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Liebe Schwestern und Brüder,
es gibt biblische Szenen, bei denen man unweigerlich innerlich schmunzeln muss. Zum Beispiel heute: Zwei Männer gehen in den Tempel zum Beten. Der eine steht stolz vorne, hebt das Kinn und bedankt sich bei Gott, dass er nicht so ist wie die „anderen“. Der andere steht hinten, schaut betreten auf den Boden und murmelt nur: „Gott, sei mir Sünder gnädig.“
Da möchte man meinen: Der Pharisäer ist der Typ, der am Sonntagvormittag vor dem Spiegel betet – nicht vor dem Altar. Und der Zöllner? Der Typ weiß, dass er Mist gebaut hat, aber er geht trotzdem in die Kirche.
Ich weiß nicht, wie es euch geht – aber ich finde mich mal hier, mal dort wieder.
Manchmal bin ich der Pharisäer: ein bisschen stolz auf meine Frömmigkeit, meine Arbeit, meinen Einsatz. Und manchmal bin ich der Zöllner: schuldig, unsicher, auf Gnade hoffend.
Jesus erzählt diese Geschichte nicht, um uns zu sagen: „Seid alle wie der Zöllner.“ Nein – er lädt uns ein, ehrlich zu werden. Ehrlich vor Gott. Ehrlich mit uns selbst. Denn Gott hat kein Problem mit unserer Sünde – nur mit unserer Unehrlichkeit.
Was ist denn eigentlich Sünde? In der alt-katholischen Tradition sagen wir: Sünde ist nicht zuerst ein Regelbruch, sondern ein Beziehungsbruch. Es ist das, was uns trennt – von Gott, von anderen, manchmal auch von uns selbst.
Und die Vergebung? Sie ist der große Brückenbau Gottes. Wenn wir das Sakrament der Versöhnung feiern – die Beichte – dann passiert nicht ein peinliches Verhör, sondern ein Wiederanknüpfen. Wir dürfen aussprechen, was schiefgelaufen ist, und hören: „Dir sind deine Sünden vergeben – geh hin in Frieden.“
Ich erinnere mich Szene in Sterkrade. Eine ältere Dame, die nach Jahrzehnten wieder einmal beichten wollte. Ich vermittelte sie an den Propst. Sie kam strahlend nach der Beichte zu mir und sagte: „Herr Görlitz, ich fühl mich zehn Kilo leichter!“ Da dachte ich: Wenn Beichte ein Fitnessstudio wäre, wären die Kirchen wahrscheinlich überfüllt!
Aber Spaß beiseite: Genau das ist die Kraft des Sakraments – es macht leicht. Es nimmt uns die Last, die wir sonst mühsam mitschleppen.
Und darum ist der Pharisäer am Ende so schwer, und der Zöllner so leicht. Denn der Pharisäer trägt eine gewaltige Last – sein Ego, seine Selbstgerechtigkeit. Der Zöllner dagegen bringt seine Schuld, legt sie hin – und geht befreit nach Hause.
Vielleicht ist das das Wichtigste, das wir heute hören dürfen: Wir müssen nicht perfekt sein, um vor Gott zu bestehen. Wir müssen nur ehrlich sein.
Die alt-katholische Beichte – egal ob im persönlichen Gespräch oder im Bußgottesdienst wie heute – ist genau das: ein Ort der Ehrlichkeit, ein Ort, an dem Gott uns neu anfangen lässt.
Und wenn wir dann wieder aus der Kirche gehen, dürfen wir ein bisschen lächeln – wie jemand, der weiß: Ich bin geliebt, obwohl ich Fehler habe. Oder gerade deswegen. Amen.
Weish 8,21b – 9,1.9-11 / Eph 1,3-6.15-18 / Lk 2,41-51
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