Gemeinde Karlsruhe

Gemeinde in Coronazeiten

Donnerstag, den 9.April 2020

Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Korinth / Aus dem Johannes-Evangelium im Video

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Donnerstag, 9. April 2020


Gründonnerstag 2020 (vgl. Johannes-Evangelium 13, 1-15) 


(Erklärung: Grün meint nicht die Farbe, sondern "greinen", Greindonnerstag, der Donnerstag zum Weinen)


Was vermissen Sie in der Coronakrise am meisten? Am stärksten fehlen mir die Begegnungen mit Freunden, Weggefährten, auch innerhalb unserer Gemeinde – echte Begegnungen also mit Sehen, Hören, Riechen. Begegnungen und Beziehungen sind das Vitamin C für unser Leben.

Das haben auch die Jünger untereinander - vor allem aber mit Jesus gespürt. Alles geben sie auf, um sich mit dem Rabbi Jesus auf den Weg zu machen. Und Jesus wirkt ganz besonders auf die Menschen, in seinen Reden und seinem Handeln, das eine Einheit bildet. Mit seinem Heilen, in dem er Menschen wieder aufrichtet, seiner Autorität – ja mit seinem Einsatz, die frohe Botschaft vom liebenden Gott zu verkörpern. So leben und erleben sich die Jüngerinnen und Jünger sorglos, gehalten, befreit. Diese Erfahrungen können wir auf unser Leben übertragen, auf unsere Partnerschaft, unsere Freundschaften, Arbeit, Karriere sowie auf das Entdecken der Welt.

Dann in Jerusalem ändert sich alles: Die Jüngerschar nimmt die Verunsicherung in der Stadt wahr, Machtblöcke, die aufeinander prallen, Sehnsüchte der Menschen, nach dem, was wirklich trägt. In Jesus wollen die Menschen von Jerusalem und die Wallfahrer, aus allen Ecken Israels den Befreier sehen, der aufräumt und die alte Herrlichkeit wieder aufrichtet. Jesus jedoch bleibt sich treu, lebt eine Liebe zu Gott und zu den Menschen, die über allen liegt.
Beim Abschiedsmahl mit den Seinen verdichten sich alle Fragen, alle Bruchstücke menschlicher Existenz, die allzu menschlichen Reaktionen. Und sie wissen nicht, was auf sie zukommt und wie lange das alles dauert. Das meint das Geschehen am Gründonnerstag. Auch dieser Gefühlsstau ist uns nicht unbekannt, eben „nicht nur in diesen Zeiten“, sondern immer wieder neu und anders.

Mittendrin setzt Jesus das Zeichen, das vielleicht bis heute nicht ganz verstanden wird: Er wäscht den Jüngerinnen und Jüngern die Füße. „Das ist mein Zeichen, dass ihr einander so dient, wie ich Euch bedient habe“. Ilse Pauls deutet die Fußwaschung äußerst treffend:
Fußwaschung ist:

Berührung mit Händen

Begegnung mit Blicken

Zuwendung der Liebe

Dienst am anderen

Zeichen der Verbundenheit

Sich klein machen ein Beispiel geben.


Dienen also – wenn ich andere unterstütze – wenn ich andere aufrichte, nicht vergesse… dann beginnt es ganz langsam, ja dann verändert sich meine kleine Welt, kommt zum Blühen, was Jesus so oft verkörpert. Dienen gewinnt in diesen Krisenzeiten eine Kraft, um herauszukommen aus mancher Lähmung, Hoffnungslosigkeit und Dunkelheit. Und Dienen wird zum Segen.

„Gründonnerstag“ – der Tag zum Greinen – Weinen – und trotzdem die „Frohbotschaft vom liebenden Gott“ für Ihr und mein Leben.
Ich wünsche Ihnen von Herzen, die Erfahrung des Segnens.


Impulsfragen:


 - Kann ich meine Ängste, Verunsicherung, Sehnsüchte zulassen? Habe ich einen Ort hierfür? Kann ich Weinen / Greinen zulassen?

 - Wie kann ich trotz fehlender Gottesdienstfeier Trost aus der frohmachenden Botschaft vom liebenden Gott ziehen?

