Innehalten - Geistlicher Impuls

Die Feier der Heiligen Woche - Karfreitag

 

Die Lesungen an Karfreitag

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1. Lesung: Jes. 52, 12 - 53,12

https://www.bibleserver.com/EU/Jesaja52%2C13-15 und

https://www.bibleserver.com/EU/Jesaja53%2C1-12

 

2. Lesung: Hebr 4, 14-16

https://www.bibleserver.com/EU/Hebr%C3%A4er4%2C14-16

 

Evangelium: Joh 18, 1 - 19, 42

https://www.bibleserver.com/EU/Johannes18%2C1-40 und

https://www.bibleserver.com/EU/Johannes19%2C1-42

 

 

Gedanken zu Karfreitag

Es gibt Sätze, die wir als "Grundformeln des Glaubens" bezeichnen können. Der Satz "Jesus Christus, für uns gestorben" (1 Thess 5,13) gehört dazu.

Es gibt diese Formel in den verschiedensten Variationen. Jesus selbst fasst seine Sendung nach dem Evangelisten Markus in folgenden Worten zusammen: "Der Menschensohn ist gekommen, nicht dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben hingebe als Lösegeld für die vielen." (Mk. 10,45)

Über 2000 Jahre lang war die Formel "Christus, für uns gestorben" so gut wie unbestritten. Heute gibt es Zweifel: Kann man noch so sprechen? War dieser grausame Tod Jesu am Kreuz notwendig?

In der Vergangenheit wurde diese Grundformel "Christus, für uns gestorben" oft zu einseitig und manchmal sogar mißverständlich ausgelegt. Die Bedeutung des Todes Jesu erschließt sich für uns erst im Zusammenhang mit seiner Verkündigung und seinem Handeln.

Der Tod eines Menschen kann sehr Verschiedenes bedeuten. Der Tod kann das natürliche Ende eines Lebens sein, oder auch ein tragisches Unglück, das Lebensträume zerstört, oder eine Strafe für ein Verbrechen. Die Gegener Jesu haben seinen Tod als letzteres gesehen. Auf jeden Fall kann der Tod das Ereignis sein, welches den Sinn unseres gesamten Lebens in Frage stellen kann.

Bei Jesus bilden Tod und Leben eine unauflösliche Einheit. Was Jesus in seinem irdischen Leben gesagt und getan hat, findet in seinem Tod am Kreuz seinen unüberbietbaren Ausdruck. Das ganze Leben Jesu ist geprägt von seinem Einsatz und seiner Liebe für andere, und die höchste Form dieser Liebe ist die Hingabe seines Lebens für uns Menschen.

Aber war es dann nicht nur der Tod eines Idealialisten, eines uneigennützigen und edlen Menschen? Die Antwort darauf gibt uns Ostern.

(Klaus-Dieter Gerth)

 

 

 

Foto: KDG

Die Feier der Heiligen Woche - Gründonnerstag

 

Die Lesungen für Gründonnerstag:

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1. Lesung: Ex 12, 1-8, 11-14

https://www.bibleserver.com/EU/2.Mose12%2C1-8.11-14

 

2. Lesung: 1 Kor 11, 23-26

https://www.bibleserver.com/EU/1.Korinther11%2C23-26

 

Evangelium: Joh 13, 1-15

https://www.bibleserver.com/EU/Johannes13%2C1-15

 

 

Gedanken zum Gründonnerstag

 

Heuer bleibt er leer, der Tisch, an dem wir Gründonnerstag gemeinsam gefeiert haben. Aber wir sind trotzdem miteinander verbunden, in Gedanken, in Erinnerung an unsere gemeinsamen Feiern, in Erinnerung an das gemeinsame Mahl an Gründonnerstag, unvergessen für alle, die teilgenommen haben. Und wir sind uns sicher: wir werden wieder gemeinsam Gründonnerstag feiern, wir werden wieder gemeinsam im Gottesdienst Gott loben und preisen und ihm danken für alles, was er uns Gutes getan hat.

