Gemeinde Augsburg / Gruppen

baf-Frauengruppe

– von Frauen für Frauen

Unsere baf-Frauengruppe ist eine offene Gruppe für Frauen eines jeden Alters. Einige Male im Jahr treffen wir uns zu unterschiedlichsten Unternehmungen: Einkehrtag, Ausflug oder ein ganzes Wochenende.

Unsere nächsten Termine:

100 Jahre Frauensonntag – Aufbruch wagen

Jubiläumsgottesdienst am 21. Juni 2020 – wird auf 2021 verschoben

Vor 100 Jahren meldeten sich Frauen in unserem Bistum zu Wort und beantragten einen jährlichen Frauentag, an dem ihre Anliegen bedacht und gefördert werden sollten. So wurde 1920 der Frauensonntag eingeführt.
Mit dem Jubiläum „100 Jahre Frauensonntag“ wollen wir den Schwung, die Energie und die Willenskraft der Frauen aus den damaligen Frauenvereinen aufnehmen und ihn ins Heute weitertragen.
Aus diesem Anlass reist eine Jubiläumskerze ein Jahr lang durch das Bistum.

Sie wird am 21.06.2020 bei uns Station machen und wir dürfen uns von der Botschaft

des Jubiläumsgottesdienstes inspirieren lassen:
Aufbruch wagen – entdecken, was in uns liegt
Aufbruch wagen – Visionen für Gemeinde und Kirche
Aufbruch wagen – hin zu einer zukunftsfähigen Gesellschaft

Frauenstadtführung am 11. Oktober 2020

Die BaF Frauengruppe lädt herzlich zur Stadtführung am Sonntag 11. Oktober ein.
Die Teilnehmerinnen begeben sich mit der Stadtführerin Martina Berthold auf die Spuren von drei interessanten Frauen die in Augsburg gelebt und gewirkt haben.
1. Hofgarten, Kunigunde von Sachsen,
Sie ist die Schwester von Fürstbischof Clemens Wenzeslaus, die den Hofgarten geschaffen hat. Eine erstaunliche Frau, die zuerst Spielball der dynastischen Schachzüge des Absolutismus wird und sich später ein eigenes Leben aufbaut.
2. St. Gallus-Kapelle, Ellensind, die Einsiedlerin
Sie lebte zu Zeiten vom Heiligen Ulrich und er hat sich auch manchen Rat von ihr geholt.  Ihre Eremitinnen-Klause stand ungefähr an der Stelle, wo heute die St. Gallus Kapelle ist und darin ist auch ihr Grab.
3. Hl.-Kreuz-Straße, Anna Laminit, die geistliche Betrügerin
Eine außergewöhnliche Frau, die in den Wirren der Reformation ihren eigenen Weg zu gehen versucht. Sie fordert das Schicksal heraus und ist lange Zeit erfolgreich. Wäre sie heute ein Youtube-Star?

Treffpunkt:     Hofgarten (Regierung von Schwaben) Sonntag 11. Oktober 13 Uhr
Begrenzte Zahl der Teilnehmerinnen maximal 10
Gebühr pro Teilnehmerin 10 Euro
Martina Berthold arbeitet mit Plexiglashaube. Die Teilnehmerinnen tragen bitte Masken und achten auf den Abstand

