sein. Dazu gehören auch alle queeren Identitäten gleichermaßen. Wir erwarten von unseren Gemeindemitgliedern und Gästen jederzeit Offenheit und Nächstenliebe. Diskriminierung queerer Menschen hat bei uns keinen Platz.
  • Trans Menschen aller Facetten sind willkommen, so wie sie sind. Für uns gelten die sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität, mit denen ein Mensch sich selbst identifiziert. Dazu gehören die Pronomen (Glossar: Erklärung Pronomen) [3], mit der eine Person angesprochen werden möchte. Transrechte sind Menschenrechte.

Wir wissen, dass alle diese Fortschritte und Wünsche in den Gemeinden einen Lernprozess voraussetzen und einer fortwährenden Auseinandersetzung bedürfen. Wir als Gemeinde erklären uns bereit, diesen Weg weiter offen und ehrlich fortzusetzen. Dieses Miteinander leben wir.

Um zu lernen, wollen wir den Betroffenen zuhören und sie ernst nehmen. Ihre gelebte Erfahrung ist die Basis von Verstehen und Nächstenliebe. Wenn wir Erfahrungen nicht verstehen oder nachvollziehen können, sind sie trotzdem real und gültig. Als Gemeinde einer fehlbaren Kirche machen wir Fehler im Umgang mit allen, einschließlich queeren Menschen. Das ist unvermeidbar. Wir wollen aus unseren Fehlern lernen und halten alle unsere Mitglieder und Freund*innen in gleicher Form dazu an.
Viele der hier genannten Feststellungen und Absichten gelten sehr ähnlich auch für andere Teile der Gesellschaft, die Diskriminierung erfahren müssen. Wir lehnen alle Diskriminierung ab, wie es Jesus vorgelebt hat: Gott sieht und liebt queere Menschen. Gott sieht und liebt alle Menschen.


[1] „Auch: nonbinary, nicht-binär, nicht binär, non binär. Nichtbinär ist ein Geschlecht. Als nichtbinär können sich Menschen bezeichnen, die nicht (oder nicht zu 100%) Mann oder Frau sind. Stattdessen ist ihr Geschlecht beispielsweise beides gleichzeitig, zwischen männlich und weiblich, oder weder männlich noch weiblich. Manche nichtbinäre Menschen verorten sich ganz außerhalb des binären Systems, manche haben gar kein Geschlecht (agender) oder haben eine Geschlechtsidentität, die sich immer wieder ändert (genderfluid).“ – Queer Lexikon, abgerufen 6.2.24, https://queer-lexikon.net/2017/06/08/nichtbinaer/
[2] „Ein Label (englisch:‚Bezeichnung, Etikett, Kennzeichen‘) ist ein Wort, das Menschen benutzen, um ihre sexuelle bzw. romantische Orientierung und/oder ihr Geschlecht zu beschreiben. Lesbisch, schwul, bisexuell, asexuell, trans, inter, nichtbinär und queer sind Beispiele für Labels. Der Sinn von Labels ist, dass Menschen eine gemeinsame Sprache haben, mit der sie sich über ihre Gefühle und Erfahrungen mit Geschlecht, sexueller und romantischer Orientierung austauschen können. Labels sind dann gut und sinnvoll, wenn Menschen sie für sich selbst bestimmen können, aber nicht, wenn sie anderen unfreiwillig aufgedrängt werden.“ – Queer Lexikon, abgerufen 6.2.24, https://queer-lexikon.net/2017/06/08/label/
[3] „Pronomen sind Wörter (wie ‘du’, ‘er’ und ‘sie’), die an die Stelle von Substantiven (auch Nomen genannt) und Namen treten, um Sätze zu vereinfachen oder Wiederholungen zu vermeiden. […] Im Deutschen werden für Personen vergeschlechtlichte Pronomen genutzt (insbesondere ‘er’ und ‘sie’). Es entstehen aber inzwischen auch Vorschläge für nicht-vergeschlechtlichte Pronomen für Personen (sogenannte Neopronomen), dazu gehören u. a. ‘dey’ oder ‘xier’. Zu einem respektvollen Umgang mit trans, nichtbinären und inter* Personen gehört der Gebrauch der korrekten Pronomen.“ – Queer Lexikon, abgerufen 6.2.24, https://queer-lexikon.net/2023/12/29/pronomen/

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