Gemeindebrief

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Licht und Leben!

Was in der Advents- und Weihnachtszeit auffällt, sind die vielen Lichter, die in der Dunkelheit leuchten. Da stehen Kerzen auf dem Fenstersims oder Sterne leuchten im Fenster. In unseren Wohnungen ist es das Licht der vier Kerzen des Adventskranzes, das immer heller wird, je näher es auf Weihnachten zugeht. Dies tun wir, weil es die dunkelsten Tage im Jahr sind und in der Freude auf Weihnachten, wo wir Christen die Geburt Jesu feiern. Als kirchlicher Feiertag ist der 25. Dezember seit dem Jahr 336 belegt. Höchstwahrscheinlich hat die frühe Christenheit den Festtag des Sol Invictus, des römischen Sonnengotts, übernommen und Jesus Christus, als „die wahre Sonne“ verehrt, und das in einer Jahreszeit, in der die Tage am kürzesten waren und sich alle nach Licht und Sonne sehnten. Über 200 Jahre früher, Anfang des 2. Jahrhunderts, schrieb der Verfasser des Johannesevangeliums im Prolog: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. In ihm war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst. Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit“ (vgl. Joh 1,1-14). Ohne Licht können wir nicht leben. Im Licht entfaltet sich Leben. Erweckt von der Kraft des Lichtes kann etwas aufgehen. Mit dem Licht kann Leben blühen, reifen, Frucht bringen. Licht ermöglicht Orientierung, die Wege werden erkennbar und wir sehen, wohin sie führen. Der Glanz und die Strahlkraft des Lichts, seine verschwenderische Fülle sind für den gläubigen Menschen Hinweise auf die leuchtende Lebenskraft und Schönheit Gottes. Schon der Prophet Jesaja hat seine Zeitgenossen darauf hingewiesen mit den Worten „Auf, werde Licht, denn die Herrlichkeit des Herrn geht leuchtend auf über dir“ (60,1.) Und mit Johannes bekennen auch wir, dass uns in Jesus Christus im wahrsten Sinn des Wortes ein Licht aufgegangen ist, weil wir an ihm ablesen dürfen, dass Gott es gut mit uns meint, dass Gott will, dass wir erfülltes und geheiltes Leben haben sollen, hier und jetzt und sogar über unser irdisches Leben hinaus! Licht und Leben ist uns zugesagt! Und so will ich voller Freude einstimmen in das Lied, dessen Text Paul Gerhardt nur wenige Jahre nach dem Ende des dreißigjährigen Krieges geschrieben hat, und zu dem Johann Sebastian Bach einige Jahrzehnte später kongenial die Melodie komponierte: „Ich lag in tiefster Todesnacht, / du warest meine Sonne,/ die Sonne, die mir zugebracht / Licht, Leben, Freud und Wonne. / O Sonne, die das werte Licht / des Glaubens in mir zugericht‘, / wie schön sind deine Strahlen“ (EST 329,3).

Pfarrer Bernd Panizzi