 - Kenne ich Quellen, aus denen ich gerade in Grenzerfahrungen schöpfen kann?

 - Kenne ich das Befreiende meines Handelns und Dienens? Wem bin ich einer, der segnet?

Nikolaus Bachtler, Bellheim

Priester im Ehrenamt der Alt-Katholischen Gemeinde Karlsruhe

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Dienstag, den 7.4.2020

Besonderer Kreuzweg

Liebe Gemeindemitglieder in Karlsruhe und Landau, liebe Freundinnen und Freunde, 

zu Beginn der Karwoche senden wir einen besonderen Kreuzweg: er meditiert den Weg Jesu mit Texten von Dietrich Bonhoeffer, der am 9. April (Gründonnerstag) vor 75 Jahren hingerichtet wurde.  

Ein Kreuzweg ist zunächst eine traditionelle Gebetsform, die den Leidensweg Jesu in 14 Stationen betrachtet. Doch dabei geht es nicht um ein Nachspielen eines biblisch so nicht bezeugten Weges, sondern um eine Auseinandersetzung mit Grundbildern unserer Existenz, unseres Ringens mit Gott, unserer Erfahrungen und nicht zuletzt unserer Welt. Lebenssehnsucht und Verurteilung, zärtliche Nähe und äußerste Verlassenheit, Schmerz und Scheitern, Krankheit, Gewalt...und der unausrottbare Glauben im Menschen an ein Leben schlechthin.  

Bernhard Scholten hat mit Zeugnissen Bonhoeffers diese Fragen aufgegriffen - sie laden ein zur Meditation in dieser Karwoche und in den Fragen unserer herausfordernden Zeit. Sind wir "von guten Mächten" geborgen, wann ist "Widerstand" dran, wann "Ergebung"  ?  

In diesem Jahr können wir nicht am Karfreitag den Weg zur Annakapelle gemeinsam gehen. Doch vielleicht suchen Sie / sucht Ihr in diesen Tagen eine eigene Zeit, einen eigenen Weg... dies kann ein vertrauter Spazierweg sein, oder auch eine unbekannte, vielleicht sogar wenig schöne Wegstrecke, die Bilder der Natur oder die Gesichter von Menschen...mit Haltepunkten zur Lektüre, des Wahrnehmens, der nackten Gegenwart vor Gott. 

"In einem Brief vom 21. Juli 1944, einen Tag nach dem misslungenen Attentat auf Hitler, schreibt Bonhoeffer: 'Wenn man völlig darauf verzichtet hat, aus sich selbst etwas zu machen - sei es einen Heiligen oder einen bekehrten Sünder oder einen Kirchenmann (eine sogenannte priesterliche Gestalt!), einen Gerechten oder einen Ungerechten... -, dann wirft man sich Gott ganz in die Arme, dann nimmt man nicht mehr die eigenen Leiden, sondern die Leiden Gottes in der Welt ernst, dann wacht man mit Christus in Gethsemane, und ich denke, das ist Glaube.'  

Bonhoeffer verweist auf den leidenden Jesus, der Mensch wurde und im Diesseits lebte. Das Heilsversprechen muss im Diesseits erfüllt werden, nicht im Jenseits, damit würden Menschen vertröstet und daran gehindert, die Situation in dieser Welt zu ändern." (zitiert aus:  Te Deum. Das Stundengebet im Alltag, April 2020, S. 138; dort ist der Kreuzweg von B. Scholten veröffentlicht). 

Wir wünschen Ihnen und Euch gesegnete Wege in diesen Tagen, 

Pfr. Markus Laibach

 

Hier geht des Text des besonderen Kreuzweges

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Sonntag, den 05.04.2020

Heftiger Sonntag.

Gedanken zum Palmsonntag von Walter Jungbauer aus Hamburg

Ergänzung zum Video: Unsere gesegneten Palmzweige liegen in der Kirche zum Mitnehmen aus. 

Empfohlen auch der YouTube Kanal der Gemeinde Hamburg

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Sonntag, den 05.04.2020

Impuls zum Palmsonntag

Liebe Gemeindemitglieder, liebe Freunde!

