Zukunftswerkstatt Bistum

Herzlich willkommen auf dieser Seite. Sie schließt sich an meine Gedanken in der Ausgabe von „Christen heute“ Juli/August 2026 an.

Ich verstehe diese Überlegungen hier als eine erste Standortbestimmung in einem sehr komplexen System, das wir „Kirche“ nennen. Ganz im Sinne meines Beitrags in „Christen heute“ möchte ich als Pilger im ersten Schritt wahrnehmen, hören, mir erzählen lassen, was uns bewegt. In aller Vielfalt unseres Bistums wird es dennoch ähnliche Fragen geben, die ich gerne aufnehmen möchte. Diese Themen/Fragen dann zu besprechen, zu deuten, zu gewichten und zu systematisieren ist für mich der zweite Schritt. Erst dann, so mein Ansatz, komme ich ins Handeln. (Ansatz aus der praktischen Theologie: sehen-urteilen-handeln)

Dass dieser Prozess selbstverständlich in einen synodalen Kontext gestellt wird, sei noch ergänzt. Hier seien natürlich die entsprechenden Gremien genannt: Die Synode, die Synodalvertretung, die Kommissionen, die Dekanate und Vertretungen, bis hin zu den haupt- und ehrenamtlichen Geistlichen wie auch die Kirchenvorstände.

Das Leitwort, das über allen steht ist für mich die Aussage der letzten Bistumsleitung im Rahmen des Kirchenentwicklungsprozesses: „Kirche will Erfahrungs- und Begegnungsräume ermöglichen, in denen Menschen miteinander und mit Gott in Beziehung treten können.“ Wie können wir solche Orte schaffen? Welche Räume gibt es schon? Geistliche Orte fallen ja nicht vom Himmel, sondern entstehen. Arbeiten wir uns nur an den Themenfeldern ab oder welche Vision treibt uns an? Finden wir vielleicht im Tun eine Antwort?

Wege der Kommunikation

Welche Themen liegen in den Dekanaten offen zu Tage? Wo könnte die neue Bistumsleitung zeitnah unterstützen? Wäre ein Besuch vor Ort von Seiten der Bischöfin, des Bischofs, der Synodalvertretung (SV) eine Hilfe, hier ins Gespräch zu kommen? Könnte dieser Besuch eine Möglichkeit der Begegnung mit vielen Menschen aus dem Dekanat sein? „Was ich immer schon mal dem Bischof sagen wollte?“ Oder könnte dies mit einem echten Pilgerweg von A nach B verbunden werden, der gemeinsam tatsächlich gegangen wird? (Dekanatstag mal anders?)

Liturgie

Wie feiern wir Liturgie, dass sie einerseits getragen ist von der lebendigen und vielfältigen Tradition der Kirche, andererseits die Lebenswirklichkeit und Sprache der Menschen von heute wahrnimmt? Ich verstehe so auch den Antrag aus Münster, der auf der nächsten Synode 2028 weiter besprochen wird.

Wie kann es uns noch mehr gelingen, die unterschiedlichen Formen und Spiritualitäten in unserem Bistum wertzuschätzen und sie als Bereicherung zu erleben?

Diakonie

Sehen wir bei aller Beschäftigung mit uns selber, die riesigen Herausforderungen um uns herum? Welche großartigen Projekte, kleine wie große, gibt es in unserem Bistum, die uns daran erinnern, dass wir zum Dienst an den Menschen berufen sind? Wie können wir vor Ort, eine hörbare, prophetische Stimme sein? Auch auf einem anderen Feld sehe ich unsere Verantwortung. Ich denke an die Bewahrung der Schöpfung und unseren Umgang mit den Ressourcen unserer Mutter Erde. Wie können wir als Gemeinde vor Ort unseren Beitrag dazu leisten oder auch voneinander lernen, dass sich unsere Nachkommen an der Schönheit der Schöpfung Gottes werden erfreuen können?

Ämter und Dienste

Die zu erwartende, große Pensionierungswelle in wenigen Jahren fordert sehr zügige Antworten in der Frage, wie wir auch neue Wege gehen sollten, um Seelsorgerinnen und Seelsorger für unsere Gemeinden zu begeistern, denn wir brauchen Menschen, die für sich diese/n Beruf-ung sehen. Wie kann es uns gelingen, attraktiv für Menschen zu sein, die für das Evangelium brennen, bei uns zu arbeiten? Wie sieht es aus mit jungen Menschen, die aus unseren Gemeinden kommend, sich fragen: Wäre dieser Weg etwas für mich? Welche spezifische Aufgabe fällt unseren ehrenamtlichen Geistlichen zu?

