2018

Taizé mit dem Fahrrad: Ein kleiner Gedanke – eine große Reise!

Ich weiß nicht, wie unsere Pfarrerin, Alexandra Caspari, auf den Gedanken kam, mit dem Fahrrad nach Taizé zu fahren. Ob sie sich ein Beispiel an Frère Roger, dem Gründer von Taizé genommen hat? Denn auch er war das erste Mal mit dem Fahrrad nach Taizé gefahren, als er ein Haus für eine Gemeinschaft suchte. Oder fand Alexandra einfach nur etwas mehr Bewegung für unsere Gruppe gut?
Kurzum sind wir also tatsächlich an der Grenze Frankreichs mit unseren Fahrrädern losgefahren. Auch ein paar kleine Pannen, wie eine gesprungene Kette, ein verlorener Schlüssel oder eine störrische Satteltasche, die gleich mehrere Male abgefallen ist, konnte uns von unserem Ziel nicht abbringen. Bis dahin hatte fast keiner von uns ein klares Bild von Taizé. Unsere Pfarrerin hatte uns natürlich im Voraus davon erzählt, unter anderem auch von einem durchgeplanten Tagesablauf. Noch wussten wir nicht, was wir davon halten sollten.
Nach einem letzten steilen Anstieg sind wir schließlich schweißgebadet (es war während unserer Radwoche wirklich seeeeehr heiß) angekommen. In Taizé sind wir auf unsere zweite Gruppe gestoßen, welcher die Idee, mit dem Fahrrad anzureisen, zu waghalsig gewesen war, und die lieber mit dem Bus kam. Auch Leuten, denen wir über die Woche hinweg von unserer Radtour erzählt haben, schauten uns nur entsetzt an.
Nun waren wir also angekommen und ließen uns auf diesen ganz besonderen Taizé-Rhythmus ein:
Unser Tag bestand letztendlich aus drei Gottesdiensten und einigen Besprechungen mit gemischten Themen, in denen es um die Bibel, aber auch um unser Leben ging. Zum Frühstück gab es eine Semmel mit einem Stückchen Schokolade. Wie macht man daraus Nutella? Einfach in den heißen Tee oder Kakao tauchen! Klingt erst einmal fragwürdig, hat den meisten von uns aber gut geschmeckt.
Nach einem langen Tag konnten sich alle abends noch am OYAK treffen. Dort wurde zu Musik getanzt, man spielte verschiedene Spiele oder redete mit den anderen. Taizé ist ein Ort der Gemeinschaft mit viel Offenheit und Verbundenheit.

Wir waren alle begeistert und haben eine wunderbare Zeit erlebt. Es war ein sehr schönes Erlebnis, wir konnten neue Freundschaften schließen und ich bin sicher, dass jeder nächstes Jahr gerne wieder dabei sein möchte! Ein herzlicher Dank an Alexandra und unsere Leiter, die uns mit viel Geduld begleitet und ertragen haben!

Lina Dorner

Läuteordnung der Apostelin-Junia-Kirche

Seit einigen Wochen vervollständigt nun der hölzerne Turm das Bild der Apostelin-Junia-Kirche. Der elegante, schlanke Campanile erinnert an die Worte des Apostels Paulus an die Gemeinde in Kolossai: „[…] strebt nach dem, was oben ist, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt!“ (Kol 3, 1). Gleichzeitig laden die vier Glocken mit ihrem feierlichen Klang ein, die Via Cordis, den Weg des Herzens mit Dankbarkeit, Mitgefühl, Frieden und Liebe zu gehen.
Um die Glocken stimmig einzusetzen, wurde in Zusammenarbeit mit Pfarrerin Alexandra Caspari eine Läuteordnung erstellt. Dabei wurden auch die umfangreichen musikalischen Möglichkeiten des sogenannten Parsival-Motivs, in dem das Geläute erklingt, berücksichtigt.
Die große Glocke DANKBARKEIT ertönt jeden Abend um 18.00 Uhr für zwei Minuten und ermuntert mit ihrem Läuten, dankbar auf all das Gute zurückzublicken, das uns untertags von Gott geschenkt wurde. Kurz vor Verklingen der großen Glocke mischt sich die zweitgrößte Glocke MITGEFÜHL mit ins Geläute. Ihr Klang erinnert weitere zwei Minuten daran, auch all jener zu gedenken, die Leid zu tragen haben oder die im Laufe des Tages verstorben sind.

