News & Events

Newsmeldung

Vier Fragen an Andreas Sturm

25.02.2026

Am 28. Februar und am 1. März wird Bischof Matthias Ring Andreas Sturm als gewählten Pfarrer der Gemeinden in sein Amt einführen. Der Gottesdienst in Meßkirch beginnt am Samstag um 17 Uhr, in Singen am Sonntag in der Lutherkirche um 14 Uhr.

1. Gab es bei Ihrem Start in der alt-katholischen Kirche etwas, das Sie überrascht hat – positiv oder negativ?

Was mich sehr positiv überrascht hat, ist das andere Verständnis von Leitung. In einer alt‑katholischen Gemeinde Verantwortung zu tragen bedeutet, gemeinsam zu leiten: Als Pfarrer bin ich Teil des Kirchenvorstands – nicht jemand, der von außen kommt oder gar ein Veto einlegen könnte, wenn mir etwas nicht passt. Es gilt: Entweder man hat gute Argumente, oder man muss als Demokrat akzeptieren, dass der gemeinsame Weg anders aussieht, als man selbst es geplant hätte.

Das fühlt sich für mich nicht fremd an – im Gegenteil. Aus meiner Arbeit in der römisch‑katholischen Jugend‑ und Verbandsarbeit kenne ich genau diesen Stil von gemeinsamer Verantwortung und echter Partizipation. In den späteren Jahren meines Dienstes, insbesondere als leitender Pfarrer und Generalvikar, war der Arbeitsalltag dagegen ein ganz anderer: viel stärker hierarchisch geprägt, mit klaren Entscheidungswegen und auch mit den entsprechenden Belastungen.

Umso dankbarer bin ich heute, in einer kirchlichen Struktur zu arbeiten, in der Synodalität nicht nur ein Wort, sondern gelebte Wirklichkeit ist. Ich glaube mehr denn je, dass Kirche nur dann glaubwürdig ist, wenn Menschen auf Augenhöhe miteinander ringen, entscheiden und Verantwortung tragen. Das gilt für alle Kirchen gleichermaßen – und Menschen sind heute nicht mehr bereit, sich mit weniger zufrieden zu geben.

Was mir zu Beginn und auch heute noch manchmal fehlt, ist der informelle kollegiale Austausch. Mehr als zwei Jahrzehnte habe ich immer in Teams gearbeitet. Viele gute Ideen sind an der Kaffeemaschine oder beim Mittagessen mit den Kolleginnen und Kollegen entstanden, bevor sie in offiziellen Sitzungen Form angenommen haben. Dieses spontane Mitdenken, das schnelle gegenseitige Spiegeln, das Ermutigen – das fehlt hier ein Stück weit.
Aber ich merke nach fast vier Jahren auch bei uns: Austausch ist möglich, er gestaltet sich nur anders. Inspirierende Kontakte und gute Gespräche können auch im Videochat oder am Telefon entstehen.

2. Gibt es Aspekte der alt-katholischen Spiritualität oder Theologie, die Sie besonders ansprechen oder inspirieren?

Mich fasziniert vor allem die Freiheit des Glaubens, die in der alt‑katholischen Tradition verwurzelt ist. Christsein bedeutet hier, Verantwortung für das eigene Glaubensleben zu übernehmen – nicht im Sinne eines „Jeder macht, was er will“, sondern im Sinne eines ernsthaften, reflektierten und mündigen Glaubens.
Sehr inspirierend erlebe ich auch die Eucharistie als Mahlgemeinschaft, die zusammenführt und nicht ausschließt und von einer großen geistlichen Weite geprägt ist. Dazu kommen die Geschlechtergerechtigkeit und der selbstverständliche Respekt vor der Vielfalt menschlicher Lebensformen.
In diesem Zusammenhang war es für mich ein besonders bewegender Moment, zum ersten Mal bei der Weihe einer Priesterin dabei zu sein und ihr die Hände auflegen zu dürfen. Diese Form der Aufnahme in die Geistlichkeit hat mich mit großer Freude erfüllt und steht für vieles, was mich an der alt‑katholischen Kirche begeistert.
Die alt‑katholische Theologie ist offen, ökumenisch und dialogbereit – und gleichzeitig theologisch fundiert und tief. Vieles von dem, wonach ich über Jahre gesucht habe, finde ich hier wieder: eine Kirche, die weder Angst vor der Moderne noch Angst vor der Tradition hat; eine Kirche, die Vertrauen hat – in Gott, in die Menschen und in das gemeinsame Ringen um Wahrheit.

