2015

Abenteuer Stille

Freude

Einfachheit

Barmherzigkeit 

Schwester Irmgard strahlt über das ganze Gesicht: „Aus Augsburg seid Ihr! Ich komm' doch aus Bobingen!“ Da bringen wir Heimatluft ins Baselland, auf den Sonnenhof bei Gelterkinden, als wir am Mittwochnachmittag, dem 4. November, im Retraitenhaus der Schwestern der Communauté de Grandchamp ankommen, einer ökumenisch ausgerichteten Frauenkommunität der evangelisch-reformierten Kirche im Geist von Taizé. Atemberaubend der Blick über das weite Tal, in der Abendsonne leuchten die rot-goldenen Kirschbäume auf dem grünen Wiesengrund, die herabgefallenen Blätter schauen aus wie bunte Heiligenscheine. Hier wollen wir vier Tage in Stille verbringen. Ob es uns gelingt, den Alltag hinter uns zu lassen? Als ich am anderen Tag in der Sonne auf der Bank am Waldrand sitze, unendlich viel Zeit habe und dem Rascheln der trockenen Blätter zuhöre, spüre, wie sich mein Körper beim Atmen bewegt, zuverlässig, ein – aus, ein – aus, erfüllt mich eine tiefe Freude, das Gefühl, hier angekommen zu sein, in mir eine Heimat zu haben.
Die Tage sind klar strukturiert: Das Morgen-, Mittag- und Abendgebet mit den sieben Schwestern in der einfachen Kapelle, Psalmen und die vertrauten Taizélieder. Unsere Gruppe, 14 sind wir, findet sich im Kaminzimmer und am Abend in der anderen Kapelle im Turm unter dem alten Dachgebälk zusammen, dort feiern wir auch den Abschlussgottesdienst.
Sr. Irmgard hat liebevoll die Mitte unseres Kreises gestaltet- in die Wüste, in die Stille gehen: trockene Steine, große Muscheln zum Hören, die trockene Blüte, die Rose von Jericho, die sich entfaltet, wenn sie gewässert wird, nach der Zeit des Aushaltens der Stille die Verwandlung, die Wendung zur Leichtigkeit einer zarten Feder.
Leicht zu beantworten  ist die abendliche Frage: Wofür möchte ich danken? Da  gibt es so viel: das Essen im Schweigen an den schönen Holztischen mit dem bunten Blumenstrauß, die nachmittäglichen Wanderungen im Schweigen auf die Sissacher Flüe, der Blick auf die Bergkette der Berner Alpen, die helfenden Hände, als ich nicht allein über das Gatter komme, der rotleuchtende Himmel beim Sonnenuntergang.

Wie intensiv wir die Welt wahrnehmen!Am Samstagmittag müssen wir Abschied nehmen von einem Ort, an dem wir gespürt haben, wie im Schweigen etwas Tieferes entstehen kann. Das lächelnde Gesicht von Schwester Irmgard und das Motto des Sonnenhofs „Freude, Einfachheit, Barmherzigkeit“ begleitet uns auf dem Heimweg. Ob wir im Auto noch immer geschwiegen haben?