Wie kann die Fülle der Arbeiten im Bischofsamt verschlankt werden? Wie ist die Rolle der Stellvertretung (Generalvikariat) zu füllen? Muss dies alles eine Person leisten? Wie kann hier stärker in einem professionellen Team gearbeitet werden?

Eigenes Amtsverständnis

Dieses fällt nicht vom Himmel, es ist eingebunden in die synodalen Strukturen unserer Kirche und wird auch wechselseitig geprägt. In den letzten Jahren durfte ich als Mitarbeiter in dieser Kirche an unterschiedlichen Stellen Verantwortung übernehmen und meine Fähigkeiten zur Verfügung stellen, sei es als Pfarrer, als Dozent am Universitätsseminar, als (k.) Dekan oder auch als Pfarrverweser und Landessynodaler. Ich bin sehr gerne: Impulsgeber, Motivator, Netzwerker, Zuhörer, theologisch-spirituelle Begleiter, Klinkenputzer und am Ende Reinigungskraft oder Bierzapfer bei Feierlichkeiten. Dahinter steckt die Freude an Kirche mitzubauen. Diese Eigenschaften sehe ich gerade auch in den vielfältigen Aufgaben als Bischof als wichtig an. Mir ist aber auch klar: Neue Ideen brauchen synodale Strukturen, damit sie möglichst viele unterstützen können, sie brauchen die Konfrontation mit Kritik, um zu wachsen, sie brauchen ein Team, das sich ihrer Umsetzung annimmt, sie brauchen Wege der Kommunikation, um von ihnen zu erzählen, nach innen, aber auch nach außen, in die nicht-kirchliche Umgebung, so es angebracht ist.

Ökumene

Das Miteinander-unterwegs sein gehört zur DNA unserer Kirche. Dies wertzuschätzen und zu fördern, wird in Zukunft eine wichtige Aufgabe in der Leitung der Kirche sein. Erste Ideen einer stärkeren Kooperation vor Ort sind ja bereits mit großem Engagement an vielen Orten schon umgesetzt worden. Wie können wir als Bistumsleitung hier unterstützen? Auch der Dialog im Rahmen der Gespräche mit der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Deutschland wird unser Bistum ja weiterhin beschäftigen. Was bedarf es da an Impulsen?

Immobilien

Wie können wir den aktuellen Zustand, der im Eigentum der Gemeinden befindlichen Gebäude erheben? Wissen wir von deren baulichen Zustand? Wären für deren Evaluation neue Wege in der Zuarbeit für Kirchenvorstände eine Hilfe und Entlastung, wenn es um die Evaluation der Bausubstanz oder möglicher Investitionen geht.

Wie gehen wir mit möglichen Angeboten der Großkirchen um, die in absehbarer Zeit viele Gebäude werden abgeben müssen? Wie hängen beide Fragen, Zustand der Immobilien und mögliche, frei werdende Kirchen zusammen?

Finanzen

Die finanzielle Ausstattung unseres Bistums ist ein weiterer Dauerbrenner. Wie gehen wir mit möglichen Kürzungen bei den Staatsdotationen um? Welche neuen Geldquellen lassen sich vor Ort finden, durch neue Kooperationen oder durch konkrete Projekte? Wie planen wir Rücklagen bilden zu können, wenn dies vor Ort möglich ist?

Öffentlichkeitsarbeit & Digitalisierung 
Die weitere Digitalisierung unseres Lebens, Wirkens, unseres Kirche-seins wird sicherlich immer wieder kritisch zu hinterfragen sein: Was hilft? Was ist nötig? Aber seit Jahren erleben wir, wie komplex und störanfällig dieser Bereich ist. Auf der einen Seite ist viel Gutes entstanden, hat sich ein gewisser Standard in Sachen „soziale Medien“, „Newsletter in den Gemeinden“, „Homepage“ als 1. Aushängeschild einer Gemeinde entwickelt. Zum Glück haben wir großartige Menschen unter uns, die immer wieder Feuerwehr sind, wenn bei der Homepage, bei Kiris, im Mailprogramm o.ä. schnelle Hilfe nötig ist. Aber gibt es nicht eine Möglichkeit, diese Bereiche so weiter zu entwickeln, dass wir auf eine stabile IT-Landschaft bauen können, die die Arbeit und Verzahnung im Bistum weiter unterstützt? Braucht es für diese komplexen Themen externe Hilfe, auch wenn die sicherlich Geld kosten wird? Haben wir unter uns Fachleute, die hier mitwirken können? 

