2017

"Stille Tage auf dem Sonnenhof, Ende Oktober"....

...hmm dachte ich, das klingt irgendwie verlockend. Stille kann ich dringend brauchen, und auch die Sonne ist etwas, was man bei uns in Augsburg im Herbst, dank Lech und Wertach, ja nur selten zu sehen bekommt. Als ich mich dann etwas näher informierte über diesen Sonnenhof und dabei erfuhr, dass die Schwestern von Grandchamps, die dieses Haus leiten, ein weibliches Pendant zur Taizébruderschaft sind, war die Neugier endgültig geweckt. Ich meldete mich an....

...und wusste spätestens am Abend des ersten Tages, dass die Entscheidung mehr als gut war.
Da ich bereits auf einen langen Exerzitienweg zurückblicken darf, kenne ich die Stille und weiß, wie kostbar und wertvoll, aber auch wie fordernd sie sein kann. Ich weiß, dass es Momente gibt, in denen du vor Glück zerspringen willst und genauso auch Momente, in denen du eine tiefe Leere und Traurigkeit empfindest. Um dies alles gut aushalten zu können, braucht es drei Dinge:
·       ein liebevolles Mitgehen durch die Person, welche diese Tage leitet. Dafür Dir, liebe Alexandra ein herzliches Dankeschön!
·       eine Gemeinschaft, die dich wie ein unsichtbares, stilles, achtsames Netz jederzeit umgibt und hält. Auch hier ein Dankeschön an jede(n) Einzelne(n) von Euch, mit denen ich diese Tage in Stille er-leben durfte.
·       einen Ort der die Stille er-lebbar macht, an dem ich mich geborgen und gut aufgehoben fühle. Genauso ein Ort ist der Sonnenhof!

Dieses kleine Haus mit seinen Schwestern zu beschreiben ist nicht einfach, es will erlebt werden. Bei unserem letzten gemeinsamen Mittagessen, nachdem das Schweigen gebrochen war, sagte eine Schwester zu mir: "Die Stille hilft uns, achtsamer mit uns und mit den anderen Schwestern umzugehen. Sies zentriert uns auf das Wesentliche und lässt uns somit das Wesen unseres Gegenübers klarer erkennen. Genauso wie Gott uns und wir Gott dadurch klarer erkennen können."
Ich denke, diese Worte machen den Geist des Hauses und der Gemeinschaft selbst am ehesten erfahrbar. Es ist ein Gefühl der tiefen Achtsamkeit, Aufmerksamkeit, des inneren Hörens und der absoluten, liebevollen Zuwendung in allem, was die Schwestern tun. Genau dies tat mir unglaublich gut, so dass ich voller Dankbarkeit und mit einer tiefen Verbundenheit zu diesem Ort und seinen Schwestern gestärkt nach Hause fahren konnte.

Als ich mir knapp eine Woche später zu Hause, wieder angekommen in Trubel und Chaos, die Frage stellte, was mich aus diesen Tagen noch berührt und begleitet, war die Antwort darauf schnell gefunden: Das Lächeln einer Schwester. Ihren Namen hatte ich schon wieder vergessen, aber ihr liebevolles Lächeln, das mich während der Tage immer wieder einmal im Innersten berührt hat, wird mich noch lange begleiten und an den Sonnenhof erinnern, der seinem Namen während unserer Zeit dort übrigens alle Ehre gemacht hat..