Die nächstkleinere Glocke läutet täglich um 12.00 Uhr mittags drei Minuten lang. Ihr Name FRIEDEN ist dabei Programm. Während zeitgleich die anderen Kirchen im Umfeld das traditionelle Angelus- (röm.-kath.) bzw. Betzeitläuten (evang.) durchführen, verkündet ihr Läuten ein wichtiges Anliegen: für den weltweiten Frieden zu beten. Der Zeitpunkt ist dabei eine Hommage an das sogenannte Nagelkreuz- bzw. Versöhnungsgebet von Coventry. Dieses wird seit 1959 jeden Freitag um 12.00 Uhr in der Ruine der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Kathedrale von Coventry gebetet.
Auch die kleinste Glocke LIEBE hat eine solistische Funktion. Donnerstags nach dem Abendläuten weist sie auf jenes Gebot hin, das uns Christus beim Abendmahl gegeben hat: „Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben. (Joh 18, 34-35). Wie übergroß diese Liebe ist, wird deutlich, wenn er selbst am Kreuz betet: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“ (Lk 23, 34). Die Glocke läutet deshalb auch zur Todesstunde Jesu am Freitag um 15.00 Uhr. 

So bewusst die Einzelglocken im Tages- und Wochenverlauf eingesetzt werden, so differenziert erklingen sie auch zu den Gottesdiensten. Das Vorläuten eine Viertelstunde vor Beginn der Sonn- und Feiertagsgottesdienste erfolgt stets mit der größten Glocke. Das Zusammenläuten hingegen wurde musikalisch auf die Festzeiten abgestimmt, um den jeweiligen liturgischen Charakter zu unterstreichen:
- Im Jahresfestkreis ertönt das feierliche „Te-Deum-Motiv“ der Glocken 1, 2 und 3. Es handelt sich dabei um die Anfangstöne des gregorianischen Te Deum (Großer Gott wir loben Dich).
- Im Advent und in der Fastenzeit läuten Glocke 1, 3 und 4, was einem ernsten Moll-Motiv entspricht. Dieselbe Tonfolge wird auch für Trauergottesdienste verwendet.
- Die Freudensonntage Gaudete und Laetare (3. Advent- bzw. 4. Fastensonntag) nehmen die Freude der Festzeiten vorweg. Dies unterstreicht das Läuten der Glocken 1, 2 und 4, ein strahlend-fröhliches Dur-Motiv.
- In der Weihnachts- und Osterfestzeit, zu Festen, Taufen, Hochzeiten sowie besonderen Anlässen wird das Plenum aller Glocken geläutet. Das Vollgeläute erklingt auch, wenn Auszug geläutet wird und an Silvester um 00.00 Uhr.
- Die Festgottesdienste an Weihnachten, Ostern, Pfingsten und zum Patrozinium werden besonders festlich angezeigt, indem zuerst jede Glocke einzeln und anschließend alle Glocken gemeinsam geläutet werden.
- Zu Taizé-Gebeten und den Lichtvespern im Advent läuten die Glocken 2, 3 und 4 („Gloria-Motiv“).

Ich freue mich, wenn die verschiedenen Motive zu einem noch tieferen Feiergefühl und einem noch intensiveren Glaubenserlebnis beitragen können. Mögliche Anregungen richten Sie bitte an piccolo.floete(at)gmx.at oder Pfarrerin Alexandra Caspari.

Julian Ramerstorfer aus Pfersee, Theologiestudent und Mitglied beim Verein „Österreichisches Glockenarchiv“

