Gemeindebrief

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Oktoberfest

Ich gehe gerne in Kirchen. Besonders im Oktober. Und das ist nicht berufsbedingt. Ich bin gespannt wie die Gemeinden einer Stadt oder auf dem Land ihre Kirche für das Erntedankfest geschmückt haben. Da gibt es schöne und phantasievolle Kreationen mit Blumen, Obst, Gemüse, Broten und vielem anderen. Ein Fest für die Augen.
Hin und wieder kommt die Frage auf, ob es denn sinnvoll ist, in einer Stadt das Erntedankfest zu feiern. Kein einziger Stadtmensch würde ja seinen Lebensunterhalt von den Früchten der Erde verdienen, zudem haben wir alles sogar im Überfluss.
Ich finde es gut, dass auch in einer Stadt das Erntedankfest gefeiert wird.
Denn für mich ist es nicht selbstverständlich, dass alles da ist. Oft mache ich mir erst dann über etwas Gedanken, wenn ich es nicht mehr habe:
Erst wenn ich krank bin, merke ich, dass Gesundheit nicht selbstverständlich ist. Erst wenn einmal kein Wasser aus dem Wasserhahn kommt, merken wir, dass das, was wertvoll und notwendig ist, keine Selbstverständlichkeiten sind.
Wenn Christen Erntedank feiern, hat das auch mit Denken zu tun: Nachdenken, an den denken, dem wir letztlich alles verdanken: Gott.
Unser Glaube sagt, dass in der Evolution, in der Geschichte der Schöpfung und in unserer eigenen Lebensgeschichte die Güte, das Gut-Sein dessen zu erkennen ist, der letztlich allem den Sinn gibt, der uns die Ahnung ins Herz gelegt hat, dass in der Harmonie zwischen Schöpfung, Geschöpfen und Schöpferin alles sehr gut ist.
In der Bibel lesen wir, dass danken auch heißt „Gott die Ehre geben“. Dies tun wir, wenn wir Gott danken für die wunderbare Gegend, in der wir leben, für die Früchte der Erde, das tägliche Brot, für den Frieden, der auch heute nicht selbstverständlich ist, für die Liebe, die wir erfahren, für all das, was unser Leben wert-voll macht.
Wenn wir danken, sollen wir dies nicht nur mit Worten tun. Den Worten müssen Taten folgen. So ist der beste Erntedank der gewissenhafte Umgang mit der Schöpfung, mit dem, was uns geschenkt und anvertraut wurde, von der Aussaat bis hin zum Teilen des Ertrags.
Das heißt für mich auch: bewusster leben, bewusster einkaufen, bewusster konsumieren, bewusster essen. Auch ein Tischgebet ist denken und danken!
Erntedank lädt ein zum Nachdenken: Was bestimmt mich? Was macht mein Leben aus?
Im Nachdenken und Bedenken, im Erinnern und im Feiern finden wir zum Wesentlichen, zu dem, was wir sind und sein sollen: Von Gott geliebte und beschenkte Menschen!

Pfarrer Bernd Panizzi