Trotz meiner 30-jährigen Priesterpraxis ist es für mich das erste Mal, dass ich für den Palmsonntag eine Predigt vorbereite. Die Passionsgeschichte nimmt einen zentralen Platz in der Liturgie dieses Tages ein und ist so aussagekräftig, dass sie keine Auslegung und Kommentare mehr benötigt. Dieses Jahr ist alles anders…

·         Keine Segnung der Palmzweige mit feierlichem Einzug…

·         Keine Hosanna Gesänge dem Sohne Davids…

·         Keine Passionsgeschichte vorgetragen in Rollen…

·         Und wie an den letzten Sonntagen schon, keine gemeinsame Feier des Herrenmahls…

Stimmungswechsel?

Ich habe mich schon so sehr auf die Liturgie der Karwoche in der alt-katholischen Kirche gefreut – es wäre für mich nach dem Konfessions-wechsel das erste Mal gewesen – aber der Verzicht und die Ent-schleunigung der Fastenzeit zieht noch weitere, überraschende Kreise.  Alles ist anders...

„7 Wochen für mehr Optimismus und Glück“ – das Motto für die österliche Bußzeit - in meiner Predigt am 2. Fastensonntag - muss auch von mir neu bedacht und reflektiert werden. Stimmungswechsel?

Die Volksmenge begleitete Jesus bei seinem Einzug nach Jerusalem mit viel Freude und Begeisterung. Sie erhofften in ihm den verheißenden Retter und König und schrien: „Hosanna dem Sohne Davids“. Nicht lange hat es gedauert, da schrien sie dann: „Ans Kreuz mit ihm!“ Totaler Stimmungswechsel!

Palmsonntag – Karfreitag. Aus der Begeisterung wurde Hass - tödlicher Hass. Schnell ist einer erledigt, abgeschrieben, gestorben, wenn er nicht mehr die Erwartungen erfüllt, die Leistung erbringt. Schnell wird aus dem Beifall Verachtung, gnadenlos ist das Spiel der Masse, gnadenlos das Spiel auf Leben und Tod. Stimmungswechsel!

Ich wünsche uns in der Corona-Zeit und danach auch einen Stimmungswechsel. Nicht, dass die Stimmung kippt und aus dem #wirbleibenzuhause sich mehr Frust, Pessimismus und sogar Resignation ausbreitet, sondern, dass wir uns auf die wesentlichen Werte in unserem Leben besinnen und daraus mehr Optimismus und Freude am Leben, am Lieben, an der Hoffnung und am Glauben wachsen kann. Die Welt danach wird bestimmt eine andere sein. An jedem einzelnen von uns liegt es, wie wir sie betrachten, sehen und wahrnehmen werden. Vielleicht entdecken wir viel Positives, Schönes, Erfreuliches, das wir bis jetzt für selbstverständlich wahrgenommen haben. Aus der jetzigen Distanz von 1,5 Metern eine echte, menschliche Nähe – ein Stimmungswechsel.

Es wäre ein Wunder, wenn Kinder sich freuen würden in den Kindergarten, in die Schule gehen zu dürfen.

Es wäre ein Wunder, wenn der Arbeitsplatz nicht nur Belastung und Stress bedeutet, sondern in Dankbarkeit als eine Garantie für Grundeinkommen und finanzielle Stabilität.

Es wäre ein Wunder, wenn die Feier der Gottesdienste nicht langweilig und als lästige Pflicht, sondern als Fest der Freude an Gott für Jung und Alt erfahrbar wird.

„Ich freue mich, dass ich heute den Gottesdienst der Gemeinde mitfeiern darf“ – hast du schon mal solchen Satz gehört oder selbst gesagt? Es wäre ein totaler Stimmungswechsel!

Corona-Zeit als Chance für einen echten Stimmungswechsel in unserer Gesellschaft, in unseren Gemeinden, in unseren Familien und in unserem persönlichen Leben. Das wär´s!

Beispiele auf dem Alltag gäbe es vielfältige. Was fällt dir zum Stimmungswechsel ein? Was bewegt dich? Möchtest du deine Gedanken mittteilen? Andere damit bereichern und ermutigen?

