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Gemeinsam unterwegs mit „Männerspiritualität“





Im September fuhren aus der BAM-Gruppe Ernst Hehl, Gabriel Seidl, Hannes Conrad, Klaus Hoffmann, Rainer Brand und ich nach Münsterschwarzach. Wir wollten uns mit P. Anselm Grün OSB und weiteren 22 Männern auf die Suche nach Formen einer Spiritualität begeben, die uns Männern entspricht.
Biblische Männerbilder und ihre Botschaften für uns
Pater Anselm bot uns verschiedene spirituelle Männerfiguren aus der Bibel an:
❧ Abraham, der Pilger: „sich frei gehen“ (d. h. im Laufen verabschieden) von Abhängigkeiten, von den Erwartungen anderer, vom Druck, den man sich oft selbst macht, hineingehen in die Freiheit und Weite Gottes, aber auch Grenzen erfahren. Im Pilgern erfahren viele Männer Gott als den, der mit ihnen auszieht aus dem Land der Gefangenschaft, hinein in das Gelobte Land. Der Auszug aus Ägypten war für das Volk Israel die entscheidende Gotteserfahrung. Gott ist auch heute der, der uns wie Abraham auffordert, auszuziehen aus dem Heimatland bzw. der Vaterstadt. Die frühen Mönche sahen darin einen dreifachen Auszug: 1. Ausziehen aus Abhängigkeiten, aus alten Gewohnheiten, aus Bindungen, die mich einengen und nicht leben lassen. Hineingehen in „meine eigene Gestalt“. 2. Ausziehen aus den Gefühlen der Vergangenheit, aus dem Jammern über alte Verletzungen, aber auch aus der Verherrlichung der Vergangenheit und Hineingehen in die Gegenwart, damit ich ganz präsent sein kann. 3. Ausziehen aus dem Sichtbaren, aus dem Äußeren und auf das Unsichtbare, auf Gott zugehen. (Letztendlich gehen wir immer auf eine endgültige Heimat zu – auf Gott.)
❧ Elija, der Prophet: Er macht die Erfahrung, dass er das Böse in seinem Umfeld bekämpft, aber selbst auch nicht besser ist als seine Väter. Als er das feststellt, will er sterben. Für ihn wurde klar: Das, was ich bekämpfe, ist auch in mir.
❧ David, der König: Was bedeutet „König“ für mich? König ist der freie Mensch. Ich habe eine Würde, die mir niemand nehmen kann. Jesus will uns für ein alternatives König-Sein gewinnen: „Mein Königtum ist nicht von dieser Welt.“ Jesus, der „integrierte Mann“: Er predigt aus dem Sein heraus, d. h. er lebt in Einheit von Sein, Sprechen und Handeln.
Viele weitere Männer stellte uns P. Anselm vor. Uns wurde deutlich: Die Bibel zeigt uns keine Idealbilder von Männern. Männer haben (auch in der Bibel) ihre Stärken und ihre Schwächen. Und alle Männer sind auf einem Weg der Wandlung. Das ermutigt auch uns. Es geht nicht darum, perfekte Männer zu sein, sondern auf dem Weg zu bleiben, auszuwandern aus falschen Bildern und immer mehr hineinzugehen in die „eigene Wahrheit“, in die eigene Einmaligkeit, in das einzigartige Bild, das Gott sich von mir gemacht hat. Gemeinsam unterwegs mit „Männerspiritualität“
Was einzelne von uns in diesen Tagen besonders bewegte
❧ „Für mich war es der Segen, den wir uns gegenseitig spendeten: ‚Gott segne meine Hände mit Kraft und Klarheit. Gott segne meine Hände, damit von meinen Händen Segen ausgeht.‘“
❧ „Lauter Männer mit Anselm Grün und Austausch über unterschiedlichste biblische Männergestalten, das war ein bewegendes Wochenende! Sich als Blinder von einem unbekannten anderen Mann ohne Zusammenstoß mit den vielen anderen durch den Raum bewegen zu lassen, war eine gute Erfahrung zum Thema Vertrauen.“
❧ „Das persönliche Gespräch mit P. Anselm in der Mittagspause. Ich: ‚Was kann ich tun, um Entscheidungen treffen zu können?‘ Er: ‚Es gibt verschiedene Alternativen. Die frühen Mönche sagten, ich sollte mir vorstellen, wie sich diese verschiedenen Alternativen auswirken würden – zum Beispiel auf mein Leben in zehn Jahren. Und dann gibt es vier Kriterien, die mir helfen, zu wissen, wofür ich mich entscheiden soll. Dort, wo mehr Lebendigkeit, Freiheit, Friede und Liebe entsteht – in diese Richtung sollte ich mich entscheiden.‘“
❧ „Der Satz von Augustinus: ‚Das Wort Gottes ist der Gegner deines Willens. Sei dein eigener Freund. Dann ist auch das Wort Gottes mit dir im Einklang
Worte für den weiteren Weg
Auf unseren Wunsch hin gab P. Anselm uns noch drei Bibelworte mit auf den Weg:
❧ 1. Johannesbrief 3, 20: „Wenn das Herz uns auch verurteilt, Gott ist größer als unser Herz. Er weiß alles.“
❧ Joh 5, 8: „Steh auf, nimm dein Bett und geh!“ (Bett = Angst, Unsicherheit, Hemmungen)
❧ Joh 10, 10: „Ich bin gekommen, dass sie das Leben haben und dass sie es in Fülle haben.“
Stärkende Worte, die uns weiter auf dem Weg der Wandlung bleiben lassen.
Eduard Frede