Berührt werden - Glockenweihe in der Apostelin-Junia-Kirche in Augsburg

Zuerst war das Schwingen der Glocke im Glockenstuhl zu hören. Die Spannung der mehr als vierhundert Menschen auf dem Kirchplatz war zum Greifen nahe. Man sah's  auch in den Gesichtern! Und dann: der erste Klang der kleinsten Glocke, immer stärker, immer intensiver!
Für alle, die nicht wissen, um was es eigentlich geht:
In Augsburg hat sich in der Apostelin-Junia-Kirche etwas ganz Besonderes ereignet! Die Kirche, die bislang ohne Turm war, hat einen "Campanile" bekommen. Das ist ein Glockenturm, der separat neben einer Kirche steht. So was gibt es eigentlich sonst nur in Italien. Wer mal in Venedig war, weiß, wovon die Rede ist. Am 15. Juli  2018 war es dann soweit. Die Glocken werden von Bischof Dr. Matthias Ring geweiht.
Mich berührt das Schwingen der Glocke so stark, dass ich fast das Atmen vergesse: Das erste Mal, dass man hier auf diesem Platz den nahen Klang einer Glocke hört -  vom 18 m hohen Turm. Einige fangen an zu klatschen! Andere haben nasse Augen. Neben mir steht eine Frau, die weint...
Bevor der erste Ton der kleinsten Glocke mit dem Namen Liebe zu hören ist, hat jemand auf dem Kirchenvorplatz Gedanken über Liebe vorgelesen. Beim letzten Wort unseres Bischofs, der jede einzelne Glocke segnet, beginnt sie zu läuten; sie ruft hell, zart und doch eindringlich und zieht alle Umstehenden in ihren Bann! Ich habe nicht geglaubt, dass mich dieses Ereignis so mitnehmen würde! Auf der zweiten Glocke steht Frieden. Eine Jugendliche liest Gedanken zum Frieden, der Bischof  spricht das Gebet. Endlich darf sie klingen, die zweite Glocke, die zum Frieden aufruft, die jeden berührt! Ich glaube, diese Glocke ist weit zu hören. Vielleicht hat sie bald Wiedererkennungswert als Friedensglocke!
Die Worte zur dritten Glocke fordern ebenfalls auf, fordern auf zu Mitgefühl. Ohne Mitgefühl überlebt keine Gemeinschaft. Jede Gruppe, die Familie, die Gemeinde, die soziale oder politische Gruppe ist auf Mitgefühl der einzelnen Mitglieder angewiesen. Ich merke, dass ich es kaum erwarten kann, den Klang der dritten Glocke zu hören. Und wieder ist zuerst das Schwingen des Glockenstuhls wahrzunehmen. Dann der neue Klang, ganz anders als die beiden ersten Glocken. Ein dunkler, voller Klang erfasst und durchdringt mich. Ich glaube, dass jedem auf dem Kirchplatz Mitgefühl auf eine neue, andere Art vermittelt wird: durch den Klang einer Glocke!
Ich bin gespannt, ob die vierte Glocke noch eine Steigerung bringen kann. Dann fängt sie an zu läuten, erst schwer und langsam; dann immer stärker, viel tiefer in ihrem Klang als die ersten drei. Dankbarkeit als Ausdruck des Erreichten: eine Kirche mit einem Kirchturm und vier Glocken, die jetzt regelmäßig die Menschen rufen werden, aber auch erinnern.
Als schließlich alle vier Glocken im Quartett läuten, kann man die Dankbarkeit der Menschen auf dem Kirchplatz wahrnehmen. Ich hätte nicht geglaubt, dass mich Glockengeläut so in seinen Bann ziehen könnte. Die gute Stimmung steht den Menschen in die Gesichter geschrieben. Viele klatschen und lachen.
Nach der Rückkehr in die Kirche erwartete uns ein neuer Höhepunkt: Das Gloria aus einer Messe von Christopher Tambling. Dabei wurde der Chor von Bläsern und Röhrenglocken begleitet. Eine außergewöhnliche Kombination, wie gemacht für einen Tag, wie diesen. Diese Musik berührte zutiefst, wie eben auch zuvor schon die Glocken. Die Bedeutsamkeit von Berührung wurde auch im Evangelium und in der Predigt thematisiert. Ich hatte den Eindruck, das, was sich draußen auf dem Kirchplatz abgespielt hatte, wurde im Kirchenraum gespiegelt und verinnerlicht - ein wundervoller Vormittag!

Jetzt kommt ein harter Übergang - würde unser Bischof sagen. Wie komme ich jetzt vom Sakralen, dem Spirituellen zum Irdischen, zum Leiblichen. Denn das gehört ja auch zu so einem Festtag. Es war wie bei einer fürstlichen Hochzeit - ein Fest vom Feinsten. Alles wurde aufgefahren: ein riesengroßes Salatbuffet, ein ebenso großes Kuchenbuffet, Getränke aller Art, Bratwürste... und eine Betonmischmaschine, die neben dem Kirchturm stand. Die meisten dachten, 'eine vergessene Baumaschine'. Im Gegenteil! Sie wurde mit Absicht dort hingekarrt, um einerseits den Neubau des Campanile zu symbolisieren (obwohl er, wie die Kirche, fast ausschließlich aus Holz besteht). Aber diese Betonmischmaschine wurde gnadenlos zweckentfremdet. Sie wurde zwar ordnungsgemäß angeworfen. Aber es war kein Beton in der Trommel, sondern die Losnummern der Hauptgewinne der Tombola. Diese wurden beim Drehen tüchtig durcheinandergewirbelt. Und wer durfte die Hauptgewinne ziehen? Ja, wer wohl: unser Bischof Matthias. Er zog einen Hauptgewinn nach dem anderen aus der "Lostrommel". Wenn ein Gewinner sich nicht sofort meldete, steckte er die Gewinn-Nummer lachend in seine Hosentasche. Ich habe nicht gewusst, was ein Bischof neben seiner sakralen Tätigkeit noch so alles machen muss. Und ich glaube, es hat ihm sogar Spaß gemacht!
Dieser wundervolle Tag hatte ganz viele Facetten, die es durchaus noch lohnen würde detaillierter zu beschreiben: die rockige Volksmusikgruppe ScheinEilig, die historische Tanzgruppe Augustana edle Patrizia. Alle haben dazu beigetragen, die Menschen zu berühren und in Schwingung zu versetzen. Die Glocken selbst aber waren an diesem Tag die Hauptpersonen.
Jürgen Roth, Corinna Graßl-Roth

Eindrücke von der Glockenweihe

Der Kirchturm wurde samt eingebauter Glocken aufgestellt - in vier Stunden!