Andrea Schuster

Vom Himmel zur Höhle und zurück

„Hier rechts ans Ufer fahren, denn danach kommt ein Wehr“, warnte unser Kanuguide. Für zwei unsere Kanutinnen aber kam das Wehr doch zu bald und sie landeten im Wasser.
Schnell war aber der Rest unserer Gruppe an Ort und Stelle und stand den beiden mit Rat und Tat zur Seite. Mit einem Trostkeks und gutem Zureden konnte es auch bald weitergehen.
Doch erst einmal von Anfang an: Begonnen hat unser Abenteuer am 30. Juli 2017 in Augsburg. Mit drei Kleinbussen brachen wir - das waren 25 Jugendliche zwischen 9 und 14 Jahren sowie unsere neun Leiter – in die Fränkische Schweiz auf. Im Bus freuten wir uns schon lautstark singend auf unsere gemeinsame Zeit auf dem idyllisch gelegenen Campingplatz am Ufer eines kleinen Flusses. Die Stimmung war prächtig und half Schlaf- und Küchenzelte rasch aufzubauen.
Nichts für schwache Nerven war das Abseilen von einer 20 Meter in den Abgrund ragenden Felswand mit Überhang. Trotz unseres teilweise flauen Gefühls im Magen auf dem Weg abwärts, bewältigten diese Herausforderung auch die Kleinsten aus unserer Gruppe und hatten jede Menge Spaß. Unten auf der Erde wieder angekommen wurde jeder von uns mit großem Applaus und einer kleinen Belohnung begrüßt. Der leckere Keks gab uns wieder Kraft für die nächsten Aktionen.
Auf dem Programm stand auch die Begehung von drei unerschlossenen Höhlen. Unsere Aufgabe war es unter anderem durch sehr enge Löcher zu kriechen, uns durch Teamarbeit in Dunkelheit zurechtzufinden und gegenseitig aufeinander aufzupassen, dass keiner verloren ging. Dies bedeutete Ängste zu überwinden und dem Nächsten zu vertrauen. Auch dieses Abenteuer stärkte unseren Zusammenhalt und das Gemeinschaftsgefühl.
Dies ist nur ein kleiner Ausschnitt aus unserer gemeinsamen Woche in der Fränkischen Schweiz, der aber sicher deutlich macht, was wir Schönes erfahren haben. Unser Dank gilt wie immer unserer kompetenten Leitung und den zahlreichen Betreuern, die alles perfekt organisierten und immer für uns da waren.

Wir freuen uns schon auf nächstes Jahr, wo wir uns hoffentlich alle wiedersehen und genauso tolle Erfahrungen in der Gemeinschaft machen können!

Dorothea Täufer

Immer einen Notfallkeks in der Tasche – als Leiterin auf einer Jugendfreizeit

Warum Kinder und Jugendliche gerne ins Zeltlager fahren, ist sehr einleuchtend:
Unterwegs sein mit Freunden - ohne Eltern, tolle Freizeitaktivitäten, Spaß, Lagerfeuer und vieles mehr.
Aber warum gibt es Erwachsene, die ehrenamtlich ihren Urlaub dafür einsetzen, Kindern und Jugendlichen diesen Spaß zu ermöglichen?
Einige Aspekte möchte ich gerne hier erläutern, denn eines ist klar: Die harte Isomatte im Zelt ist es nicht.
Kinder und Jugendliche besitzen noch eine Leichtigkeit, die im Alltag eines jeden Erwachsenen weitgehend verloren gegangen ist.
Ein Stück davon kann ich dort wieder spüren und sie über die eine Woche hinaus mitnehmen und in meinen Alltag integrieren.
Probleme in einem Zeltlager sind meistens sehr banal: Hält mein Zelt dem Regen stand, wo ist mein Essensgeschirr, und wie viele Nudeln koche ich für 35 Personen?
Durch diese Auseinandersetzung mit dem Alltag im Zeltlager fühle ich mich wieder geerdet und erfahre eine neue Perspektive auf meine sonstigen Alltagssorgen.

"Ein Hoch auf uns" war unser Lagerlied, lautstark bei jeder Busfahrt und oft auch noch zwischendurch zum Besten gegeben. 