Anmeldung bitte an: Ingrid Thalhofer <Ingrid.Thalhofer@allgaeu.org>

Berichte zum Schmökern

Die Fugger – Händler im Himmel und auf Erden





Mehr als nur eine Stadtführung

Corona. Wer hätte das noch vor einem Jahr gedacht? Eine Pandemie? Hier – in Europa? Im 21. Jh.? Epidemien gab es früher einmal und wenn heute, dann doch nur in Asien oder Afrika. Aber bei uns? Und doch hat es uns erwischt und uns vom Sockel unserer westlichen Selbstherrlichkeit  heruntergeholt.
Fakt ist, wir müssen jetzt mit diesem Virus leben, der ja auch nichts anderes will als wir, nämlich überleben. Hübsch ist er ja, mit seinen Krönchen. Aber leider auch ganz schön heimtückisch, dieser ungebetene Gast. An und für sich pflegen wir Christen ja die Gastfreundschaft. Aber alles, was recht ist, das hat dann doch auch seine Grenzen.
Allzu viel wissen wir noch nicht, was dieses kleine Ding angeht. Aber eines scheint sicher zu sein, nämlich, dass die Gefahr, sich in geschlossenen Räumen anzustecken, wesentlich höher ist als draußen.
Und so wurde unser Gemeindeleben Schritt für Schritt nach draußen verlegt. Singende Andachten, Eucharistiefeiern und – Ausflüge. Einer davon trug uns durch die Innenstadt von Augsburg. Unsere Frauengruppe hatte ja schon Erfahrung mit Stadtführungen, wobei der Fokus vor allem auf Frauengestalten in Augsburg gerichtet war. Dieses Mal durften also zum ersten Mal auch Männer mit. Aber auch in dieser Führung spielten die Frauen eine wichtige Rolle – wie auch anders, sie machen schließlich die Hälfte der Menschheit aus, mehr oder weniger.
1. Station: Römermauer
Uns blühte ein wunderbarer Tag – Sonnenschein und die prächtige Innenstadt von Augsburg, wo man auf Schritt und Tritt über historisches Pflaster stolpert.
Wir trafen uns an der Römermauer beim Dom – hinter uns die ehemals fürstbischöfliche Residenz, heute Sitz der Regierung von Schwaben, davor der Fronhof, in früheren Zeiten Turnier- und Exerzierplatz, nun eine Gartenanlage mit bunten Blumenrabatten und altem Baumbestand, darunter ein Ginkgo oder ein Blauglockenbaum. Im Schatten der mächtigen Bäume lassen sich die AugsburgerInnen gern nieder, zum Picknick, zum Lesen oder einfach zum Entspannen oder an manchen lauen Abenden zu einem Konzert. Im MA hatte man hier weniger Spaß. Das Volk versammelte sich hier – eher unfreiwillig – und der Vogt trieb die Steuern ein, Fron genannt.
Heute sollten wir in den Genuss einer Stadtführung zu den Fuggern kommen. Und wir wurden an diesem Sonntag nicht nur von der Sonne reich beschenkt. Unsere Stadtführerin Martina Berthold vom Frauengeschichtskreis erzählte mit solch einer Begeisterung von dieser für Augsburg so bedeutenden Familie, dass wir uns glücklich schätzen konnten, dabei zu sein. Auch gebürtige Augsburger erfuhren da noch interessante Details, die für sie neu waren.
Die Geschichte der Fugger von der Lilie beginnt mit Hans Fugger, einem Weber aus dem Augsburger Umland, der mit seinem Bruder Ulrich Mitte 14. Jh. nach Augsburg übersiedelte, um dort das Bürgerrecht zu erwerben. Dabei handelte es sich um eine gute Investition, denn „Stadtluft macht frei“ – so lautete ein Rechtsgrundsatz in der mittelalterlichen Ständegesellschaft. Wer ein Jahr und einen Tag in der Stadt verbrachte, bekam das Bürgerrecht.
Und jetzt kommen die Frauen ins Spiel. Denn wie so vieles im Leben gab es das Bürgerrecht nicht umsonst. Aber Hans war nicht dumm. Er wählte die billigere Variante und erheiratete sich das gewünschte Privileg. So ehelichte er Clara Widolf, die Tochter des Meisters der Weberzunft. Damit erhielt Hans Fugger neben dem Augsburger Bürgerrecht auch noch das Recht, Meister zu werden.  Der erste Schritt war getan.
2. Station: Maximillianstraße 21
Nach Claras frühem Tod wählte Hans wiederum klug. Jetzt heiratete er die Goldschmiedetochter  Elisabeth Gfattermann, die ihrem Mann ein stattliches Vermögen an Mitgift in die Ehe brachte. Damit konnte er sich einen Platz im Stadtrat leisten und ein Haus in der Oberstadt kaufen, und zwar im „Haus am Rohr“, jetzt Maximilianstraße, Nähe Judenberg. Heute steht dort ein moderner Neubau mit einem Bekleidungsgeschäft im Erdgeschoss. Eine Tafel an der Hauswand erinnert noch daran, dass hier auch  Jakob Fugger, später der Reiche genannt, 1459 geboren wurde.
Trotz des modernen Stadtlebens, das mich umgab, versuchte ich mir vorzustellen, wie die Menschen hier damals wohl gelebt hatten. Ich fragte mich, was aßen sie, was tranken sie, wie schliefen sie, welche Tätigkeiten verrichteten die Frauen? Wie sah der Alltag in einer spätmittelalterlichen Stadt aus? Eine Zeitreise hätte mir gefallen, nur für einen Tag.
Hans Fuggers zweite Frau Elisabeth war nicht nur reich, sie war auch eine kluge Frau. Als Witwe, die ihren Mann um 28 Jahre überlebte, erwies sie sich als äußerst geschäftstüchtig. Sie bestand darauf, dass die Söhne zwei Berufe erlernten: das Weber- und das Goldschmiedehandwerk – eine gute Investition.