Älter werden, weiter wachsen –
ein Erfahrungsbericht





Altkatholische Männer können nicht nur Weißwurst und Schafkopf. Beim ersten Treffen unserer Männergruppe schon wuchs der Gedanke, sich intensiv mit essentiellen Fragen zu beschäftigen. So kam es, dass sich vier von uns einigermaßen spontan in Schloss Craheim, Begegnungsstätte Lebenszentrum für die Einheit der Christen zum Seminar „Älter werden, weiter wachsen“ angemeldet haben. Mit ganz unterschiedlicher Biografie und Sozialisierung machten wir uns auf den Weg; vormals lutherisch evangelisch, freikirchlich evangelisch oder römisch katholisch hatten wir uns in der altkatholischen Kirche gefunden. Die gut dreistündige Autofahrt ermöglichte uns schon guten Austausch.
Craheim im Kreis Hassberge in Unterfranken gelegen, empfing uns entgegen schlechtem Wetterbericht mit thematisch passender herbstlicher Stimmung in einer Abwechslung  aus dunklen Wolken und strahlenden Lichtformationen am Himmel und einem grandiosen Blick vom Schlossberg aus in die weite Landschaft, von dem man sich nur wünschen konnte, dass er bildhaft für unseren Blick aufs Leben steht. Auch das Schloss fügte sich symbolisch ins Thema. Es strahlte, herrschaftlich auf dem Hügel, einen beeindruckenden Glanz aus. Aus der Nähe betrachtet sah man dann, wie der Zahn der Zeit nagt. Die nach Süden ausschreitende  freitragende Außentreppe war nur auf einer Seite begehbar, auf der anderen Seite gesperrt und von unten mit Balken gestützt. Das Betreten des Balkons im Kuppelsaal war wegen Einsturzgefahr verboten. Am ersten Abend gab es kein warmes Wasser.
Das Abendessen, man streckte die Fühler aus. Neben uns „Alten“ lief ein Seminar für  Männer, die beten,  und eins für (junge) Frauen mit Power. Nach dem Essen noch zwei Stunden mit einer Vorstellungsrunde. Große Bandbreite. Seminarleiter waren das über 80-jährige Ehepaar Endres, Pfarrer mit Frau, der früher 18 Jahre geistlicher Leiter auf Craheim war und seit 18 Jahren mit viel Seminararbeit im Ruhestand ist. Insgesamt waren wir 35, weit mehr, als geplant. Schlaglichter zu einigen Teilnehmern:  Ein Arzt, der im Rentenalter seinen Beruf noch liebt,  eine Apothekerin, Lehrerinnen, eine Verkäuferin, die die Kunden mag, Mitglieder einer christlichen Lebensgemeinschaft, ein Physiotherapeut, der seinen Beruf als Handwerk im besten Sinn versteht, ein Bildhauer, Erzieherinnen, Menschen, die noch im Beruf sind und solche, die schon weiter sind, Paare, Alleinstehende, Verwitwete …. Die Vorstellungsrunde zeigte unterschiedliche Erfahrungen und Blicke aufs Älterwerden, die wir mitbringen. Die Spannung stieg. Aber zunächst gab es einen geselligen Ausklang im Schlosskeller.