Ein Hoch auf unsere Gemeinschaft.
Ein Wir-Gefühl entsteht, jeder findet seinen Platz und gehört dazu. Dieses Gefühl der Gemeinschaft ist im Rückblick für mich einer der wirklichen Höhepunkte und Grund,  jedes Jahr wieder eine Gruppe zu begleiten.
Jeder Teilnehmer bringt sich ein und wird so angenommen, wie er ist.
Auch diese Stärke der Kinder und Jugendlichen versuche ich mitzunehmen und in meinem Umgang mit Mitmenschen zu bewahren.

 

Natürlich muss auch ich mich Herausforderungen stellen: 20 Meter an einem Abhang abseilen, durch engste Löcher in einer Höhle winden und den Henkerssteig im Klettergarten meistern sind nur ein kleine Einblicke in das mutige Leben einer Betreuerin.
Ein Stück persönlichen Stolz auf diese Leistung nehme ich mit.
Wenn es auch noch gelingt, alle durch die Wildwasserpassage beim Paddeln zu bringen und die Kleinsten über den höchsten Kurs beim Klettern zu begleiten, dann entsteht ein Stolz und eine Kraft, die jede Nacht auf der Isomatte schaffen lässt.

Sabine Refle

Internationales Altkatholisches Laienforum 2017

Das Laienforum hat heuer vom 23.-27. August in Wels unter dem Thema: „Warum Altkatholisch? –  werden wir noch gebraucht?“ stattgefunden und wurde von fünf Frauen unserer Gemeinde besucht.
Im Fokus stand also die Diskussion zur historischen Aufgabe unserer Kirche (AKK=Altkatholische Kirche). Auf den Feldern der Diakonie und der Martyria (= Glaubenszeugnis) verwirklichen wir in lebensbejahenden Gemeinden und durch unsere persönliche, authentische Lebensführung diesen Anspruch durchaus.

Je mehr Konvertiten eine Gemeinde hat, umso engagiertere und lebendigere Gemeindearbeit resultiert daraus. So sind wir Beispiel für Toleranz und Offenheit und können eine Alternative zu bestehenden religiösen Angeboten sein, die wir in einer informativen Öffentlichkeitsarbeit darzustellen möglicherweise auch verpflichtet sind.  
Als Koinonia (= Gemeinschaft) gilt es, basisdemokratische Strukturen weiter und intensiver mit Praxis und Leben zu erfüllen. Unsere unbestrittene Stärke liegt jedoch in einer Liturgie (Liturgia, die vierte Aufgabe der Glaubensgemeinschaft), die Quelle und Gipfel unserer Spiritualität zugleich ist, die Herkömmliches mit Überraschungen, Strukturen mit Erneuerungen und Vorstellungen mit Erwartungsfreiheit verbindet.
In dieser Vielfalt und Lebendigkeit treten wir, wie der österreichische Generalvikar Martin Eisenbraun ausführte, als Reich-Gottes-Gemeinschaft dem postmodernen „Tanz um das Goldene Selbst“ entgegen und haben insofern eine durchaus wichtige historische Rolle.
Auch Bischof em. Bernhard Heitz betonte die Verwirklichung von Gerechtigkeit, Respekt und Gleichberechtigung als die Aufgabe der AKK, denn darin begründe sich unser eigentliches Merkmal innerhalb der Familie der christlichen Kirchen. Unsere Vision sei die wirklich katholische (= allumfassende) Einheit wie in den „ersten tausend Jahren“ der Kirche. Dazu gehöre auch das anspruchsvolle Demokratie-Modell mit der bischöflich-synodalen Struktur. Mit diesem und unserem Einsatz für die Ökumene seien wir auf dem Weg zu der angestrebten „Ekklesia für alle“. Die letztliche Antwort auf die Titelfrage wäre somit ein deutliches „Ja“ - ja, wir werden als AKK gebraucht, denn wir sind positives Beispiel in einer Welt zunehmender Intoleranz.
Die TeilnehmerInnen genossen jenseits der Diskussionen und Vorträge die landschaftlichen Reize und kulinarischen Genüsse des „Mostviertels“ und die Gastfreundschaft unserer österreichischen Schwesterkirche. Auch Begegnungen mit alten und neuen Freunden und das gemütliche Zusammensein ließen die pessimistische Fragestellung des Themas in den Hintergrund treten – unbeirrt freuen wir uns auf das nächste Treffen, das 2018 in Wien als internationaler „Kongress“, also mit Laien und Geistlichen, organisiert wird. Das nächste Laienforum wird erst wieder 2019 stattfinden, voraussichtlich in Südtirol.