3. Wie erleben Sie die Menschen und Gemeinden in Singen, Sauldorf und Meßkirch?

Ich erlebe hier eine große Herzlichkeit und Offenheit. Die Menschen in den Gemeinden sind sehr unterschiedlich geprägt – und vielleicht ist genau das ihre Stärke. Die Region selbst ist ja unglaublich vielfältig: vom Bodensee und dem Hegau über das Donautal bis hinauf zur Schwäbischen Alb. Jede Landschaft hat ihren eigenen Charakter, und die Gemeinden spiegeln diese Vielfalt auf eine sehr schöne Art wider.
Was mich besonders berührt, ist der große Vertrauensvorschuss, den mir die Menschen entgegenbringen. Da ist viel Bereitschaft, gemeinsam unterwegs zu sein – in den Höhen und Tiefen des Lebens. Es ist Seelsorge in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen, und ich bin dafür sehr dankbar.
Und dann gibt es natürlich auch die kleinen kulturellen Besonderheiten, in die ich mich erst einmal einhören musste – manche Dialekt‑Varianten sind schon harte Nüsse, die es zu knacken gilt. Die verschiedenen alemannischen Fastnachtstraditionen helfen dabei erstaunlich gut: Sie sind wunderbare Türöffner, voller Humor und Herzlichkeit.
Mir macht es Spaß, am Schmutzige Dunschdig im Rathaus dabei zu sein, am Abend beim Hemdglonker‑Umzug mitzugehen – und nach vielen Jahren des „Helau“-Rufens in den rheinischen Hochburgen habe ich mich inzwischen ganz gut an das Hoorig hier in Südbaden gewöhnt.

4. Ökumene und interreligiöser Dialog sind Ihnen wichtig. Welche Rolle spielen diese Bereiche in Ihrem Dienst?

Für eine kleine Kirche wie die unsere ist Ökumene nicht „Zusatzprogramm“, sondern Lebensnotwendigkeit. Und zugleich ist sie eine große Chance: Wir können uns partnerschaftlich einbringen und miteinander Kirche sein. Ich erlebe dabei alle Partner innerhalb der ACK als sehr aufgeschlossen und wertschätzend.
In Singen und Sauldorf/Meßkirch erfahre ich eine beeindruckend gute und kollegiale Zusammenarbeit – mit Pfarrerinnen und Pfarrern anderer Konfessionen, mit diakonischen Einrichtungen und mit vielen Engagierten aus unterschiedlichen kirchlichen Traditionen.
Die Vesperkirchen in beiden Städten sind für mich ein starkes Beispiel dafür, wie Kirche gemeinsam wirken kann, ganz praktisch, sehr menschlich und mit viel Wärme.
Auch das Forum der Religionen in Singen zeigt, wie bereichernd der interreligiöse Austausch ist. Das gemeinsame Bemühen um Frieden, Respekt und Verständigung verbindet mehr, als viele denken.
Ökumene ist für mich kein Projekt, sondern eine Haltung. Ich bin dankbar, mit so vielen Schwestern und Brüdern im Haupt- und Ehrenamt zusammenarbeiten zu dürfen und gemeinsam sichtbar zu machen, wie lebendig und vielschichtig Gottes Geistkraft in unserer Region wirkt.

Auch interessant:


Pfarrerwahl in Düsseldorf und Aachen

Auf die ausgeschriebene Pfarrstelle der Gemeinden Düsseldorf und Aachen hat sich fristgerecht Clemens Engels, bislang Geistlicher im Auftrag in […]

» Weiterlesen


Neues Amtliches Kirchenblatt

Die neueste Ausgabe des Amtlichen Kirchenblatts ist mit Datum vom 1. Februar erschienen und kann hier heruntergeladen werden.

» Weiterlesen


Hubert Huppertz +

Am 21. Februar 2026 verstarb in Münster der Priester im Ehrenamt Hubert Huppertz, OStR. a.D. und Priester i.R.. Den Folgenden Nachruf hat Frau […]

» Weiterlesen


🍽️ Küchenengel für den Bund Alt-katholischer Jugend gesucht! 

Für unsere Jugendfahrten 2026 suchen wir eine Person, die Lust hat, ca. 30 Jugendliche zu verköstigen – natürlich mit tatkräftiger […]

» Weiterlesen


Auf der Suche?

Wir sind eine Kirche für alle. Oder besser: für alle, die wollen.
Auch Sie? Finden Sie eine Gemeinde vor Ort.

» Zur Gemeindesuche