Marianne Hollatz

Von Schumpen, Gumpen und drei tollen Outdoor-Tagen

Schumpen – so nennt man junge Kühe im Allgäu. Sie waren unsere ständigen Begleiter während des diesjährigen Baj-Sommerlagers im Freizeithaus Ulmenthal bei Kempten im Allgäu. Morgens begrüßten sie uns freundlich beim Verlassen der Hütte und abends geleiteten sie uns – 23 Jugendliche zwischen neun und vierzehn Jahren – sicher zu unseren Betten in der Hütte oder im Zelt.
Aber was sind dann Gumpen? Das sind tiefe Löcher in einem Bach, in die wir eintauchen mussten, um anschließend einen Wasserfall zu erklimmen.  Das Wasser war kalt, aber dank der heißen Temperaturen empfanden dies alle als willkommene Erfrischung. Das war aber nur ein Höhepunkt auf der von einem professionellen Guide geführten Bachwanderung, die wir an unserem ersten Tag unternahmen.
Am zweiten Tag folgte ein Wald- und Wiesentag. Unsere Betreuer hatten verschiedene Stationen für uns aufgebaut: Wir durften einen Barfußpfad gestalten, uns beim Fichtenzapfenzielwerfen messen, einen Traumfänger zusammenstellen und ein Tipi bauen. Außerdem mussten wir eine knifflige  Aufgabe lösen, bei der jeder von uns gefragt war. So wuchsen wir als Gruppe schnell zusammen.
Ein weiteres Highlight war die Sonnenuntergangswanderung. Das Rot der untergehenden Sonne, die Berge und die Stimmung waren einfach wunderbar. Unvergesslich sind auch das allabendliche Lagerfeuer, bei dem wir Stockbrot grillen durften, und Alexandras Gute-Nacht-Geschichten, denen alle immer gespannt zuhörten. Außerdem wurde uns mit einem nächtlichen Betthupferl jeden Abend der Rückzug in den Schlafsack versüßt.
Neben dem von unserem Betreuungsteam gestalteten schönen Programm sorgten zwei erfahrene Köche für unser leibliches Wohl. Vielen Dank für die vielen, leckeren mit Liebe zubereiteten Mahlzeiten! Herzlichen Dank auch an alle Betreuer und Pfarrerin Alexandra Caspari für die perfekte Organisation und den unermüdlichen Einsatz vor Ort.
Ich freue mich schon auf die nächste Sommerfreizeit, die – wie ich gehört habe – nach Assisi gehen soll. 

Dorothea Täufer

Drei Augsburgerinnen auf dem Laienforum

Das Internationale Altkatholische Laienforum fand dieses Jahr vom 12.-16. August in St. Niklausen, Kanton Obwalden, in der Nähe von Luzern statt. Schon zwei Tage zuvor fuhren Birgit Mair, Inge Schnitzler und Doris Echterbroch ins Kloster Bethanien und genossen schon mal die herrliche Umgebung.

Das Kloster wird von vierzehn Dominikanerinnen bewohnt, das dazugehörige große Bildungshaus von Chemin Neuf geleitet. Deshalb begann das Forum am Mittwoch mit einem Vortrag über diese „katholische Gemeinschaft mit ökumenischer Ausrichtung“. Wir waren durchaus beeindruckt von der Effizienz der Geschäftsführung und dem großen Erfolg, den diese Kommunität auf dem Sektor der religiösen Bildung junger Menschen in der Abtei Hautecomte bei Lyon hat. Ihr gehören Familien und zölibatäre, alleinstehende Menschen an.

Das Forum gibt es seit 1991, um als Äquivalent zum Altkatholikenkongress auch den Laien auf internationaler Ebene eine Möglichkeit zum Gedanken- und Ideenaustausch zu bieten. Das diesjährige Thema war: „Grenzen überschreiten – Begegnungen auf unserem Weg als Kirche“.

Es war für jeden der etwa fünfzig Teilnehmer in mehrfacher Hinsicht von Bedeutung: Von den eigenen Grenzen, der Begrenztheit, die uns das Alter oder unser Körper auferlegt, den Grenzen in unserem Kopf war genauso die Rede wie von der „grenzenlosen Gemeinde“, die sich für alle öffnet, die ihrer bedürfen, die ihren Auftrag, Kirche für alle zu sein, auch in ihren Strukturen sowie in ihrer Außenwirkung/Werbung umsetzt.