Doris Echterbroch

Sommerfest: Farbvielfalt - Ein Zeichen für die Vielfalt in unserer Gemeinde

Heiß war es, zu heiß, wie so oft in diesem Sommer. Am Morgen, als die vielen Bänke und Tische zu schleppen und die Zelte aufzustellen waren, wehte noch ein arbeitsfreundliches leichtes Lüftchen. Aber dann das Kommando: Die Bücherkisten kommen schon jetzt raus! Alle Männer beschäftigt, keiner zum Tragen da. Wie vom Himmel geschickt joggten da drei junge kräftige Männer vorbei, eine kurze Bitte, ein Kopfnicken, und im Handumdrehen waren die unendlich vielen Bücherkisten unter die beiden Zelte geschleppt. Also in diesem Jahr anstelle einer Tombola ein Bücherflohmarkt, damit Geld für den Kirchturm zusammenkommt. Ich hätte gar nicht gedacht, dass es bei unseren Gemeindemitgliedern  zu Hause so viele Meter Bücherregale gibt, die jetzt leergeräumt sind und Platz für neue Bücher bieten. Schade, dass wir die Bücher nicht gezählt haben! Unser Kirchturm  ist durch die Einnahmen jedenfalls wieder ein Stück höher geworden. Der Ablauf des Sommerfestes ist schon routiniert: Freundliche Blumensträuße auf den Tischen, Mengen von Salaten und Kuchen, meterweise Bratwürste und Grillfleisch sowie gut gekühlte Getränke. Natürlich etwas für die Kultur: Um 13:30 Uhr war in der Kirche der Posaunenchor Westheim nicht zu überhören, Ilse Kerler (Sopran) und Corinna Graßl-Roth (Mezzosopran), deren klare Stimmen so wunderbar miteinander harmonieren, mit Liedern von Mendelssohn Bartholdy. Es war ein Genuss, ihnen zuzuhören.
Nachmittags rollte ein ganzer Bus mit Besuchern an, die auf einer Rundfahrt die Textile Kunst von Andrea Dresely angeschaut hatten. Unsere Apostelin-Junia-Kirche war die letzte Station. Seit vielen Wochen hingen in der Kirche vier  große unifarbene Wandteppiche und ein mehrfarbiger. Draußen  fügten sich zwei Installationen so harmonisch in die Außenfassaden, als ob sie eigens  für diesen Platz geschaffen worden wären.

Andrea Dresely hatte ihre Wandbehänge und Installationen in sechs Kirchen verschiedener Konfessionen ausgestellt, jeder Kirche war entsprechend ihrer Architektur eine bestimmte Farbe zugewiesen worden: Grün, Gelb, Rot, Violett und Weiß, die liturgischen Farben. In unserer Kirche vereinigten sich nun alle Farben unter dem Begriff Farbvielfalt.
Was für eine Symbolik! Kommen nicht auch wir aus den  unterschiedlichsten Konfessionen in unserer alt-katholischen Gemeinschaft zusammen? Aus der Vielfalt entsteht etwas Neues, eine neue Weite, im Miteinander, im Glauben, in der Kultur, in der Musik.
Die verschiedenen Kulturen, die sich zu etwas Neuem, Spannenden formen, konnten wir bei dem Konzert zur Finissage erleben: Ala & Yasar „polnisch getürkt – getürkt polnisch“. Mal pianissimo, dann wieder unglaublich kraftvoll die Stimme der jungen Frau. Ganz gebannt hörten wir zu. Zum Ende des Festes baute sich draußen, ganz wie vorhergesagt, eine schwarze Gewitterfront auf. In großer Eile  wurden die Tische, Bänke und Zelte abgebaut. Niemand freilich war zu sehen, der unsere Restbücherkisten ins Trockene retten konnte. Aber wie am Morgen beim Aufbau geschah jetzt wieder das Wunder: In Park neben der Kirche lagerten vier junge kräftige Männer. Ohne zu zögern schleppten sie bereitwillig alle Bücher ins Haus. Kaum war alles in Sicherheit, setzte der Regen ein. Fazit: Ein wunderschönes vielfältiges buntes Sommerfest! 