Maile sie uns (jmbuchtzik@gmail.com) – und wir werden sie gern auf der Homepage und in den sozialen Medien „anonym“ weiter „verschenken“.

Endlich ein Stimmungswechsel! Dem Sohn Davids sei Dank! Hosanna!

 

Sei gesegnet, behütet, gesund und heiter

Euer Jozef Köllner (Buchtzik)

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Samstag, den 04.04.2020

Palmsträuße 

Liebe Gemeindemitglieder, liebe Freundinnen und Freunde, 

am kommenden Sonntag begehen wir den Palmsonntag. Da kein gemeinsamer Gottesdienst möglich ist, habe ich bereits heute morgen die Palmzweige gesegnet. In unserer Kirche können Sie für sich und Ihr Zuhause Palmsträuße abholen (unter Beachtung der Corona-Regel), wiederum als Zeichen des Segens und der Verbundenheit. Herzlichen Dank an Frau Kary, die die Palmsträuße gebunden hat, sowie an alle, die dazu beigetragen haben.

Gern verweise ich auch auf das Angebot des persönlichen Gesprächs. 

Gottes Segen begleite Sie auf dem Weg auf Ostern zu... 

Herzliche Grüße, auch im Namen von Jozef und Niko,  

Ihr / Euer Pfarrer

Markus Laibach 

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Freitag, den 27.03.2020

Kerzen vor Ostern

Aktuell wissen wir nicht, wie wir dieses Jahr Ostern feiern werden. Aber auch im Hier und Jetzt ist uns das Licht des Lebens zugesagt. Deswegen stehen in unserer Kirche bereits ab heute die handgemalten, kleinen Osterkerzen aus unserer Gemeinde in Rosenheim für Sie und Euch bereit. Wenn wir sie in unseren Wohnungen aufstellen, verschenken und ansehen, dann sind wir verbunden und können das Licht teilen. Dann denken wir an alle, die gerade Leben brauchen, und an die, die Leben schenken....

Damit wir Licht haben, wann immer wir Auferstehung ersehnen und erfahren!

Viel Lebenskraft, Hoffnung und Segen, Ihr/Euer Pfarrer Markus Laibach

 

PS  Bitte auch beim Betreten der Kirche an die Corona-Regeln denken.....

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Dienstag, den 24.03.2020

Brief eines Gemeindemitgliedes

Ihr Lieben,

danke für die Grüße. In diesen Zeiten ist es gut, voneinander zu hören...! Gut zu spüren, dass wir doch nicht einfach so "sang- und klanglos" auseinandergerissen werden, wie es sich zuerst angefühlt hat! Und ja, es ist zwiespältig, oft schwer zu versehen und zu begreifen, was gerade passiert. Aber auch davor war mir so vieles unbegreiflich, was ich in der Welt und in der Politik sehe - unbegreiflich, wie wir mit Menschen und mit der Umwelt umgehen und umgehen lassen. Der Stress der Zeit, der Lärm, und der zunehmende Verlust der ganz normalen menschlichen Kontakte, die zunehmend rücksichtslose Verschwendung der Ressourcen unserer Erde, Förderung von Krieg, Waffenverkäufe und jegliche Industrie auf Kosten der Menschlichkeit und der natürlichen Gesundheit, all das hat mich im Grunde mehr beunruhigt als jetzt diese Krise. Vielleicht so denke ich, haben wir diese Ausbremsung selbst verschuldet, und vielleicht haben wir sie einfach gebraucht, brauchen wir sie dringend, um zur Besinnung zu kommen. Vielleicht will das Universum uns damit noch eine Chance geben, aufzuwachen, einen anderen Weg einzuschlagen. Vielleicht werden wir mehr nach den Ursachen fragen, als nur die Symptome unseres Lebens einzudämmen, um danach weiter machen zu können wie bisher. Wie viele leiden, weil wir auf ihre Kosten leben? 

Innehalten. 

