Weihe von Brigitte Glaab zur Priesterin am 8. Mai 2010

In einem bewegenden, bewegten Gottesdienst in der evangelischen Christuskirche in Aschaffenburg, zu dem sich auch zahlreiche Mitchristen anderer Konfessionen eingefunden hatten, weihte Bischof Dr. Matthias Ring am 8. Mai Brigitte Glaab zur Priesterin unserer alt-katholischen Kirche.
In seiner Predigt stellte Bischof Ring fest, daß seiner Erfahrung nach Menschen durch die Priesterweihe nicht automatisch zu besseren Organisatoren oder besseren Predigern werden und stellte die Frage, was Priesterinnen und Priester denn eigentlich sind.
In drei Schritten kam er zu dem Ergebnis, daß Priesterinnen und Priester glaubende Menschen mit einem besonderen Auftrag sind, also Menschen mit allen Stärken und Schwächen, die aber immer wieder um ihren Glauben ringen und ihre Beauftragung, ihren Dienst an der Gemeinde bei Eucharistiefeier und in Fragen religiösen Lebens ernst nehmen.
gelebte Ökumene: alle Konfessionen sind willkommen
Grußworte sprachen der Oberbürgermeister der Stadt Aschaffenburg, Klaus Herzog, der Bürgermeister von Wiesen, Gerhard Büdel, der evangelisch-lutherische Dekan Volkmar Gregori, Alfred Streib in Vertretung des römisch-katholischen Dekans, der alt-katholische Dekan Ulrich Katzenbach und der Vorsitzende des Landessynodalrates Hessen, Osvaldo Ghezzi.
Aus dem Vorstand der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Aschaffenburg feierten weiterhin Frau Olga Negrau von der rumänisch-orthodoxen Gemeinde, Herr Idris Barhe von der syrisch-orthodoxen Gemeinde sowie Hanns Martin von Truchsess von der evangelisch-lutherischen Christuskirchengemeinde den Gottesdienst mit.
Viele der ca. 250 Gottesdienstbesucher (es war nur mit etwa 200 gerechnet worden) äußerten sich nach dem Gottesdienst begeistert über die schöne Feier: die Auswahl der Lieder, die ernsthaft-heitere Predigt, die „Dekanatsband“, den „Familienchor“, aber auch die Art und Weise, wie diese hochkirchliche Feier doch in heiterer Atmosphäre stattgefunden habe.
Während des anschließenden Empfangs im Lichthof des Rathauses nutzten viele die Gelegenheit, der Neupriesterin persönlich ihre Segenswünsche auszusprechen, bei einem Glas Sekt miteinander ins Gespräch zu kommen und einen kleinen Imbiß zu sich zu nehmen.
Danklied mit liturgischem Tanz
In der Presse wurde Brigitte Glaab als „erste katholische Priesterin in Bayern“ angekündigt. Hier liegt offensichtlich ein Missverständnis vor: es war dies bayernweit die erste Weihe einer katholischen Frau zur Priesterin. In Augsburg ist bereits seit einigen Jahren Alexandra Caspari als Pfarrerin tätig.
Mehr Bilder:
Fotostrecke von Clemens Wombacher
Fotostrecke von Manfred Wenzel