Dass unsere Gemeinde in Augsburg auf diesem Weg schon sehr weit ist, durften wir genauso erfahren, wie die potentielle Erweiterung unserer persönlichen Grenzen. Letzteres unter anderem in der von Michael Bangert (Universität Basel) sehr lebendig vorgetragenen Anschauung des Lebens des Niklaus von Flüe (1417-1487). Der als Nationalheiliger verehrte Mystiker verabschiedete sich für seine letzten zwanzig Lebensjahre aus der Komfortzone und lebte in geistlicher Einkehr im Ranft, der Melchaa-Schlucht bei Flüeli. „Der Friede ist immer in Gott, denn Gott ist der Friede“ war der Kern seiner Botschaft, die sich über die bei ihm Ratsuchenden in ganz Europa verbreitete. Unser halbtägiger Aufenthalt in Flüeli-Ranft, wo auch sein Wohnhaus steht, trug zu einer vertieften Reflexion bei.

Nach wunderschönen Ausflügen in die Schweizer Bergwelt zusammen mit dem Schweizer Christkatholischen Bischof Harald Rein brachte uns am Samstag die Christkatholische Jugend in Schwung mit flott angeleiteten Gruppenpräsentationen zu den Themen: „Grenzen vor unserer Haustür überwinden“ und „Grenzen-Wahrnehmen zwischen den Generationen: Welches Bild mache ich mir von der Jugend?“ Natürlich hatten wir „Alten“ diese Präsentationen zu erbringen, in Szenen und Fotos, die bei Alt und Jung für ausgelassene Heiterkeitsausbrüche sorgten und anschließend von der Jugend im „Fishbowl“ (Gruppendiskussionsmethode) kompetent ausgewertet wurden.

Im nächsten Jahr wird sich das Laienforum in Prag mit dem Thema „Heilig sein“ beschäftigen. Wir können die Teilnahme nur wärmstens empfehlen! (www.laienforum.info)

Verfasserin:
Doris Echterbroch

Gemeindefest - Ein Schiff das sich Gemeinde nennt

Strahlender Sonnenschein und die Hitze der letzten Tage begrüßten uns an diesem Morgen. Trotzdem waren alle Helfer und Helferinnen guten Mutes und trafen die letzten Vorbereitungen für das jährliche Sommerfest.
Es begann mit einem Familiengottesdienst, an dem neben Familien und Gästen auch „Mike Chapel“ und „Richie Holz-wurm“ teilnahmen. Diese zwei Handpuppen hatten ganz viele Fragen (stellvertretend für die anwesenden Kinder). Daraus entstand ein humorvoller, informativer Dialog zwischen den beiden und unserer Pfarrerin, der auch manchen Erwachsenen die Geschichte aus der Bibel besser verstehen ließ.  
Mike und Richie war nicht klar, was mit „Menschenfischer“ (Lukas 5, 1-11) gemeint ist. Die Predigt unserer Pfarrerin, Frau Caspari zeigte worum es geht: ´“Jesus hat in dieser Geschichte den Menschen ganz viel zugetraut … und die Menschen haben es sich zugetraut und es ausgeführt. Nun werden die ehemaligen Fischer ausgesandt, um zu anderen Menschen zu gehen und diesen den Mut und die Kraft zuzusprechen, die sie auch selbst erfahren haben – deshalb nennt Jesus sie „Menschenfischer“.
So ist es auch in einer Gemeinde. Diese hat eine gemeinsame Vision, z.B. eine Kirche zu bauen, obwohl die Kassen (Netze) leer sind. Aber es geht um die Existenz, die nur zu retten ist, wenn es Vertrauen gibt, dass das Wagnis von Gott begleitet wird. Jesus hat den Menschen viel zugetraut und zugemutet. So wurden sie bestärkt, immer wieder etwas zu wagen: für sich selbst oder zusammen mit anderen die Netze neu auszuwerfen.
Nachdem die Seele durch die Predigt und den Gesang eines Gastchores gestärkt war, musste auch der Leib Nahrung erhalten. Dafür war mit Leckereien von Grill, Salat- und Kuchenbuffet gut gesorgt. Wer noch nicht hungrig war konnte an einer Führung durch unsere immer wieder als „Juwel“ gepriesene Kirche mit ihrem Architekten teilnehmen.
Auch den Kindern wurde zugetraut Neues zu wagen. Sie durften unter Anleitung erfahrener Handwerker ein Insektenhotel bauen. Das machte nicht nur ihnen Spaß, auch einige Erwachsene waren begeistert dabei.

