Spirituelle Impulse

Liebe Gemeindemitglieder,

liebe Freundinnen und Freunde der Gemeinde!

 

In einem „Zeit“-Artikel las ich den schönen Satz: Das Lob der Freundschaft zieht sich wie ein betäubender Brummton durch die Weltgeschichte.

Schon das Gilgamesch Epos, das ca. 2100 v. Chr. geschrieben wurde, und als die erste bekannte Dichtung gilt, zelebriert eine Freundschaft. Auch im Christentum wird die Freundschaft geschätzt: Jesus nennt seine Jüngerinnen und Jünger wiederholt „Freunde”, aus Taizé ist uns die „Ikone der Freundschaft“ vertraut. Die Heiligen nennen wir mit dem Lied „Freunde Gottes“!

Das deutsche Wort „Freund/Freundin“ selbst ist schon über 1.200 Jahre alt und bedeutet „innig verbundene Menschen“. Der Wortstamm ist der gleiche wie in dem Wort „frei“.

Zur Freundschaft gehört also die freie Entscheidung für den Freund und die Freundin. Zu der innigen Verbundenheit gehören gegenseitiges Kennen und ein Vertrauen. Freundinnen kümmern sich um einander, Freundschaften halten oft für eine lange Zeit. Freunde helfen und unterstützen uns. Diesen Effekt kann man auch messen: In Experimenten schätzen Menschen die Steigung eines Hügels tatsächlich geringer ein, wenn ein Freund neben ihnen steht. Je länger sie ihn kennen, desto stärker ist der Effekt. Oft reicht sogar der Gedanke an ihn, damit der Berg schrumpft. „Wir verbuchen unsere Freunde als potenzielle Unterstützung. Wer solche Ressourcen hat, stuft ein Problem als weniger bedrohlich ein.“

Ich finde das ganz spannend. Der Berg schrumpft, wenn Freunde neben mir sind. Mir ist dazu der Psalmvers: „mit meinem Gott überspringe ich Mauern“ eingefallen. Allerdings ist das bei meinen Beziehungen nicht immer so, da gibt es doch immer wieder Höhen und Tiefen, in der Beziehung zu meinen Freundinnen und Freunden und in der Beziehung zu Gott.

Freundschaft finde ich auch ein gutes Bild, wenn ich überlege, was ich mit den Heiligen verbinde. Denn Heilige sind ja nicht nur die uns auf dem Heiligenkalender vertrauten Namen. Heilige, damit sind ja auch wir gemeint, Heilige, das ist die Gemeinschaft der Gläubigen, die Gemeinschaft aller, die sich auf Jesus beziehen.

Es gibt klassische Heilige, die sind mir vertraut oder wichtig, dazu gehören meine Namenspatronin Elisabeth, oder Benedikt, oder auch Antonius von Padua. Dabei ist das, was mich mit ihnen verbindet, ganz unterschiedlich. Irgend etwas an ihren Geschichten hat mich angesprochen und sie für mich interessant gemacht, ich habe versucht, mehr über sie und ihr Leben zu erfahren. Manches an ihren Geschichten ist mir fremd, anderes ist mir ganz nah, so wie mir das auch mit „wirklichen“ Freunden geht. Freundschaft heißt ja nicht, dass ich alles gut finde oder nachvollziehen kann, was der oder die andere macht. Freundschaft heißt aber schon, dass ich von einer grundsätzlichen Übereinstimmung ausgehe.

Heilige, das sind wir aber auch alle. Paulus redet ja seine Gemeinden gerne als die ­„Heiligen“ an, besonders gerne, wenn es Konflikte gibt. Das ist, glaube ich, nicht nur reine ­Rhetorik, sondern eine Erinnerung daran, dass wir alle „heilig“ sind. Nicht weil wir alles schon richtig machen oder perfekt sind. Sondern weil wir uns einlassen auf die Botschaft Jesu und als seine Freundinnen und Freunde leben wollen. Weil wir den Wunsch haben, diese Beziehung lebendig sein zu lassen. Und das ist die grundsätzliche Übereinstimmung, die uns auch Freundschaft oder Gemeinschaft untereinander ermöglicht.

Freundschaft bedeutet manchmal auch Arbeit, ist manchmal unbequem, wenn wir unseren Freunden zuliebe etwas tun, was wir gerade so gar nicht tun wollen. Freundschaft fordert uns manchmal heraus, Dinge neu zu bedenken und uns selbst mit anderen Augen zu sehen. Das ist bei unseren „normalen“ Freunden so, und das ist wohl auch in unserer Freundschaft mit Jesus, mit Gott so. Aber es gibt uns auch Halt, Gemeinschaft und Liebe.

 

In diesem Sinne wünsche ich uns allen auch für das Jahr 2019 gelingende Freundschaften, mit anderen Menschen, mit den Heiligen und mit Gott.

 

Ihre

Liesel Bach

  

 

 

 

Archiv der vergangenen spirituellen Impulse

Freitag, 14. Dezember

6.30 Uhr Rorategottesdienst

Sonntag, 16. Dezember

10.00 Uhr Gottesdienst zum Dritten Advent

Freitag, 21. Dezember

6.30 Uhr Rorategottesdienst

Sonntag, 23. Dezember

10.00 Uhr Gottesdienst zm Vierten Advent

Heilig Abend

15.00 Uhr Krippenfeier für Vorschulkinder

16.30 Uhr Christmette

22.00 Uhr Christmette der anglikanischen Gemeinde mit alt-kath. Beteiligung in St. Willibrord

Erster Weihnachtsfeiertag

10.00 Uhr Festgottesdienst

Zweiter Weihnachtstag, 26. Dezember

19.00 Uhr Eucharistiefeier zum Fest des heiligen Stephanus

8. bis 9. März

Jugendfreizeit:
Schneeschuhtour in den Faschingsferien