Evangelischer Kirchentag in Hamburg

Erfahrungen am Info-Stand

 

Das kannst du ja doch nicht! Für mich stand das erstmal fest. An einem Messestand stehen und Menschen ansprechen? Schwer vorstellbar. Aber der Kirchentag rollte auf einen zu. Und irgendwie wollten meine Frau und ich auch etwas dazu beitragen. Wir sind ja schließlich unserer alt-katholischen Kirche sehr verbunden. Und außerdem interessierten uns auch die Mitbrüder und -schwestern der anderen Kirchen in der gleichen Messehalle.

Unseren Stand zu finden, wurde schon zu einem fröhlichen Geländelauf. Den anderen ging es aber genauso. Gut, wenn man die kleinen Schildchen mit den alphabetisch-numerischen Aufdrucken erspäht hatte und wusste, du musst zu „E-45“. Hier hatten schon weitere fleißige Mitwirkende Stehtische und Stellwände aufgebaut, Informationsmaterial ausgelegt und warteten schon fieberhaft darauf, dass es „losgeht“. Aber das dauerte noch etwas.

 

Schließlich aber sahen wir die Massen die Rolltreppe herunterkommen. Die Ersten blieben vor unserem Stand stehen, lasen, was auf den Wänden hinter uns stand: „Darf ich Sie zur ökumenischen Lima-Liturgie am Samstag einladen?“ – Manche waren aber auch nur scharf auf den Stoffbeutel mit der Aufschrift: „Verheiratete katholische Priesterin feiert ökumenisches Abendmahl. Fiktion? - Realität!“ – „Nein, so was gibt es nicht! Das kann nicht sein! Ernsthaft?“ – „Aber ja. Bei uns ist das Realität!“

 

Obwohl wir viele Helferinnen und Helfer waren, merkten unsere Mundwerkzeuge und Lauscher doch, was sie leisteten. Neben kurzen Begegnungen gab es auch so manche lange, ernsthafte Gespräche. Dass die Stehwerkzeuge schließlich gewisse Probleme an den Rücken meldeten, war da nicht verwunderlich. – Und auch so manche fröhliche, ungezwungene Beiträge gab es: „Meine alt-katholische Oma hat mir viel erzählt, jetzt möchte ich auch mal wissen, was das ist.“ - „Habt ihr denn auch noch Unterlagen aus dem Mittelalter, worauf ihr euch gründet?“

Ja, es war manchmal schwer, das „alt“ in unserem Namen zu erklären. Die frisch gepresste Broschüre „Alt-Katholische Kirche ... jünger, als Sie vielleicht denken“ half über vieles hinweg.

Nach zehn Gesprächen fiel es aber immer leichter, auch schwierige Fragen zu beantworten. Und dann gab es ja auch noch die Geistlichen unter uns, die wir in allerhöchster Not schnell fragen konnten, nicht zu vergessen sogar unseren Bischof Matthias Ring.

Am letzten Tag bauten wir dann unseren Stand ab. Es sah richtig kahl aus. Wird unser Einsatz etwas dazu beitragen, das Wissen über die alt-katholische Kirche zu beleben? Ich glaube schon. Zumindest manche wissen jetzt mehr als zuvor.

Ich habe viel gelernt und bin tiefer in unseren Glauben eingestiegen, auch im Umgang mit anderen Menschen. „Das kannst Du ja doch nicht!“ Ich glaube (fast), meinen ersten Satz muss ich widerrufen.

 

Franz Kraft, Hamburg

 

 

Ökumenische Lima-Liturgie

 

„Kirche überfüllt“ – am Kirchentags-Samstag konnte man dies nachmittags vor der Evangelisch-Lutherischen Hauptkirche St. Petri in der Hamburger Innenstadt auf Schildern von Helferinnen und Helfern des Kirchentages lesen. St. Petri war mit über 1.000 Gottesdienstbesuchenden bis auf den letzten Platz gefüllt.

 

Grund für diesen gut besuchten Gottesdienst war die Lima-Liturgie, welche ab 14.30 Uhr gefeiert wurde. Landesbischof Prof. Dr. Friedrich Weber von der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Braunschweig, Präses Annette Kurschuss von der Evangelischen Kirche von Westfalen, Canon Christopher Jage-Bowler von der Anglikanischen Kirche und Bischof Dr. Matthias Ring vom alt-katholischen Bistum Deutschland kamen zusammen, um mit der großen Gottesdienstgemeinde ökumenisch das Abendmahl zu feiern.

 

Es war sehr erfreulich, dass die ökumenische Lima-Liturgie bei diesem Kirchentag in eine der zentralen Hauptkirchen Hamburgs gelegt worden war. Damit wurde diesem Gottesdienst und der ökumenischen Gemeinschaft zwischen evangelischer, anglikanischer und alt-katholischer Kirche von Seiten des Kirchentages hohe Wertschätzung entgegengebracht.

 

In ihrer Predigt setzte sich Präses Kurschuss mit der Aussage aus dem 1. Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Korinth auseinander, dass sich derjenige schuldig mache, der auf unwürdige Weise an der Kommunion teilnehme (1 Korinther 11,17-34). Sie blickte dabei auf das zurück, was traditionell darunter verstanden wurde, machte dann aber deutlich: „Nur ein einziges wirklich ‚unwürdiges’ Verhalten gibt es beim Abendmahl: Die Gemeinschaft verweigern und verleugnen. Anderen das Gefühl geben: ‚Wir gehören hier nicht hin. Wir sind hier nicht willkommen.’ Das ist wirklicher Verrat an dem, der seinen Platz zur Rechten Gottes verließ, um uns alle zu seinen Geschwistern zu machen.“

 

In unseren Abendmahlsfeiern müsse daher deutlich werden, dass wir alle Gäste des Gekreuzigten und Auferstanden seien. Und dass er selber einlade. Daher könne und dürfte man auch nicht der Frage ausweichen: „Was ist, wenn uns die Tischgemeinschaft nicht gelingt?“ Es könne uns nicht kalt lassen, dass die Gemeinschaft am Tisch des Herrn mit den römisch-katholischen Geschwistern noch nicht gelinge. „Es bleibt ein Pfahl im Fleisch.“

 

So war dieser Gottesdienst auch ein Aufruf, in den ökumenischen Gesprächen der Kirchen nicht nachzulassen und immer wieder nach dem Gemeinsamen zu suchen. Und es war ein Zeichen dafür, dass viel wichtiger ist, was die Kirchen verbindet, was uns eint, als was unsere Kirchen trennt und unterscheidet.

 

Walter Jungbauer