Am Nachmittag sang dann auf dem Kirchenvorplatz der Jazzchor „EASY DOES IT“, passend zu den sommerlichen Temperaturen heitere und beschwingte Melodien.  

Ingrid Thalhofer 

Patrozinium am 17. Mai - Orgel nach erfolgreichem Stimmbruch

„Heute werden gleich zwei Feste gefeiert“  lauteten die ersten Worte von Pfarrerin Alexandra Caspari zur Eröffnung des Gottesdienstes zum Patrozinium am  17. Mai 2015 in der alt-katholischen Gemeinde in Augsburg. Denn neben der  Eucharistiefeier zu Ehren der Namensgeberin der Apostelin-Junia-Kirche stand auch die Einweihung des neuen Subbassregisters der Orgel im Zentrum des Patroziniumssonntags.
Pünktlich um 10.00 Uhr erklangen in der bis auf den letzten Platz besetzten Kirche mit dem Orgelkonzert op.  4 Nr. 5 in F-Dur von Georg Friedrich Händel  die ersten Töne der um den Subbass erweiterten Orgel, die den Besuchern nicht nur ins Gehör, sondern auch „gehörig“ durch den Bauch  gehen sollten, wie es Alexandra Caspari in ihrer Predigt formulierte.

Denn genau wie bei einem Rockkonzert, so die Pfarrerin, könne man auch den Bass der neuen Orgel nicht nur hören, sondern ihn auch in seinem Körper spüren.
Dieses Gefühl, dass Musik durch Leib und Seele gehen kann, durften die Augsburger Alt-Katholiken dann auch während des gesamten Gottesdienstes intensiv erleben: Neben Friedrich Händels Orgelkonzert wurde Joseph Haydns „Benedictus“ aus der kleinen Orgelmesse in B-Dur  und W.A. Mozarts „Laudate Dominum“ virtuos an der Orgel und ausdrucksstark von zwei Solistinnen (beide Gesang) interpretiert . Begleitet wurden sie dabei von einem Streichquartett mit zwei Geigen, einem Cello und einer Bratsche. Im Anschluss an den Ohrenschmaus lud die Gemeinde zu einem kulinarischen Genuss ein, der allerdings noch nicht den Höhepunkt des Tages darstellte:
In einem feierlichen Orgelkonzert mit dem Organisten Peter Bader konnte das neue Subbassregister der Orgel in der Apostelin-Junia-Kirche die von überall herbeiströmenden Zuhörer mit einem eigens darauf abgestimmten Programm vollends begeistern. Wie bereits am Vormittag mussten wieder fleißige Helfer zusätzliche Stühle und Bänke heranschaffen, um für jeden einen Platz bereit zu stellen. Pfarrerin Caspari und die alt-katholische Gemeinde freuten sich über den großen Zulauf in ihre Kirche.