Das Schönste zum Thema Kunst hätte ich fast vergessen:
Im Gottesdienst am Vormittag haben wir mit bunten Wollfäden, die sich spontan ohne Plan als Netz verknüpften, unsere eigene textile Installation quer durch den Kirchenraum geschaffen.  Kreativ ist halt jeder, nicht nur angesehene Künstlerinnen!

Marianne Hollatz

baf-Wochenende in Oberschönenfeld: Kopfsalat und unsere Herzen in der Mitte

Vom 28. bis 30. April  trafen sich 20 baf-Frauen zur Besinnung über das Credo, was vom Ursprung her Cor do = Gebe dein Herz bedeutet.
Alexandra Caspari und Brigitte Glaab leiteten unsere Gemeinschaft mit Herz und Verstand, führten zwanglos durch die Tage mit einem fein ausgeklügelten Programm, reich an Impulsen und mit Ansprache all unserer Sinne, durch Vortrag, Gespräch, Gesang, Meditation, Stille, Tanz, kreativer Gestaltung und Naturerlebnis, herzhaftem Lachen und den individuellen Bedürfnissen nach Ruhe und Geselligkeit Raum gebend.
Es war eisig kalt draußen, aber wir haben unser Herz geöffnet und die Wärme geteilt. Die Klosteratmosphäre mit ihren vielfältigen Räumlichkeiten und dem Essen waren angenehm, die Rotunde beeindruckte uns besonders. Dass hier intensiv gebetet und meditiert wird, war zu spüren.
Wir legten am 1. Abend unsere Herzensangelegenheiten im Alltag, in der Kirche und in unserem Glauben in der Mitte des Raumes ab. Tags darauf gestalteten wir aus dem reichen Fundus der angebotenen Materialien und Tücher unsere Lebensbilder. Wir kehrten unser Inneres nach Außen und holten das Äußere nach innen.

Dabei erfuhren wir, dass der Atem das Gebet von Gott zu mir und das Gebet von mir zu Gott ist.
Wir begaben uns in Anlehnung an Bernhard von Clairvauxs Texte bis zu unserem Ursprung, wir schwammen zur Quelle und schöpften aus ihr, füllten unsere Schalen bis zum Überfließen, denn nur dann, so erfuhren wir, sind wir in der Lage, aus der Fülle auszuströmen, ohne selbst dabei Schaden zu nehmen.
Die Bibelarbeit zu Lukas 7 über die Sünderin, die Jesus salbte, berührte alle Teilnehmerinnen stark.
Im Gottesdienst verschmolzen dann all unsere Erfahrungen der 3 Tage, die bis dahin leere Schale wurde mit dem Quellwasser der Schwarzach gefüllt und jede von uns legte ein Herzstück aus ihrem Lebensbild neben die Schale.  Wir alle spürten, dass wir Botschafterinnen der Quelle und des Lichts sein  können.
Mit dem Motto, dass am Anfang unseres Seminars stand:  
'Kopf und Verstand gehören zusammen: Daher esst mehr Kopfsalat, denn da ist das Herz in der Mitte' nahmen wir mit einem lachenden und einem weinenden Auge Abschied von unserer dichten, warmherzigen Gemeinschaft mit einem herzlichen Dankeschön an Alexandra und Brigitte und dem inneren Wunsch, sich im Kloster oder bei der baf-Jahrestagung wieder zu sehen.

