„Gott des Lebens, führe uns zu Gerechtigkeit und Frieden“

Auf dem Weg zur Vollversammlung des Weltkirchenrates in Korea – ein Zwischenbericht

 

Oder hätte ich besser „ein Hilferuf!“ darüberschreiben sollen …?

Seit einiger Zeit bin ich dabei, mich auf die Vollversammlung des Weltkirchenrats oder Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK) in Busan in Südkorea, die im November stattfinden wird, vorzubereiten. Inzwischen traf ich etwa 30 weitere Delegierte aus 14 europäischen Nationen, 17 Konfessionen und sieben großen christlichen Organisationen, habe mich in mehrere Dokumente eingelesen, und einige davon sind nun auch ins Deutsche übersetzt – Zeit, davon zu berichten.

Und wozu der „Hilferuf“? – Ich denke, die Mitarbeit im Weltkirchenrat bietet unserer kleinen, weltoffenen Kirche, die stolz auf ihre synodale Verfassung ist und in der Meinungsvielfalt nicht nur erlitten, sondern auch geschätzt wird, eine hervorragende Möglichkeit, „Gerechtigkeit und Frieden“ über unsere Gemeindegrenzen hinaus mitzugestalten. Es lohnt sich, sich mit den Themen, die im Weltkirchenrat sehr sorgfältig und mit viel Einsatz und Fachwissen behandelt werden, auseinanderzusetzen und die eigenen Erkenntnisse und Erfahrungen einzubringen. Das möchte ich als Delegierte unserer Kirche aber nicht alleine unternehmen – deshalb lade ich zur Mitarbeit ein.

Vieles davon ist uns auch gar nicht neu: Immer wieder gibt es Beiträge in Christen heute und Projekte in unseren Gemeinden, die zeigen, dass wir uns mit den aktuellen Fragen zu „Gerechtigkeit und Frieden“ und zur Ökumene auseinandersetzen. So könnten wir die Vorbereitung auf die ÖRK-Versammlung auch gut für unsere Kirche nutzen, um unseren ganz konkreten Weg der Nachfolge zu überdenken.

Hier nun möchte ich ein paar Themen vorstellen, die in der Vollversammlung anstehen. Die Materialien, mit denen Einzelne oder Gruppen arbeiten können, sind unten aufgelistet – soweit ich sie angesichts der Fülle bis jetzt gefunden habe. Gerne verschicke ich die Links auch per E-Mail.

Einen gut aufbereiteten Einstieg bietet die Arbeitshilfe „Pilgerreise nach Busan: Eine ökumenische Reise durch das Christentum weltweit“, die man als Handbuch für Teilnehmende und für Gruppenleitende herunterladen kann. Sie ist in sechs Kapiteln für Studientage oder mehrere Einzelveranstaltungen aufbereitet. Wer sich weiter einarbeiten möchte, wird darüber hinaus hier fündig:

„Christliche Ökumene in einer immer vielfältigeren, globaleren Welt“: Auf der Vollversammlung soll eine neue Erklärung zu Mission und Evangelisation verabschiedet werden. Der Text findet sich unter „Gemeinsam für das Leben: Mission und Evangelisation in sich wandelnden Kontexten. Eine neue Erklärung des ÖRK zu Mission und Evangelisation“ im Internet. Sie ist nur 24 Seiten lang, aber hat es in sich: Zur Einführung empfehle ich die Nachricht der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, der dieser Text entnommen ist: „Einige der Veränderungen, mit denen sich die Missionserklärung beschäftigt, sind die Verlagerung des Schwerpunktes des Christentums vom globalen Norden in den globalen Süden und Osten, der umfassende Einfluss neoliberaler Wirtschaftsideologien, die Auswirkungen von Migration, neue Formen der Unterdrückung von Mensch und Natur, neue Arten, Kirche zu sein, und das explosionsartige Wachstum von Pfingstkirchen und charismatischen Kirchen.“

Damit es etwas konkreter wird: Neu ist in der Missionserklärung, dass sie die wichtige Rolle der Menschen, die am Rand der Gesellschaft leben, betont – genannt werden ethnische Minderheiten, Erwerbsarbeitslose, Frauen, behinderte Menschen, arme Menschen und andere. Sie werden nicht als Empfänger, sondern als Handelnde gesehen, an deren Seite die Kirchen stehen sollen.

Beim Lesen der Missionserklärung frage ich mich: Wo stehen wir? Wo werden benachteiligte Menschen in unseren Gemeinden wertgeschätzt und begleitet, wo sind wir bereit, von ihren Lebenserfahrungen zu lernen - und wo sind wir blind? Mir fällt auch auf, dass Kinder nicht erwähnt sind, die in unserer Gesellschaft immer früher einem immer größeren Leistungsdruck ausgesetzt sind und die immer weniger Freiräume haben, sich in ihrem eigenen Tempo zu entwickeln, ja, die in vielen ihrer Angelegenheiten kaum gefragt werden. In anderen Ländern, habe ich mir sagen lassen, ist der Leistungsdruck noch viel höher. Solche Ergänzungen würde ich gerne einbringen – und es gibt sicher noch viel mehr davon, wir müssen uns nur umsehen!

Zurück zur Vollversammlung. Weitere Themen sind: Gerechtigkeit und Frieden und der Beitrag der Christen; der ökologisch und sozial erforderliche Umbau des Finanz- und Wirtschaftssystems; die Bewahrung der Schöpfung; die Umstrukturierung des ÖRK und anderes. Wer sich hiermit befassen möchte, kann mir eine E-Mail schicken – ich gebe gerne weiter, was ich bereits gefunden und gesichtet habe. Leider ist vieles nur auf Englisch veröffentlicht.

Für alle, die jetzt richtig neugierig geworden sind auf die Arbeit des Weltkirchenrats, die sich aber nicht zutrauen, Texte auf Englisch zu lesen, besteht die Möglichkeit, auf die deutschsprachigen Seiten des ÖRK auf „Was wir tun“ zu klicken – hier sind zwar nicht alle ÖRK-Texte übersetzt, aber es gibt eine Fülle an Informationen, mit denen man sich sinnvoll beschäftigen kann.

Ich freue mich auch sehr, dass ich für die deutschen Alt-Katholikinnen und Alt-Katholiken und für den baf an der Vorversammlung der Frauen teilnehmen kann. Momentan warte ich noch auf nähere Informationen. Wer sich hierfür interessiert, melde sich bitte auch per E-Mail bei mir. Weiteres sonst in Christen heute oder im baf-Newsletter.

 

Ina Nikol

 

Arbeitshilfe „Pilgerreise nach Busan“, deutsch: http://wcc2013.info/de/resources/pilgrimage-to-busan

 

Erklärung zu Mission und Evangelisation: http://www.dimoe.de/fileadmin/mediapool/einrichtungen/E_dimoe/2012-08_OERK_Gemeinsam_fuer_das_Leben_-_Mission_Evangelisation_wandelnde_Kontexte_Kreta.pdf

 

Nachricht der Ev.-Luth. Landeskirche Hannovers: http://www.landeskirche-hannovers.de/evlka-de/presse-und-medien/nachrichten/2012/10/2012_10_06_2

 

Deutschsprachige Website über die “Programme” („Was wir tun“) des ÖRK:

http://www.oikoumene.org/de/what-we-do#b_start=0

 

Fragen, Wünsche, Vorschläge gerne an mich. Meine E-Mail-Adresse ist:

inanikol@web.de