Susanne Täufer

baf-Wochenende - In den Fluss kommen

„Worum geht es denn an dem Wochenende in Oberschönenfeld?“, fragte mich meine Kollegin. Es ist schon bezeichnend, dass ich auf diese Frage gar keine Antwort geben konnte. Ich musste noch rasch nach Hause fahren und meine Sachen zusammenpacken. Aber ich hatte mich noch überhaupt nicht damit beschäftigt, welchem Thema ich beim „baf-Wochenende“ entgegensehen würde. Ich wusste, dass mich mit Alexandra Caspari und Brigitte Glaab zwei wunderbare Leiterinnen erwarten würden. Auch auf die Frauengruppe freute ich mich schon, hatte ich diese vor zwei Jahren doch als sehr aufgeschlossen und wohltuend empfunden. Die Erwartungen sollten sich auch dieses Mal wieder mehr als erfüllen. Die Referentinnen waren hervorragend vorbereitet und die Teilnehmerinnen ließen sich auf alles ein, was ihnen angeboten wurde.
Nun also zum Thema: „Fließe gutes Gotteslicht! Auf den Spuren unserer Sehnsucht“. Also im Fluss war ich wohl nicht, sonst hätte ich zumindest eine Ahnung von diesem Thema gehabt. Angestaut von vielen Alltagsbelastungen hatte ich es irgendwo im hintersten Winkel verstaut. Offenbar kamen aber auch die anderen mit allerlei emotionalem Gepäck an, wie sich schon in der Begrüßungsrunde zeigte. Die  Teilnehmerinnen aus Aschaffenburg hatten zudem ganz real kilometerlange Staus auf der Autobahn erduldet, um in Oberschönenfeld wieder ‚in Fluss kommen’ zu können.
Das ist schon ein großes Wunder und ein herrliches Geschenk, wie wir Frauen durch die behutsame Begleitung den einen oder anderen inneren Stau auflösen konnten.
An diesem Frauen-Wochenende wurde uns allerhand angeboten: Mit Texten von zwei Mystikerinnen aus dem 13. Jahrhundert, Mechthild von Magdeburg und Gertrud von Helfta, gelang der Einstieg in das Thema. Doch nicht nur ihre tief spirituellen Texte wurden uns nahe gebracht. Alexandra Caspari und Brigitte Glaab führten uns die Begine Mechthild und die Ordensfrau Gertrud als ganz reale Personen vor Augen, indem sie sich selbst für kurze Zeit in diese beiden Frauen verwandelten.

Wir bekamen Gelegenheit, uns auf unsere eigenen Sehnsüchte zu besinnen, hatten viel Zeit für Austausch, Tanz und Gesang. Dabei begleiteten uns immer wieder die beiden Lieder Fließe gutes Gotteslicht (Text und Melodie von Brigitte Schwarz) und Gott du bist da (Text Rosina Schmidkonz, Melodie Schwester M. Annuntiata).
Wir drückten unsere Verbundenheit auch künstlerisch aus, indem wir draußen in der Natur mit  Materialien gestalteten, die wir vor Ort fanden.
Mich persönlich hat ganz besonders berührt, wie wir von den beiden Kursleiterinnen in die Stille geführt wurden. Indem wir Zeit bekamen, uns  gedanklich und äußerlich auf die Stille vorzubereiten, konnte ich das Getragen-Sein intensiv wahrnehmen. Den Meditationsraum in Oberschönenfeld habe ich während des Stillseins als angefüllt von großer Ruhe erlebt. Dass wir das anschließende Mittagessen schweigsam einnahmen, empfand ich als sehr wohltuend.
Rückblickend formulierten viele Frauen, dass sie den Geschmack des Essens viel intensiver wahrnahmen als sonst.
Der Gottesdienst am Sonntag war, wie schon vor zwei Jahren, der Höhepunkt des Wochenendes. Alles, was uns in dieser Zeit begleitet hatte, tauchte noch einmal auf und wurde wie zu einem Kristallisationspunkt der ganzen Veranstaltung. Ursprünglich war geplant gewesen, dass der Gottesdienst an Stationen draußen in der Natur stattfinden sollte. Aber nicht nur wir kamen in Fluss, auch die Natur selbst: So regnete es Samstag und Sonntag immer wieder mal. Schließlich entschieden die beiden Priesterinnen, den Gottesdienst im wunderschönen Meditationsraum zu halten. Dieser Ort konnte die Natur zwar nicht ersetzen, aber dort war die Verbundenheit untereinander und mit dem Göttlichen allemal zu spüren.
Bleibt zu hoffen, dass wir auch im Alltag im Fluss bleiben und all das Beseelende immer wieder zurückholen können.