Ein Studientag – spannend und motivierend

Heute darf ich Ihnen von meinen Eindrücken zu unserem Studientag mit dem Thema "Vom Protest zur Alt-Katholischen Kirche" berichten. Einen herzlichen Dank an den Professor für alt-katholische Theologie an der Universität Bonn, Herrn Prof. Dr. Andreas Krebs, dass er uns von der Entstehungsgeschichte unserer Kirche erzählt hat. In einer Atmosphäre von Spannung und Wissbegier ließ sich beobachten, wie die Zuhörer quasi an den Lippen von Prof. Krebs hingen. Wie Kinder in der ersten Klasse sogen wir sein Wissen auf. Seine Fähigkeit, doch eher trockenen Geschichtsstoff mit Leben zu füllen, schuf einen Tag, der wie im Fluge verging. Man denke nur an die Randbemerkung, wie Döllinger durch die Damen der Münchner Gesellschaft verehrt wurde!
Es entstanden in den Pausen viele anregende Gespräche, welche von einer Begeisterung über die Gestaltung des Tages, aber auch über die Errungenschaften der Menschen, die unsere Kirche gegründet haben, erfüllt waren.

Mehrfaches respektvolles Erstaunen war über die demokratischen Sätze der Münchner Konferenz zu hören. "Und das vor über hundert Jahren", war einer der Sätze. 
Ebenfalls Erstaunen bewirkte unsere mittägliche Stärkung. Ein veganes Gericht, Auberginen - Süßkartoffel – Curry mit Gewürzreis und Soja-Joghurt-Sauce, bewirkte viel mmmhhs und aahhs, so dass auch Nachschläge geholt und am Schluss noch Plastikboxen mit den Resten für zu Hause gefüllt wurden.
Die besondere Fähigkeit Herrn Prof. Krebs' uns zu fesseln, zeigte sich am Nachmittag erneut. Es wurde genauso engagiert in Gruppen zum Thema "Alt-Katholische Kirche heute" gearbeitet wie vormittags, ohne Tief durch das Mittagessen. Wer kennt das nicht, gutes Mittagessen und starke Müdigkeit am Nachmittag? Jedoch nicht mit uns! Es gab viel Energie und Spaß, Visionen für unsere Kirche zu erarbeiten.
Ehrlich gesagt, fand ich es schade, dass der Tag so schnell verging. Wissen so toll verpackt zu bekommen, in einer familiären Atmosphäre, das ist ein Geschenk. Und ich denke, die Teilnehmer*innen empfanden dies auch so. Denn am Ende sagten sehr viele "Das müssen wir wiederholen"!
Ein herzliches Dankeschön an alle fleißigen Helfer*innen, die diesen Tag ermöglichten! Und natürlich unserer Pfarrerin Frau Caspari ein besonderer Dank, da bei ihr wieder alle Fäden zusammenliefen. So einen wunderschönen Tag parallel zu den Vorbereitungen zur Glockenweihe und Taizé - Fahrt zu organisieren ist schon viel Arbeit. 

Christian Rehermann

Glockenguss: Festgemauert in der Erden...

... da wissen wir alle, wie es weitergeht: ... steht die Form, aus Lehm gebrannt. Heute muß die Glocke werden. Frisch, Gesellen, seyd zur Hand.

Am Dienstag, dem 19. Juni, war es soweit. Die Glockengießerei Bachert hatte uns eingeladen, beim Guss von zwei Glocken zuzuschauen. So fuhren wir zu neunt nach Neunkirchen in den südlichen Odenwald und kamen gerade rechtzeitig zum ersten Guss an. Eine offene Halle, schwer konnte man sich orientieren an dem Durcheinander von Balken, Laufkränen, Paletten, Säcken, auf dem Boden seltsame Erhebungen aus Lehm - es sah nach Arbeit aus. Und gleich ging es los.

Gespenstisch sahen die silbern glänzenden Gestalten der Gießer in ihren langen Mänteln mit Gesichtsvisier aus, im Ofen züngelten die Flammen wie der Schlund zur Hölle, jetzt war die Temperatur von 1080°C erreicht, vorsichtig wurde der rotglühende Kübel mit der Glockenspeise, einer Mischung aus Kupfer und Zinn, herausgehoben und erst einmal auf einem Sandhügel abgestellt.

