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Am kommenden Wochenende wird Bischof Matthias Ring Clemens Engels als Pfarrer der Gemeinden Aachen und Düsseldorf einführen. Der Einführungsgottesdienst in Aachen beginnt am 29. August (Samstag) um 16.00 Uhr, in Düsseldorf am 30. August (Sonntag) um 14.30 Uhr.
Aus diesem Anlass haben wir Clemens Engels vier Fragen gestellt:
1. Wenn Sie sich an Ihre erste Begegnung mit den Gemeinden in Düsseldorf und Aachen erinnern: Was hat Sie damals überrascht oder besonders berührt?
Engels: Im Januar 2023 gab es zum gegenseitigen Kennenlernen eine erste gemeinsame Sitzung der Kirchenvorstände aus Aachen und Düsseldorf. Ich war noch in Diensten des Bistums Trier und mein Wechsel war noch nicht öffentlich. Alle waren also sehr gespannt, wie die erste Begegnung mit dem „Neuen“ laufen würde. Ich war froh, dass meine damalige Lebensgefährtin und heutige Frau zu diesem Gespräch mit eingeladen war. Mich hat überrascht, dass sich alle duzten und ich war sehr beeindruckt über die gut durchdachten Fragen, die mir und meiner Frau gestellt stellten, um uns besser kennenzulernen. Sehr berührt hat mich, dass so viel gelacht wurde, und ich dachte, wo Christenmenschen in der gemeinsamen Begegnung so viel lachen, da bist du richtig!
2. Sie haben eine Zeit lang als Verkäufer in einer Bäckerei in Essen gearbeitet und in einer WG mit Flüchtlingen und Jesuiten gelebt, kurz bevor Sie zur alt-katholischen Kirche gewechselt sind. Was hat Ihnen diese Erfahrung mitgegeben, und wie wirkt sie bis heute in Ihrer Arbeit als Seelsorger nach?
Engels: Mir war damals wichtig, andere Lebensperspektiven kennenzulernen und einmal ganz aus der Rolle des römisch-katholischen Pfarrers und Dekans auszubrechen. Ich wollte kein verbürgerlichter Kirchenbeamter werden, der nur in der Kirchenblase lebt und arbeitet. Die Arbeit am Verkaufstresen hat mit mich vieles gelehrt, vor allem, wie schwer viele Menschen arbeiten, um ihre Familie zu versorgen, und wie viele Frauen noch in Berufen arbeiten, die nicht so gut bezahlt sind. Die WG mit den geflüchteten Menschen aus vielen Ländern hat mir Demut beigebracht und mir bewusst gemacht, welches Glück ich hatte, in der westlichen Gesellschaft mit guten Perspektiven, Wohlstand und ohne Krieg geboren und aufgewachsen zu sein. Seitdem ergreife ich deutlicher Partei, wenn Menschen über andere urteilen, besonders über jene, die es deutlich schwerer haben als die Mehrheit in Deutschland, wie zum Beispiel Geflüchtete oder Menschen auf der Straße.
3. Was schätzen Sie an der alt-katholischen Kirche besonders – und was wünschen Sie ihr?
Engels: Ich schätze an unserer Kirche, dass in ihr – nach meiner Wahrnehmung – weniger über andere Menschen geurteilt wird: Jeder und Jede darf sein und kommen, wie sie/er ist. Auch werden Lebensentwürfe und Lebensbrüche nicht bewertet. Gottes Liebe für alle, und zwar in überfließendem Maße, wird so anschaulich und erlebbar.
Auch schätze ich das ehrenamtliche Engagement, ohne dass unsere Kirche und unsere Gemeinden nicht funktionieren würden. Und ich schätze in der Theologie, dass bei uns nicht alles und jedes bis ins Letzte Detail definiert wird. Das eröffnet Raum für das Geheimnis Gottes und die persönliche Glaubenserfahrung des und der Einzelnen.
Ich wünsche mir für meine Kirche, dass sie immer wieder neue Anläufe unternimmt, sich zu öffnen und zu verändern. Denn Kirche ist kein Selbstzweck, sondern Kirche und Gemeinde sind für den Menschen da, besonders für den gebeutelten Menschen. Das lateinische Wort für Kirche: „Ecclesia“ bedeutet wörtlich übersetzt: herausgerufen zu sein. Wir haben einen Auftrag in und für die Gesellschaft, den wir trotz unserer Kleinheit zu leben gerufen sind.
Ich wünsche mir darüber hinaus für meine Kirche Mut zur Sichtbarkeit und zu mehr Professionalität und damit verbunden Mut zu mehr verbindlicher gemeindeübergreifender Zusammenarbeit.
Und als Letztes wünsche ich unseren Gemeinden, dass Sie trotz der Kleinheit den Kopf nicht hängen lassen, sondern zuversichtlich und hoffnungsvoll in die Zukunft gehen.
4. Gibt es einen Satz, ein Bibelwort oder einen Gedanken, der Sie durch herausfordernde Phasen Ihres Lebens begleitet hat?
Engels: In den letzten Jahren, als ich mich mit der Spiritualität unseres ersten Bischofs Joseph Hubert Reinkens im Rahmen meiner Masterarbeit befasst habe, sind mir einige Verse aus dem Hebräerbrief wichtig geworden (Hebr. 6, 13f.): „Als Gott Abraham das Versprechen gab, schwor er bei sich selbst, weil sie nicht bei etwas Größerem schwören konnte, Folgendes: »Gewiss, segnen, ja segnen werde ich dich und mehren, ja mehren, werde ich dich (…) So haben wir (…) eine feste Zusicherung. Diese ist uns zugesagt, nachdem wir ja Zuflucht genommen haben, an der angebotenen Hoffnung festzuhalten. Diese Hoffnung haben wir wie einen sicheren und festen Seelenanker, der hineinreicht bis zum innersten Ort der Versöhnung Gottes mit den Menschen.“
Das Bild vom Anker, der hineinreicht ins Herz Gottes gibt mir in turbulenten Zeiten Trost und Hoffnung.
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