Corinna Graßl-Roth

Genuss für Gerechtigkeit- ein gutes halbes Jahr Eine-Welt-Verkauf in unserer Gemeinde

Qualitätskontrolle vor dem Ausschank
Verkaufsstand auf dem Gemeindefest
Erfrischung auch für schwer arbeitende Gemeindemitglieder

Seit dem Adventsbazar im vergangenen Jahr bietet  der Eine-Welt-Kreis in unserer Gemeinde fair gehandelte Produkte aus dem Weltladen-Großhandel in Augsburg an. Seitdem ist er zu einem festen Bestandteil unseres Gemeindelebens geworden. In diesem Gemeindebrief soll nun ein kleiner Rückblick auf die vergangenen Monate gehalten werden. Als jüngstes  „Highlight“ ist da unser diesjähriges Gemeindefest am 5. Juli zu nennen. Bei tropischen Temperaturen kam schon richtige Urlaubsstimmung auf, und was hätte besser dazu gepasst als „Mango-Bellini“, Mango-Limes (ein alkoholisches Getränk aus fair gehandelten Mangos) mit Prosecco oder alkoholfreiem Sekt zu einem erfrischenden Longdrink gemischt. Der Mango-Bellini war eine willkommene und schmackhafte Erfrischung an diesem heißen Tag. Der Mango-Limes konnte auch in Flaschen am Getränkestand erworben werden. Im Foyer des Gemeindesaals war der Stand des Eine-Welt-Verkaufs aufgebaut, wo es das beliebte Eine-Welt-Sortiment zu kaufen gab; fair gehandelter Kaffee aus dem Weltladen wurde auch zur Kaffeezeit ausgeschenkt.

Am 19. April konnten wir in unserer Gemeinde Frau Ute Michallik-Herbein, Geschäftsführerin des Augsburger Weltladens, zu einer Informationsveranstaltung über den Fairen Handel begrüßen. Sie berichtete während des Kirchenkaffees über die Entstehung der Eine-Welt-Bewegung und die Geschichte des Augsburger Weltladens und zeigte einen kurzen Film, in dem Einblicke in Projekte des Fairen Handels in verschiedenen Ländern in Afrika und Lateinamerika gezeigt wurden. Der Grundgedanke des Fairen Handels ist, dass die Produzenten von Kaffee, Tee, Schokolade u.v.m. in den Ländern, die früher „Dritte Welt“ genannt wurden, für ihre Produkte einen fairen, d.h. angemessenen Preis bekommen, der ihre Existenz sichert und ihnen und ihren Familien ein menschenwürdiges Leben ermöglicht.

Dies wird dadurch ermöglicht, dass der Zwischenhandel ausgeschaltet wird, indem die Importorganisationen direkt mit den Produzentengruppen handeln. Der Faire Handel basiert auf drei Säulen: ökonomische Gerechtigkeit, soziale Verantwortung und ökologische Verträglichkeit. Dies zeigt sich im Verzicht auf Kinderarbeit, in der Vorfinanzierung auf Teile der Ernte, damit die Produzenten nicht in fremde Abhängigkeiten geraten, in Aus- und Weiterbildungsangeboten für die Produzenten und ihre Familien und in der Förderung der Frauen. Hinter all dem steht seit gut drei Jahrzehnten Eine-Welt-Bewegung die Einsicht, dass es nicht eine „Erste“, „Zweite“ und „Dritte Welt“ gibt, sondern dass  wir alle Teil der „Einen Welt“ sind. Produzenten und Konsumenten von für uns so alltäglichen Genussgütern wie Kaffee, Tee, Schokolade oder auch von Früchten wie Bananen, Ananas u.v.m. sind Teil eines Wirtschaftskreislaufs, der auch soziale Folgen generiert, die sich letztendlich auf alle Beteiligten dieses Wirtschaftskreislaufs auswirken. Abgerundet wurde der informative Kirchenkaffee durch „Faires Fingerfood“ mit köstlichen Brotaufstrichen.

Personell hat sich der Eine-Welt-Kreis nun noch einmal verstärkt und besteht aktuell aus acht Menschen. Wir alle im Eine-Welt-Kreis freuen uns sehr, dass das Angebot  so guten Anklang in der Gemeinde findet, und hoffen, dass dadurch auf „genussvolle“ Weise viele kleine Beiträge zu einer gerechteren Welt geleistet werden können.