Der Gießmeister hatte zwar einen Gipsfuß, aber das hinderte ihn nicht an seiner Aufgabe. Energisch mit der Krücke klopfend dirigierte er seine Männer, wohin der 200 kg schwere Kübel zu bewegen war, nämlich über ein breites, mit Metall eingefaßtes hügelähnliches Lehmgebilde. Hier verbarg sich die Form für unsere zukünftige Glocke.

 

 

 

 

 

 

 

Die Technik ist dieselbe, wie es schon Schiller vor 200 Jahren beschrieb. Freilich hat jede Glockengießerei ihr eigenes Rezept. Die Firma Bachert fertigt bereits in der siebenten Generation Glocken im traditionellen Lehmformverfahren. Für den Klang der Glocke ist die Form ausschlaggebend, Bachertglocken haben eine besonders weiche, harmonische Klangentfaltung. Wann werden wir unsere Glocke zum ersten Mal hören? Während ich dies schreibe, ist Zeit vergangen, die große Glocke „Dankbarkeit“ ist beim Turmaufbau von Alexandra angeschlagen worden: Sie hat einen wunderschönen Klang mit einem langen Nachhall.
Kurz nun der Aufbau der verschiedenen Schichten. Im Inneren befindet sich der Kern, gemauert aus Ziegelsteinen. Eine Schablone sorgt für die millimetergenaue Form. Dann eine Trennschicht. Dann die „falsche Glocke“, eine Schicht aus Lehm und Stroh, die später entfernt wird und den Hohlraum für die Glockenspeise bildet. Die Oberfläche muß wieder durch die Schablone geformt werden. Wieder eine Trennschicht und nun der äußere Mantel aus Pferdemist und Lehm.

Wohl! Nun kann der Guss beginnen. Doch, bevor wir’s lassen rinnen,
betet einen frommen Spruch! Das tat unsere Pfarrerin dann auch.

Mucksmäuschenstill waren wir, höchste Konzentration bei den Gießern. Von der Stirne heiß rinnen muß der Schweiß... Der Kübel wurde langsam gekippt, eine hohe Flamme schoß in die Höhe zur Decke, der Strahl mit der flüssigen Bronze floß oben in den Hohlraum der „falschen Glocke“. Wie spannend war das alles! Die Urgewalt von Feuer, Metall, Hitze, Erde – Lehm, die Handarbeit von Menschen und am Ende entsteht unsere Glocke! Was mich am meisten fasziniert ist, dass wir die Glocken im Turm ja gar nicht sehen werden, wir wissen nur, dass sie da sind. Das, was uns sagt, dass es sie wirklich gibt, das ist ihr Klang, Tonschwingungen, die weit ins Land gehen und eine Botschaft hinaussenden. Wie heißt der Satz. „Das Eigentliche ist unsichtbar...“

Bis die Glocke sich verkühlet, lasst die strenge Arbeit ruh’n! Nach etwa zehn Tagen kommt der spannende Augenblick, wenn der Mantel entfernt wird und es sich zeigt, ob der Guss gelungen ist. Manch stille Gebete sind in dieser Wartezeit von uns zum Himmel gestiegen... In zwei Wochen kommt der große Augenblick, der Turm wird stehen, die vier Glocken werden da drin hängen, wir werden aus vollem Herzen Dank sagen. Und mit Schiller sagen: Freude dieser Stadt bedeute,
Friede sei ihr erst Geläute!

Marianne Hollatz

Glocken vor dem Einbau in den Kirchturm

Höre den Herzschlag des Himmels - baf Staudenmeditationsweg am 01. Mai 2018

„Höre den Herzschlag des Himmels, klingen in deinem Herzen. Spüre den Herzschlag der Erde, pochen in deinem Sein.“
Dieser tiefberührende Text und drei andere Lieder von Helge Burggrabe begleiteten uns baf-Frauen auf unserem Stauden-Meditationswanderweg am 1. Mai. Ein zentraler Bestandteil dessen war das gemeinsame Singen von spirituellen Gesängen des Komponisten Helge Burggrabe, künstlerisch begleitet von Corinna Graßl-Roth und ihrer Querflöte.
Beim Wandern passierten wir mal plaudernd vergnügt, mal schweigend andächtig verschiedene Stationen unseres Weges von Markt Wald nach Mittelneufnach. An unserer ersten Station, wo wir einen Aussichtsturm bestiegen, gingen wir die vier Ecken des quadratischen Turmes ab, blieben dann immer wieder in einer Ecke stehen und sangen dabei das erste Lied „Herzensauge, Herzensohr“.  Währenddessen ließen wir unseren Blick in alle Himmelsrichtungen über die üppige Natur der Stauden schweifen und erfreuten Rehe und eine des Weges kommende Kräuterhexe mit unserem Gesang.
Wir liefen  durch abwechslungsreiches Gelände, durch Wälder, selten über Straßen, an Wiesen entlang,  und einmal trafen wir zwei  Pferde, die sich genussvoll streicheln ließen.