(Klaus-Dieter Gerth)

 

 

Foto: KDG

Beginn der Heiligen Woche - Palmsonntag

 

Die Lesungen vom Palmsonntag:

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Mt. 21, 1-11: Einzug in Jerusalem

https://www.bibleserver.com/EU/Matth%C3%A4us21%2C1-11

 

Erste Lesung: Jes 50, 4-7

https://www.bibleserver.com/EU/Jesaja50%2C4-7

 

Zweite Lesung: Phil 2, 6-11

https://www.bibleserver.com/EU/Philipper2%2C6-11

 

Evangelium vom Leiden unseres Herrn: Mt 26,14 - 27,66

https://www.bibleserver.com/EU/Matth%C3%A4us26%2C14-75 und

https://www.bibleserver.com/EU/Matth%C3%A4us27%2C1-66

 

 

Gedanken zur Heiligen Woche

 

Noch brennt nicht das Licht der Osterkerze. Wir hören am Palmsonntag vom Einzug Jesu in Jerusalem, wir lesen schon die Leidensgeschichte unseres Herrn nach dem Zeugnis des Evangelisten Matthäus. Und noch steht uns Jesu Abschied von seinen Jüngern am Gründonnerstag und der Karfreitag bevor. Doch wir müssen nicht verzweifeln wie die Jünger damals, für die alles zu Ende schien. Wir wissen schon vor Karfreitag: es ist nicht zu Ende, es folgt die Auferstehung.

Aus Dunkel wird Licht, aus Angst und Verzweiflung Zuversicht, aus Tod Leben.

Gerade in diesen Tagen ist es wichtig und gut, diese Worte der Zuversicht zu hören und aus dieser Zuversicht zu leben.

Auch wenn wir nicht die Palmzweige segnen und als Erinnerung mit nach Hause nehmen können, auch wenn wir nicht die Heilige Woche gemeinsam begehen können, Gründonnerstag feiern, uns an Karfreitag das Leiden und Sterben unseres Herrn vergegenwärtigen und in der Osternacht dann die am Osterfeuer enzündete Osterkerze in die dunkle Kirche tragen können, das Licht Christi, das schließlich alles erleuchtet, auch wenn wir nicht in der Kapelle das Exsultet, das Osterlob singen hören und uns gegenseitig Frohe Ostern wünschen können, auch wenn wir dies heuer alles nicht gemeinsam erleben können: Ostern fällt nicht aus!

Ostern findet trotzdem statt, wenn auch anders als sonst.

Wir sind in einer geistlichen Gemeinschaft verbunden, auch wenn wir daheim sind, Auferstehung findet trotzdem statt, da, wo wir es feiern und zulassen, entweder im Kreis unserer Lieben oder - wenn wir allein sind - im Wissen um die Verbundenheit mit den anderen.

(Klaus-Dieter Gerth)

 

 

Foto: Paullo Kraus

5. Sonntag der österlichen Bußzeit

Evangelium vom 5. Sonntag der österlichen Bußzeit - Joh 11, 1-45

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Die Auferweckung des Lazarus

https://www.bibleserver.com/EU/Johannes11%2C1-45 

 

 

Gedanken zum Evangelium

 

Evangelium – das heißt ja übersetzt: Frohe Botschaft, befreiende Botschaft!

Im Johannesevangelium zum 5. Sonntag der österlichen Bußzeit geht es um den Tod des Lazarus. Aber kann man angesichts des Todes eines lieben Menschen und  angesichts der derzeitigen Coronakrise, die uns um viele unserer Lieben bangen lässt, von einer frohen und befreienden Botschaft reden?

Schauen wir auf das, was im Evangelium steht: Lazarus, der Bruder von Maria und Marta, war todkrank, wird uns berichtet. Und weil Jesus ein Freund des Hauses war, schickten die Schwestern ihm eine Nachricht: „Lazarus, dein Freund ist krank!“ (Joh 11,3). Doch es geschieht zunächst nichts, Lazarus stirbt. Er stirbt, obwohl er ein Freund Jesus war.

Und schon finden auch wir uns selbst mit unserer Erfahrung im Text wieder: Schicken wir nicht auch vielleicht gerade in dieser Krisenzeit Bitten und Gebete zum Himmel, dass möglichst bald wieder alles „normal“ ist, dass wir unsere Freunde, Bekannte und Verwandte wieder besuchen können, dass der Alltag sich normalisiert, dass niemand sich infiziert oder gar stirbt?

Das ist vielleicht eine der schmerzlichsten Erfahrungen, die wir  Christinnen und Christen machen: Die Freundschaft mit Jesus verhindert keine Schicksals­schläge. Offensichtlich kann man nicht sagen: Weil ich mich um die Freund­schaft mit Jesus, mit Gott bemühe, kann mir oder meinen Lieben nichts Schlimmes geschehen. Maria und Marta dachten so, und deshalb werfen sie Jesus vor: „Wärest du hier gewesen, dann wäre unser Bruder nicht ge­storben!“ (Joh 11,21).