Eine andere Frage ist sicherlich die Außenwahrnehmung unserer Kirche. Aus meiner Erfahrung stellt sich eine Öffentlichkeitsrelevanz unserer Kirche dann ein, wenn wir im Dienst an den Menschen oder der Gesellschaft stehen. Anders gesagt: Unsere Botschaft des Evangeliums und unsere Art Kirche zu sein wird dann wahrgenommen, wenn wir das umsetzen, was wir sonntags feiern. Wenn dann die externe Öffentlichkeit darüber berichtet und sie erkennt, was der Mehrwert des konkreten Projektes für die Gesellschaft bedeutet, dann ist dies für mein Empfinden nachhaltig und schafft Interesse und Neugierde. Warum sollen wir uns, um es noch grundsätzlicher zu sagen, nicht auch von Außen zurück spiegeln lassen, wie wir auf andere wirken. Gerade auch in der Vernetzung mit anderen Playern (Vereinen, Kirchen, Gewerkschaften, Umweltverbänden) vor Ort können hier Synergieeffekte genutzt werden und Erfolge miteinander geteilt werden.

Säkularisierung
Impliziert dieser Begriff für uns nicht gerade die Aufgabe und Herausforderung, unseren Glauben immer wieder neu zu buchstabieren und zu übersetzen? Können wir unsere religiösen Themen und Impulse in eine für alle verständliche Sprache übersetzen? Damit bieten wir insbesondere kirchenfernen Menschen die Möglichkeit, sich hier einzuklinken und in einen Diskurs zu kommen. Somit kann die Feier der Liturgie, die reflektierte Sprache in der Liturgie, die Qualität der Predigten und die Vielfalt im Gemeindeleben selbst zum Ort einer Gottesbegegnung werden. Was ist uns vor Ort wichtig in diesem weiten Themenfeld? Was sollen Menschen erfahren, wenn sie das 1. Mal zu uns kommen?  

Einrichtungen wie baj & baf, diakonie e.V., Friedhofswesen, u.a. oder auch die Stiftung Namen-Jesu-Kirche

Wie kann hier eine Unterstützung weiter fortgesetzt werden, damit auch zukünftig eine professionelle Arbeit durchgeführt werden kann? Offenheit und Zugewandtheit werden sicherlich auch weiterhin die Zusammenarbeit prägen?!

Zur Namen-Jesu-Kirche: Wie kann der Anspruch, Bistums- und Bischofskirche zu sein noch weiter ausgestaltet werden?

Diese Aufzählung ist nicht erschöpfend. Ich lade ein, mitzudenken. Nicht alles und jeden Impuls werden wir aufgreifen können. Aber das ist ja dann schon der 2.Schritt. Bleiben wir erst mal im Hören, Sammeln, Wahrnehmen und Spüren. Entscheiden werden unabhängig von der Art des Gremiums, vom Kirchenvorstand, über die Landessynoden, bis hin zur Synodalvertretung und Bistumssynode die mehrheitlich von Laien besetzen synodalen Einrichtungen. Allein an diesem formalen Umstand wird die große Rolle der Laien in unserer Kirche deutlich. Dies auch in weiteren Feldern immer wieder auch abzubilden, bleibt eine ständige Herausforderung.

In der Hoffnung auf eine gesegnete und produktive Zeit, in der die Kraft Gottes uns inspiriert und voller Hoffnung in die Zukunft gehen lässt, danke ich vorab für jede konstruktive Idee. Und bei allem dürfen wir uns immer wieder sagen:
Wir sind Pilgerinnen und Pilger, suchen Gottes Wort!

Seien wir behütet!

Auf bald, wo auch immer,

Robert Geßmann

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robert.gessmann@alt-katholisch.de

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