Durch die vielfältigen Abschnitte unserer Wanderung blieb diese stets kurzweilig. Sie enthielt  sogar einmal einen sportlich herausfordernden Teil, als wir einen steilen  Hang erst hinunter- und dann gleich wieder hinaufklettern mussten. Da an einem Bach gelegen, war er matschig und rutschig, was das Ganze erschwerte.  Aber das ließ sich gut bewältigen, denn wir gaben uns gegenseitig Halt, damit keine abrutschen und sich eventuell  verletzen könnte. Auch ich hatte bei dieser Kletteraktion Hilfe nötig und  es war schön zu erleben, dass in der baf-Frauengruppe in den entscheidenden Momenten keine Not an der Frau ist, sondern Unterstützung und Hilfsbereitschaft.
Die Unterhaltungen während des Wanderns mit meinen Wandergenossinnen waren erfrischend, aber zur Besinnung auf das meditative Element, der Stille in uns, Gott in uns, war das Schweigen für mich essenziell. Dazu wurden wir immer wieder bei bestimmten Etappen von unserer Pfarrerin Alexandra Caspari ermuntert. Besonders spürbar wurde die Wirkung des Schweigens bei der stillen Naturbetrachtung auf einem Hügel, dessen Anhöhe zwischen einem Waldstück und einer Wiese mit hochgewachsenem Gras und bunter Blütenpracht gelegen war. Vorher nahmen wir dort unsere mitgebrachte Vormittagsbrotzeit ein, dann sangen wir das Lied „Höre den Herzschlag“. Danach suchte sich jede Wanderin einen Platz, wo sie im Schweigen zur Besinnung kommen oder einfach die Natur genießen konnte.
Auch das Wetter spielte mit. Zu Beginn unserer Wanderung war es noch kühl, aber zum Ende hin klarte der Himmel immer mehr auf, die Sonne kam heraus und es wurde zunehmend wärmer.
Von all den sinnlichen und spirituellen Eindrücken des ganzen Staudenmeditationsweges erfüllt, brachen wir beschwingt  zu unserer letzten Etappe auf, dem Weg zum Gasthof Adler in Mittelneufnach. Bei  wunderbarem Essen wurden in  fröhlicher Stimmung  Gespräche über ernste und weniger ernste Themen geführt. 
Ein schöner Abschluss für einen wunderschönen Tag. Ich kann allen Frauen, die das hier lesen, nur ans Herz legen, auch einmal mitzuwandern.