Es wird, hoffentlich, nie wieder so, wie es war. Es muss sich etwas verändern. Möge uns Gott dafür die Augen öffnen, Ihn zu erkennen, Ihm zu vertrauen, Ihm zu folgen seinen Willen zu unserem werden lassen, in all dem Schwierigen umsetzen und geschehen zu lassen. Mutig zu werden, auch in der Verzweiflung und trotz der Angst gewohntes und lieb gewonnenes aufgeben zu müssen. Mutig zu werden, neue Wege zu finden, Kreatives auszuprobieren - zu gehen. Mir tut auf eine merkwürdige Art das verlangsamte Tempo dort draußen gut. Mir ist, als würde die Natur kurz aufatmen. Und es ist nicht alles abgesagt worden. Der Frühling nicht, die Sonne nicht, die Liebe nicht! und die Hoffnung nicht, auch unsere Gemeinschaft nicht! Vielleicht lernen wir sie jetzt erst richtig schätzen. Und vielleicht finden wir Zeit, uns um unser Inneres und um die kleinen Dinge des Alltags zu kümmern. Das Alleinsein ist für viele unter uns eine enorme psychische Belastung. Gewohntes aufgeben zu müssen, Halt gebendes loszulassen, eingefahrene Verhaltensweisen und Rituale, das ist immer eine enorme Herausforderung. Dass es uns und viele, viele auch ängstigt, das bekommen wir auch mit. Vielleicht ist es das Schwierigste die Destabilisierung unserer finanziellen Lebensgrundlagen, alles zurückfahren zu müssen, wo soll das Geld wieder her kommen?

Aber letztlich könnten uns die Einschränkungen, auch die vielen Einschränkungen im öffentlichen Leben gut tun wenn wir sie als Chance nutzen. Und ich glaube, und erfahre auch in der Praxis, wie viele andere Menschen aufatmen. Es sind Menschen, die sich nach Ruhe sehnen und im Lärm der Zeit und im beruflichen Stress selten finden. Menschen die bereit sind, bereit werden, auch in der Tiefe und in den Tiefen sich führen zu lassen, wenn es uns nun in die Tiefe führt. Menschen, die zunehmend bereit sind, aus der Situation zu lernen und das Beste aus der Situation zu machen. Manche finden zu Gott zurück, Auch wenn manche den Glauben verlieren wollen. Gerade dann geht es ums Umdenken. Wer bin ich? - und - Wer ist Gott? Und wer trägt eigentlich die Verantwortung für mein Leben und meine Art es zu gestalten? Gott? Ich? Wir, in Beziehung zueinander?

Gut, wenn wir uns und andere, wie auch immer, nicht alleine lassen. Sogar jeder Gruß, jedes Lächeln unterwegs ist eine Wohltat die auch! ansteckend ist, im positiven Sinne! "Bleiben sie gesund!" Wie oft haben wir das in den letzten Tagen gehört ;)  . Die Erfahrung, allein unterwegs zu sein und doch nicht allein zu bleiben. Gut, wenn wir jetzt über diesen Weg Kontakt finden! Noch einmal Danke für die "Gedanken in diesen Zeiten", Niko, für den Text von Pierre Schutz! Es hat mich angeregt und meine Gedanken dazu sind nun etwas zu lang ausgefallen, sorry, vielleicht auch aus dem Wunsch heraus, mit euch verbunden zu sein, schicke ich sie jetzt doch los.

In diesem Sinne... heute bin ich gut zu mir und jedem der mir irgendwie begegnet.

Heute erinnere ich mich mehr zu sein als Dünnhäutigkeit, mehr zu sein als Verunsicherung.

Heute bin ich gut zu mir und jedem, der mir begegnet, heute pflanze ich ein Lächeln.

Bleibt gesund, hoffentlich bald wieder

Eure Momo

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Montag, den 23.03.2020

Übermittelt von Niko Bachtler, Priester im Ehrenamt der Gemeinden Karlsruhe und Landau

….. Der Therapeut und Theologe, Pierre Stutz, aus der Schweiz bringt in seiner spirituelle Botschaft von Ärger, Zorn und Wut die Gedanken so zum Ausdruck:

 

Heute

bin ich gut zu mir selber

lasse meine Tränen fließen

danke für das Geschenk des Lebens

 

Heute

versuche ich Ja zu sagen

zu meinen durch-kreuzten Lebensplänen

entdecke meine Krise als Chance

 

Heute

Erinnere ich mich 

mehr zu sein als Dünnhäutigkeit

mehr zu sein als Verunsicherung

 