Zwei Frauen, Clara Widolk und Elisabeth Gfattermann, waren es also, die es Hans Fugger, dem Großvater Jakobs des Reichen, ermöglichten, in der Hierarchie der Stadtgesellschaft aufzusteigen. 
Mit Elisabeths Sohn, Jakob d.Ä., ging der soziale Aufstieg der Fugger weiter. Wagemutig missachtete er die Ständeordnung, die zu jener Zeit noch strengen Gesetzen unterlag. „Schuster bleib bei deinem Leisten“ lautete das Gebot. Jakob jedoch pfiff auf das Verbot der Zunft und verkaufte nicht nur seine eigene Produktion an Stoffen, sondern kaufte auch zu und trieb Handel. Und er kam damit durch. Jetzt machten die Fugger den Schritt vom Handwerker zum Kaufmann.
Wie schon sein Vater Hans wählte auch Jakob seine Ehefrau klug. Er ehelichte Barbara Bäsinger, die Tochter eines Silberhändlers. Sie stammte aus einer der reichsten Familien der Stadt. Aus dieser Ehe gingen 11 Kinder hervor, von denen immerhin zehn das Erwachsenenalter erreichten, damals eher  ungewöhnlich.
Als Jakob d.Ä. relativ früh starb, lag auf Barbara Fugger-Bäsinger  die Verantwortung für die große Familie, das Geschäft und das Vermögen. Umsichtig lenkte sie die Geschicke der Familie. Sie kümmerte sich um die vielfältigen Ausbildungen der Söhne und verheiratete ihre Töchter in die Patrizierfamilien Augsburgs. Das mag nach heutigem Denken merkwürdig  erscheinen, aber damals im 15. Jh. heiratete man nicht unbedingt aus Liebesgründen, bei einer Ehe handelte es sich eher um eine Investition. Wenn dann noch die Liebe dazu kam, auch recht, das musste aber nicht unbedingt der Fall sein.
Barbara hielt nicht nur das Vermögen zusammen, sondern trieb auch erfolgreich Handel und mehrte ihren Grundbesitz. Ihr sozialer Aufstieg zeigte sich schließlich im Erwerb eines Kirchstuhls, was eine große Ehre bedeutete. So war es wieder eine Frau, die für das Weiterkommen der Fugger sorgte – beachtenswert, wie ich finde.
Elisabeth Fugger-Gfattermann und Barbara Fugger-Bäsinger sind zwei typische Beispiele für den sozialen Aufstieg  einer Webersfrau zur Kaufmannsfrau bzw. selbständigen Geschäftsfrau in der Reichsstadt Augsburg.  Ihr Leben spiegelt die veränderte Rolle der Frau in der mittelalterlichen Stadt. Stadtluft machte nicht nur Männer frei, sondern auch Frauen, die aus der Vormundschaft ihrer Männer hervortraten und sich ihr Leben in der Stadt und in vielen Berufen verdienten. Vor allem in der Weber- und Kaufmannszunft wurden Frauen in Augsburg nachgewiesen.
3. Station: Reiterhof im Fuggerpalais
Von der Maximilianstraße ging es weiter durchs Apothekergässchen zum Zeugplatz. Durch ein Tor betraten wir den Familiensitz der Fugger, ein Gebäude mit vier Innenhöfen, dessen vorderes Tor an der Maximilianstraße liegt. Im hinteren Innenhof des Fugger-Stadtpalastes, dem Reiterhof, empfing uns auf einmal Stille. Die dicken Mauern halten den Großstadtlärm ab.  Martina stellte sich in den Schatten einer mächtigen Linde, die inmitten des Hofes aufragt und weit ihr Blätterdach ausbreitet. Wir ließen uns auf den Stufen zur Eingangstür eines bewohnten Flügels nieder, sichtbar an den Namensschildern und den Blumen in den Fenstern. Stimmen drangen aus der unteren Wohnung.
Durch das Tor konnten größere Pferdegespanne ein- und ausfahren. Ich stellte mir vor, wie hier einmal reges Treiben herrschte, wie Handwerker, Händler und Fuhrleute tätig waren, wie ein- und ausgeladen wurde. Fast vermeine ich das Rufen der Männer zu hören, das Scharren der Pferde, das Klappern der Hufe. In diesem beeindruckenden Familiensitz der  Familie Fugger gingen Kaiser, Könige und Künstler ein und aus.
Martina erzählte uns nun vom jüngsten Sohn der Barbara Fugger-Bäsinger, Jakob, dem berühmtesten der Dynastie. Eigentlich war er für den geistlichen Stand vorgesehen gewesen.  Aber als er 19 Jahre alt war, waren vier seiner sechs Brüder gestorben, und er gründete mit Ulrich und Georg eine Handelsgesellschaft. Er überredete reiche Kirchenfürsten, ihm ihr Geld als Einlage gegen Zins zu geben und belieh damit den frischgekürten Kaiser Maximilian von Habsburg. Als Gegenleistung ließ sich Jakob Fugger Bergwerksrechte und Münzrechte übertragen, denn das Geld bekam er nicht zurück.
Durch seine persönlichen Qualitäten stieg Jakob Fugger innerhalb  der nächsten 20 Jahre zum reichsten Mann Europas auf. Auf sein Wort war Verlass. Ein Vorfall mit Kaiser Maximilian I. zeigt das deutlich. Mit seinem Gefolge hatte der Kaiser auf dem Weg nach Burgund in Augsburg Zwischenstation gemacht. Für seine bevorstehende Hochzeit ließ er hier verschiedenste Waren anfertigen, darunter kostbare Stoffe für seine Braut. Als er und sein Gefolge die Stadt verlassen wollten, ohne für Kost, Logis und Waren zu bezahlen, hinderten ihn die selbstbewussten Augsburger Handwerker daran. Einer von ihnen griff Maximilian sogar in die Zügel. Es war Jakob Fugger, der ihnen versprach, die Rechnungen zu begleichen und dieses Versprechen auch hielt.
