Detailansicht

19.07.2018 22:59 Alter: 92 days

Bischof Ring: Gegen die sprachliche Entmenschlichung

Bischof Dr. Matthias Ring bei der Predigt

Gottesdienst zur Glockenweihe

Glocke "Mitgefühl"

Sensibel für den Gebrauch der Sprache zu sein, dazu rief Bischof Dr. Matthias Ring in seiner Predigt anlässlich der Glockenweihe in Augsburg auf. Er zeigte sich besorgt angesichts des Ausmaßes an Verachtung und Häme, die in den Kommentarspalten im Internet und in den sozialen Medien zu finden sei. "Es ist beunruhigend, dass auch in der Politik eine Sprache Einzug halte, durch die Menschen verächtlich gemacht werden", so Bischof Ring. Die Geschichte lehre, dass die Entmenschlichung des anderen oft mit seiner sprachlichen Entmenschlichung begonnen habe. Egal wie man sich in konkreten Sachfragen positioniere, wenn man sich nicht mehr von der Not anderer anrühren lasse, dann sei nicht nur das Christliche in Frage gestellt, sondern die Menschlichkeit an sich, so der Bischof.

Bischof Ring predigte über das Evangelium von der Heilung der blutflüssigen Frau (Mk5,24-34) und bezog dieses auf die Glocke, die auf den Namen "Mitgefühl" geweiht  wurde. Im Evangelium spürt Jesus, dass die Frau sein Gewand berührt. "Wie sensibel muss man sein, dass man eine solche Berührung spürt?", fragte Bischof Matthias . Jesus habe sich von der Not dieser Frau anrühren lassen. Weil Jesus die Berührung gespürt habe, sei eine heilende Beziehung zwischen ihr und ihn entstanden.

Es bestehe heute die Gefahr, dass wir uns angesichts der Not dieser Welt, mit der wir ständig durch die Medien konfrontiert werden, eine "seelische Hornhaut" zulegten. Auch die sprachliche Entmenschlichung des anderen diene "Hornhautbildung", denn wer nicht mehr als Mensch angesprochen und benannt werde, werde auch nicht als Mensch behandelt.