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An Christi Himmelfahrt wird Johannes Poiger als Pfarrer der Gemeinde Regensburg eingeführt, am Sonntag drauf in Passau als Pfarrer der dortigen Gemeinde. Beide Gottesdienste beginnen um 15 Uhr und werden von Bischof Matthias Ring geleitet. Wir haben aus diesem Anlass Johannes Poiger vier Fragen gestellt:
Bevor Sie zur alt-katholischen Kirche wechselten, waren sie römisch-katholischer Ordensmann. Wie haben Sie unsere Kirche kennengelernt?
Vor knapp zehn Jahren war ich auf der Suche nach einem neuen geistlichen Begleiter, wurde aber unter den römisch-katholischen Geistlichen nicht wirklich fündig. Im Internet stieß ich dann auf das Geistliche Zentrum Friedenskirche in Deggendorf und den damaligen Leiter Thomas Walter. Dass es die alt-katholische Kirche gibt, hatten wir im Theologiestudium mal gelernt – konkret damit beschäftigt hatte ich mich davor aber nie. Ich wurde neugierig und bin einmal zum Gottesdienst nach Deggendorf gefahren. Es war ein Donnerstag in der Fastenzeit, es war ziemlich kalt und knapp dran war ich auch noch. Als ich in die Kirche kam und mich ein wenig umsah, kam Thomas Walter auf mich zu. Mein erster Impuls: ich hab‘ was falsch gemacht beim Reinkommen. Aber weit gefehlt! Thomas hat mich herzlich begrüßt und mir gleich eine Decke in die Hand gedrückt: „Bei uns in der Kirche ist es immer so kalt, hier haben Sie eine Decke, damit sie nicht allzu sehr frieren müssen.“ Dieses Erlebnis war für mich ungemein prägend. Eine Kirche, in der man so herzlich willkommen geheißen wird und in der Bedürfnisse wirklich gesehen werden, das hat mich beeindruckt. Auch meinen Dienst hier in Regensburg und Passau möchte ich so verstehen: die Menschen sehen und willkommen heißen in unserer Gemeinschaft der Gottsucher*innen. Das Geistliche Zentrum Deggendorf gibt es mittlerweile leider nicht mehr; die Decke von damals habe ich aber nach der Auflösung behalten dürfen und halte sie in Ehren.
Sie haben die römisch-katholische Kirche 2020 der Liebe wegen verlassen. Was waren ihre beruflichen Stationen?
Bis zum meinem Austritt aus dem Kloster war ich Bildungsreferent und stellvertretender Leiter einer Jugendbildungsstätte und dort schwerpunktmäßig für Tage der Orientierung mit Schulklassen und die Qualifizierung ehrenamtlicher Jugendleiter*innen zuständig. Im Zuge dessen habe ich auch meine Frau Maria kennengelernt, die mit ihrer Schulklasse im Haus zu einem Teamtraining zu Gast war. An der „Jubi“ haben wir vor allem an den Themen Persönlichkeitsentwicklung, Werteorientierung, Umweltbildung und Teambuilding gearbeitet. Ich staune heute noch über die Tiefe mancher Gespräche mit den jungen Leuten, über ihre Klarheit und ihr Suchen.
Nach meinem Austritt war ich ein halbes Jahr bei einer privaten Weiterbildungsagentur tätig und dann knapp zwei Jahre bei der Lebenshilfe als Sozialdienstmitarbeiter in einer Werkstatt für Menschen mit psychischer Behinderung. Das war noch einmal etwas ganz anderes, aber auch ungemein Erfüllendes, den Klient*innen dort mit ihren wirklich schweren Diagnosen mit Rat und Tat zur Seite stehen zu dürfen.
