Liebe Mitglieder, liebe Freundinnen und Freunde unserer Gemeinde,

dieses Jahr können die beiden Gemeinden Bremen und Wilhelmshaven auf ihr zehnjähriges Bestehen zurückblicken. Dass es vorher hier keine Alt-Katholik:innen gegeben hätte, stimmt nicht, denn vor 2014 gehörten die Alt-Katholik:innen, die auf niedersächsischem Gebiet wohnten, zur Gemeinde Hannover, und die Glaubensgeschwister in Bremen bildeten einen „weißen Fleck“ auf der Konfessionslandkarte, der Status für Bremen war schlichtweg ungeklärt. Das sollte sich vor zehn Jahren aber ändern, und so errichtete unser Bistum in Bremen und Wilhelmshaven je eine Pfarrei. Im Bundesland Niedersachsen bestehen seitdem drei alt-katholischen Pfarrgemeinden: die Gemeinde Hamburg mit den nördlichen Landkreisen Niedersachsens, die Gemeinde Hannover mit dem Südosten des Landes und die Gemeinde Wilhelmshaven mit dem Nordwesten Niedersachsens.
In Wilhelmshaven blieben in den zehn Jahren die Mitgliedszahlen mit ca. 300 ziemlich stabil, und in Bremen sind seit Bestehen der Gemeinde die anfänglich 30 Gemeindemitglieder nun auf etwas mehr als das Doppelte angewachsen.
Beide Gemeinden Wilhelmshaven und Bremen stehen seit Beginn ihres Bestehens immer wieder im Austausch. Gemeinsame Fahrten wie zum Beispiel zu internationalen Alt-Katholik:innen-Kongressen und Gemeindefahrten wurden und werden unternommen, und gegenseitige Einladungen gehen und gingen hin und her. Die Synodalen treffen sich alle zwei Jahre auf den Bistumssynoden in Mainz, und bei Aktivitäten des Dekanates Nord (die Alt-Katholik:innen der Bundesländer Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen und Niedersachsen) treffen sich die Gemeindemitglieder immer wieder.
Neben Bremen/Wilhelmshaven gibt es im Bistum der deutschen Alt-Katholiken mehrere Pfarrgemeinden, die von nur einem Geistlichen bzw. einer Geistlichen betreut werden: zum Beispiel Düsseldorf und Aachen, Regensburg und Passau, Nürnberg und Würzburg und einige andere. In Zukunft wird sich dieses Model der gemeinsamen Betreuung wohl durch den sich abzeichnenden Mangel an genügend Geistlichen noch weiter verbreiten.
Ob sich jemals allerdings die römisch-katholische Kirche mit der unsrigen wiedervereinigen wird, wie es noch damals bei der Gründung des Bistums der Alt-Katholik:innen in den 1870er Jahren gedacht war, steht, gelinde gesagt, in den Sternen. Mittlerweile hat sich die kleinere Alt-Katholische Kirche weiterentwickelt, und die viel größere römisch-katholische Kirche kämpft mit dem vor 150 Jahren sich selbst erlassenen dogmatischen Stillstand. Wenn man allerdings auf die ganze Kirchengeschichte zurückschaut, so hat es von Anfang an immer ein Neben- und Miteinander mehrerer Kirchen gegeben, die sich selbst als katholisch bezeichneten. Wahrscheinlich wird das immer so bleiben. Unsere beiden Gemeinden sind fest in die Ökumene eingebunden durch die Mitgliedschaft in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen auf Orts-, Landes- und Bundesebene, sodass man sich um ein eventuelles Abdriften in konfessionelle Isoliertheit nicht sorgen muss.
Wahrscheinlich ist den „Gründungsvätern und -müttern“ beider Gemeinden eines gelungen, was den Großkirchen um uns herum bisher fehlt: Sie haben den Startschuss für ein Gemeindeleben in Mobilität gesetzt, der bis heute anhält. Sowohl geistlich und räumlich haben es die aktuell aktiven Gemeindemitglieder noch nicht verlernt, Gemeindeleben bewegt zu leben – Gottesdienste mit anderen Konfessionen zu feiern, immer wieder an verschiedenen Räumen und mit jeweils anderen Konstellationen von Menschen und Momenten. Die jüngste Gemeindefahrt nach Worpswede beider Gemeinden mit dem Kontakt zur dortigen ev.-luth. Gemeinde, die Fahrt mit dem Dekanat nach Warschau mit dem Besuch bei der Schwesterkirche der Polnisch-Katholischen Kirche, die Beteiligung beim Bundes-ACK-Gottesdienst im Bremer Dom sind nur drei willkürlich herausgegriffene Beispiele dafür.
Zehn Jahre alt-katholische Gemeinden lässt uns einen Moment auf die Entstehung zurückschauen, aber vielmehr stolz darauf sein, zehn Jahre lang Auf und Ab er- und überlebt zu haben. Zehn Jahre Kontinuität und Beständigkeit der aktiven Gemeindemitglieder, zum Gottesdienst zu kommen, mitzugestalten und mitzufeiern und bei den verschiedensten Aktivitäten mitzumachen und zuzupacken – das lässt uns an beiden Orten froh in die Zukunft blicken.
Bisher haben wir ein fünfjähriges Jubiläum gefeiert, und werden im Juni in Wilhelmshaven und im September in Bremen das jeweils zehnjährige Bestehen der Gemeinde feiern. Seien Sie/seid Ihr herzlich dazu eingeladen und werden Sie/werdet Ihr gleichzeitig Gastgeber:in. Denn Jede und Jeder, der sich mitbringt und dazu etwas mitbringt zum Teilen mit den anderen, hat verstanden, was es heißt, lebendiger Stein zu sein, aus und auf dem die Gemeinde Gottes gebaut wird.
Einen fröhlichen Sommer wünscht Euch und Ihnen

Euer und Ihr Pfarrer Meik Barwisch


Der komplette Gemeindebrief 3/24 (Juni 24 – August 2024) kann hier heruntergeladen werden.

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