Ab seinem 60. Lebensjahr regelte er seinen Nachlass und zwar klug und umsichtig, so wie er ein Leben lang gehandelt  hatte. Da seine Ehe mit der Patriziertochter Sybilla Arzt kinderlos geblieben war, wählte er seinen Neffen Anton Fugger zum Nachfolger für die Firma aus und bewies damit seine gute Menschenkenntnis.
Und er sorgte für die Ewigkeit vor. Zusammen mit seinem Bruder Ulrich ließ er eine Grabkapelle in St. Anna bauen, damals noch Teil eines Karmelitenklosters. Das Besondere daran ist, dass im Laufe der Reformation St. Anna evangelisch wurde, die Grabkapelle jedoch katholisch blieb. Noch heute gehört sie den Fuggern, die auch für den Unterhalt aufkommen. Bedeutende Künstler haben sich hier verewigt: Albrecht Dürer, Jörg Breu d.Ä. oder Hans Daucher. Als Jakob Fugger 1525 im Alter von 66 Jahren starb, wurde er dort beigesetzt.
Die Stiftung, die Jakob Fugger jedoch weltweit berühmt machen sollte, war die Fuggerei. 1516 begann der Bau einer kleinen Siedlung in der Unterstadt, dort, wo die Armen damals wohnten. Die Menschen, die dort leben wollten, mussten folgende Voraussetzungen erfüllen: Besitz des Augsburger Bürgerrechts, Ehrbarkeit und unverschuldete Armut. Als Jahresmiete war ein Rheinischer Gulden zu zahlen, damals etwa der Wochenlohn eines Handwerkers. Dabei beließ man es über die Jahrhunderte. Die Bewohner zahlen noch heute als Kaltmiete lediglich den Umrechnungswert des damaligen Guldens – derzeit jährlich 88 Cent. Darüber hinaus verpflichteten sich die Bewohner, für die Stifter und ihre Familie täglich ein Vaterunser, ein Ave Maria und das Apostolische Glaubensbekenntnis zu beten. Auch dies gilt noch immer. Und noch immer wird die älteste Sozialsiedlung der Welt aus dem Stiftungsvermögen Jakob Fuggers unterhalten.
4. Station: Fuggerei
So endete die Führung – wie könnte es anders sein – in der Fuggerei. Nur einige von uns hielten allerdings so lange durch. Diejenigen, die übrig geblieben waren, fühlten sich gleich ins 16. Jh. versetzt. Trotz der Besucher herrscht hier eine friedvolle Stimmung. Efeuberankte Reihenhäuschen mit grünen Fensterläden flankieren die idyllischen Gässchen. An der Hauptkreuzung spendet ein steinerner Brunnen erfrischendes Wasser.
Während wir durch die Gassen schlenderten, erfuhren wir unter anderem, dass der spezielle Ockeranstrich nur von den Fuggern benutzt werden darf und warum die Klingelgriffe alle unterschiedlich geformt waren. Denn in früheren Zeiten gab es noch keine Lichtverschmutzung und die Nacht war rabenschwarz.
Nach dem Museumsbesuch mussten wir uns natürlich noch im Biergarten stärken. So endete dieser anregende Tag mit dem Gefühl, der eigenen Stadtgeschichte ein Stück nähergekommen zu sein. 
Was blieb mir von der Stadtführung? Es blieb die Erkenntnis, dass die von der Geschichtsschreibung eher vernachlässigten Frauen der Fugger eine wichtige Rolle beim sozialen Aufstieg der Familie spielten. Wie bedeutsam sie waren, erwähnte  bereits 1949 der Fugger-Biograph Götz Freiherr von Pölnitz: „Nicht nur die Väter, auch die Mütter haben das Werden der Fugger gestaltet.“
Es blieb auch die Erkenntnis, dass Jakob Fugger, der Reiche, eine vielschichtige Persönlichkeit war, mehr als nur der „Erfinder“ des Kapitalismus. Er war auch Mäzen und Wohltäter und ein Mensch, auf den man sich verlassen konnte. Sein Reichtum basierte auch auf seinem guten Ruf, der in der Handels- und Finanzwelt Gold wert war.
Neben seiner Geldpolitik wurde er jedoch vor allem durch seine Stiftungen bekannt. Dies entsprach dem Selbstverständnis einer Gesellschaft, für die Gemeinnutz vor Eigennutz ging, und das war Jakob nachweislich wichtig. Aber noch etwas anderes spielte eine Rolle – der Handel mit Gott.
Seine Stiftungen dienten auch dazu, fürs Jenseits vorzusorgen. Denn wenn man kein Heiliger war und nicht gerade im Stande einer Todsünde starb, musste die Seele zur Läuterung ins Fegefeuer. So lautete die mittelalterliche Theologie. Aber es gab Möglichkeiten. Man konnte sich monetär loskaufen – eine raffinierte Art der Kirche an Geld zu kommen für das schönste und größte Gotteshaus der Welt, den Petersdom. Dafür erhielten die reuigen Sünderinnen und Sünder einen Ablassbrief, ganz im Sinne von „Wer glaubt, wird selig“. Auch durch Gebete konnte man sich vor langen Qualen retten und – ganz praktisch – das Beten an andere delegieren. Fugger ließ also beten.
So gesehen musste er ja nach seinem Tod quasi  per Schleudersitz in den Himmel gelangt sein, vor allem auch wegen der unzähligen Gebete, die heute noch die Bewohner der Fuggerei täglich für seine Seele beten. Und der ewige Gott, der keine Zeit kennt, wusste damals schon um all die Gebete, die noch kommen würden.Mit der Arroganz der Nachgeborenen mögen wir heutigen diese Praxis belächeln. Aber der Glaube, der Verzehr der geweihten Hostie würde ein tückisches Virus verbrennen, scheint mir nicht minder seltsam zu sein.(Quellen: Martina Berthold; Martha Schad, Frauen des Hauses Fugger“; www.Fugger.de)