Heike Peschke, Ingeborg Hempel, Karin Reinhard, Gemeinde Frankfurt am Main 

Kar- und Ostertage - die Herausforderung des Entstehenlassens

Wie schon die Jahre zuvor setzten Pfarrerin Alexandra Caspari und ich uns zusammen, um die Kar- und Ostertage vorzubereiten. Manchmal war es ein spannendes Ringen gewesen, bis sich ein roter Faden, ein Grundthema für diese besonderen Tage im Kirchenjahr, herauskristallisiert hatte. Dieses Jahr war es schnell entschieden, nachdem wir eine Idee von Brigitte Glaab, Priesterin im Ehrenamt, aufgegriffen hatten.
Es sollten die Brüche, das Zerbrechen, die Trauer, die Angst, der Verrat... auch sinnlich erfahrbar werden im Zerbrechen von Keramikschalen, und an Ostern sollte aus den Scherben etwas Neues, ein anderes Ganzes entstehen.
Nachdem Materialbeschaffung und farbliche Gestaltung der Schalen geklärt war, hieß es sich einlassen auf das, was wir nicht vorhersehen konnten. Wie die Schalen zerbrechen in einem Gottesdienst ohne zu oft daraufschlagen zu müssen? Was würde für ein Bild aus diesen Scherben überhaupt entstehen? Und letztlich auch - mit welchem „Werkzeug“ die Schalen zerbrechen?
Da für die Qualitäten des Gründonnerstags beschriftete Steine vorgesehen waren, die wichtige Punkte verdeutlichen sollten, wie Gemeinschaft, Nehmen, Geben... war es nach einem gemeinsamen Ausflug an die Wertach klar, dass die dort gesammelten Wertachsteine auch zum Zerschlagen der Schalen geeignet sind. Doch ein gezielter Schlag, um einen Sprung in einer großen Tonschale zu produzieren, muss tatsächlich geübt werden. So mussten kleine Schalen schon vorher als Übungsschalen daran glauben. Die Farben der Schalen entstanden im Tun, und als die erste gelbe Schale am Palmsonntag zerschlagen wurde, ging das Geräusch dem ein oder anderen durch Mark und Bein.

Wir wollten ja auch alle Sinne ansprechen. Letztlich brauchen wir als Vorbereitende das Vertrauen, das Vorhaben in einem Gemeindegottesdienst gelingen werden und so dosiert sind, dass die Gemeinde mitgehen kann. Zum Karfreitag entschieden wir uns für einen ebenfalls die Sinne ansprechenden Fürbittgesang, den man  mit Bewegungen der Arme begleiten konnte. Doch immer braucht es Gemeindemitglieder, die sich auf diese Erfahrungen einlassen.
Es geht einem so vieles durch den Kopf bei den Vorbereitungen, bei der Text- und Liedauswahl, beim Spinnen des „roten Fadens“ durch diese Tage. Es gibt so viele Details zu bedenken bis hin zur Gestaltung des Kirchenraumes. Gedanken entstehen im Austausch und werden eingeflochten oder wieder verworfen. Doch kann ich für mich sagen, dass die Vorbereitung der Kar- und Ostertage mich immer auch selbst vorbereitet, und vielfältige Impulse einen inneren Prozess anstoßen. Mich begleitet bis heute der Text aus dem Gründonnerstagsgottesdienst „Die Schale der Liebe“ und das Mosaik, das an Ostern aus den Scherben entstanden ist. Dieses Jahr wirkten die Farben der Scherben bis in die bunte Pfingstspirale und in den Gottesdienst zum Sommerfest hinein. Unten die bunte Farbspirale der Vielfalt und oben das bunte Farbnetz - von der Gemeinde geknüpft.
Ja, so eine Vorbereitung der Kar- und Ostertage verbindet mich mit der Gemeinde, verbindet mich mit meinem Glauben und gibt mir die Möglichkeit, tief einzutauchen und zu staunen, was dann mit der gesamten Gemeinde entsteht.

