» Anmelden
Die alt-katholische Kirche ist aus der Not geboren, dass viele Tausende Katholiken und Katholikinnen (z.B. Amalie von Lasaulx), die die päpstliche Unfehlbarkeitserklärung vom 18. Juli 1870 nicht mittragen konnten, aus der Kirche ausgeschlossen wurden und somit die Kommunion nicht empfangen konnten, nicht heiraten konnten (die zivile Ehe gibt es erst seit 1875), nicht begraben werden konnten. Nach mehreren großen Kongressen wurde schließlich 1873 ein Bischof, Joseph Hubert Reinkens, bisher Theologieprofessor in Breslau, gewählt und vom Erzbischof von Utrecht geweiht. Noch im selben Jahr wurde Bischof Reinkens staatlich anerkannt. Hieraus erklärt sich, dass die alt-katholische Kirche trotz ihrer Kleinheit ebenso Kirchensteuer erheben kann wie die Großkirchen.
Den Gründungsvätern und -müttern war wichtig, dass sie keine Protestanten werden wollten, sondern an der alten (d.h. bisherigen) katholischen Kirche festhalten wollten. Die Machtballung beim Papst und damit einhergehende Entmachtung der Bischöfe vor Ort, die die Unfehlbarkeitserklärung und die (noch wichtigere) Universaljurisdiktion darstellten, lehnten sie als unzulässige Neuerung ab.
Wenn man die Zugehörigkeit zum Papst als einziges Erkennungsmal des Katholisch-Seins rechnet, ist die alt-katholische Kirche nicht katholisch. Sie gehört ja nicht der römisch-katholischen Kirche an, mit dem Papst an ihrer Spitze. Aber: wer in eine alt-katholische Eucharistiefeier kommt, muss schon genau hinschauen, um Unterschiede zu erkennen. Unsere Liturgie ist klar katholischen Typs, wir feiern alle sieben Sakramente, unsere Kinder feiern Erstkommunion. Wir verstehen uns als katholisch, aber eben nicht römisch-katholisch.
Das „alt“ bezieht sich auch darauf, dass unsere Kirche sich auf die Kirche des ersten Jahrtausends, also vor der großen Kirchentrennung zwischen Katholiken im Westen und Orthodoxen im Osten, berufen will. Daran, was die Christinnen und Christen gemeinsam haben, wollen wir festhalten, unter anderem die großen Kirchenkonzilien jener Zeit. Aus diesem Geist heraus berief die junge alt-katholische Kirche 1874 und 1875 die Bonner Unionsgespräche ins Leben, die ersten ökumenischen Konferenzen der Neuzeit. Eine langfristige Frucht dieser Gespräche ist die Kirchengemeinschaft mit den anglikanischen Kirchen (1931).
Andererseits gibt es seit 1996 alt-katholische Priesterinnen, zur Zeit sieben in der Gemeindeleitung, viele weitere arbeiten als ehrenamtliche Geistliche. Die österreichische alt-katholische Kirche wird von einer Bischöfin geleitet. In den 150 Jahren unsere getrennten Existenz hat sich schon ein gewisser alt-katholischer Stil herausgebildet, der vom Gespräch auf Augenhöhe gezeichnet ist. Wir haben flache Hierarchien und kurze Wege. Wir legen großen Wert auf die Ökumene, sind immer vor Ort in den ökumenischen Gremien aktiv, und haben volle Kirchengemeinschaft mit der großen Anglican Communion, mit der lutherischen Kirche von Schweden, der unabhängigen philippinischen Kirche und der Mar Thoma Kirche Südindiens.
Die alt-katholische Kirche beschreibt sich als bischöflich-synodal. Das bedeutet, dass bei uns seit 1873 die Synode, quasi das Kirchenparlament, die oberste Instanz ist. Sie kommt i.d.R. alle zwei Jahre zusammen und wird zwischen den Sitzungen von der Synodalvertretung vertreten. Bischof und Synode bzw. Synodalvertretung arbeiten zusammen in der Leitung der Kirche. Die Synode ist so zusammengestellt, dass sie zu 2/3 aus Laien und 1/3 aus Geistlichen besteht: die Geistlichen können also die normalen Gemeindemitglieder nie überstimmen.
Gemeindepfarrer:innen und Bischöf:innen werden gewählt.
Alt-katholische Menschen können unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung bei uns getraut werden und sind selbstverständlich wichtige Mitglieder unserer Gemeinden. Sie müssen sich nicht verstecken.
Ein Pflichtzölibat für Geistliche gibt es nicht, seit 1878. Unsere Priester und Priesterinnen entscheiden selbst über ihre Lebensform.
Gemeindemitglieder, die geschieden sind, werden nicht von der Kommunion ausgeschlossen. Zweite Ehen sind durchaus möglich. Wir erkennen, dass Menschen fehlbar sind und manchmal ein Schnitt und ein Neubeginn der Weg der größeren Liebe und des Vergebens sein können.
Charakteristisch für unsere Gemeinden sind die weiten Wege, die die meisten Mitglieder auf sich nehmen müssen, um zum Gottesdienst zu kommen. Deswegen ist bei uns eher selten etwas an Wochentagen zu finden, es ballt sich an den Wochenenden. Um so wichtiger sind Dekanatstage und Jugendfahrten, um mit anderen Alt-Katholik:innen zusammenzukommen. Unser (Alt-)Bischof gebrauchte das Bild eines „Inselstaates“: die jeweiligen Gemeinden sind sehr vielfältig, so bunt wie das Leben.
Unsere Gemeinde in Saarbrücken und Kaiserslautern hat weniger as 300 Mitglieder, nur eine einzige (Berlin) erreicht die 1000er-Marke. Deswegen gibt es vielleicht kein so breit gestreutes Angebot wie in manchen Großkirchengemeinden. Aber die Kleinheit hat auch Vorteile: man kennt sich, man wird gesehen, der Umgang ist herzlich. Wer sich mit uns gemeinsam engagieren will, ist willkommen.
saarbruecken@alt-katholisch.de
Tel. 0681 – 947 275 07
————————–
Neben dem Gemeindebrief verschicken wir in unregelmäßigen Abständen einen E-Mail-Newsletter. Wenn Sie auf die Verteilerliste gesetzt werden möchten, schicken Sie eine Mail an saarbruecken@alt-katholisch.de. ————————–
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Google Maps. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von OpenStreetMap. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Mapbox. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Sie müssen den Inhalt von hCaptcha laden, um das Formular abzuschicken. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten mit Drittanbietern ausgetauscht werden.