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Sonntagsgedanken - 3. Fastensonntag

08.03.2021

Es ist kaum erstaunlich, dass es so viel Verunsicherung auch unter uns Christen gibt. Wir kennen zwar die Zehn Gebote und wissen, dass diese helfen wollen, richtig zu leben. Aber viele Leute richten sich kaum danach, und wir lassen uns auch anstecken. Wenn wir uns an Christus binden, können wir auch verbindlich leben – aus der Kraft des Glaubens und der Gemeinschaft mit Ihm, der uns zu einem Gott-verbundenen, zukunftsweisenden Leben einlädt.

Lesung aus dem Buch Exodus

Ex 20,1-3.7-8.12-17

Dann sprach Gott alle diese Worte: Ich bin der HERR, dein Gott, der dich aus dem Land Ägypten geführt hat, aus dem Sklavenhaus. Du sollst neben mir keine anderen Götter haben. Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der HERR lässt den nicht ungestraft, der seinen Namen missbraucht. Gedenke des Sabbats: Halte ihn heilig! Ehre deinen Vater und deine Mutter, damit du lange lebst in dem Land, das der HERR, dein Gott, dir gibt! Du sollst nicht töten. Du sollst nicht die Ehe brechen. Du sollst nicht stehlen. Du sollst nicht falsch gegen deinen Nächsten aussagen. Du sollst nicht das Haus deines Nächsten begehren. Du sollst nicht die Frau deines Nächsten begehren, nicht seinen Sklaven oder seine Sklavin, sein Rind oder seinen Esel oder irgendetwas, das deinem Nächsten gehört.

Evangelium

Joh 2,13-25

Das Paschafest der Juden war nahe und Jesus zog nach Jerusalem hinauf. Im Tempel fand er die Verkäufer von Rindern, Schafen und Tauben und die Geldwechsler, die dort saßen. Er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle aus dem Tempel hinaus samt den Schafen und Rindern; das Geld der Wechsler schüttete er aus, ihre Tische stieß er um und zu den Taubenhändlern sagte er: Schafft das hier weg, macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle! Seine Jünger erinnerten sich, dass geschrieben steht: Der Eifer für dein Haus wird mich verzehren. Da ergriffen die Juden das Wort und sagten zu ihm: Welches Zeichen lässt du uns sehen, dass du dies tun darfst? Jesus antwortete ihnen: Reißt diesen Tempel nieder und in drei Tagen werde ich ihn wiederaufrichten. Da sagten die Juden: Sechsundvierzig Jahre wurde an diesem Tempel gebaut und du willst ihn in drei Tagen wiederaufrichten? Er aber meinte den Tempel seines Leibes. Als er von den Toten auferweckt war, erinnerten sich seine Jünger, dass er dies gesagt hatte, und sie glaubten der Schrift und dem Wort, das Jesus gesprochen hatte. Während er zum Paschafest in Jerusalem war, kamen viele zum Glauben an seinen Namen, da sie die Zeichen sahen, die er tat. Jesus selbst aber vertraute sich ihnen nicht an, denn er kannte sie alle und brauchte von keinem ein Zeugnis über den Menschen; denn er wusste, was im Menschen war.

Sonntagsgedanken

Stellt euch einen ganz normalen Sonntagmorgen vor. Manche Leute nutzen ihn zum Ausschlafen, andere betätigen sich sportlich oder genießen ein entspanntes Familienfrühstück.

Einige Menschen versammeln sich zu einer gemeinsamen rituellen Handlung. Sie sind schon etwas vor dem Veranstaltungsbeginn da, damit sie gute Plätze in den hölzernen Bankreihen bekommen. Als der Leiter des Rituals, erkennbar an seiner besonderen Ausstattung, den Raum betritt, verstummen die leisen Gespräche und andächtige Stille breitet sich aus. Er eröffnet in bekannter Weise die Zeremonie, seine Gebärden und Worte sind den Versammelten geläufig. Sie folgen dem Geschehen mit gespannter Aufmerksamkeit und sind ganz versunken. Manche schließen die Augen. Einige haben feuchte Wangen. Man lässt sich die Atmosphäre bis auf die Haut gehen, hat die alltäglichen Hüllen abgelegt. Manchem scheint eine Botschaft buchstäblich auf den Leib geschrieben. Niemand bewegt sich unnötig. Meditative Stille begleitet die intensiv duftenden Schwaden, die von Zeit zu Zeit aufsteigen.

