Liebe Mitglieder, liebe Freundinnen und Freunde unserer Gemeinde,

in die Zeit, die dieser Gemeindebrief abdeckt, fallen die Sommermonate, in denen viele ihren Urlaub planen. Urlaub – dieses merkwürdige Wort hat mich als Kind immer stutzig gemacht, denn mit den Blättern des Ur-Regenwaldes, wie ihn Heinz Erhardt einmal in einem seiner Gedichte verballhornte, wird der Urlaub ja wohl nichts zu tun haben. Im Wort Urlaub steckt das Wort Er-lauben. Urloup ist das mittelalterliche Wort für die Erlaubnis, dass sich jemand auf bestimmte Zeit aus seinem Dienst entfernen darf. Heute ist das alles längst geregelt – wer wie lange Anspruch auf Urlaub hat.

Das Wort Ferien, lat. feriae (Fest/Feiertage), hat da schon einen weit besseren Klang. In diesen feriae durften in alter Zeit keine öffentlichen oder privaten Geschäfte abgeschlossen werden. Das war in den öffentlichen Ferien, lat. feriae publicae, so. Entweder standen die Ferien traditionell an immer den gleichen Tagen im Jahr fest oder sie wurden durch die Priester der jeweiligen Staatskulte ausgerufen; selbst unser Osterfest, das einmal im Jahr stattfindet, wobei das Datum aber immer variiert, erinnert uns heute noch an diese antike Tradition. Ganz spontan konnten die Herrscher der Antike aber auch noch Ferien festlegen. Private Ferien zu Geburtstagen oder zu Trauerfeierlichkeiten kannten die Menschen damals allerdings auch.

Die Sommermonate als Vakanzen, lat. leer/unbesetzt, zu bezeichnen finde ich sehr passend. Aus dem Französischunterricht in der Realschule erinnere ich mich noch, dass damit überhaupt Ferien und Urlaub in unserem Nachbarland bezeichnet werden.

Das Frei- und Leersein ist wohl für uns moderne Menschen unverzichtbar, um nach dem Urlaub/den Ferien wieder leistungsfähig im Berufsalltag zu sein. Ständig unter Strom, wie man so schön sagt, kann zum Burnout führen, womit keinem genützt ist. So sehnen wir uns alle immer wieder zu den freien Tagen der lat. Vacantia.

Der liebe Gott, so scheint es, hat wohl nie Urlaub, wen sollte er auch um Erlaubnis bitten, um mal abwesend zu sein? Er gestattet uns allerdings, mal näher mal entfernter von ihm zu leben. Sicher wusste er darum, dass gerade die Vacantia eine Chance für uns Menschen ist, Raum für Ihn in unserem Leben zu geben. Wer mit allem stets gefüllt ist, hat oft keinen Platz für Ihn.

Im Urlaub genieße ich es ab und zu, in der Hitze des Tages in einer stillen kühlen Kirche zu sitzen und einfach ohne Zwang und Termin dort zu sein. Die Vacantia des Raumes zu spüren, wo die Gegenwart Gottes still und einfach gegeben scheint. Das wünsche ich Euch/Ihnen auch. So können die Ferien zum Fest und Feiertag werden, denn Gott gab uns die Erlaubnis, auch mal abschalten zu dürfen.

Einen erholsamen Urlaub wünscht
Pfr. Meik Barwisch

Der komplette Gemeindebrief 3/22 (Juli bis September 2022) kann hier heruntergeladen werden: https://www.alt-katholisch.de/wp-content/uploads/2022/07/WHV_2022-07-08-09_Gemeindebrief_web.pdf

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