Auf ein Wort

Menschen planen; Gott lacht.

 

Liebe Schwestern und Brüder,

in Singen erleben wir in den letzten Wochen viele Fortschritte bei den Bauarbeiten unseres Gemeinde- und Pfarrhauses. Das war von Anfang an ein langsamer und mühsamer Prozess… Als ich im Dezember nach Singen kam, hat unser Architekt mir ganz optimistisch gesagt, dass die Bauarbeiten bis Ende Februar fertig sein sollen. Ich wusste zwar, dass das bestimmt zu optimistisch war, um wahr zu sein. Aber keiner hat erwartet, dass es so zeitintensiv werden könnte. Daran ist niemand schuld, denn solche Projekte sind unberechenbar: Die Arbeit der einen Firma hängt von der anderen ab und so weiter. So ein Bauprojekt ist eine Kreatur mit eigener Lust und Laune.  

 

Unsere Arbeitsweise in der Gemeinde hat darunter gelitten. Man kann wenig planen, Gemeindeaktivitäten sind bei uns „zu Hause“ so gut wie nicht möglich. Es gab Zeiten, in denen Frau Mischereit gar nicht arbeiten konnte. Für mich war es mühsam, nicht direkt ins Büro oder in die Sakristei gehen zu können. Es ist für unseren Vorstand, für Frau Mischereit und für mich schwer, nicht die Kontrolle zu haben über unsere Arbeitsfelder in der Gemeinde, wie wir es gewohnt sind.

 

Menschen wollen gerne die Kontrolle haben. Aber in unserem Leben finden sich oft unberechenbare „Baustellen“: eine plötzliche Änderung im Beruf, Umzug, Krankheit oder Tod, sich auf ein neues Kind vorzubereiten etc. Oder man wird einfach älter, Sehkraft und Hörvermögen lassen nach, die Gelenke machen langsam nicht mehr mit, die Wohnung passt nicht mehr zur Lebenssituation. Dann merken wir, wie wenig Kontrolle wir in der Tat haben. Und dann sind wir in eine Baustelle geworfen und müssen schauen, wie es weiter geht.

 

Wir haben aber in Singen auch viel Gutes erlebt in dieser Baustelle. Wir haben zusammen gefeiert, wir waren miteinander unterwegs, und uns ging es trotz dem Staub und den Verzögerungen immer irgendwie gut. Und wir haben es bewältigt – irgendwie.

 

„Wir planen und Gott lacht“: Das bedeutet, wir dürfen und sollen gern planen. Aber daran können wir unsere Herzen nicht hängen, sondern alleine an Gottes Liebe und Gnade. Und deswegen finde ich das Gelassenheitsgebet immer gut für die Seele, egal ob in einer Baustelle oder in Zeiten, wo wir glauben wir hätten alles ganz fest im Griff:

 

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,

den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,

und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

 

Ihr David Birkman (GiA)