Pfarrgemeinde St. Theresia auf Nordstrand

Alltagswege im Advent

Liebe Mitmenschen, angekommen am Weihnachtsfest,

„unsere Wirklichkeit“: Johannes Röser, vor einiger Zeit in den Ruhestand verabschiedeter Chefredakteur der Zeitschrift „Christ in der Gegenwart“, fragte zum 2. Advent in einem Leitartikel mit dem Blick auf das Weihnachtsfest:*

„Wer hat den Mut, die große Unterbrechung zu wagen, welche die liebgewordene Oberfläche durchstößt und … in die Nacht Gottes [führt], wenn es dunkel um uns ist, auch spirituell? Wer [wagt] die gefährliche Erinnerung … wie die mystischen Gottsucher der Finsternis, etwa Johannes vom Kreuz, Teresa von Avila?
… um fern jedem Äußerlichen im Innersten die Ausschau nach dem wahren Licht … zu wagen … “

Gott, nun bist Du
Bruder Gott geworden,
Du hast nun endlich
ein Gesicht.

Wir können Dich anschauen
und brauchen nicht
zu erschrecken.

Mose sah Dich
als brennenden Baum,
unsere Augen aber
verdunkeln sich nicht
an Deinem Licht.
Seher und Propheten
erkannten Dich
als zuckenden Blitz
und erzitterten
unter gewaltigem Donner.

Du aber lächelst
in einem Kind uns an.
Du machst es uns leicht,
an Deinen Frieden zu glauben.
Nichts ist entwaffnender
als dieser unberührte Morgen
in einem hellen Gesicht.

Dass Du, Gott,
ein Menschengesicht
uns zeigst,
ist gewaltig,
dass Du Dich als Kind
uns schenkst,
ist zärtliche Erlösung,
entgegenkommene Güte:

das Gesicht eines
menschenfreundlichen Gottes.

Die erste Kunde des Friedens
in dieser Nacht
heißt „Fürchtet euch nicht».

Dieses Wort fällt
in alle Ängste der Welt,
in alle Unruhe und Sehnsucht
der Menschen.

Es kommt an,
weil Du zu uns
gekommen bist
als lebendige Rettung,
als Liebe,
die Mensch geworden ist.
Es ist also möglich,
dass Liebe und Güte
Mensch werden können.
Es ist möglich.

Die Impulsseite zeigt das Kind in der Krippe; aber dieses Kind hat kein Gesicht. Denn … – Schaut einfach selber.

Mit herzlichen Grüßen und guten Wünschen für ein Fest unter dem wahren Licht
Margret & Hans-Erich

Texte: Johannes Röser, https://www.herder.de/cig/cig-ausgaben/archiv/2021/49-2021/gottesfinsternis/
gekürzt aus: Unbekannt – in einem Jahrbuch der Zeitschrift ferment von 198?

Hier der Link zum Weihnachtsfest (als PDF zum Download)

 

Liebe Mitmenschen auf dem Weg durch den Advent,

„unsere Wirklichkeit“ mit ihren verstörenden Bildern von Angst, von Misstrauen, von Ungerechtigkeit …

Vielleicht sehnen wir uns nach Hoffnungs-Geschichten, nach den Bildern hinter den Bildern, die uns heraustreten lassen aus dem Alltag, der fesselt; aus der Leere, die lähmt; aus dem tödlichem Trott – damit wir Licht entdecken hinter unseren Wirklichkeits-Chaos.

Der 4. Advent lädt ein, heraus zu treten aus der Stube hinter der Stirn, in der wir uns manchmal einigeln: damit wir wach bleiben für Wunder und die Leere füllen mit Antworten aus der Weite des Himmels.

Am Ende sehnen wir uns wirklich danach …

Mit herzlichen Grüßen und guten Wünschen für die letzten Tage vor dem Fest der Erfüllung

Margret & Hans-Erich

Bild (bearbeitet): https://de.freepik.com/vektoren/hintergrund„>Hintergrund Vektor erstellt von pikisuperstar – de.freepik.com

Hier der Link zum 4. Advent (als PDF zum Download)

 

Liebe Mitmenschen auf dem Weg durch den Advent,

Konstantin Wecker ist allen bekannt durch seine engagierten und oft provozierenden Lieder. Wort-Spiel und Wirklichkeits-Ernst durchziehen z.B. diesen Liedtext:

Ja, der Meier hat recht,
und der Müller hat recht,

die Raketen haben recht,
und die, die beten, haben recht.

