2019

125 Jahre alt-katholische Gemeinde in Augsburg: Feiern zwischen Vergangenheit und Zukunft

Anlässlich des 125-jährigen Bestehens der alt-katholischen Kirchengemeinde Augsburg feierten wir zwei sommerliche Feste: Wir begannen am 19. Mai mit dem Patrozinium (Matrozinium) zu Ehren der Apostelin Junia, die bereits im Paulusbrief an die Gemeinde in Rom als beherzte Mitbegründerin der frühchristllichen Gemeinde gelobt wird.
Sängerinnen und Musiker aus den eigenen Reihen ließen im Festgottesdienst die Missa Brevis in D-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart erklingen. Nach dem Gottesdienst erfreute ein Buffet mit Sektempfang.
Und auch am Abend war unser Kirchenraum noch einmal von Musik erfüllt: Takeo Sato an der Gitarre und Tenor Fredrik Ahnsjö führten uns durch ein ganz besonderes Programm mit englischer Musik von John Dowland (1563 - 1626) und Benjamin Britten (1913 - 1976).

Den Höhepunkt der Jubiläumsfeierlichkeiten aber bildete das Sommerfest am 6. und 7. Juli. Eröffnet wurde es mit einem Orgel-Open-Air-Konzert am Samstagabend. Der Kirchenmusiker Werner Zuber spielte an der weltweit einzigen Open-Air-Orgel Musikstücke aus vier Jahrhunderten sowie zwei eigene geistreiche Kompositionen. Sogar die Vögel sangen dabei mit. Dass kurz vor dem Konzert ein Gewitter über uns hinweg zog, war schnell vergessen. Am Ende ließ Sonnenglanz die Prospektpfeifen der Orgel wie in kostbarem Gold erstrahlen. Auch ein Blick in das Innere der Orgel war gestattet, eines Meisterwerkes mit 1830 Pfeifen.

Zwischen Bangen und Hoffen wegen der Wetterkapriolen begannen wir am nächsten Morgen den Festgottesdienst zum 125-jährigen Jubiläum. Dass der Gottesdienst in der Kirche und nicht auf dem Kirchenvorplatz stattfand, stellte sich als richtig heraus: Zum Schlussgebet donnerte und grollte es – und die Himmelsschleusen öffneten sich.

 

Zum Glück waren dies die letzten Regentropfen des Tages, so dass sich bei wunderbar milden Temperaturen das Fest vor der Kirche entfalten konnte. Und was für ein Fest wurde es! Beglückt und bereichert vom dichten Gottesdienst, in dem Menschen aus allen Generationen ihre Träume und Visionen von Kirche, Glauben und Welt mit allen teilten, wurde fröhlich gefeiert. Dass viele Jugendliche schon beim Gottesdienst und dann auch beim Fest sichtbar waren und mit anpackten, lässt uns alle einen hoffnungsvollen Blick in die Zukunft unserer Gemeinde richten. Na, wenn das nach einer wechselhaften Geschichte von 125 Jahren kein Grund zum Feiern ist! So wurden fleißig Lose verkauft, Architekt Frank Lattke führte fachkundig durch unsere Kirche und alle Gäste genossen die appetitlich angebotenen Leckereien. Um 13 Uhr wurde es quirlig auf unserem Kirchenvorplatz. Mittlerweile schien immer mal die Sonne und die Open-Air-Orgel konnte noch einmal in Betrieb genommen werden, dieses Mal durch Elisabeth Römer, Kirchenmusikerin an Herz Jesu. Das Familienkonzert verzauberte Klein und Groß – und besonders Klein wollte danach unbedingt auch mal in die Tasten hauen.
Aber da wartete ja noch ein ganz besonderes Highlight: Die Verlosung der Hauptgewinne unserer Tombola sorgte für viel Jubel.

So gingen die meisten Festbesucher reich beschenkt nach Hause: Mit allerlei Tombolagewinnen unter den Armen und beglückt und bereichert durch viele gute Gespräche und Begegnungen.

Ein unvergessliches Fest!

Uta Brinkmann und Alexandra Caspari

Via cordis – der Weg des Herzens…

Wie jedes Jahr am 1. Mai wanderte die baf-Gruppe (20 Frauen) eine Etappe des Stauden-Meditationswegs. Der Weg wurde von unserer Pfarrerin Alexandra Caspari strukturiert mit Meditationstexten und mehrstimmigen Liedern von Helge Burggrabe: "Via cordis, in meinem Herzen Mitgefühl, in meinem Herzen tiefe Liebe, in meinem Herzen Frieden."                                                                                                           

Dieser Weg nach innen öffnete zugleich den Blick nach außen: ein beglückend schöner Maientag mit Licht-durchflutetem Grün, blühenden Bäumen und Wiesen. Dazu das Vogelgezwitscher im Wald. Raubvögel kreisten über uns im strahlend blauen Himmel. Der Klapperstorch begleitete uns ein Stück des Weges.     
Wege des Schweigens, Schauens, Lauschens und Erzählens.                                                                                               