Der Bischof überreicht der Neupriesterin Kelch und Hostienschale

beim Eucharistiegebet

bei der Kommunionspendung

Pressestimmen

Pressemitteilung der Pressestelle des alt-katholischen Bistums
Hier finden Sie die Pressemitteilung des Katholischen Bistums der Alt-Katholiken Deutschlands zur Weihe von Frau Glaab zur Priesterin.
Fernsehbeitrag des Bayerischen Rundfunks vom 11. Mai
Studio Franken des Bayerischen Rundfunks hat den Gottesdienst „mitgedreht“. Zusätzlich zum dem daraus entstandenen Videobeitrag erschien unter Katholisch, Mutter, Priesterin auch ein Artikel auf BR online.
Main-Echo vom 10. Mai: »Den Glauben überzeugend weitergeben«
Aschaffenburg Brigitte Glaab … ist die erste Frau, die in Bayern zur Priesterin geweiht wird. Der alt-katholische Bischof Matthias Ring ordinierte die 48-jährige Yogalehrerin aus Wiesen am Samstag in der evangelischen Christuskirche in Aschaffenburg. Glaab ist neben Alexandra Caspari (Augsburg) die zweite Priesterin der Alt-Katholiken in Bayern, die siebte in Deutschland (wir berichteten am Samstag). Für Ring war es die erste Weihehandlung als Bischof; er ist erst seit 20. März im Amt. »Es ist für mich etwas ganz Besonderes, dass ich gleich eine Frau zur Priesterin weihen darf«, sagte der 47-Jährige. Die Zahl der Priesterinnen sei zwar noch klein, dennoch prägten sie längst das Erscheinungsbild der alt-katholischen Kirche mit. In seiner Predigt ging der Bischof auf das »über Jahrhunderte mystifizierte Priesterbild« ein. Es erlebe »angesichts der jüngsten Ereignisse derzeit eine arge Bruchlandung«. Ein Geistlicher müsse zuallererst Mensch sein, denn »wer theologische Weisheiten sucht, liest Bücher, wer aber Glauben sucht, sucht einen glaubwürdigen Menschen«.
Die katholische Theologin Brigitte Glaab hatte vor elf Jahren ihre bisherige Kirche verlassen. »Die Entscheidungsstrukturen der römisch-katholischen Kirche bremsen engagierte Laien oft aus«, erklärte sie ihre Entscheidung für die kleine Gemeinschaft der Alt-Katholiken mit deren synodaler Struktur. Auch die Rolle der Frau in der katholischen Kirche war für sie ein wunder Punkt: »Eine Frau kann ebenso wie ein Mann den Glauben überzeugend, froh und lebendig weitergeben«.           fee
Welt am Sonntag: Die Grenzgänger des Glaubens
Eine Frau wird Priesterin. Ein Priester wird evangelischer Pfarrer. Verheiratete verzweifeln an den Konfessionsgrenzen: Was Ökumene bedeutet
Matthias Kamann beschäftigt sich in der Welt am Sonntag vom 9. Mai mit Menschen, die Konfessionsgrenzen überschreiten.
Über den Weihe-Gottesdienst schreibt er: „… es war ein altkatholischer Gottesdienst in faszinierender Mischung aus erhabener Liturgie und toleranter Heiterkeit, worin am Samstag in Aschaffenburg die Priesterweihe vollzogen wurde. …“
Main-Echo vom 8. Mai: Üben mit Körper und Seele
Brigitte Glaab: Yogalehrerin aus Wiesen wird erste alt-katholische Priesterin in Bayern
Brigitte Glaab vor dem Labyrinth im Tagungszentrum Schmerlenbach, das dem in der Kathedrale von Chartres nachempfunden ist
Foto: Stefan Gregor für Main-Echo
Wiesen/Aschaffenburg Brigitte Glaab ist freiheitsliebend: Sie mag sich nicht einsperren lassen in Konventionen und Regeln, die ihr sinnlos erscheinen. »Weite« ist ihr wichtig und auch, dass »die Menschen keine Scheuklappen tragen, sondern sich auf Weitwinkel stellen«. Glaab ist die erste Frau in Bayern, die zur alt-katholischen Priesterin geweiht wird.
Bischof Matthias Ring (Bonn) ordiniert die 48-jährige Wiesenerin heute in der Aschaffenburger evangelischen Christuskirche.
Mit der Zusage, dieses Amt anzunehmen, hat sie sich Zeit gelassen. »Ich bin jemand, der lange braucht, um sich zu entscheiden«, sagt sie und lacht. Ein Jahr habe sie überlegt, ob sie sich vorstellen kann, Priesterin zu sein, und ob sie bereit ist, »sich fordern zu lassen«. Denn: »Das ist kein Beruf, den man einfach so macht. Da muss man gerufen sein.« Fünf Tage hat sie sich vor dem großen Tag frei genommen vom Tagesgeschäft – eine Art Klausur, um sich auf die Weihe zu konzentrieren.
Glaab arbeitet hauptberuflich als Yogalehrerin, auch im katholischen Bildungszentrum in Schmerlenbach. Ihr Beruf steht für sie nicht im Widerspruch zu ihrer Berufung: »Yoga ist an keine Religion gebunden, sondern ein Instrument. Es hilft mir, mit dem Leben besser klar zu kommen und Krisen zu bewältigen. Yoga ist auch Seelsorge.« Wie eine Religion könnten die Asanas – die Übungen – helfen, sich selbst zu finden. »Meditation hilft, Wege zu Gott zu finden.« Welcher Gott, sei »gleich gültig«, betont Glaab und meint damit »gleich wertvoll.
Die 48-Jährige wählt ihre Formulierungen mit Bedacht. Sie möchte nicht falsch verstanden werden, nicht trennen, sondern verbinden. Brigitte Glaab wirkt tough. Fester Blick, klare Worte. Sie mag nicht drum herum reden. Eindeutig ist auch ihr Weihspruch: »In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst.«
»Sie ist eine Seelsorgerin durch und durch«, sagt Klaus Scherer aus der alt-katholischen Gemeinde. »Sie versprüht so viel Lebendigkeit, die die Menschen in der Kirche oft vermissen.« Glaab zeige in der etwa 100-köpfigen Gemeinde, »dass Glaube etwas mit dem Leben zu tun hat«.
Die Alt-Katholiken sind zahlenmäßig eine winzige Glaubensgemeinschaft mit deutschlandweit 20 000 Mitgliedern. Zum Vergleich: Fast 25,2 Millionen Katholiken gibt es im Land. Die Alt-Katholiken haben kaum eigene Gotteshäuser. Sie leihen sich deswegen Kirchen für ihre Gottesdienste aus – meist von Protestanten. »Das ist ein Zeichen gegenseitiger Gastfreundschaft«, sagt etwa der Pfarrer der Aschaffenburger Christuskirche, Manacnuc Lichtenfeld, in der Brigitte Glaab heute geweiht wird. Peter Kolb, Pfarrer für Öffentlichkeitsarbeit im Dekanat, ergänzt: »Wir haben gute Kontakte zu den Alt-Katholiken. Es ist ein guter Brauch, dass sie bei uns unterkommen.« Für die Kirchenräume müssten sie keine Miete zahlen. Da die Gemeinschaft so klein ist, sehe die Evangelische Kirche sie nicht als Konkurrenz.
Alternative zur katholischen Kirche
Für Glaab aber war die kleine Gemeinschaft eine wahre Alternative. Sie hat in Würzburg katholische Theologie studiert. Ihr wurde klar: »Ich kann in dieser Kirche nicht arbeiten – als Frau schon gar nicht.« Laien würden ausgebremst. Über die hierarchische Struktur der katholischen Kirche schüttelt sie den Kopf. Sie entdeckte die Alt-Katholiken mit ihrer synodalen Struktur für sich. Sie fand eine katholische Kirche, »die all das, was mir als Studentin schon wichtig war, lebte«.
Die Gemeinde wählt ihre Pfarrer, Gemeindevertreter wählen den Bischof. Frauen sind gleichberechtigt. Die Sprache ist anders. Gott wird in Gebeten auch mal als »Mutter« angesprochen. Begeistert hat Glaab ihre erste alt-katholische Eucharistiefeier. Die Gläubigen standen in einem Kreis, sie bekamen Brot, der Priester nahm sich zuletzt. »Da war Gemeinschaft spürbar. Das fand ich total klasse.«
Vergangenes Jahr hat der damalige Bischof Joachim Vobbe sie zur Diakonin geweiht. Sie war die neunte in Deutschland. 1994 hatte die Synode der Alt-Katholiken beschlossen, dass auch Frauen Priesterinnen werden dürfen. Am Pfingstsonntag 1996 wurden die ersten beiden geweiht. »Es gibt keinen rationalen Grund, Frauen das zu verwehren. Sie können genauso in den Dienst berufen sein wie Männer«, sagt die Mutter dreier Töchter, die 24, 21 und 17 Jahre alt sind.
Um Priesterin zu werden, hat sie vier Semester lang ein Fernstudium am einzigen alt-katholischen Seminar Deutschlands an der Uni Bonn absolviert. Sie wird ehrenamtlich als Priesterin arbeiten und einmal im Monat Gottesdienst in der evangelischen Paul-Gerhardt-Kirche in Haibach halten, Sakramente spenden, taufen und Ehen schließen.
Brigitte Glaab ist verheiratet mit einem Mann, der sie »voll und ganz unterstützt«. Das komme auch der Gemeinde zu gute. »Es kann eine Bereicherung sein, wenn ein Priester mit seiner Familie in der Gemeinde lebt«.
                            Fee Berthold
Primavera24
Die Aschaffenburger Stadt Zeitung brachte am 31. März einen groß aufgemachten Bericht über die Weihe von Brigitte Glaab und ihre Beweggründe.
Den Bericht, der auch auf Primavera24 veröffentlicht wurde, finden Sie hier.