Alle, alle, alle habn se recht,
und den andern, andern, andern geht es schlecht.
Und so ist das ganze Menschengeschlecht
seit Jahrtausenden im Recht. …

Die letzten vier zitierten Zeilen sind so etwas wie ein Refrain –
der sich am Ende des Liedes wandelt in:

Alle, alle, alle, habn se recht,
und den andern, andern, andern geht es schlecht.
Und so fliegt das ganze Menschengeschlecht
in die Luft und das mit Recht, mit Recht!*

Weckers „Analyse“ beschreibt unsere Wirklichkeit. Die drohende „Lösung“ ist aber wohl nicht die Lösung …

Mit herzlichen Grüßen
Margret & Hans-Erich

Der ganze Liedtext auf https://wecker.de/de/musik/item/8-Alle-haben-recht.html
Bild: Von © Jörgens.mi, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=61650708

Hier der Link zum 3. Advent (als PDF zum Download)

 

Liebe Mitmenschen auf dem Weg durch den Advent,

„unsere Wirklichkeit“, die sich auch in unseren Kirchen zeigt. Ebenfalls: Man mag es manchmal nicht mehr hören … Natürlich ist Kirche „mehr“, aber sie ist auch ein System, das im Würgegriff allzu vieler Interessen und Bürokraten seit Jahrhunderten beinahe unreformierbar erstarrt scheint.

Die Utrechter Kanonikerin Marieke Ridder sagte in ihrer Predigt bei der Weihe des Erzbischofs Bernd Wallet am 18.09.2021:

„Glauben und Zögern, Gewissheit und Zweifel an dem, was wahr und weise ist, diese beiden Stimmen hören wir immer in uns. Erst recht in einer Zeit, in der Glaube zu einer besonderen Wahl geworden ist, d.h. man muss sich erklären: In der Partnerschaft, in Familien und Freundeskreisen, sogar in unseren Gemeinden, wo die Zuversicht oft genug verfliegt und die Menschen von Zweifeln und Fragen überwältigt werden.“*

Worauf es tatsächlich ankommt – in den Schrifttexten des 2. Advent die Wegweisung dazu.

Mit herzlichen Grüßen
Margret & Hans-Erich

https://oudkatholiek.nl/nieuws/2021/09/preken-wijding-en-intronisatie/
eigene Übersetzung

Hier der Link zum 2. Advent (als PDF zum Download)

 

Liebe Mitmenschen auf dem Weg durch den Advent,

„unsere Wirklichkeit“. Es ist schon eine eigenartige Gefühlslage, die uns irgendwie alle ergriffen hat. Wir fühlen uns überrollt von Kräften, die wir nicht beherrschen können. Naturkatastrophen wie Erdbeben oder Vulkanausbrüchen sind wir ausgeliefert. Bei anderen Ereignissen, die mit der Veränderung des Klimas zu tun haben, müssen wir uns eingestehen, dass wir selbst an deren Zustandekommen beteiligt sind: Menschen-gemacht.

Der japanische Maler Katsushika Hokusai ist berühmt geworden mit seinem Bild „Unter der Woge“ (aus dem Jahr 1830).

Drei Boote in einer riesigen Welle und Menschen, die sich in ihren Booten wegducken …

Die Welle gibt aber den Blick frei auf Japans heiligen Berg Fuji – eine erlösende Perspektive, ein Fluchtpunkt über die Angst hinaus.

Denn Wegducken hilft nicht.

Unsere gegenwärtigen Erfahrungen und unsere Gefühlslage – sie finden in den Schrifttexten des 1. Advent ihre Einordnung.

Hier der Link zum 1. Advent (als PDF zum Download)

Mit herzlichen Grüßen
Margret & Hans-Erich

PS. Es lohnt sich, dieses Bild in hoher Auflösung anzuschauen unter: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/a/a5/Tsunami_by_hokusai_19th_century.jpg