Worte zum Sonntag

Liebe Mitglieder, liebe Freundinnen und Freunde unserer Gemeinde,

ist am Sonntag in unseren Gemeinden kein Priester zugegen, dann bedeutet dies mitnichten, dass auch der Gottesdienst ausfallen muss. Zwar gibt es dann keine Eucharistiefeier, denn die Zelebration ist nach katholischem Verständnis dem geweihten Priestertum vorbehalten, was aber nicht bedeutet, dass es nicht einen Gottesdienst gibt, der der Eucharistie fast gleichwertig ist. In unserer Kirche kann letztendlich jedes Mitglied eine Wort-Gottes-Feier anbieten, wenn die Gemeinde das wünscht. Schon eine unserer ersten Synoden im Jahr 1877 empfahl unseren Gemeinden, nicht auf den Gottesdienst zu verzichten, nur weil kein Priester vor Ort war.  Gemeindemitglieder, die sich entscheiden, in solchen Situationen für andere die Wortverkündigung auszurichten, dürfen sich als Gesandte Gottes verstehen, denn in seinem Auftrag tun sie das ja. Nicht nur vom Brot allein lebt der Mensch, sondern auch und gerade durch Gottes Wort. Die Wort-Gottes-Feier bietet den Rahmen, die Perikopen (ausgesuchte Texte aus der Heiligen Schrift) des jeweiligen Sonntags vorzulesen und auch eine Stille nach der Lesung zuzulassen, damit das gelesene Wort Eingang in die Ohren und Herzen der Zuhörenden finden kann. Die Texte der Bibel sind allerdings nicht genuin Gottes Worte. Es sind vielmehr die Worte, die die Schreiber der Bibel gewählt haben, die für sie als die treffendsten erachtet wurden, um Gott und sein Wesen, seine Gedanken und Worte zu beschreiben. „Soweit die Worte der Lesung“ spricht die Lektorin oder der Lektor am Ende der Lesung im Sonntagsgottesdienst, weil genau das der Fall ist. Wir bezeichnen zwar die Heilige Schrift häufig als Wort Gottes, wissen aber doch um die menschlichen Verfasser dieser heiligen Worte. Wenn dann die Gemeinde nach dem Hören der Lesung ihr „Dank sei Gott dem Herrn!“ spricht, dann dankt sie dafür, dass Gott seinen heiligen Geist denen gab, die uns die Texte im Alten und Neuen Testament der Bibel hinterlassen haben. Selbst eine Eucharistiefeier (auf Deutsch: Dankesfeier) ist eine Danksagung an die Worte Jesu, der seine trostreichen Worte beim letzten Abendmahl seinen Jüngern hinterließ, dass sie all die Zeit bisher immer und immer wieder in der Abendmahlsliturgie wiederholt werden. Es ist eine Feier des Wortes mit Worten, wenn man so will. Nichts anderes geschieht, wenn am Sonntag ohne Eucharistiefeier und ohne das Wiederholen der Worte unseres Herrn doch die Kommunion im Gottesdienst gespendet wird. Man vertraut der Wirkmächtigkeit der Worte der letzten Eucharistiefeier noch in die Zukunft. Selbst am Karfreitag, dem einzigen Tag im Jahr, der keine Eucharistiefeier kennt, kann am Ende der Karfreitagsliturgie den Gläubigen die Kommunion gereicht werden. Es geschieht in der Absicht, das Wort des Mahles und des Lebens lauter erklingen zu lassen als der Schrei des Todes am Kreuz.

Im Anfang war das Wort. Und das Wort war bei Gott. Es war Gott (in seinem Wort), schreibt der Evangelist Johannes zu Beginn. Recht hat er. Nichts wäre, wenn Gott es nicht gewollt und gesprochen hätte, dass es sei. So müssen wir am Sonntag dem Wort auch seinen Raum geben. Wenn es gesprochen wird, egal ob von einer Priesterin oder einem Priester oder von einem Gemeindemitglied, dient es zur Verherrlichung Gottes.

Eine gute Sommerzeit und viele erbauliche Eucharistie- und Wort-Gottes-Feiern wünsche ich Euch und Ihnen!

Pfarrer Meik Barwisch

Der komplette Gemeindebrief mit Terminplan und Einladung zur Gemeindeversammlung (04.09.21) ist hier abrufbar: https://www.alt-katholisch.de/wp-content/uploads/2021/07/WHV_2021-07-08-09_Gemeindebrief.pdf

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