Erste Eucharistiefeier mit Brigitte Glaab

Am 16. Mai 2010 feierten wir in unserer alt-katholischen Gemeinde in Haibach zum ersten Mal Eucharistie mit Brigitte Glaab als Zelebrantin.
Die Neupriesterin dankte den vielen Helferinnen und Helfern aus „ihrer“ Gemeinde für den unermüdlichen Einsatz bei der Vorbereitung des Weihegottesdienstes und beim anschließenden Empfang.
In ihrer Predigt ging Brigitte Glaab auf die Tradition des sog. Primizsegens ein, ein Segen, der in diesem ersten Gottesdienst Einzelpersonen gespendet wird.
Sie nahm Bezug auf das Priesterbild, das Bischof Matthias in seiner Predigt während des Weihegottesdienstes gezeichnet hatte und wies darauf hin, daß ein Primizsegen nichts „magisches“ sei. Den Segen „erteilt“ ja nicht die Priesterin / der Priester, sondern er kommt immer von Gott.
Trotzdem sei ein Primizsegen – ähnlich wie die Handauflegung während der Weihe zur Priesterin – etwas ganz persönliches, das den Gesegneten verdeutlicht: du bist gemeint.
Und so folgten auch am Ende des Gottesdienstes die meisten der Anwesenden der Einladung zu einem Einzelsegen, in dem die Neupriesterin ihnen die Hände auflegte und ihnen persönliche Segensworte mit auf den Weg gab.

Hinweis:
bezeichnet
externe Links!
In Christen heute erschien im Juni 2010 dieser Artikel von Klaus Scherer über die Weihe von Brigitte Glaab sowie Auszüge aus der Predigt von Bischof Matthias Ring.

Bischof Matthias Ring weiht Brigitte Glaab durch Handauflegung und Gebet


Kelch und Hostienschale, Werke der Aschaffenburger Keramik-Künstlerin Andrea Müller, sind Geschenke der Aschaffenburger Teilgemeinde an die Neupriesterin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


persönliche Zuwendung beim Primizsegen