Heute

setze ich meiner Angst

um Annehmen meiner Begrenztheit

 

Heute

endlich einfach sein

verunsichert und aufgehoben

dankbar und verzweifelt

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Sonntag, den 22.03.2020

Impuls zum Sonntag

Freunde, dass der Mandelzweig wieder blüht und treibt, ist das nicht ein Fingerzeig, dass die Liebe bleibt? Dass das Leben nicht verging, so viel Blut auch schreit, achtet dieses nicht gering in der trübsten Zeit. Tausende zerstampft der Krieg, eine Welt vergeht. Doch des Lebens Blütensieg leicht im Winde weht. Freunde, dass der Mandelzweig sich in Blüten wiegt, das bleibt mir ein Fingerzeig für des Lebens Sieg.

Lied des jüdischen Gelehrten Shalom Ben-Chorin

 

An diesem Lied und seiner Melodie stoßen sich nicht Wenige von uns. Nach einer Deutung des Mandelzweigs als "Fingerzeig, dass die Liebe bleibt" spricht es davon, dass der Krieg tausende leben "zerstampfte" und "eine Welt vergeht". der Blütensieg des Lebens wiege jedoch leicht im Wind....

Shalom Ben-Chorin hat dazu einen erklärenden Text geschrieben. Dort heißt es: "Der blühende mandelzweig in meiner Nachbarschaft wurde mir...ein Wahrzeichen. Wenn ich sehr verzagt und hoffnungslos dem kommenden Tag entgegenblicke, haben mich der Mandelbaum und die geflüsterte Botschaft gestärkt. In den düsteren Jahren des Zweiten Weltkrieges und der beispiellosen Verfolgung hat sich mir dieses Erlebnis zu einem Lied verdichtet, dass ich im März 1942 schrieb".

Ein Hoffnungszeichen der frühlingshaften Natur angesichts von Grauen und leid - dies ist ein Paradox, ein widersprüchliches Zeichen, das in seiner Zartheit Trost und Kraft schenken kann. Ein Zeichen, das nicht zynisch über die Katastrophe der der Opfer und das verhalten der Täter hinweggeht, sondern in unaufdringlicher Schönheit den "Sieg" des Lebens flüstert. Die tiefsten Wahrheiten lärmen nicht.

Ich erlebe auch diese tage, unsere gegenwärtige Situation, als eine Zeit der Widersprüche: der aufbrechende Frühling mit seiner Blütenpracht, Wärme und Energie scheint so gar nicht zur Erkrankung so vieler und zu den Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus zu passen. Wo wir eigentlich nach einem dunklen Winter das pralle leben wieder feiern wollen, werden wir ausgebremst, "eingesperrt" und zum Maßhalten angewiesen.

Viele leiden an Ängsten, Unsicherheiten und Einsamkeit. wir spüren, wie wir auf andere, ihre Nähe oder einfach ein pulsierendes Leben angewiesen sind. Wir erleben eine Fastenzeit, eine österliche Bußzeit, ausgespannt zwischen Tod und Leben, zwischen dem Schrei des Karfreitags und dem Licht des Ostermorgens, die uns viel abverlangt. Auch die Kriege und die vielen Flüchtlingsschicksale vor unseren Türen gehen weiter, ob sie nun Raum in den Nachrichten erhalten oder nicht....

Das Evangelium dieses Sonntags erzählt uns vom ebenfalls widersprüchlichen handeln Jesu (vgl. Joh 9, 1-41):

