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Newsmeldung

Sonntagsgedanken zum 5. Sonntag im Lesejahr (B)

06.02.2021

Lesung aus dem Buch Hiob

Hiob 7,1-7

Hiob ergriff das Wort und sprach: Ist nicht Kriegsdienst des Menschen Leben auf der Erde? Sind nicht seine Tage die eines Tagelöhners? Wie ein Knecht ist er, der nach Schatten lechzt, wie ein Tagelöhner, der auf seinen Lohn wartet. So wurden Monde voll Enttäuschung mein Erbe und Nächte voller Mühsal teilte man mir zu. Lege ich mich nieder, sage ich: Wann darf ich aufstehen? Wird es Abend, bin ich gesättigt mit Unrast, bis es dämmert. Mein Leib ist gekleidet in Maden und Schorf, meine Haut schrumpft und eitert. Schneller als das Weberschiffchen eilen meine Tage, sie gehen zu Ende, ohne Hoffnung. Denk daran, dass mein Leben nur ein Hauch ist! Nie mehr schaut mein Auge Glück.

Evangelium

Mk 1,29-39

In jener Zeit ging Jesus zusammen mit Jakobus und Johannes in das Haus des Simon und Andreas. Die Schwiegermutter des Simon lag mit Fieber im Bett, Sie sprachen mit Jesus über sie, und er ging zu ihr, fasste sie an der Hand und richtete sie auf. Da wich das Fieber von ihr, und sie sorgte für sie. Am Abend, als die Sonne untergegangen war, brachte man alle Kranken und Besessenen zu Jesus. Die ganze Stadt war vor der Haustür versammelt, und er heilte viele, die an allen möglichen Krankheiten litten, und trieb viele Dämonen aus. Und er verbot den Dämonen zu reden; denn sie wussten, wer er war. In aller Frühe, als es noch dunkel war, stand er auf und ging an einen einsamen Ort, um zu beten. Simon und seine Begleiter eilten ihm nach, und als sie ihn fanden, sagten sie zu ihm: Alle suchen dich. Er antwortete: Lasst uns anderswohin gehen, in die benachbarten Dörfer, damit ich auch dort predige; denn dazu bin ich gekommen und er zog durch ganz Galiläa, predigte in den Synagogen und trieb die Dämonen aus.

Sonntagsgedanken

von Diakon Dr. Christian Flügel

Wir sind unter uns, klein und unscheinbar – ein Online-Gottesdienst, an dem eine kleine Schar aus einer ohnehin schon kleinen Gemeinde einer Miniaturkirche teilnimmt. Wir erwarten keine weltbewegenden Ereignisse, keine Wunder. Wir leben mit der Corona-Pandemie, irgendwie haben wir uns mit allem, was an Not und Einsamkeit herrscht, abgefunden. Wir jammern nicht, denn wir wissen, dass es uns im Vergleich ja gut geht. Wir sind betroffen über die Ausbeutung und Ungleichbehandlung in den ärmsten Länder oder mitten in Europa in den Flüchtlingslagern z.B. auf Lesbos; viele engagieren sich etwa für eine gerechte medizinische Versorgung. Diese globale Verantwortung steht in keinem Widerspruch zu unserem Mitfühlen im unmittelbaren Umfeld unserer Gemeinde.

Das heutige Evangelium passt gut in diesen Spannungsbogen. In der Geschichte geht es nicht um die Rettung der Welt durch einen Superhelden. Die Akteure sind wie wir an der Peripherie, sie sind unter ihresgleichen und teilen die persönlichen Sorgen. Die Schwiegermutter des Petrus ist krank und sie zeigt Symptome, die auch im Zusammenhang mit Corona-Infektionen gelten: „In jener Zeit ging Jesus zusammen mit Jakobus und Johannes in das Haus des Simon und Andreas. Die Schwiegermutter des Simon lag mit Fieber im Bett. Sie sprachen sogleich mit Jesus über sie“.