Und auch die Menschen um Maria und Marta herum dachten so: „Er wirkt doch so viele Wunder, hätte er da nicht verhindern können, dass dieser, sein Freund da, stirbt?“ (nach Joh 11,37).

Dieselben Fragen und dasselbe Denken damals und wohl auch noch heute. Und die gleiche – oft bitter anmutende Einsicht: Selbst Frömmigkeit und religiöses Leben ver­hindern Schicksalsschläge nicht, auch wenn uns manche etwas anderes erzählen wollen.

Als Jesus sah, wie die Schwestern und Freunde des Lazarus weinen, da kamen auch ihm die Tränen: „Da weinte Jesus“ (Joh 11,35), hören wir im Evangelium. Jesus verhindert den Tod nicht, aber er weint mit den Weinenden. Er trauert mit ihnen. Und er bangt und trauert mit uns heute.

Das sagt viel aus über Gott: auch er kennt die Trauer, er teilt unseren Schmerz, er versteht uns, er weint mit uns! Gott leidet und trauert mit uns, er lässt uns in unserer Trauer und in unserer Angst nicht allein!

Doch damit nicht genug. Gott handelt auch: Jesus tritt an das Grab mit den Worten, ja dem Befehl: „Lazarus, komm heraus!“ (Joh 11,43b)

Der Tod hatte Lazarus schon ereilt, er hatte schon sein „Komm!“ gesprochen. Und es gibt letztlich kein Entkommen, für keinen von uns. Seiner Macht muss jeder weichen: auch die ärztliche Kunst und jedes noch so gute Klinikum. Der Tod – so hat es den Anschein – ist eben stärker, er hat das letzte Wort.

Und doch: die Erzählung um Lazarus zeigt uns: Der Tod hat nicht das letzte Wort. Nachdem der Tod gesprochen hat: „Lazarus komm“, tritt Jesus an das Grab und spricht: „Lazarus komm heraus!“ Nach dem Wort des Todes das Wort des Lebens. Der Tod hatte und hat nicht das letzte Wort!

Das ist die frohe und befreiende Botschaft des eben gehörten Evangeliums!

Freilich, auch Lazarus ist irgendwann gestorben. Aber darum geht es gar nicht im Evangelium. Mit der  Geschichte des Lazarus soll uns symbolisch Tieferes gezeigt werden, nämlich: Gott ist ein Gott des Lebens und nicht des Todes! Nach dem irdischen Tod geht das Leben weiter. Freilich in anderer Form und auf andere Weise als das irdische Leben. Der Tod hat nicht das letzte Wort, das Grab ist nicht die letzte Station. Wir sind für das Leben geboren, nicht für den Tod. Gott ver­hindert nicht den irdischen Tod. Er verhindert auch nicht, dass wir Angst haben, dass wir uns unsicher fühlen. Er verhindert nicht unser Leid oder Schicksalsschläge, die uns ereilen. Aber er sichert uns zu: Ich bin bei euch, ich fühle mit euch, in eurer Angst, in eurer Trauer, in Leid, in Krisen, Krankheit, aber auch bei Freude und Gesundheit.

Das Evangelium endet mit dem Satz: „Löst ihm die Binden und lasst ihn weggehen!“ (Joh 11,44b).

Ich denke, dies ist auch eine Aufforderung an uns. Anderen die Binden zu lösen oder auch unser eigenes Eingebundensein aufzubrechen oder zulassen, dass es aufgebrochen wird. Manchmal sind wir so sehr gebunden, eingebunden in unser alltägliches Leben, unseren alltäglichen Ablauf, unseren alltäglichen Trott. Der ist zur Zeit ziemlich durcheinandergeraten und aufgebrochen. Und so sollten wir das, was uns bislang gebunden hat, die Binden, die uns oft auch unsere Augen verdecken, lösen, um einen anderen Blickwinkel auf viele Dinge zu finden, andere Vorgehensweisen, andere Verhaltensweisen, andere soziale Kontaktwege. In jeder Krise steckt auch eine Chance, andere Sichtweisen zu bekommen und andere Wege zu gehen.

