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„…weil Christus uns zusammenhält.“

17.05.2026

Liebe Schwestern und Brüder,

es gibt diese merkwürdigen Zeiten im Leben, in denen man irgendwie „dazwischen“ steht. Nicht mehr ganz im Alten – aber das Neue ist auch noch nicht da. Übergangszeiten. Wartesituationen.

Genau so eine Zeit erleben wir gerade hier in Bottrop. Wir wissen: Im September kommt unsere neue Seelsorgerin. Wir freuen uns darauf. Und gleichzeitig sind wir noch im Jetzt – in dieser Zwischenzeit.

Wir warten. Wir beten. Wir organisieren. Wir halten den Laden am Laufen – alt-katholisch pragmatisch, mit einem Augenzwinkern und manchmal mit heiterer Gelassenheit. 

Und damit sind wir näher an den Jüngern, als wir vielleicht denken.

In der Apostelgeschichte hören wir: Die Jünger sind zurück in Jerusalem. Jesus ist gegangen. Große Worte stehen im Raum – aber konkrete Anweisungen? Eher überschaubar. 

Und was tun sie?

Sie ziehen sich nicht zurück. Sie laufen nicht auseinander. Sie fangen nicht an, sich gegenseitig Vorwürfe zu machen. Sie bleiben zusammen. Sie beten. Sie halten aus. Das klingt einfacher, als es ist.

Denn wir wissen aus eigener Erfahrung: Gemeinschaft wird gerade dann herausgefordert, wenn es unübersichtlich wird. Wenn Erwartungen enttäuscht werden. Wenn Vertrauen Risse bekommt.

Wir haben das erlebt.

Wir haben erlebt, dass Leitung auch verletzen kann. Dass Worte und Handlungen nicht immer dem dienen, was Gemeinde aufbaut. Dass es sogar Versuche geben kann, eine Gemeinschaft zu verunsichern oder auseinanderzubringen. Das gehört leider auch zur Wahrheit von Kirche.

Aber – und das ist genauso wahr:

Wir sind nicht auseinandergegangen.

Wir haben uns nicht spalten lassen.

Wir sind geblieben.

Wir leben in einer Zeit, in der alles schnell gehen soll. Lösungen sofort. Klarheit bitte jetzt. Aber Glaube funktioniert anders.

Diese Wochen zwischen Himmelfahrt und Pfingsten sind eine Einladung: auszuhalten, nicht sofort alles zu klären – und trotzdem nicht passiv zu werden.

Wir sind nicht einfach nur in einer Warteschleife. Wir sind im Gebet verbunden. Wir sind im Gespräch. Wir tragen Verantwortung füreinander. Und vielleicht ist genau das gerade unsere Stärke: dass wir nicht davonlaufen, wenn es schwierig wird.

Der erste Petrusbrief sagt es erstaunlich klar: Es wird Widerstände geben. Es wird Situationen geben, in denen Glaube nicht bequem ist.

Aber genau dort zeigt sich, was trägt.

Nicht ein konfliktfreies Miteinander – das gibt es nirgends. Sondern die Entscheidung: Lassen wir uns auseinanderbringen? Oder halten wir zusammen?

Und wir haben – vielleicht manchmal mühsam, vielleicht manchmal auch mit innerem Ringen – die Entscheidung getroffen: Wir halten zusammen.

Nicht, weil alles perfekt ist. Sondern weil Christus uns zusammenhält.

Jesus weiß, wie zerbrechlich Gemeinschaft ist. Und wie wichtig. Einheit heißt nicht, dass wir immer einer Meinung sind. Aber es heißt, dass wir uns nicht gegeneinander ausspielen lassen.

Dass wir unterscheiden lernen: Was dient dem Leben – und was nicht?

Und vielleicht auch: Dass wir den Mut haben, uns von dem zu lösen, was unsere Gemeinschaft beschädigt – ohne dabei selbst hart oder bitter zu werden. Wir stehen also in einer ziemlich biblischen Situation:

Wir sind unterwegs.  

Wir sind nicht fertig.  

Wir warten auf das, was kommt.  

Und wir haben erlebt, dass dieser Weg nicht nur leicht ist. Aber wir haben auch erlebt, dass Gott uns trägt. Dass wir als Gemeinde stärker sind, als manche vielleicht gedacht haben. Nicht, weil wir besonders perfekt wären – sondern weil wir uns immer wieder neu auf Christus ausrichten.

Und vielleicht – ich sage das mit einem kleinen Lächeln – vielleicht haben wir in den letzten Monaten mehr über Gemeinde gelernt als in manch „ruhigen“ Jahren zuvor.

Die Jünger waren nicht perfekt. Wir sind es auch nicht. Und das ist keine Schwäche, sondern der Ort, an dem Gott wirkt.

Glaube heißt nicht: Alles ist geklärt.  

Glaube heißt: Wir gehen weiter. Zusammen.

Oder, etwas moderner gesagt: Gemeinde ist kein fertiges System – sondern ein lebendiger Organismus. Manchmal mit kleinen Wachstumsschmerzen.

Diese Zeit bis September ist keine Lücke. Sie ist eine Bewährungszeit – und zugleich eine Wachstumszeit.

Wir lernen, was uns trägt.  

Wir erleben, was uns verbindet.  

Wir üben, Gemeinde zu sein – nicht abhängig von einer einzelnen Person, sondern getragen von vielen.

Und wenn dann unsere neue Seelsorgerin kommt, dann trifft sie auf eine Gemeinde, die nicht zerbrochen ist – sondern gewachsen. Eine Gemeinde, die weiß, dass Einheit kein Selbstläufer ist, sondern eine Entscheidung.

Die Jünger wussten damals nicht genau, wie es weitergeht. Aber sie wussten: Wir gehören zusammen. Und wir gehören zu Christus.

Das hat damals gereicht. Und vielleicht reicht uns das auch?

Amen.  

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