In jener Zeit sah Jesus einen Mann, der seit seiner Geburt blind war. Jesus spuckte auf die erde; dann machte er mit dem Speichel einen Teig, strich ihn dem Blinden auf die Augen und sagte zu ihm: geh und wasch dich in dem Teich Shiloach! Schiloach heißt übersetzt: Der Gesandte. der Mann ging fort und wusch sich. Und als er zurückkam, konnte er sehen. Die Nachbarn und andere, die ihn früher als Bettler gesehen hatten, sagten: Ist das nicht der Mann, der da saß und bettelte? Einige sagten: Er ist es. andere meinten: nein, er sieht ihm nur ähnlich. Er selbst aber sagte: Ich bin es: Da brachten sie den Mann, der blind gewesen war, zu den Pharisäern. Es war aber Sabbat an dem Tag, als Jesus den Teig gemacht und ihm die Augen geöffnet hatte. Auch die Pharisäer fragten ihn, wie er sehend geworden sei. der Mann antwortete ihnen: Er legte mir einen teig auf die Augen; dann wusch ich mich, und jetzt kann ich sehen. einige der Pharisäer meinten: dieser Mensch kann nicht von Gott sein, weil er den Sabbat nicht hält. Andere aber sagten: wie kann ein Sünder solche Zeichen tun? So entstand eine Spaltung unter ihnen. da fragten sie den Blinden noch einmal: Was sagst du selbst über ihn? Er hat doch deine Augen geöffnet. der Mann antwortete: Er ist ein Prophet. Sie entgegneten ihm: Du bist ganz und gar in Sünden geboren, und du willst uns belehren? Und sie stießen ihn hinaus. Jesus hörte, dass sie ihn hinausgestoßen hatten, und als er ihn traf, sagte er zu ihm: Glaubst du an den Menschensohn? Der Mann antwortete: wer ist das, Herr? Sag es mir, damit ich an ihn glaube. Jesus sagte zu ihm: Du siehst ihn vor dir; er, der mit dir redet, ist es. Er aber sagte: Ich glaube Herr! und warf sich vor ihm nieder. 

In der Situation des Leides, geprägt von Tabuisierung und der Frage nach der Verantwortung ("Sünde"), setzt Jesus ein Zeichen des Lichtes: Jesus sieht einen blinden Menschen, wendet sich ihm ohne Bewertung zu, spuckt auf die Erde, formt aus Speichel und erde einen Teig und bedeckt die Augen des Blinden damit. am Teich Shiloach wäscht er sich und kann wieder sehen. er kehrt in das soziale Leben zurück, wird aber von den religiösen Autoritäten abgelehnt. Jesus bezeichnet sich selbst als Licht der Welt, das alle Widerstände überwinden und alle Dunkelheiten befreien wird.

Ein archaisches Zeichen in einem komplizierten Text-dennoch kann es uns Ermutigung sein, die Widersprüche in unserer Welt, in unserem Leben und vielleicht auch in unseren Herzen auszuhalten und an des Licht Gottes zu glauben.

Vielleicht können wir - und all die, die sich in diesen Tagen für Kranke und Verzweifelte einsetzen-kraft und vertrauen in die Stärke des Lebens über unsere Möglichkeiten hinaus finden. Vielleicht kann uns die Schönheit eines Blütenzweigs trösten und berühren... und vielleicht kann uns diese Berührung Energie geben, solidarisch und liebevoll zu leben und zu handeln.

Daher behielt Shalom Ben-Chorin Recht: "Freunde, dass der Mandelzweig sich in Blüten wiegt, bleibe uns ein Fingerzeig, wie das Leben siegt".

 

Fragen für die persönliche Betrachtung:

Welche Situationen und Erfahrungen fordern mich gerade heraus?

Kann ich Gott all dies hinhalten?

Wie sehen meine Hoffnungszeichen und Kraftquellen aus? Traue ich ihnen?

Welche Menschen brauchen mich gerade?

Wem bin ich tief verbunden, auch ohne unmittelbaren Kontakt?

Wer schenkt mir Kraft, Vertrauen, Ruhe, Licht...?

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Samstag, den 14.03.2020 

Schreiben von Pfarrer Markus Laibach zu Auswirkungen der Coronalage auf das Gemeindeleben

Liebe Gemeindemitglieder, liebe Schwestern und Brüder, liebe Freunde und Freundinnen,

die Leitung unseres Bistums hat angesichts der schnellen Ausbreitung des Corona-Virus eine Notfallverordnung erlassen, die im Wesentlichen besagt, dass alle Gottesdienste und Gemeindeveranstaltungen bis auf weiteres entfallen müssen.
Sie finden den vollständigen Text unseres Bischofs Matthias unter diesem link.
 
Alle Seelsorgerinnen und Seelsorger sollen die Einzelseelsorge aufrechterhalten und anbieten.
 