(Klaus-Dieter Gerth)

 

 

4. Sonntag der österlichen Bußzeit

Evangelium vom 4. Sonntag der österlichen Bußzeit - Joh 9, 1-41

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Die Heilung des Blindgeborenen

https://www.bibleserver.com/EU/Johannes9%2C1-41

 

 

Gedanken zum Evangelium

 

Der Satz: „Gepriesen seist Du, Ewiger, unser Gott; du regierst die Welt. Du machst Blinde sehend“, ist Teil des traditionellen jüdischen Morgengebets. Gott ist derjenige, der den Blinden die Augen öffnet und am Morgen wird dies im Gebet als Bekenntnis und Gotteslob ausgesprochen. Gott öffnet unsere Augen nach dem Schlaf der Nacht und er ist es auch, der den Menschen die Sehkraft verliehen hat. Ja, offene Augen für die Welt – für die Schönheit der Welt –, das ist ein Geschenk Gottes!

Natürlich gibt es zwischen „Sehen“ und „Sehen“ Unterschiede. Manche sehen und gehen wie blind durch diese Welt. Sie sind nicht, oder nicht mehr, fähig, Schönheit zu erkennen und sich über die diese zu freuen. Stattdessen bleibt ihre Wahrnehmung in voreingenommenen Kategorien. Sie sehen, ob etwas richtig oder falsch ist, nützlich oder unnütz. Ihre Welt und ihr Weltbild sind fertig abgeschlossen, und sollen auch möglichst nicht infrage gestellt werden. Dass etwas einfach nur schön sein kann, wie soll das gehen?

Ein von Geburt an Blinder wird geheilt, er bekommt sein Augenlicht wieder und hat dadurch die Chance die Welt neu zu sehen und zu entdecken.

Eine Heilung schön und gut, aber musste das denn ausgerechnet am Sabbat sein? – Was ist das für ein Mensch, der Blinde heilt, sich aber nicht an die überlieferten Vorschriften hält? – Und der Geheilte? War er überhaupt blind?

Jesus sagt: „Wir müssen, solange es Tag ist, die Werke dessen vollbringen, der mich gesandt hat; es kommt die Nacht, in der niemand mehr wirken kann.“ In anderen Worten: Tun wir das Gute, die Zeit ist knapp. –

Jesus heilt diesen Blinden sofort, ohne zu zögern. Bildlich gesprochen, ist er wie ein Feuerwehrmann, der einen Hilfesuchenden schnell aus einem brennenden Haus rettet, und nicht fragt: Wer hat das Feuer gelegt? – Wie konnte es dazu kommen? – Nein, er sieht die Dringlichkeit und greift sofort helfend ein!

Viele Fälle von Blindheit sind vermeidbar bzw. heilbar. In armen Ländern sind allerdings die hygienischen Standards und die Gesundheitsvorsorge nicht ausreichend und viele sind blind, die dieses Schicksal nicht haben müssten. Hilfswerke wie zum Beispiel die Christoffel Blindenmission (CBM) tun in diesen Ländern sehr viel Gutes.

Für uns in den reichen Ländern ist es andererseits wichtig, dass wir unsere eigene Blindheit erkennen und uns von Gott mit der Gabe des „Sehens“ beschenken lassen, dass wir nicht an den Schönheiten dieser Welt, aber auch nicht an den Notlagen unserer Mitmenschen blind vorübergehen.

(Martin Möllmann)

3. Sonntag der österlichen Bußzeit

Auszug aus dem Evangelium – Joh 4, 4-26

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Gespräch mit der Frau am Jakobsbrunnen

https://www.bibleserver.com/EU/Johannes4%2C4-26

 

 

Gedanken zum Evangelium 

 

Liebe Schwestern und Brüder,

in unserer Sprache kennen wir den Begriff „Lebensdurst“. Er steht für unser schwer beschreibbares Verlangen, unser Leben wirklich zu leben. In unserer Gesellschaft müssen wir uns zum Glück keine Sorgen um das tägliche Überleben machen, es ist weitgehend gesichert, auch wenn zur Zeit vielleicht die Krise um die Ausbreitung des Coronavirus vielen Menschen Angst macht. Aber zum wirklichen „Leben“ gehört mehr als das tägliche Sattwerden.

Der Durst nach „Leben“, der „Lebensdurst“ kann viele Gestalten annehmen: die einen suchen immer wieder neue Abenteuer, andere reisen, um immer mehr von der Welt zu sehen, wieder andere setzen sich den unterschiedlichsten Reizen aus, um sich lebendig zu fühlen. Auch das Verlangen nach immer neueren und perfekteren Dingen kann Zeichen eines unstillbaren menschlichen Durstes sein.