Jörn Clemens

A Beer for St. Paddy’s Day

Was verbindet ihr mit der Farbe Grün? Hoffnung, Aufbruch in den Sommer, grüne Blätter und Pflanzen, Frühlingsanfang …? Für die Iren ist das auch die Farbe des Shamrock und ihres Nationalheiligen St. Patrick. Auf der ganzen Welt begehen Exil-Iren, ihre Freunde und Sympathisanten den St. Patrick’s Day am 17. März (dem angeblichen Todestag des Irland-Missionars Bischof St. Patrick) Mit dem Datum nimmt man es nicht so genau; so findet zum Beispiel die St. Patrick’s Day Parade in München grundsätzlich an einem Sonntag vor oder nach dem 17. März statt. Wofür die Iren außerdem auch weltweit bekannt sind: Sie singen und musizieren gerne. Diese Kombination von Feiern und Musizieren hat es uns in der Gemeinde sehr angetan, sodass wir dieses Jahr schon zum zweiten Mal einen „Hausmusik-Abend“ zum St. Patrick’s Day veranstaltet haben. Natürlich waren alle eingeladen, die gerne Musik hören, selbst musizieren oder tanzen. Statt einer Eintrittskarte haben wir um etwas Leckeres zum Essen gebeten. (Übrigens erlaubt die katholische Kirche den Iren am St. Patrick’s Day eine Fastenpause einzulegen).

Bei den Getränken haben wir darauf geachtet, auch hier das irische Flair zu wahren: Guinness, Kilkenny und Apfel-oder Birnen-Cider standen neben alkoholfreien Getränken zur Auswahl. Davor das Bier grün einzufärben (auch eine St. Patrick’s Day Tradition) sind wir dann doch zurückgeschreckt. Zunächst dekorierten wir unseren Gemeinderaum mit vielen Shamrocks, irischen Flaggen und generell viel Grün. Nachdem die knurrenden Mägen besänftigt worden waren, gab es die ersten musikalischen Einlagen: So konnten wir u.a. Jopi Heesters (in einer wesentlich jüngeren Ausgabe), Heinz Rühmann und anderen lauschen. Viele, auch unsere Pfarrerin, hatten in den Wochen vorher Stücke und Songs eingeübt, die sie an diesem Abend zum Besten gaben. So konnten wir uns erzählen lassen, dass auch vor über 200 Jahren die Männer schon nichts taugten, wir hörten den Winter aus Vivaldis „vier Jahreszeiten“, toll gespielt auf der Geige und erlebten einen musikalischen „Cat Fight“. Es fanden sich auch spontane Sing- und Musiziergruppen, u.a. um einige Abba-Songs nachzusingen. Zu fortgeschrittener Stunde mutete uns dann unser „zuagroaster“ Vikar Jörn Clemens – aus Köln stammend – ein Telekolleg zu, mit dem Titel „Augschburgerisch“ – Unterrichtssprache Deutsch und Englisch. Das gab es viel zu lachen!

Regina Werth 

Mit leeren Händen? Missionssonntag 2015

„Ich stehe vor Dir mit leeren Händen, Herr…“ war das passende Eröffnungslied zum Sonntagsgottesdienst am 15. März 2015 in der Apostelin-Junia-Kirche in Augsburg, den Bischof Dr. Matthias Ring gemeinsam mit Pfarrerin Alexandra Caspari, dem Diakonenkonvent und der Gemeinde feierte.

Passend in vielfältiger Hinsicht: Für den Missionssonntag mit der Kollekte für die Missionsarbeit in Ländern, in denen Menschen tatsächlich „mit leeren Händen da stehen“. Aber auch für uns hier in Deutschland, wenn wir trotz unserer Spenden das Gefühl haben ob des Leids nie genug tun zu können. Und nicht zuletzt passend für alle Diakoninnen und Diakone in der alt-katholischen Kirche, die in ihrer seelsorgerlichen und caritativen Arbeit den „Menschen mit leeren Händen“ beistehen und helfen und dabei Hände und Herzen „füllen“.

