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07.10.2018 15:34 Alter: 39 days

Mehr Glaubensauseinandersetzung, weniger Kirchenrecht

61. Ordentliche Bistumssynode in Mainz beendet

Abschlussgottesdienst Bistumssynode 2018 - © Alt-Katholische Öffentlichkeitsarbeit / Pfr. Walter Jungbauer

Mit einer Eucharistiefeier unter Leitung von Bischof Dr. Matthias Ring wurde die in Mainz tagende 61. Ordentliche Synode des Katholischen Bistums der Alt-Katholiken beendet. Neben zahlreichen Rechtsfragen beschäftigte sich die Synode auch mit dem inhaltlichen Leitthema „Frieden“, verabschiedete eine Leitlinie zur Prävention gegen sexuelle Gewalt und wählte u.a. eine neue Kirchenleitung. Wichtig war den Synodalen, sich bei zukünftigen Synoden mehr mit thematischen Inhalten auseinanderzusetzen und über das eigene Selbstverständnis als alt-katholische Kirche Gedanken zu machen.

Große Einmütigkeit unter den Synodalen war zu spüren, als es in verschiedenen Zusammenhängen um die Frage ging, auf den Synoden mehr inhaltlich zu arbeiten statt sich vorrangig mit Fragen des Kirchenrechts auseinanderzusetzen. Der Thementag „Frieden“ mit seinen zahlreichen Anregungen für die konkrete Friedensarbeit im Bistum und in den Gemeinden wurde als eine solche inhaltliche Auseinandersetzung mit einem wichtigen Thema empfunden.  

Ein besonderes Anliegen, welches auf der Synode deutlich wurde, war der große Wunsch, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, was die alt-katholische Kirche nicht in Abgrenzung zu anderen Konfessionen ausmacht, sondern wie sie selbst ihren Glauben und ihr Selbstverständnis versteht. In diesem Zusammenhang wurde unter dem Arbeitstitel „Gottsuche“ auch der Prozess für die Entwicklung eines Glaubensbuches angeschoben, mit dessen Hilfe Menschen einen leicht zugänglichen und verständlichen Zugang zum christlichen Glauben aus alt-katholischer Sicht erhalten sollen. Damit griff die Synode auch einen Impuls auf, den Bischof Ring in seinem Bischofsbericht gegeben hatte.

Ein wichtiger Punkt war am letzten Sitzungstag die Annahme von Leitlinien zur Prävention gegen sexuelle Gewalt durch die Synode. Der Diskussionsprozess für solche Leitlinien war bereits vor sechs Jahren von der Synode im Jahr 2012 angestoßen worden. Sie sollen nun dazu beitragen, eine Kultur der Achtsamkeit und des Hinschauens zu fördern, um sexualisierte Übergriffe zu verhindern. Bischof Ring machte dabei in der Debatte deutlich: „Die Leitlinien an und für sich sind natürlich erst ein Anfang. Jetzt muss die Umsetzungsarbeit beginnen. Das wird ein erster Schwerpunkt der Arbeit der neuen Synodalvertretung sein müssen.

Vertagt wurde eine abschließende Beschlussfassung zum Thema „Ehe, Partnerschaftssegnung, Sakrament“. Bischof Ring berichtete der Synode, dass die Bischöfe der alt-katholischen Kirchen der Utrechter Union bei ihrer letzten Sitzung beschlossen haben, einen Konsultationsprozess einzuleiten, um sich bis Mitte 2020 über die Haltung der Bistümer zu dem Thema klar zu werden; danach müsse dann jede der autonomen Ortskirchen entscheiden, welche Konsequenzen sie aus der Positionsbestimmung der anderen Kirchen ziehe. Bischof Ring zeigte sich dabei vor dem Hintergrund der Erfahrungen in der deutschen Kirche sehr optimistisch: „In unserer Kirche muss sich heute niemand mehr verstecken. Wir können homosexuelle Pfarrerinnen und Pfarrer in Gemeinden schicken, ohne dass dies große Probleme bereitet. Das hätte ich vor noch nicht so vielen Jahren nicht gedacht.“