Schließlich entlässt der Leiter sie. Man strömt aus der geöffneten Tür ins Freie, nimmt die Luft und den frischen Wind mit neuer Dankbarkeit wahr und wechselt ein paar freundliche Worte miteinander. »Sehen wir uns nächsten Sonntagvormittag um die gleiche Zeit?«, fragt jemand seinen Bekannten. »Wenn Marco wieder Dienst hat«, gibt der zurück, »der macht doch die besten Aufgüsse und mit ihm ist jeder Saunagang ist ein Gewinn!«

Schön, dass die Leibfeindlichkeit nicht mehr gepredigt und gelebt wird. Schade allerdings, wenn der Körperkult zur neuen Religion wird, wenn vor lauter beständigem Streben nach Fitness, Jugendlichkeit und nahtloser Bräune kein Blick über den Spiegel hinaus zielt. Der Körper ist mehr als nur eine sterbliche Hülle, wir haben nicht nur einen Körper, wir sind unser Körper. Es ist richtig und wichtig, ihm Aufmerksamkeit zu widmen. Wir können davon ausgehen, dass Jesus ein positives Verhältnis zur Leiblichkeit hatte. Sein Leib, sein Blut sind sein Vermächtnis an uns.

Im Evangelium wird berichtet, Jesus hätte über den »Tempel seines Leibes« gesprochen. Auch bei Paulus fällt dieser Begriff: »Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?… Gottes Tempel ist heilig, und der seid ihr« (l Kor 3,16f). Der Leib wurde also im Urchristentum keineswegs als lästiges Anhängsel der Seele verstanden oder gar als Pforte zur Hölle.

Stellt euch das vor: der Leib eines jeden von uns – ein Tempel Gottes?

Darum ist der Gottesdienst nicht an einen bestimmten Ort gebunden. Er geschieht zuerst und vor allem dort, wo ein Mensch ganz aus dem Wort und der Nachfolge Jesu Christi lebt. Das bedeutet keineswegs, dass unsere Kirchenbauten oder sogar die Feier der Eucharistie überflüssig sind. Aber wenn wir nicht auf ihn schauen, wenn er nicht in uns wohnt, dann nützt das schönste Gotteshaus nichts, dann hilft uns der prachtvollste Gottesdienst nicht. Der Reichtum einer Gemeinde besteht letztlich nicht in einer schönen Kirche. Entscheidend ist der geistige Zustand einer Gemeinde. Entscheidend ist, wie ein jedes Glied der Gemeinde vor Gott steht, ob Jesus bei ihm »Wohnung nehmen« kann (vgl. Job 14,23).

Sind wir so, wie Jesus uns haben möchte? Sind wir uns der Würde bewusst, die uns völlig unverdient geschenkt wurde? Die Menschenwürde besteht nicht nur darin, dass wir Verstand und freien Willen haben. Sie ist zutiefst darin begründet, dass wir zur Lebensgemeinschaft mit Gott berufen sind. Dieser Berufung gemäß sollen wir leben: so leben, dass Gott, dass Jesus Christus in uns wohnen kann. Kann er das?

Wir sind unser Körper – Ist Jesus ein Teil unseres Körpers?

Niemand wird behaupten, er sei ein vollkommener Christ. So erhebt sich doch die Frage, was alles sich in unserem Leben breitgemacht hat, das mit dem Wohnen Gottes in uns nichts oder nur wenig zu tun hat. Der Tempel, der wir sein sollen, kann durchaus auch zu einer Art »Markthalle« entarten, so dass eine Tempelreinigung angebracht wäre. Sollten wir uns nicht in dieser österlichen Bußzeit einer solchen Reinigung unterziehen? Sozusagen einen geistlichen Saunagang veranstalten, bei dem wir alles Schädliche oder sogar Böse herausschwitzen.

Die Jünger haben erst spät begriffen, was Jesus meinte. Er hat sie des Öfteren wegen ihrer Schwerfälligkeit getadelt. Die Christen, denen Paulus schrieb, sie seien Tempel Gottes, haben es sicher auch nicht oder nur mühsam verstanden, wie er es meinte. Das mag für uns ein Trost sein. Dennoch wollen wir uns bemühen, das Zeichen der Tempelreinigung für unser ganz persönliches Leben zu deuten: nicht aus Angst, nicht unter Druck, sondern als Einladung zur Antwort auf Gottes unbegreifliche Liebe, die Tag für Tag um uns wirbt und uns niemals aufgibt.

Freuen wir uns auf einen gastlichen Saunagang in dieser Fastenzeit, nach dem wir mit reinem Körper als Tempel Gottes stehen.

Viel Freude bei eurem Saunagang!

Vorsatz für die Woche

Einfach so …
die Not wenden durch Fasten –
es ist not-wendig, höchste Zeit
abzuspecken, wegzulassen, auszumisten
sich zu trennen, weiterzugeben, von der Liste zu streichen.
Einfach so …
die Not wenden durch Gebet —
es mangelt daran, zu viel anderes fordert alle Aufmerksamkeit,
abschalten, leer werden, hinhorchen und hinein
in die eigenen Abgründe, in die Tiefe des Gotteswortes.
Einfach so …
die Not wenden durch Werke der Liebe –
es werden viele Worte gemacht, es fehlen die Werke,
keine Schwüre und Versprechungen, sondern spürbare Taten.
Aufmerksamkeiten, die das Gegenüber aufmerken und aufatmen lassen!

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