Mirjam Mair

Via cordis - Kar- und Ostertage, die zu Herzen gehen

Alles fing mit Jenny an. Ihr erinnert euch: Jenny, die Clownin, die am Faschingssonntag jedem einen Spiegel in die Hand gab, damit wir uns als Ebenbild Gottes wahrnehmen konnten und sahen, dass alles an uns „seeehr gut“ war, auch unsere Füße, die so schöne quietschgrüne, gelbe und rote Spuren auf dem dunklen Fußboden hinterließen. Diese Spuren unseres Lebens begleiten uns die ganze Fastenzeit, der Weg der Füße und - weiter gedacht - der Weg des Herzens: Via cordis. Beschwingt fängt die Karwoche am Palmsonntag mit dem Palmentanz in der ersten warmen Frühlingssonne auf dem Kirchvorplatz an. Die Umwege unseres Lebens, der gerade Weg – wie tröstlich ist es, dass alle Wege zum Ziel führen!
Zum Gründonnerstag wäscht die Pfarrerin mit einem Team die Füße aller, die dies möchten. Auch ich lasse mir die Füße waschen, wie schwer fällt es mir doch, ein Geschenk einfach so, ohne Gegenleistung, anzunehmen! Beim gemeinsamen Mahl mit Brot und Wein um die lange Tafel mit dem weißen Tischtuch spüren wir besonders stark die Verbundenheit miteinander. Nach dem Gottesdienst wird alles aus der Kirche geräumt, kahl ist der Raum jetzt. Wir gehen hinaus in den dunklen Park, mit unseren Liedern, Gebeten und auch in der Stille begleiten wir Jesus in den Garten Getsemani.
Am Karfreitag ist unser Kirchenraum noch leerer. Jeder und jede erhält eine Spiegelscherbe: Unser Spiegelbild vom Faschingssonntag ist zerborsten. Wir haben viel Zeit, in Stille unser Gesicht in einer Spiegelscherbe zu betrachten und uns mit dem zu konfrontieren, was uns nicht gelungen ist, wo etwas zerbrochen ist und wir uns an einer harten Glaskante des Lebens verletzt haben. All das legen wir schließlich mit unserer Scherbe auf das auf dem Boden liegende Holzkreuz ab.
Karsamstag, der Tag der Vorbereitungen auf die morgendliche Osterfeier. Dafür und für alle Tage der Karwoche ist vieles notwendig: Menschen, die liturgische Dienste übernehmen, Kirche umbestuhlen, aus- und einräumen, Blumenschmuck, Fußspuren anbringen, Proben für die Musik, Chorproben, Holz für das Osterfeuer sägen, Osterfrühstück richten, abspülen, Gemeindesaal bestuhlen, Liturgieproben, Osterkerzen verzieren, die große Osterkerze gestalten und das Wichtigste: den Wecker auf eine Uhrzeit mitten in der Nacht stellen...
Schön ist es, durch den noch dunklen Park auf die Kirche zuzugehen und den Vögeln zuzuhören. Bald wird es Tag. Die Kirche ist dunkel, langsam füllt sie sich. In die Stille tönen die uralten Worte „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde...“ Wir gehen wieder nach draußen und bilden um das lodernde Osterfeuer einen Kreis. Der böige Wind lässt die Flammen in alle Richtungen springen. Die Kirche wird nun von der Osterkerze und unseren Kerzen in der Hand erhellt. Wie jubelnd erklingt das „Lumen Christi!“, wie fröhlich antworten wir: „Deo gratias!“ Nach den Tagen der Stille ertönt die Orgel mit allen Registern und stimmt zum Gloria an.
Eine besondere Freude ist es, den Liedern von Helge Burggrabe zu lauschen, die uns schon durch die Fastenzeit begleitet haben und die jetzt die Schola singt: Der Ebenbild-Hymnus, „Via cordis – der Weg des Herzens“, „Herzensauge, Herzensohr“ und die Zusage „Du bist gesegnet, ein Segen bist du“. Diese Lieder sind wirklich gesungene Gebete. Lang ist die Osterliturgie, aber wunderschön. Draußen begrüßt uns die Morgensonne, und wir freuen uns auf das gemeinsame Osterfrühstück mit dem reich bestückten Buffet, das wir uns redlich verdient haben.

 

 

Via cordis – der Weg des Herzens. Mit allen Sinnen sind wir ihn in den Kar- und Ostertagen gegangen, mit den Füßen, den Händen, den Augen, den Ohren und vor allem mit dem Herzen.

Marianne Hollatz

Kurzexerzitien vor Ostern

Zu Beginn diesen Jahres fiel mir in unserer Augsburger Gemeinde ein Flyer ins Auge, der mein Interesse weckte: ein Angebot für viertägige Kurzexerzitien mit dem Titel „All you need is love – love is all you need!“ Der Termin für die Kurzexerzitien war für 23.3.18 – 27.3.18 mit Tagungsort Schloss Wohlgemutsheim in Baumkirchen-Innsbruck / Österreich geplant. Schloss Wohlgemutsheim wird als „geistliches Zentrum“ von den österreichischen Don Bosco Schwestern geführt und ist, wie ich später feststellte, ein wunderbarer Ort.
In den folgenden Tagen ließ mich das Thema „Exerzitien“ nicht mehr los. Die Überlegung, ob ich mich auf diese Form der Auszeit einlassen sollte, mündete schließlich in meine Anmeldung ein, ein aus meiner Sicht durchaus mutiger Schritt.
Mit zwei Kursteilnehmern und dem Exerzitienleiter Matthias Schuster waren wir eine kleine Gruppe, die intensive Tage miteinander verbrachte. Das Tagesprogramm setzte sich aus festen, sich wiederholenden Elementen zusammen wie Morgengebet, Impuls und Stille Zeit, Leibübungen, Anregung zum persönlichen Beten und Nachdenken, Einladung zum Einzelgespräch sowie dem Austausch in der Gruppe.
Gerade in diesem Moment sitzen Max und ich, die zwei Teilnehmer, zusammen und überlegen miteinander, welche Spuren die Kurzexerzitien bei uns in unserem Alltag hinterlassen haben. Wir sind beide erstaunt darüber, wieviel diese vermeintlich „kurzen“ Exerzitien bei uns in Bewegung gebracht haben und wie sie positiv nachwirken:
Die Zeiten der Stille und Einkehr sowie die täglichen Impulse zur Achtsamkeit mit sich selbst, für die Welt um einen herum, für Gott, brachten uns sehr zum Nachdenken und einen neuen Blick auf das, was uns in unserem Leben passiert bzw. passiert ist. Matthias Schuster schaffte es in unseren Einzelgesprächen, in besonderer Weise auf unser jeweiliges Thema einzugehen, welches jeder von uns „in seinem Gepäck“ mitgebracht hatte. Dadurch wurde ein Prozess angestoßen, in dem uns vieles klarer und nachvollziehbarer wurde, gleichzeitig eröffnete sich auch eine neue Kraft für die nächsten Schritte in unsere Zukunft.
Danke an Matthias Schuster, der uns als Exerzitienleiter kompetent und einfühlsam durch diese Tage geführt hat. Unsere gute Erfahrung mit diesen Tagen hat uns beiden Lust auf weitere Exerzitien gemacht!    