Die Frau am Jakobsbrunnen, die Jesus trifft, hatte offenbar auch noch anderen Durst als dem nach Brunnenwasser. Fünf Männer hatte sie schon, wird berichtet, und der Mann, mit dem sie jetzt zusammenlebte, war nicht ihr Mann. Im Evangelium wird diese Tatsache nicht bewertet oder moralisch beurteilt. Es geht darum, dass sich die Frau mit ihrem Verlangen nach Leben verirrt hat. Im Grunde hat sie das Verlangen, zu lieben und geliebt zu werden, sich hinzugeben und sich eben darin geschenkt zu werden. Aber sie hat diesen Durst mit den vielen Männern nicht wirklich löschen können.

Jesus nun verspricht ihr ein Wasser für den Durst nach Leben. Er verspricht ihr „lebendiges Wasser“. „Lebendiges Wasser“ kennzeichnete damals das Quellwasser, das frisch ist und sich immer wieder erneuert im Gegensatz zum Zisternenwasser, das faul werden kann und sich erschöpft. Jesus spricht von einem Wasser, das im Inneren des Menschen sprudelt, ihn wahres Leben kosten lässt und ihn zum lebendigen Leben bringt. Er spricht von einer Quelle im Herzen der Menschen, von einer Liebe, die dem Verlangen des Menschen, zu lieben und geliebt zu werden, ganz entspricht.

Die Frau merkt, dass Jesus damit von Gott spricht. Wie sonst kommt sie dazu, ein Streitgespräch darüber zu beginnen, wo er zu finden und anzubeten ist – in Jerusalem, dem heiligen Ort der Juden, oder auf dem heiligen Berg der Samariter. Im Vorderen Orient spielen bis heute heilige Orte eine wichtige Rolle der Frömmigkeit. An ihnen erwarten die Menschen Antwort auf ihr unbändiges Verlangen nach Leben.

Aber Jesus führt die Diskussion um den rechten heiligen Ort weg hin einer anderen Erfahrung: der Brunnen Gottes mit dem lebendigen Wasser ist nicht geographisch festzumachen, sondern er sprudelt dort, wo sich Menschen Gott öffnen, wo sie seinen Geist in ihr Inneres lassen und in diesem Geist Gott als „Vater“ anbeten und sich ihm übereignen. Wir müssen nicht zu Gott pilgern, sondern Gott selbst ist den Weg zu uns gegangen. Jesus selbst ist die Begegnung Gottes mit uns, er ist der Wasserträger Gottes, der uns den Geist zu trinken gibt, der im Menschen zur sprudelnden Quelle der Liebe wird. Und so ist die Antwort Jesu auf das Bekenntnis der Frau zum Messias ganz klar: „Ich bin es, der mit dir redet.“ Er selbst ist mit seiner Botschaft vom liebenden Vater, der alle an sich ziehen will, die Antwort auf den Lebens- und Liebesdurst der Menschen. Er gibt uns zu trinken, er allein gibt uns Anteil an der Liebe, die ihn mit dem Vater verbindet. Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben.

Die österliche Bußzeit gilt gemeinhin als Zeit des bewussten Verzichtens. Das kann hilfreich und gut sein, aber Verzicht ist nicht Selbstzweck. Er soll und kann uns hinführen zu der Quelle, an der wir neues Leben empfangen, denn die Gefahr, unseren Lebensdurst dort zu stillen, wo es uns auf Dauer nicht genügt oder auch nicht mehr schmeckt, ist groß. Es gibt sogar verdorbenes Wasser, durch das auch wir verdorben werden können. Darauf zu verzichten, kann und soll frei machen für die Quelle des lebendigen Wassers, das unseren Lebensdurst wirklich stillen kann. Die österliche Bußzeit kann und soll in uns Raum schaffen für die Begegnung mit Jesus, der auch zu uns heute spricht und uns tränkt mit Glaube, Hoffnung und Liebe.

Wenn wir jetzt in der Zeit ohne gemeinschaftliche Gottesdienste und Gemeindeveranstaltungen und voraussichtlich auch ohne liturgische Feier der Auferstehung uns privat Räume suchen, wo wir innehalten und uns auf diesen Jesus besinnen, der uns das Tor zu Gott, seinem und unseren Vater weit geöffnet hat, und uns seinem Geist öffnen, dann spüren wir vielleicht etwas von dieser mütterlichen Liebe Gottes zu uns. Gott ist immer schon da, er steht vor unserer Tür und klopft an, und er tritt ein, wo wir ihn einlassen.

(Klaus-Dieter Gerth)