Nicole Stappel

Nachlese zum Rosenmontag

Highlight des Augsburger Faschingstreibens war wie jedes Jahr die Kultveranstaltung unserer alt-katholischen Gemeinde unter dem Motto " Dann geh ich ins Maxim - oder in den Gemeinderaum!"
Erstens:  volles Haus - bis auf den letzten Platz belegt!
Zweitens: gute Stimmung!
Drittens: Der Gemeinderaum war nicht wieder zu erkennen! Die beiden Verwandlungskünstler Eddie und Ali waren als DJ's, als Dekorationsphantasten, als Illuminatoren und als Gourmetköche unterwegs - assistiert von Conni und Felix.
Das aufwendige und exquisite "Kalte Buffet" wurde von der (Regen-) Schirmherrin Alexandra Caspari eröffnet. Was danach kam, übertraf alle Erwartungen: Action pur: Maitre de Plasir, Giorgio Di Rossi, führte durchs Programm und stellte seine "Special Guests" vor: Ob als Flötenvirtuosin, als aufregende Operettendiven, "Der Lederhosenbua", die "Dollar-Lizzy and her Singing Jack", die Christel von der Post, der "Pälzä Bütteredner" und sei "Marieche" an der Gitarre, die "Dehnersingers" mit ihrer Weihnachtsmann-Persiflage, der Maharadscha nebst Übersetzerin und - last not least - "Conny and her Fellows" als singende Matrosen und Polizisten - alles trug dazu bei, dass viel gelacht und gestaunt wurde.
Und immer wieder dazwischen: Tanzen, tanzen, tanzen!
Stimmung: super!
Der Clou des Abends und Highlight: Paula aus der Hahn-Family begann den Rosenmontag mit ihrem Friedenslied auf der Flöte und beendete den Rosenmontag um Mitternacht mit ihrem 9.Geburtstag: mit einer Riesentorte!

Jürgen Roth

KirchTurmKonzerte

„Die wollen aber hoch hinaus!“ so eine Besucherin, als sie die Werbung für die Kirchturmkonzerte las. Ja, wir, die Fundraisinggruppe, trauten uns zu, in unserer Apostelin-Junia-Kirche eine Konzertreihe zu veranstalten. Die hervorragende Akustik unserer Kirche lädt ein, sie auch als Konzertraum zu erleben. Mit dem Erlös aus den Konzerten wollen wir ein finanzielles Fundament für den neuen Kirchturm schaffen. Die Feuerprobe war das erste Konzert am Samstag, 22.10.2016. Das „Trio Serafini“ präsentierte seine Lieblingsstücke aus drei Jahrhunderten. Drei Frauen (Eva Nieberle (Sopran), Gisa Feder (Violine, Sopran) und Elisabeth Römer (Tasten) verzauberten die Besucher und Besucherinnen mit Werken von Bach, Rachmaninow, Mozart und anderen Komponisten. Die Klangfülle ihrer Musik brachten die einfühlsamen Musikerinnen auf allen Ebenen unserer Kirche zum Klingen, indem sie immer wieder ihre Standorte wechselten und dadurch den Zuhörern ein ganz besonderes Klangerlebnis ermöglichten.