Birgit Mair

Via cordis – der Weg des Herzens…





Wie jedes Jahr am 1. Mai wanderte die baf-Gruppe (20 Frauen) eine Etappe des Stauden-Meditationswegs. Der Weg wurde von unserer Pfarrerin Alexandra Caspari strukturiert mit Meditationstexten und mehrstimmigen Liedern von Helge Burggrabe: „Via cordis, in meinem Herzen Mitgefühl, in meinem Herzen tiefe Liebe, in meinem Herzen Frieden.“                                                                                                    

Dieser Weg nach innen öffnete zugleich den Blick nach außen: ein beglückend schöner Maientag mit Licht-durchflutetem Grün, blühenden Bäumen und Wiesen. Dazu das Vogelgezwitscher im Wald. Raubvögel kreisten über uns im strahlend blauen Himmel. Der Klapperstorch begleitete uns ein Stück des Weges.     
Wege des Schweigens, Schauens, Lauschens und Erzählens.                                                                                           

An drei Stationen übten wir uns anhand von Meditationstexten in der Achtsamkeit:
Station 1: Geh-Meditation (Via cordis). Suche nach Entspannung, Leichtigkeit, Freiheit von allem Belastenden, nach innerem Gleichgewicht im Rhythmus des Gehens.                  
Station 2: Der Atem Gottes (Ruach) in unserem Atem, dem wir bewusst nachspüren im Ein und Aus. Klänge der Sprache, der tiefen und hohen Vokale, die wir in verschiedenen Körperregionen wahrnehmen: Bauch, Herz, Kopf.                                                                
Station 3:“Hineni, hier bin ich.“ Meine Antwort auf das Gerufen-Werden. Ganzheitlich, wach, geöffnet und bereit, da zu sein im Hier, im Jetzt.