Kerstin Knöller und  Maximilian Schuster

Kirche, Clownin und Karneval – alles seeehr gut!

Wer rechnet schon beim sonntäglichen Kirchgang mit dem Erscheinen einer Clownin – noch dazu mit einer echten Clowndame namens Jenny? Zwar ahnte die alt-katholische Gemeinde in Augsburg, dass an diesem Faschingssonntag eine Überraschung auf sie wartete, aber die meisten Kirchenbesucher erwarteten wie in den Vorjahren eine auf mannemerisch vorgetragene Büttenrede der Pfarrerin als ihr traditionelles Wort zum Sonntag. Umso mehr überraschte sie dann das Kommende:
Nämlich, als am Ende der Lesung die rot benaste Jenny mit einer prall gefüllten schwarzen Knautschlacktasche auftauchte und die eben gehörten Worte der Bibel in eine szenische Interpretation umsetzte, die alle Anwesenden beeindruckte und verzauberte.
„Da schuf Gott Adam, die Menschen, als göttliches Bild, als Bild Gottes wurden sie geschaffen, männlich und weiblich hat Gott sie geschaffen.“  -  mit diesen letzten Worten der Lesung begann sie ihren Auftritt. Dann blickte sie freudestrahlend in die Runde und rief genüsslich „seeehr gut!“.
Um der Gemeinde zu beweisen, dass jeder der Anwesenden ein gelungenes Werk Gottes sei, kramte sie zahlreiche kleine Spiegel aus ihrer Tasche, die sie den um sie herumsitzenden Menschen vor’s Gesicht hielt - „seehr gut“, „seehr gut“ lobte sie dabei unentwegt. Dann wanderten die Spiegel durch die Reihen und jeder hatte die Gelegenheit, sich selbst darin zu begutachten – und das Ergebnis war wieder „seehr gut“!
Aber das war lange noch nicht alles. Mit Schwung setzte sich die Clownin nun auf den Buchtisch und machte sich auf die Suche nach dem Göttlichen in ihr, indem sie ihre einzelnen Körperteile betastete, begutachtete und bestaunte. Sie tat dies mit höchstem Genuss und lachte vor Freude immer wieder laut vor sich hin. Dann kam ihr noch eine weitere Idee: Jetzt zog sie sich auch noch die Schuhe und Strümpfe aus um ihre Füße zu bestaunen - und bemalte doch tatsächlich ihre Füße mit grellen Fingerfarben! Stolz auf ihr künstlerisches Werk schritt sie dann den Kirchenraum ab, um so ihre Fußspuren zu hinterlassen. Während des Herumlaufens schielte sie bereits auf die Füße der ersten Reihe und mit einer beeindruckenden Charmeoffensive gelang es ihr im Nu, gleich mehrere „Opfer“ zu finden. Einige der Freiwilligen waren so kitzlig, dass sie schallend lachten, während ihre Füße bemalt wurden, was wiederum alle anderen Kirchenbesucher auch ansteckte herzhaft mitzulachen. Anschließend wateten sie mithilfe einiger Helfer hin und her und hinterließen auch ihre Fußabdrücke.

Aber damit nicht genug – Jenny wollte schließlich saubere Füße zurücklassen, aber woher nur Wasser nehmen? Einige hatten es schon befürchtet und wirklich - kurz entschlossen tauchte sie den bereits gezückten Waschlappen ins Weihwasserbecken, um dann alle Füße wieder reinzuwaschen. Nach dieser Fußwaschung kam die krönende Massage mit Salbe der nun weitgehend farbenfreien Füße. Entstanden war ein Bild auf dem Kirchenboden mit lauter farbigen Fußabdrücken, die wie der Anfang eines Weges anmuteten. Die Pfarrerin verriet uns am Ende des Gottesdienstes, dass wir nun in der kommenden Zeit – von Aschermittwoch bis Ostern - auf diesen Spuren wandeln könnten... Sichtlich beschwingt und gespannt auf das, was kommen würde, verließen wir die Kirche.

Susanne Täufer