Für mich bedeutet dies, dass ich telefonisch für Gespräche und seelsorgerliche Fragen erreichbar bin, dass Sie aber auch – gerade in Blick auf Ostern – individuell die Sakramente (Krankensalbung / Sakrament der Stärkung, Buße und Eucharistie) in geeignetem Rahmen empfangen können. Bitte sprechen Sie mich an.
 
Darüber hinaus werden wir über Instagram, Twitter, die Homepage, E-Mail und andere Kommunikationsmittel geistliche Impulse zur Verfügung stellen und Informationen weitergeben.
 
Wesentlich erscheint mir, dass wir in dieser Zeit eine geistliche Gemeinschaft bleiben, die füreinander und in Solidarität mit unserer Gesellschaft und den Nöten in vielen Regionen der Welt betet und aneinander denkt.
Bitte pflegen Sie geeignete Kontakte gerade mit alleinstehenden oder kranken Gemeindemitgliedern. Das Reduzieren sozialer Kontakte kann sehr schmerzhaft sein.
Selbstverständlich kann ich in Trauersituationen präsent sein und auch Trauerfeiern / Beerdigungen gestalten.
Unsere Kirchen in Karlsruhe und Landau bleiben als Orte des Gebetes, des Kraftschöpfens und der Sammlung im gewohnten Umfang geöffnet.
Weitere Informationen auch seitens des Bistums werden folgen.
 
Ich wünsche Ihnen und Ihren Lieben viel Kraft, tiefes Vertrauen aus unserem Glauben an einen Gott des Lebens und nicht zuletzt stabile Gesundheit.
 
Ihr Pfarrer Markus Laibach

Herzlich willkommen!

Christi Auferstehungskirche, Ökumeneplatz, Karlsruhe, Weststadt

Unsere Karlsruher Gemeinde besteht bereits seit 1873 und bietet derzeit über 500 Katholikinnen und Katholiken aus Stadt und Umland eine religiöse Heimat.

Wir sind eine lebendige und offene Gemeinde und freuen uns über jede und jeden, der zu uns findet. Alle sind eingeladen - egal welcher Konfession oder Religion sie angehören. Der persönliche Kontakt spielt bei uns eine große Rolle, ob nun beim Gottesdienst und dem anschließenden Zusammensein beim Kirchenkaffee oder bei anderen Veranstaltungen.

Neben den Gottesdiensten gibt es regelmäßige Gruppen und Kreise und besondere Aktivitäten für Jung und Alt im Kirchenjahr.

Wir laden Sie ein, sich über unsere Gemeinde zu informieren. Und wer weiß, vielleicht dürfen wir Sie ja demnächst auch persönlich bei einem unserer Gottesdienste begrüßen?

In den Wintermonaten finden die Gottesdienste dienstags, 7.10 Uhr und Donnerstags, 19.00 Uhr im Gemeindehaus statt. 

Wegen der aktuellen Lage finden aktuell keine Gottesdienst in unserer Kirche und dem Gemeindehaus statt.

Röntgenstr. 1/Ökumeneplatz, 76133 Karlsruhe

Pfarrer Markus Laibach
Telefon: 07 21 84 33 93
karlsruhe(at)alt-katholisch.de

Priester im Ehrenamt
Niko Bachtler
Telefon: 07272 93 08 39

Unsere Haupt- und Ehrenamtlichen im Kirchenvorstand
freuen sich über Ihren Besuch!

Unsere Gottesdienste

Leider mussten auch wir alle öffentlichen Gottesdienste bis auf weiteres einstellen.

Auf das Herzstück unseres Gemeindelebens, die Feier der sonntäglichen Eucharistie, und insbesondere auf die Feier der Kar- und Ostertage zu verzichten, fällt nicht leicht. Doch die derzeitige Situation erfordert – auch aus Solidarität mit der Gesellschaft und den besonders gefährdeten Menschen – diese Maßnahmen.

Kontakt

Wir bleiben auch in Coronazeiten über Instagram und Twitter  tagesaktuell im Gebet und im Gespräch.

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Den aktuellen Gemeindebrief finden sie in der Kirche zu Mitnehmen.