Sonnenverbrannt, am Brunnen erfrischt, gut genährt im Gasthof zum Adler in Mittelneufnach und müde kehrten wir heim, rundum dankbar, an Seele und Leib gestärkt.

Uta Brinkmann

baf-Wochenende in Oberschönenfeld: Kopfsalat und unsere Herzen in der Mitte





Vom 28. bis 30. April  trafen sich 20 baf-Frauen zur Besinnung über das Credo, was vom Ursprung her Cor do = Gebe dein Herz bedeutet.
Alexandra Caspari und Brigitte Glaab leiteten unsere Gemeinschaft mit Herz und Verstand, führten zwanglos durch die Tage mit einem fein ausgeklügelten Programm, reich an Impulsen und mit Ansprache all unserer Sinne, durch Vortrag, Gespräch, Gesang, Meditation, Stille, Tanz, kreativer Gestaltung und Naturerlebnis, herzhaftem Lachen und den individuellen Bedürfnissen nach Ruhe und Geselligkeit Raum gebend.
Es war eisig kalt draußen, aber wir haben unser Herz geöffnet und die Wärme geteilt. Die Klosteratmosphäre mit ihren vielfältigen Räumlichkeiten und dem Essen waren angenehm, die Rotunde beeindruckte uns besonders. Dass hier intensiv gebetet und meditiert wird, war zu spüren.
Wir legten am 1. Abend unsere Herzensangelegenheiten im Alltag, in der Kirche und in unserem Glauben in der Mitte des Raumes ab. Tags darauf gestalteten wir aus dem reichen Fundus der angebotenen Materialien und Tücher unsere Lebensbilder. Wir kehrten unser Inneres nach Außen und holten das Äußere nach innen.
Dabei erfuhren wir, dass der Atem das Gebet von Gott zu mir und das Gebet von mir zu Gott ist.
Wir begaben uns in Anlehnung an Bernhard von Clairvauxs Texte bis zu unserem Ursprung, wir schwammen zur Quelle und schöpften aus ihr, füllten unsere Schalen bis zum Überfließen, denn nur dann, so erfuhren wir, sind wir in der Lage, aus der Fülle auszuströmen, ohne selbst dabei Schaden zu nehmen.
Die Bibelarbeit zu Lukas 7 über die Sünderin, die Jesus salbte, berührte alle Teilnehmerinnen stark.
Im Gottesdienst verschmolzen dann all unsere Erfahrungen der 3 Tage, die bis dahin leere Schale wurde mit dem Quellwasser der Schwarzach gefüllt und jede von uns legte ein Herzstück aus ihrem Lebensbild neben die Schale.  Wir alle spürten, dass wir Botschafterinnen der Quelle und des Lichts sein  können.
Mit dem Motto, dass am Anfang unseres Seminars stand:  
‚Kopf und Verstand gehören zusammen: Daher esst mehr Kopfsalat, denn da ist das Herz in der Mitte‘ nahmen wir mit einem lachenden und einem weinenden Auge Abschied von unserer dichten, warmherzigen Gemeinschaft mit einem herzlichen Dankeschön an Alexandra und Brigitte und dem inneren Wunsch, sich im Kloster oder bei der baf-Jahrestagung wieder zu sehen.

