Oktober-Dezember 2020

Heilung

Liebe Mitglieder, liebe Freundinnen und Freunde unserer Gemeinde!

Wenn man im Neuen Testament die 26 Heilungswunder Jesu anschaut und dann noch die anderen Heilungswunder hinzuzählt, die durch die Apostel bewirkt wurden bzw. die Wunder, die Paulus in seinen Schriften erwähnt, dann wird einem bewusst, wie umfangreich dieses Thema in den heiligen Schriften präsent ist. Heil und unversehrt sein, wieder gesund werden und bleiben, das ist ein großes Themenfeld. Der, der Heil und Segen zu bringen vermag, wird zurecht der Heiland genannt, Jesus der Christus. Oftmals schafft es Jesus, die in den Menschen grundgelegten Heilungskräfte zu aktivieren. Es heißt dann: Dein Glaube hat dir geholfen. Die spürbare Anwesenheit des Heilands bewirkt das wie durch einen Reiz. Wahrscheinlich ist das Essen und Trinken im Gottesdienst, das heilige Mahl, das wir in der Eucharistiefeier zu uns nehmen, gerade aus diesem einfachen Grund zur Tradition geworden. Von innen her soll der Heiland diesen wohltuenden Reiz auslösen wie quasi ein Medikament. Dabei müssen wir aber jeden Gedanken ausschließen, der uns an Kannibalismus oder wirkliche Medikation erinnert. Wir sprechen vom Blut und Fleisch des Menschsohnes beim Abendmahl, meinen damit aber die lebendige Gegenwart Jesu, die uns im Glauben vorschwebt. Das Brot, der Leib Christi, ist uns ein Transfermittel, damit sich nicht nur alles in Gedanken abspielen muss. Das Mitfeiern und reale Essen im Gottesdienst macht es uns leichter, dem Wunsch Ausdruck zu verleihen, dass der Herr vom Inneren unseres Seins, unseres Leibes und der Seele Gutes bewirken möge.

Die Kraft dieses Glaubensaktes ist allerdings begrenzt, somit feiern wir das heilige Mahl jeden Samstag im Vorabendgottesdienst zum Sonntag immer wieder neu, damit die Glaubenskraft immer wieder neu und frisch werde. Ebenso ist das Hören der Evangelien, die von der Heilung des Menschen sprechen, und vom Heiland, der das bewirkt, ein Gang zum frischen Quell, der uns neu belebt.

Nun sind wir schon seit mehreren Monaten von der Corona-Pandemie umgeben und müssen beim Gang zum Quell des Lebens aufpassen, dass wir den anderen, die auch auf diesem Wege sind, nicht zu nah kommen. Es wäre fatal, wenn gerade aus der Gedächtnisfeier des anwesenden Heils ein Horrortrip würde. Auch die aufs Wesentliche reduzierte Eucharistieliturgie ohne Gesang könnte uns in ihrer kargen Art als ein Diätprogramm vorkommen, das uns den wesentlichen Inhalt vielleicht sogar noch ausspart. Aber wahrscheinlich ist es gerade das Gegenteil der Fall. So wie manchmal der Sinn der Feste unseres Lebens in unendlichen Nebensächlichkeiten verschüttet wird wie ein Weihnachtsfest, das quasi an seinem eigenen Lametta erstickt ist, so steht nun alles klar, einfach und unverbaut da. Eine helle Krippe in düsterer Viehhöhle ist eigentlich an weihnachtlicher Stimmung nicht mehr zu überbieten. Wahrscheinlich werden wir so dieses Jahr wohl auch Weihnachten feiern. Einfach, still und ohne endloses Heidschi-Bum-Beidschi. Es scheint so, als ob nach 2000 Jahren überquellender Festlichkeit nun das Wesentliche wieder in den Mittelpunkt gerückt wird. Die Kirchen werden am Heiligen Abend geöffnet sein, die Krippe wird strahlen im goldenen Licht, aber es wird still und ruhig zugehen. Wir werden einzeln im Abstand nacheinander kommen und still dem Heiland der Welt die Ehre erweisen, wie einst die Hirten und Menschen vor 2000 Jahren. Vielleicht ist es gerade auch mal gut, einen Gang zurück schalten zu müssen, um das Wesentliche nicht zu übersehen.

Es ist nämlich unser Glaube, der still in der Tiefe unseres Seins wohnt. Nach ihm sehnt sich der Herr des Lebens, diesen Glauben erfrischt und belebt Jesus Christus immer wieder neu.

Euer Pfarrer Meik Barwisch

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