Spirituelle Impulse

 

In die Enge deines Alltags
und in die Weite deiner Träume,
in die Schwäche deines Verstandes und
in die Kräfte deines Herzens
lege ich meine Zusage:
Ich bin da.

 

 

Liebe Gemeinde­mitglieder,
liebe Freundinnen und Freunde unserer Gemeinde!

 

„Wem oder was habe ich meinen Glauben zu verdanken?“ Diese Frage, als Impuls in einer Gesprächsrunde gestellt, hat mich zunächst einmal ins Stocken gebracht. So einfach ist das gar nicht zu beantworten und manches, was dazu beigetragen hat, ist mir vermutlich gar nicht richtig bewusst. Entscheidend aber war, dass in meinem Umfeld Menschen waren, die mich an ihren religiösen Vollzügen teilnehmen ließen. Von ihnen habe ich gelernt, was beten heißt, habe ich erlebt, was es heißen kann, auch in schwierigen Lebens­situationen ein Grundvertrauen in Gott nicht zu verlieren. Paulus schreibt im 1. Brief an die Thessalonicher einmal im Rückblick auf sein Wirken in dieser Gemeinde: „Wie eine Mutter für ihre Kinder sorgt, so waren wir euch zugetan und wollten euch nicht nur am Evangelium Gottes teilhaben lassen, sondern auch an unserem eigenen Leben.“ (1 Thess 2,7bf). Teilhaben lassen am eigenen Leben, am Glaubensleben, an den eigenen Glaubenserfahrungen, das ist wohl das Grundlegende, was Menschen schließlich eigene Erfahrungen mit Gott ermöglicht.

Noch vor jedem Nachdenken, noch vor jeder eigenen Erfahrung und Praxis, steht ein Erbe, das mir mitgegeben wurde. Die Bibel spricht in diesem Zusammenhang – wie bei der Berufung des Mose am brennenden Dornbusch – oft vom Gott der Väter; gerechterweise müsste man hier vermutlich viel öfter vom Gott der Mütter und Großmütter sprechen.

Freilich, der Gott unserer Väter und unserer Mütter ist sicher nicht zu hundert Prozent auch unser Gott. Ihre Erfahrungen ergänzen wir mit unseren eigenen Erfahrungen, vieles hinterfragen wir kritisch. Aber wir brauchen Gott nicht in einem traditionslosen Raum suchen.

In diese Tradition gehört die Berufungsgeschichte des Mose, eine für mich faszinierende Erzählung, die mir Hinweise geben kann, wo ich selber Gott finden kann.

Mose weidet die Schafe seines Schwiegervaters Jitro und in seiner alltäglichen Arbeit begegnet er dem Geheimnis Gottes. Hirten, das sind aufmerksame Menschen, offen mit all ihren Sinnen, die Ausschau halten und versuchen, Unbekanntes frühzeitig zu entdecken. Menschen, die wahrnehmen, was um sie herum vorgeht. Mose entdeckt einen brennenden Dornbusch und geht hin, um sich die außergewöhnliche Erscheinung anzusehen. Offenheit und Neugierde sind es, die Mose zu einer Gotteserfahrung führen. Die Begegnung mit Gott ereignet sich hier im Unscheinbaren und Alltäglichen.

Da ist einer, der in der Betriebsamkeit des Alltags neugierig und offen bleibt und auf der Suche nach Gott ist, auf der Suche nach dem Sinn seines bisherigen Lebens. Die Lebenssituation, in der er sich befindet, ist nicht frei gewählt. Eigentlich ist dieser Mose mit seinem bisherigen Leben auf der ganzen Linie gescheitert. Am Königshof in Ägypten herangewachsen, hat er es zu Ansehen und Macht gebracht. Sein Einsatz für sein Volk, gegen die Knechtschaft, lässt ihn zum Mörder werden und treibt ihn schließlich zur Flucht. Im Exil baut er sich eine neue Existenz auf und lebt als Hirte im Dienst seines Schwiegervaters. Und in diesen Alltag seines neuen Lebens bricht die Gegenwart Gottes herein.

Der Dornbusch, das Alltäglichste für einen Hirten in der Wüste überhaupt, wird zu einem heiligen Ort, wird zu seinem heiligen Ort. Die Erzählung ermuntert mich, meinen Alltag, die Begegnung mit anderen Menschen, das, was um mich geschieht, wahrzunehmen als Momente, in denen ich auch Gott erfahren kann. Auch zu mir sagt Gott: Ich bin da.

Das ist die Erfahrung des Mose in der Begegnung mit Gott im Dornbusch, die er mit den überlieferten Erfahrungen seiner Vorfahren zusammenbringt und die ihn fragen lässt: „Was bist Du für ein Gott?“ Es reicht ihm nicht zu hören, dass es der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs ist, der mit ihm spricht und so stellt Gott sich vor als ‘Ich bin der Ich-bin-da“. Eher eine Verheißung als ein Name! Und doch sagt diese Bezeichnung einiges über Gott aus: Der Name meint mehr, als nur „es gibt einen Gott“ in dem Sinn: „Ja, ja, es wird schon etwas Größeres geben“. Hier geht es nicht nur um die Existenz Gottes, als ein abstraktes höheres Wesen, sondern um ein „Wirksamsein“ Gottes:

Ich bin der, der mit dir ist, der bei dir ist, der für dich da ist, der deinen Lebensweg mitgeht. Freilich auch der, der nicht einfach greifbar und verfügbar ist.

Diese Zusage, die Mose am brennenden Dornbusch gemacht wird, ist mir ein wichtiges Erbe, das ich gerne mit den Erfahrungen meines Lebens verbinde:

 

„In das Dunkel deiner Vergangenheit und
in das Ungewisse deiner Zukunft,
in den Segen deines Helfens und
in das Elend deiner Ohnmacht
lege ich meine Zusage:
Ich bin da.

In das Spiel deiner Gefühle und
in den Ernst deiner Gedanken,
in den Reichtum deines Schweigens und
in die Armut deiner Sprache
lege ich meine Zusage:
Ich bin da.

In die Fülle deiner Aufgaben und
in die Leere deiner Geschäftigkeit,
in die Vielzahl deiner Fähigkeiten
und in die Grenzen deiner Begabung
lege ich meine Zusage:
Ich bin da.

In das Gelingen deiner Gespräche und
in die Langeweile deines Betens,
in die Freude deines Erfolges und
in den Schmerz deines Versagens
lege ich meine Zusage:
Ich bin da.

In die Enge deines Alltags und
in die Weite deiner Träume,
in die Schwäche deines Verstandes
und in die Kräfte deines Herzens
lege ich meine Zusage:
Ich bin da.“

                                                         Franz-Josef Kröger

 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gute kommende Zeit.

Ihr

Siegfried Thuringer, Pfr.

  

 

 

 

Archiv der vergangenen spirituellen Impulse

Palmsonntag, 14. April

Familiengottesdienst

Karfreitag, 19. April

15.00 Uhr Karfreitagsliturgie

Ostermontag, 22. April

10.00 Uhr Festgottesdienst

2. Mai bis 5. Mai

Jugendwochenende

4. Mai

"Lange Nacht der Musik" zum ersten Mal in St. Willibrord

Sonntag, 14. Juli

10.00 Uhr Erstkommunion

Wochenende 19. - 21. Juli

Dekanatswochenende in Pappenheim

Sonntag, 24. November

10.00 Uhr Firmung