An drei Stationen übten wir uns anhand von Meditationstexten in der Achtsamkeit:
Station 1: Geh-Meditation (Via cordis). Suche nach Entspannung, Leichtigkeit, Freiheit von allem Belastenden, nach innerem Gleichgewicht im Rhythmus des Gehens.                  
Station 2: Der Atem Gottes (Ruach) in unserem Atem, dem wir bewusst nachspüren im Ein und Aus. Klänge der Sprache, der tiefen und hohen Vokale, die wir in verschiedenen Körperregionen wahrnehmen: Bauch, Herz, Kopf.                                                                
Station 3:"Hineni, hier bin ich." Meine Antwort auf das Gerufen-Werden. Ganzheitlich, wach, geöffnet und bereit, da zu sein im Hier, im Jetzt.

Sonnenverbrannt, am Brunnen erfrischt, gut genährt im Gasthof zum Adler in Mittelneufnach und müde kehrten wir heim, rundum dankbar, an Seele und Leib gestärkt.

Uta Brinkmann

Vier bayerische Ministerpräsidenten und die Kanzlerin in der Apostelin-Junia-Kirche in Augsburg!

„Ja, wen soll ich denn nun eigentlich begrüßen?“ fragte Pfarrerin Alexandra Caspari am Abend des 13. Januar in unserer vollbesetzten Kirche. „Edmund Stoiber oder Horst Seehofer? Günter Beckstein? Aktueller wäre allerdings Markus Söder.
Na, dann sage ich doch einfach: Wolfgang Krebs, herzlich willkommen!“ -
Im Rahmen unserer Junia-Konzerte kein Konzert, sondern der Kabarettist Wolfgang Krebs mit einem Kabarettabend in einer Kirche?
Unsere Pfarrerin fand auch dafür eine Antwort: „Das bedeutet doch, dass in einem Kirchenraum das gesamte Leben seinen Platz finden darf. Und so kann dieser Abend unter dem Motto von Gilbert Chesterton stehen: „Gott hat Humor, denn er hat den Menschen geschaffen.“
Wie sich dann Wolfgang Krebs alias Schorsch Scheberl als schlitzohriger Geschäftsmann um Tradition, Gemütlichkeit und Lebensqualität seiner geliebten bayerischen Heimat sorgt, wie er Gepflogenheiten und Bräuche des Landlebens augenzwinkernd auf den Arm nimmt, aber gleichzeitig wortreich ihr Verschwinden bedauert, was ihn jedoch nicht daran hindert, dies geschäftstüchtig zu vermarkten, das lässt sich nicht so einfach hier auf „Schriftdeutsch“, wie es in Oberbayern heißt, wiedergeben.
Der Scheberl Schorsch sagt also der Landflucht den Kampf an und veranstaltet einen Motivationsabend, der unter dem Motto steht: „Geh zu, bleib da“. Es ist ihm gelungen, zu diesem wichtigen Thema prominente Politiker, Kulturschaffende, Einheimische und „Zuagroaste“ zu Wort kommen zu lassen.
Zu unserer Überraschung hat sich an diesem Abend unsere Junia-Kirche in die Wirtschaft „Zur Toten Hose“, das einzige Lokal weit und breit, verwandelt.
Wir haben hohen Besuch: Edmund Stoiber, Horst Seehofer, Günther Beckstein und Markus Söder sind in persona anwesend. Ob sie damit einverstanden sind, dass ihre wohlgesetzten Worte bei uns immer wieder Lachstürme entfachen? Hubert Aiwanger tritt zwar nicht persönlich auf, ist aber mit ein paar Einwürfen zu hören. Meggy Montana lockert die Veranstaltung mit Tanz und Gesang auf. Sogar die Bundeskanzlerin Angela Merkel ist anwesend und bekennt freimütig, dass ihr bei einem Besuch in der Oberpfalz die bellenden Laute der Bevölkerung unheimlich vorgekommen sind und sie mit dem Verstehen ihre Schwierigkeiten hatte. Die Augsburger, abgesehen von ein paar Preußen, haben damit freilich keine Probleme und amüsieren sich königlich.
Köstlich war auch, wie Wolfgang Krebs die Tatsache, dass in unserer Kirchengemeinde eine Pfarrerin das Sagen hat, mit einem schrägen Seitenblick kommentierte. Und unseren neu gebauten Kirchturm als „Bimmelturm“ zu bezeichnen, das war doch wirklich die Höhe!
Dieser hat im übrigen an diesem ungemütlichen Sonntagabend bravourös den verschärften Stresstest bestanden: Vier Glocken, orkanartige Sturmböen, Regen und

dazu das Gelächter der mehr als hundert Zuschauer aus dem vollbesetzten Kirchenraum! Und er blieb stehen! Wir haben in jeder Hinsicht Grund, dankbar zu sein! Dankbar auch dafür, dass uns Wolfgang Krebs seine Vorstellung als Benefizveranstaltung schenkte. Unglaublich! 

Ilse Kerler, Marianne Hollatz