 

 

Mit einer Zugabe und lang anhaltendem Applaus endete das Konzert. Lange danach standen Menschen in kleinen Gruppen beieinander, unterhielten sich über das Gehörte, bewunderten unsere Kirche und freuten sich über den musikalischen Genuss.
Im Rahmen unseres Adventbazars am 20.11.2016 wurden wir mit voradventlicher Stub’nmusi auf die staade Zeit eingestimmt. Zarte und besinnliche Klänge wechselten mit fröhlicher Hirtenmusik ab, zwischen den Stücken trug Marianne Hollatz nachdenkliche und heitere Gedichte vor. Musiziert haben am Hackbrett Manuela Lohner, Constanze Schwab und Wencke Meyer, auf der Gitarre Alexandra Caspari und Stefan Huber und an der Harfe Christine Schmid. Diese Musik war Labsal für die Seele und lud viele ein, danach noch im Bazar das eine oder andere Geschenk zu erwerben.
Ein Highlight unserer Konzertreihe war am 15. Januar 2017 „Musik, die unter die Haut geht“, präsentiert von Susanne Ortner (Klarinette und Sopransaxofon) und Tcha Limberger (Violine, Gitarre, Gesang). Einem Mitglied unserer Gemeinde war es gelungen, Susanne Ortner, eine international bekannte Klarinettistin, die in den USA lebt, und Tcha Limberger aus Belgien für einen Auftritt in unserer Kirche zu gewinnen. Bald zeichnete sich eine große Nachfrage nach diesem Konzert ab, und eine Woche vor Beginn konnten wir hocherfreut sagen: „Wir sind ausverkauft“! Am Abend kamen aber noch viele Menschen, die unbedingt das Konzert hören wollten. Wir konnten den Ansturm kaum bewältigen. So stellten wir noch mehr Stühle auf, und die Besucher rückten noch enger zusammen, um Platz für weitere Gäste zu machen. Dann Stille im Kirchenraum, Susanne Ortner, am Arm den blinden Tcha Limberger, gehen nach vorn an ihre Plätze, Jubel brandet auf und bald erklingt ein Reigen hinreißender Musik verschiedenster Art (klassischer Jazz, Weltmusik, Gypsy Jazz … )
Nach jedem Musikstück wird das Duo begeistert mit Applaus und Entzückensrufen gefeiert. Die Augsburger Allgemeine Zeitung schreibt dazu: „Der Reiz dieses Duos speist sich daraus, dass die beiden instrumentalen Stimmen andere Ansätze haben. Denn Limbergers kantiges vom Gypsy Jazz geprägtes Spiel konterkariert Ortners lyrischen Ton so, wie man es sich besser kaum vorstellen kann. Durch den Wechsel der Instrumente steigern die beiden Musiker den Eindruck des Facettenreichtums noch einmal.“ Mittlerweile fand auch das Passionskonzert Anfang April statt. Es erklang das von Giovanni Battista Pergolesi komponierte Stabat mater.
Unser Fazit: Wir wagten uns hoch hinaus, im Sinne von „wir wollten Neues ausprobieren“. Mit diesen Konzerten konnten wir Menschen, die sonst nicht zu uns kommen, für unsere Kirche begeistern. Wir lernten Konzerte zu organisieren und merkten, dass es zwar viel Arbeit ist, aber auch Glücksmomente und Zufriedenheit sowohl bei den menschlichen Begegnungen als auch im finanziellen Ergebnis bringt.

Zu den nächsten  Kirchturmkonzerten laden wir Sie herzlich ein: 

Gemeindefest am 9. Juli:

13:30 Uhr Ilse Kerler und Corinna Graßl-Roth, der Posaunenchor und evtl. der Philippus-Chor der evangelischen Kirchengemeinde Westheim bringen Werke von Felix Mendelssohn-Bartholdy zu Gehör.

15:00 Uhr Ala & Yasar mit ihrem Programm „polnisch getürkt – getürkt polnisch“. Sie zeigen in der Ausdrucksform Musik, wie leicht das Miteinander sein kann.

Am 8. Oktober 2017 um 18 Uhr spielen für Sie junge Musiker von „Yehudin Menuhin Live Music Now Augsburg“. Bis dahin ist zwar noch Zeit, aber man kann sich den Termin schon mal vormerken.

Ingrid Thalhofer