Heike Peschke, Ingeborg Hempel, Karin Reinhard, Gemeinde Frankfurt am Main 

baf-Wochenende – In den Fluss kommen









„Worum geht es denn an dem Wochenende in Oberschönenfeld?“, fragte mich meine Kollegin. Es ist schon bezeichnend, dass ich auf diese Frage gar keine Antwort geben konnte. Ich musste noch rasch nach Hause fahren und meine Sachen zusammenpacken. Aber ich hatte mich noch überhaupt nicht damit beschäftigt, welchem Thema ich beim „baf-Wochenende“ entgegensehen würde. Ich wusste, dass mich mit Alexandra Caspari und Brigitte Glaab zwei wunderbare Leiterinnen erwarten würden. Auch auf die Frauengruppe freute ich mich schon, hatte ich diese vor zwei Jahren doch als sehr aufgeschlossen und wohltuend empfunden. Die Erwartungen sollten sich auch dieses Mal wieder mehr als erfüllen. Die Referentinnen waren hervorragend vorbereitet und die Teilnehmerinnen ließen sich auf alles ein, was ihnen angeboten wurde.
Nun also zum Thema: „Fließe gutes Gotteslicht! Auf den Spuren unserer Sehnsucht“. Also im Fluss war ich wohl nicht, sonst hätte ich zumindest eine Ahnung von diesem Thema gehabt. Angestaut von vielen Alltagsbelastungen hatte ich es irgendwo im hintersten Winkel verstaut. Offenbar kamen aber auch die anderen mit allerlei emotionalem Gepäck an, wie sich schon in der Begrüßungsrunde zeigte. Die  Teilnehmerinnen aus Aschaffenburg hatten zudem ganz real kilometerlange Staus auf der Autobahn erduldet, um in Oberschönenfeld wieder ‚in Fluss kommen’ zu können.
Das ist schon ein großes Wunder und ein herrliches Geschenk, wie wir Frauen durch die behutsame Begleitung den einen oder anderen inneren Stau auflösen konnten.
An diesem Frauen-Wochenende wurde uns allerhand angeboten: Mit Texten von zwei Mystikerinnen aus dem 13. Jahrhundert, Mechthild von Magdeburg und Gertrud von Helfta, gelang der Einstieg in das Thema. Doch nicht nur ihre tief spirituellen Texte wurden uns nahe gebracht. Alexandra Caspari und Brigitte Glaab führten uns die Begine Mechthild und die Ordensfrau Gertrud als ganz reale Personen vor Augen, indem sie sich selbst für kurze Zeit in diese beiden Frauen verwandelten.
Wir bekamen Gelegenheit, uns auf unsere eigenen Sehnsüchte zu besinnen, hatten viel Zeit für Austausch, Tanz und Gesang. Dabei begleiteten uns immer wieder die beiden Lieder Fließe gutes Gotteslicht (Text und Melodie von Brigitte Schwarz) und Gott du bist da (Text Rosina Schmidkonz, Melodie Schwester M. Annuntiata).
Wir drückten unsere Verbundenheit auch künstlerisch aus, indem wir draußen in der Natur mit  Materialien gestalteten, die wir vor Ort fanden.
Mich persönlich hat ganz besonders berührt, wie wir von den beiden Kursleiterinnen in die Stille geführt wurden. Indem wir Zeit bekamen, uns  gedanklich und äußerlich auf die Stille vorzubereiten, konnte ich das Getragen-Sein intensiv wahrnehmen. Den Meditationsraum in Oberschönenfeld habe ich während des Stillseins als angefüllt von großer Ruhe erlebt. Dass wir das anschließende Mittagessen schweigsam einnahmen, empfand ich als sehr wohltuend.
Rückblickend formulierten viele Frauen, dass sie den Geschmack des Essens viel intensiver wahrnahmen als sonst.
Der Gottesdienst am Sonntag war, wie schon vor zwei Jahren, der Höhepunkt des Wochenendes. Alles, was uns in dieser Zeit begleitet hatte, tauchte noch einmal auf und wurde wie zu einem Kristallisationspunkt der ganzen Veranstaltung. Ursprünglich war geplant gewesen, dass der Gottesdienst an Stationen draußen in der Natur stattfinden sollte. Aber nicht nur wir kamen in Fluss, auch die Natur selbst: So regnete es Samstag und Sonntag immer wieder mal. Schließlich entschieden die beiden Priesterinnen, den Gottesdienst im wunderschönen Meditationsraum zu halten. Dieser Ort konnte die Natur zwar nicht ersetzen, aber dort war die Verbundenheit untereinander und mit dem Göttlichen allemal zu spüren.
Bleibt zu hoffen, dass wir auch im Alltag im Fluss bleiben und all das Beseelende immer wieder zurückholen können.

