Alltag | Liturgie | Meditation

„Denn in Gott leben wir, bewegen wir uns und sind wir“.
Apostelgeschichte 17,28
„Gott suchen und finden in allen Dingen und alle Dinge in Gott“.
(ignatianische Spiritualität)

„Sie blieben fest bei der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft,
beim Brotbrechen und bei den Gebeten“.

(Apostelgeschichte 2,42)
„Die Liturgie ist der Himmel auf Erden“.
(Johannes von Kronstadt)

„Von Gott auf seinem Weg behütet und begleitet ist der Mensch, der […]
Lust hat an der Tora Gottes, über diese liebevolle Weisung murmelt bei
Tag und bei Nacht“.

(Psalm 1)
„Gehe in deine Zelle, und deine Zelle wird dich alles lehren.“
(Abbas Mose, Wüstentradition)

Bereits bei Enheduana, einer mesopotamischen Priesterin des 3. Jahrtausends v. Chr. und bis heute die erste namentlich bekannte
Autorin und Dichterin der Weltgeschichte, begegnet eine Welt, in der Alltag, Kult, Dichtung, Politik und Gotteserfahrung noch eine gemeinsame Wirklichkeit bilden:


„Die große Göttin: Nisaba …
Sie spricht. Sie öffnet.
Sie liest auf der Tafel aus Stein.
Sie gibt Richtung für die Welt.
Sie misst den Himmel.
Sie zieht die Linien der Erde.
Alles preist Nisaba.“


Das Leben erscheint als ein einziger Raum der Gegenwart Gottes. Die biblische Tradition entfaltet dieselbe Grundbewegung auf ihre Weise: Gott wird im Gehen (Alltag), im Feiern (Liturgie) und im Hören (Meditation) gesucht.
Für den jüdischen Psychoanalytiker Gabriel Strenger ist das Gebet Herzensarbeit. Es öffnet den Menschen für Gottes Gegenwart und führt zu Achtsamkeit, Besinnung, Liebe und einem verantwortlichen Leben. Die Mystikerinnen und Mystiker aller
Religionen und Zeiten bestätigen diese Grundintuition: Gott und Leben sind nicht voneinander zu trennen.

Alltag, Liturgie und Meditation sind drei Pole einer einzigen Bewegung:
aus Gottes Gegenwart leben, sie im eigenen Leben wahrnehmen und
auf sie antworten.

Du
Du kennst mein Herz.
Du siehst mein Kommen und mein Gehen.
Du weißt um meine Gedanken,
noch bevor ich sie ausspreche.
Du begleitest meinen Weg.
Du bist hinter mir und vor mir.
Deine Hand ruht auf mir.
Es ist ein Geheimnis,
größer als mein Verstehen.
Wohin könnte ich vor deiner Gegenwart fliehen?
Im Himmel bist du.
In der Tiefe bist du.
Auf allen meinen Wegen bist du da.

(aus Psalm 139)

Zweiter Sonntag der Osterzeit