Natürlich ist dieser antike Text keine medizinische Fallbeschreibung, auch wenn ein volkstümliches Krankheitskonzept zu Grunde liegt, wonach ein Dämon die Erkrankung bewirkt. Der Evangelist will die Frohe Botschaft veranschaulichen: dieser Provinzprediger Jesus ist der erwartete Messias. Am konkreten Beispiel der Heilung in Kafarnaum transportiert Markus die Zusage von Heil, von Überwindung der dämonischen Kräfte für seine eigene Generation – letztlich auch für uns heute. Markus schreibt 40 Jahre nach Jesu Tod. Seine Zeitgenossinnen leiden unter der römischen Besatzung, einige Bibelexegeten gehen davon aus, dass schon der jüdische Krieg herrscht, dass die Römer den Jerusalemer Tempel zerstört haben. Das jüdische Zentralheiligtum, der Mittelpunkt des israelischen Volkes, ist zerstört, die religiöse Hoffnung, der Zusammenhalt des „auserwählten Volkes“ bricht weg.

Auch in diesem Stimmungsbild können wir Parallelen zu unserer Wirklichkeit als Glaubende finden. Die Symbole religiöser Sicherheit brechen weg. Wir spüren es jeden Tag: im sogenannten „christlichen Abendland“ fegt die Säkularisierung religiöse Gewissheiten und Bezugspunkte weg. Diese Auflösungssymptome, die die Evangelisten bei den Juden miterleben, erkennen wir bei den Kirchen heute. Diese Ungewissheiten, die Infragestellung einer vermeintlich festen Ordnung erleben viele Menschen wie eine schwere und bedrohliche Erkrankung. Die Welt liegt ihrerseits im Fieber. Jesus wirkt zunächst nicht im Machtzentrum Jerusalem, sondern quasi unscheinbar in galiläischen Dörfern. Kafarnaum dürfte im römischen Imperium etwa so unbekannt gewesen sein wie z.B. die alt-katholische Thomasgemeinde in Düsseldorf. Die Heilung der Schwiegermutter des Simon Petrus wäre ja wahrscheinlich längst in Vergessenheit geraten, wenn sie nur eine konkrete Episode geblieben wäre.

Die tief traumatisierte Zuhörerschaft des Evangelisten hat wahrscheinlich ihre eigene Not im Schicksal der Bewohner von Kafarnaum erkannt – vielleicht tun wir es heute in gewisser Weise auch. Dämonische Mächte machen krank, die Corona-Pandemie offenbart solche Ängste und Verschwörungsfantasien. Sie zeigt, wie aggressiv gesundheitspolitische Fragen ausgefochten werden und oft zu Spaltung und Sprachlosigkeit führen. Egoismus, Streben nach Macht und Reichtum, die verzerrte Sicht auf den Mitmenschen als Konkurrent oder fremde Bedrohung, das sind die Krankheiten, unter denen das globale Dorf „Erde“ schwer leidet. Die Klimakatastrophe macht das Symptome „Fieber“ auf beängstigende Weise aktuell.

Auch die Bedeutung Jesu und seines Wirkens können wir auf heute übertragen. Der Text beschreibt zunächst, dass die Jünger offen über die Krankheit sprechen. Wir können uns vorstellen, dass sie den Zustand von Petri Schwiegermutter weder dramatisiert noch verharmlost haben. Die Männer beschreiben nur den Zustand; das Evangelium berichtet jedenfalls nicht, dass sie Jesus bitten, er solle die kranke Schwiegermutter heilen. Das könnte für uns bedeuten: es geht um eine ehrliche und realistische Analyse und Benennung der Krankheiten der heutigen Welt. Wir dürfen nicht unsere ungelösten und oftmals selbst verursachten Schwierigkeiten einfach an Jesus delegieren: „Herr, bring du das mal in Ordnung!“.