Corinna Graßl-Roth

BERICHT Landart – Kunst in und mit der Natur: Den Kreislauf des Lebens erfahren









Kreativer Herbstspaziergang – LandArt an der Wertach

Diese (Kunst) Werke sind echt bio

„Habt Ihr Eure Regenjacken oder Schirme nicht vergessen?“ war immer wieder zu hören als sich im September eine Gruppe Frauen traf um gemeinsam in die Natur zu starten. Der Wetterbericht verhieß nichts Gutes.
Vor dem Start an die frische Luft sollte uns Andy Goldsworty, ein bekannter Natur-Künstler, diese vergängliche Kunst in einem Film näher bringen, was ihm ohne Probleme gelang.
„Goldswortys Arbeiten zeichnen sich durch ihre Vergänglichkeit aus. Er arbeitet ausschließlich mit Naturmaterialien, die er an Ort und Stelle vorfindet, wie beispielsweise Steine, Blütenblätter oder Holz – stets ohne künstliche „vom Menschen erschaffene“ Hilfsmittel. Zum Befestigen von Blättern und Ästen benutzt er nur Dornen und Stöckchen oder Grasfasern und dokumentiert seine teils gewagt fragilen Kunstwerke mit künstlerisch hochwertigen Fotografien; so streut er beispielsweise Blütenblätter in einen Fluss und bildet sie kurz vor dem endgültigen Zerrinnen mit seiner Hasselblad-Kamera ab“. (Wikipedia)
Mit diesen Bildern und gut gestärkt durch viele selbst gemachte Leckereien der Teilnehmerinnen ging es hinaus in die Natur, an die Wertach. Nach einem kurzen Spaziergang entlang des Flusses war ein Platz gefunden, der der Kreativität alle Möglichkeiten offen ließ. Holz, Steine, Moos, Blüten und Blätter luden ein sich mit der Natur zu beschäftigen und der Fantasie freien Lauf zu lassen.
Es entstanden ganz unterschiedliche Kunstwerke, und nicht jeder fiel es leicht, diese wieder der Natur zu überlassen. So scheute eine Teilnehmerin nicht den Weg ins kalte Wasser um ihre aus Blättern entstandene Schlange an einem besonders geeigneten Platz dem Wasser zu übergeben.
Nachdem alle Kunstwerke gebührend begutachtet waren und jede ihr Potential mit der Natur kennen gelernt hatte ging es zurück…übrigens, ohne dass Regenschirm oder Regenjacke benötigt wurden.

Jutta Kleber-Gigler

BERICHT 1. Mai – ein Tag auf dem Stauden-Meditationsweg

Die baf-Frauengruppe der alt-katholischen Gemeinde Augsburg hat sich nach dem Bau der Apostelin-Junia-Kirche wieder zusammengefunden und bietet seit 2013 jeweils vier Veranstaltungen im Jahr von Frauen für Frauen an.
Der Stauden-Meditationsweg im „Naturpark Augsburg–Westliche Wälder“ wurde für Menschen jedweder Religion eingerichtet, die beim Wandern in der Natur ein wenig über sich, Gott und ihre Welt nachdenken und meditieren wollen.
Im 19. Jahrhundert gelang die Sanierung der zu „Stauden“ (daher die Bezeichnung) degradierten Wälder. Naturpark und Natur werden heute als wertvolle Ressource geschätzt, die schonend und sinnvoll genutzt werden soll. Über die Hälfte des 1175 Quadratkilometer großen Naturparks wurde deshalb unter Landschaftsschutz gestellt.
Eine größere Gruppe Frauen unterschiedlichen Alters machten sich unter Leitung unserer Pfarrerin Alexandra Caspari auf um zu Fuß den Weg zu erkunden, die Natur zu genießen und Gemeinschaft zu erleben.
Wir stimmten uns ein mit Liedern die zum Aufstehn und Vertrauen in neue Wege ermutigen. Unser Leitgedanke „Das einzig Beständige im Leben ist die Veränderung“ (Weisheit) beschäftigte uns in Gesprächen und im Schweigen. Einige Teilnehmerinnen möchte ich hier zu Wort kommen lassen:
„Von diesem Tag ist mir besonders unser Schweigemarsch in Erinnerung. Die Ruhe und doch so viele Geräusche wie Vogelstimmen, Kuhglocken und bei sich mit den Gedanken zu sein. Die vielen Farben und das Licht der Sonne gaben ihr Bestes dazu“.
„Ich konnte für einige Stunden in unserer wunderbaren heimatlichen Natur den Lebensstress hinter mir lassen und Kraft tanken“

Einführung in die feministische Theologie

Vortrag von Pfarrerin Alexandra Caspari

Hier geht’s zum Video

Osterkerze 2020

Osterkerze

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