Spirituelle Impulse


                                                                     

„Ich glaube; hilf meinem Unglauben“ Mk 9,24 – das ist die von der ökumenischen Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen (ÖAB) ausgewählte Jahreslosung für 2020. Eigentlich paradox, denke ich zunächst: Entweder Glaube oder Unglaube, und merke dann aber doch, dass dieses Stoßgebet doch meine/unsere Realität ganz gut widerspiegelt. „Ich glaube; hilf meinem Unglauben.“ – Das ist der Ruf eines Vaters, der um seinen schwer kranken Sohn bangt. Er setzt alles daran, dass der Junge geheilt wird. Die Jünger Jesu konnten ihm nicht helfen, ja die Situation mündete in ein Streitgespräch mit den Schriftgelehrten, in dem es vermutlich gar nicht mehr um den Jungen geht, sondern wohl eher um Machtfragen.

Verzweifelt, mehr ungläubig als gläubig wendet sich der Mann an Jesus: „Wenn du kannst, hilf uns; hab Mitleid mit uns!

Jesus sagte zu ihm: Wenn du kannst? Alles kann, wer glaubt. Da rief der Vater des Knaben: Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ Mk 9,22ff.

Alles kann, wer glaubt? – Wenn es so einfach wäre. Solange alles glatt geht im Leben, ist es einfach zu glauben. Wenn aber eine schlimme Diagnose, Leid oder gar Tod über uns hereinbrechen, dann sind wir hin- und hergerissen zwischen Glauben und Unglauben, zwischen Zweifel und Hoffnung.

„Ist die rote Figur in der ­Grafik der Künstlerin Stefanie ­Bahlinger dieser Vater, rot vor Anstrengung, seinen Sohn zu retten?" (1) – so fragt Renate Karnstein in ihrer Interpretation des Titelbildes: „Rot vom Weinen und Schreien um Hilfe? Sind die ausgebreiteten Arme eine Geste der Kapitulation? Immer wieder hat er versucht, die Hoffnung nicht aufzugeben. Jetzt kann er nicht mehr, hängt fest, hängt in der Luft. Damit steht er für alle Geschöpfe, die den Boden unter den Füßen verloren haben und sich nach Rettung sehnen. Für die Unsicheren, die nicht wissen, wem sie noch vertrauen oder an was sie noch glauben können. Für die vergeblich nach Orientierung Suchenden. Und auch für die, die sich ihres Glaubens gewiss sind und deren Glaube plötzlich durch eine Grenzerfahrung ins Wanken gerät“.

„Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ Ich finde den Schrei des Vaters ein ­bemerkenswertes Stoßgebet, ist es doch ein Weg mit einer schwierigen, fast aussichtslosen Situation umzugehen. Er ist ein erster Schritt des Vertrauens, so Renate Kranstein, der auf den Punkt bringt, „was ein Leben in der Nachfolge Jesu ausmacht. Eine Spannung, die mich nicht zerreißen muss, weil Jesus sich ganz in meine Lage versetzt und sie mit mir aushält.“ Und so sieht Renate Kranstein in der roten Figur nicht nur den schmerzerfüllten Vater, sondern auch Christus, „der mich mit ausgebreiteten Armen empfängt. Durch sein Leiden und Sterben zerreißt Jesus den Vorhang zum Allerheiligsten, fällt die Mauer, die uns Menschen von Gott trennt. Angedeutet durch die dunkelblauen Fasern am Rand des Ausschnitts. Große Energie strahlt von Jesus Christus aus. Er stellt sich in den Riss, macht den Weg frei. Er eröffnet einen weiten Raum, und schiebt kraftvoll Mauern der Angst und Sorge weg, die mir und meinem Glauben die Luft zum Atmen nehmen.

Jesus sieht und erträgt meine Unsicherheit, wenn mein Glaube angesichts schwieriger Herausforderungen versagt… Ich glaube; hilf meinem Unglauben!

Dieses Bekenntnis ist zugleich ein Hilfeschrei, in dem der Vater nicht nur seinen Sohn, sondern sein ganzes Leben Jesus anvertraut. Es ist ein Gebet der Hingabe an Jesus, dem nichts unmöglich ist. So können die Zacken in der Grafik auch dafür stehen, dass er diesen Sprung des Glaubens wagt im Vertrauen darauf, dass Jesus ihn auffängt“.

Ich wünsche uns für die kommende Zeit, dass wir den Mut haben uns Jesus anzuvertrauen, in der Gewissheit, dass er unseren Weg mitgeht.

Ihr

Siegfried J. Thuringer, Pfr.

 

 

Motiv von Stefanie Bahlinger, Mössingen, www.verlagambirnbach.de

1)  Renate Karnstein, Verlag: www.verlagambirnbach.de

 

 

 

Archiv der vergangenen spirituellen Impulse

Freitag, 13. Dezember

6.30 Uhr Rorate

Dritter Adventssonntag, 15. Dezember

10.00 Uhr Eucharistiefeier

Freitag, 20. Dezember

6.30 Uhr Rorate

Vierter Adventssonntag, 22. Dezember

10.00 Uhr Eucharistiefeier
anschl. Gemeindeversammlung zur Wahl der Abgeordneten der Bistumssynode

Heilig Abend, 24. Dezember

15.00 Uhr Krippenfeier für Vorschulkinder
16.30 Uhr Christmette
22.00 Uhr Christmette der anglikanischen Gemeinde mit alt-kath. Beteiligung

Weihnachten, 25. Dezember

10.00 Uhr Festgottesdienst

Zweiter Weihnachtstag, 26. Dezember

19.00 Uhr Eucharistiefeier an St. Stephanus