Jesus nimmt Anteil und wendet sich der Kranken zu. Er richtet sie auf. Dieses Ursymbol menschlicher Würde macht gesund. Für uns eine Einladung, in Jesu Auftrag die Entrechteten und Verzweifelten aufzurichten; aus dieser Stärkung kann Leiden und Hilflosigkeit überwunden werden. Interessant ist im weiteren Verlauf, dass es im Text ausdrücklich heißt, dass sich die Bedürftigen der „ganzen Stadt“ versammeln und dass Jesus viele von ihnen heilt – aber eben nicht alle. Der Evangelist schreibt seiner Zuhörerschaft ins Stammbuch: die Gemeinde Jesu ist keine Sekte mit Heil-Garantie. Die Wunder, von denen die Evangelisten berichten, wollen eben keine Beweise sein, die Jesus-Gruppe keine Arche Noah für das untergehende jüdische Reich.

Der Jesus im Markus-Evangelium nutzt seine Wirkung nicht zur Untermauerung seines Sohn-Gottes-Anspruchs. Im Gegenteil gebietet er den Zeugen seiner Heilstaten oft, darüber nicht zu sprechen. In der heutigen Passage richtet er diese Aufforderung sogar an die Dämonen, also an die zerstörerischen Kräfte, die sein Anderssein besonders schnell und tief erkennen. Jesus will kein Jahrmarktsgaukler sein, keine Attraktion aus Kafarnaum. Er schenkt Heil und hofft, dass es weiter wirkt unter denen, die es erfahren. Die Lawine der Liebe und Zuwendung soll in Kafarnaum von selbst weiterwachsen. Er möchte auch in anderen Dörfern solchermaßen Heilungsimpulse setzen: „Lasst uns anderswohin gehen, in die benachbarten Dörfer, damit ich auch dort verkünde; denn dazu bin ich gekommen.“ Wenn wir diesen Gedanken auf die Kirche in ihrer 2000jährigen Geschichte anwenden, ist die Bilanz bitter. Als die Kirchen noch Machtzentren waren, haben sie selbst oft versagt. Aktuell denken wir an Fälle sexuellen Missbrauchs. Wer Kirche hier als heilige Gemeinschaft darstellt, die das Heilungswerk Jesu fortsetzt, ist an Zynismus kaum noch zu überbieten. Aber: zu jeder Zeit kamen die Umbrüche, die unscheinbaren Gesundungsimpulse vom Rand her. Oft sind karitative Werke unscheinbar wie ein Fischerdörfchen am See Genezareth für die Weltgeschichte. Unserer kleinen Düsseldorfer Gemeinde kann die Kafarnaum-Geschichte in mehrfacher Hinsicht Mut machen. Das Evangelium verweist auf die Bedeutung des Einsatzes für Gerechtigkeit und Menschlichkeit – auch außerhalb der Machtzentren. Es bewahrt vor Perfektionismus: wir müssen nicht alles schaffen, wir dürfen delegieren. Unser St. Thomas-Kafarnaum ist nicht alles, auch in anderen Dörfern, sozialen Bezügen – am Arbeitsplatz, im Freundeskreis – darf unser Vertrauen anstiften. Im Gebet können wir Kraft und Schutz finden vor Selbstüberschätzung und -überforderung. Jesus selbst schöpft die Kraft aus dieser Quelle allen Heils: „In aller Frühe, als es noch dunkel war, stand er auf und ging an einen einsamen Ort, um zu beten.“

Impuls: Wunder

Bedrückt Bedrängt Besessen Beeinflusst
Beleidigt Bedeutungslos Blind Beklagenswert
Behindert Bekloppt Berufsunfähig Bewegungseingeschränkt
Besoffen Beziehungslos Blutflüssig Bucklig
So gehen wir durchs Leben
So kommen wir zu dir
So suchen wir nach einem guten Wort
So sehnen wir uns nach einer heilenden Begegnung
Erleichtere uns
Weite unseren Blick
Schenk uns einen eigenen Standpunkt
Zeig uns unseren Platz
Öffne unsere Augen
Mach uns wach
Ernüchtere uns
Gib uns den Sinn
Hilf uns Verbindungen zu knüpfen
Lass uns rein werden
Richte uns auf
Mit deiner Hilfe können wir ein Wunder erleben
Mit deiner Hilfe können auch wir Wunder wirken
Mit deiner Hilfe ist die Welt verbesserlich
Mit deiner Hilfe beginnt das Himmelreich
Amen.

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