An allen bisherigen Stationen habe ich unglaublich viel lernen dürfen: sowohl inhaltlich und methodisch als auch über mich selber als Seelsorger. Und die Seelsorge ist oft gar nicht so viel anders als meine Erfahrung damals in Deggendorf: Menschen mit dem unterstützen, was sie gerade brauchen, sei es eine Decke, ein offenes Ohr oder ein Gebet, das man für sie vor Gott bringt.
Ihr Schwerpunkt lag ja lange Jahre in der sogenannten Kategorialseelsorge. Jetzt sind sie seit vier Jahren Seelsorger von zwei Gemeinden. Wo liegen die Unterschiede?
Von 2015 bis 2020 war ich mit ein paar Stunden auch in der Gemeindearbeit eingesetzt und konnte auch da viele wichtige Erfahrungen sammeln. Aber klar, die Arbeit jetzt unterscheidet sich schon in gewissen Punkten, vor allem in der Arbeitszeit, die sich natürlich viel stärker auf das Wochenende konzentriert. Was ich total schön finde ist, dass das Kirchenjahr jetzt noch viel stärker unseren familiären Jahreszyklus prägt. Gerade die großen Feste wie Weihnachten und Ostern sind zwar immer zeit- und arbeitsintensiv, aber auch sehr tief berührend und bereichernd. Ich möchte die Zeit in der Jugendarbeit und mit den psychisch kranken Menschen nicht missen, bin aber durchaus froh, nun auch wieder stärker theologisch arbeiten zu können. Als Christ*innen haben wir wirklich eine gute, frohe und frohmachende Botschaft, aus der wir leben und die wir weitertragen dürfen. Und dies auch noch beruflich machen zu dürfen, den Glauben in lebendiger Gemeinschaft teilen und vertiefen zu dürfen, gemeinsam mit anderen nach Wegen suchen zu dürfen, wie die Botschaft Jesu heute gelebt werden kann – das ist für mich wirklich ein großes Geschenk. Und ich bin froh und dankbar, dass meine Familie diesen Weg so liebevoll unterstützt!
Sie sind Pfarrer von zwei Gemeinden, die sich flächenmäßig über fast ganz Ostbayern erstrecken. Wie lässt sich da Seelsorge gut gestalten?
Ein großer Pluspunkt ist unsere Wohnsituation in der Mitte zwischen Regensburg und Passau, so dass beide Kirchen mit dem Auto relativ schnell erreichbar sind. Manchmal ist mein Auto schon so etwas wie ein Zweitwohnsitz, da ich wirklich viel unterwegs bin. Alleine aber könnte ich das alles gar nicht bewerkstelligen. Ich bin unglaublich dankbar, für die vielen Ehrenamtlichen, die unsere Gemeindearbeit aktiv mitgestalten, besonders für die ehrenamtlichen Geistlichen, die durch die Betreuung von drei Gottesdienststationen auch alt-katholisches Leben in der Fläche spürbar werden lassen.
Nichtsdestotrotz konzentrieren sich viele Gemeindeangebote an den Sonntagen, da nicht nur ich als Pfarrer Anfahrtswege habe, sondern auch die allermeisten Gemeindemitglieder nicht in Regensburg bzw. Passau wohnen. Zudem nutzen wir auch vermehrt Videokonferenzen, wo sich dies anbietet. Wir haben z.B. einen digitalen Bibelkreis, zu dem sich Mitglieder beider Gemeinden regelmäßig zuschalten.
Stichwort „gemeindeübergreifend“: Ich bin froh, dass die „Regensburger“ und die „Passauer“ wirklich gut miteinander können und großes Verständnis haben, wenn der Pfarrer einmal nicht da ist, weil in der jeweils anderen Gemeinde etwas ansteht. Besonders schön sind auch die regelmäßigen Ausflüge und Reisen, die für beide Gemeinden geplant und durchgeführt werden. So einen Blick über den Tellerrand der eigenen Gemeindegrenzen finde ich wichtig, und das wird gerade auch für die Zukunft unseres alt-katholischen Lebens enorm wichtig werden.
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