Bischof Dr. Matthias Ring begrüßte die 70 Gläubigen in der Apostelin-Junia-Kirche und stellt die Projekte der Fastenaktion 2015 in Tansania und den Philippinen vor. Herzlich willkommen hieß er auch die TeilnehmerInnen des Diakonenkonvents, die sich vom 13. bis 15. März in Augsburg getroffen hatten, um über das Thema „Vernetzung“ zu beraten. Nachdem Kyrie aus der „Missa brevis in F“ von J.G. Rheinberger, professionell intoniert vom Inninger Kirchenchor, Lesung und Evangelium predigte Diakon Stefan Kandels aus Bonn. Dabei thematisierte er den heutigen Zwiespalt der omnipräsenten Information und der Anforderung immer und überall erreichbar zu sein und alles „zu sehen und zu wissen“. Das Wichtige und das Notwendige herauszufiltern, sei dabei die zentrale Herausforderung – und die Einsicht daraus, doch nicht alles sehen zu müssen. Aber in bestimmten Situationen sei es wichtig genau hinzuschauen, auch wenn es unangenehm oder bedrückend ist. Armut, Obdachlosigkeit, Sucht, Trauer oder Einsamkeit würden sonst schnell unsichtbar. Denn gerade die davon Betroffenen seien auf helfende und „sehende“ Menschen angewiesen, auch weil diese an sich selbst zweifelten und sich nicht als liebenswert empfänden. Die Parallele zu einem Gott, der uns bedingungslos „einfach so“ liebt und dessen Liebe wir uns nicht verdienen müssen, zog Stefan Kandels zum Abschluss seiner Predigt: „Wenn es uns gelingt, dieser Liebe zu vertrauen…können wir selbst…einander spüren lassen, dass wir geliebt sind, auch dann wenn wir meinen, es am wenigsten zu verdienen“. Beim sich anschließenden Missionsessen ließen sich alle vorbereiteten Eintopf und die Nachspeise schmecken und die Gespräche an den Tischen zeugten wieder enmal von einer lebhaften und aktiven alt-katholischen Kirche. Sowohl Bischof Matthias als auch die DiakonInnen unterhielten sich mit den Gemeindemitgliedern beim Mittagessen. Interessant war dabei sicher auch zu hören, dass die Arbeitsfelder der DiakonInnen so vielschichtig sind wie die Gemeinden. Ob es sich um Obdachlosenarbeit am Bahnhof Zoo in Berlin oder um Trauerbegleitung auf dem Land handelt, geht es bei der Diakonischen Arbeit um Menschen mit Sorgen und Nöten und um jene „am Rande unserer Gesellschaft“. Das Selbstverständnis, was Diakonische Arbeit in der alt-katholischen Kirche ist und ausmacht, die Größe der zu betreuenden Regionen und die abnehmende Zahl an DiakonInnen waren interessante Gesprächspunkte – nicht nur in dem Arbeitstreffen, sondern auch an den Tischen mit den Gemeindemitgliedern. Und welche Aufgaben in der Liturgie, bei Taufen und Beerdigungen zusätzlich noch von den Diakoninnen und Diakonen übernommen werden, ist in unserer pluralistischen, stetig wachsenden Kirche sicher auch weiterhin ein wichtiger Diskussionspunkt. Aber egal ob die Diakone seit 37 Jahren oder erst seit neun Monaten „im Amt“ sind, man spürte, dass da kritische, zupackende und offene Menschen ihre Gemeinden bereichern und sich einsetzen und engagieren. Damit schloss sich auch der Kreis zum Eingangslied des Gottesdienstes. Denn auch wenn wir manchmal meinen, mit „leeren Händen“ da zu stehen, können wir eine Hand neben uns fassen und trösten oder Ärmel hochkrempeln und mit anpacken. Das macht Christen heute eben auch aus.

Norbert Klassen, Mitglied der Gemeinde Augsburg