Die Tage hatten dann einen wohltuenden Rhythmus. Um 08.00 Uhr eine halbe Stunde Morgenandacht, ein guter Einstieg in den Tag, nicht zuletzt wegen des gemeinsamen Singens, das von allen kräftig mitgetragen wurde und sich auch in den Arbeitseinheiten wiederfand. Dann thematische Arbeit, gutes Mittagessen, lange Mittagspause, die Freiraum ließ, mir zum Beispiel für zwei Stunden schöne Wanderung auf dem Rennweg. Dann wieder thematische Arbeit, Abendessen, nochmals Arbeit und wieder in den Schlosskeller, ohne aber dort zu versumpfen. Wir haben ja doch schon Alter und Erfahrung?
Keine erholsamen, sondern anstrengende Tage? Mitnichten. Jeder von uns ist um gute Erfahrungen reicher heimgekommen. Klaus, von dem die Idee kam, nach Craheim zu fahren und der seit zwei Jahren im Ruhestand ist, hat zeitlich den großen Bogen gespannt und aus seiner heutigen Sicht bis zurück in die Zeit reflektiert, in der er als junger Zivildienstleistender auf Craheim war. Hannes war etwas enttäuscht, dass das Seminar des 82-jährigen Leiters zu wenig Gruppenarbeit bot, hat das aber dadurch ausgeglichen, dass er immer mal wieder an anderen Tischen gegessen hat und dort gute Gespräche geführt hat. Ich selbst habe viel Evangelisches kennengelernt und erfahren, dass es zwischen dem Eintritt in den Ruhestand und dem richtigen Altwerden heute eine Generation gibt, die es früher nicht gab.
Den Sonntagvormittag hat der Gottesdienst geprägt und auch zeitlich ausgefüllt. Umrahmt von Wortgottesdienst und Abendmahl hatten wir eine Thomas-Messe, Untertitel: Der Gottesdienst für Suchende, Zweifelnde und andere gute Christen. Im Seminarraum waren verschiedene Stationen aufgebaut. Mit meditativer Musik im Hintergrund konnten die Teilnehmer frei von Station zu Station wechseln und beliebig verweilen. Es bestand die Möglichkeit, zu den Themen Gedanken auf Zettel zu schreiben (die anonym blieben) oder anhand hinterlegter Texte zu meditieren. Stationen waren beispielsweise: „i. R.“ (im Ruhestand), „Lieber Mensch, ich kenne dich ganz genau“, „Wer bin ich?“, “ Der erste Sinn meines Lebens“,  eine Station mit einer Wand aus Ziegelsteinen, in die man Zettel mit seinem Ärger stecken konnte und weitere. Dann gab es eine Station, in der man sich die Hände salben konnte und schließlich die Mitte. Die war dem Thema Dankbarkeit gewidmet und hat jeden von uns auf unterschiedliche Weise stark angesprochen. Die Menschen, die anschließend wieder in die Kapelle gingen, um mit dem Abendmahl den Gottesdienst zu beenden, waren andere. Beeindruckend!
Dann gemeinsames Mittagessen und Heimfahrt. Was haben wir mitgenommen? Es waren vier Tage, die ihre Zeit und das Geld wert waren.
Rainer Brand

bam Termin

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