Ich steh an deiner Krippen hier...

 

alle Jahre wieder

stehe ich vor der Krippe,

großer, unbegreiflicher Gott,

versuche zu begreifen, was wir feiern,

was wir voller Hingabe

in anrührenden Liedern besingen,

blicke auf aus dem festlichen

Lichterglanz, der unsere Dunkelheiten nicht zu erhellen vermag,

lasse mich umfangen

vom Schweigen der Nacht,

suche den einsamen Stern

der Hoffnung ,

der von einer Liebe kündet,

die so unfassbar groß ist,

dass sie sich niederbeugt

in unsere Niederungen

und Armseligkeit,

die sich nicht zu schade ist,

in einer Krippe zur Welt zu kommen

klein, unscheinbar,

hineingeboren ins Erdenleben

als ein Menschenkind

am Rande der Gesellschaft,

um Dir ein Gesicht zu geben,

großer, unbegreiflicher Gott.

 

Ein menschliches Antlitz,

Dein Antlitz in jedem Menschengesicht,

dass wir Dich erkennen,

wenn wir einander anblicken

und Du uns nahe bist

immer und überall.

 

alle Jahre wieder

steh ich an Deiner Krippe hier,

halte inne in der Geschäftigkeit

des Alltags,

lausche auf die Botschaft der Engel,

lasse mich herausrufen

aus den Oberflächlichkeiten

des Lebens,

halte Dir mein Herz entgegen

mit all seinen Abgründen

und Sehnsüchten,

mit meiner Freude,

meinem Schmerz, meinem Versagen und Verzagen,

um mich anrühren und beschenken

zu lassen von Deiner Liebe,

um mich neu aufzumachen

in mein Leben,

guten Willens und hoffnungsfroh,

um Dich zu suchen und zu finden

im Nächsten, der mir begegnet,

um Dich zur Welt zu bringen,

um die Botschaft vom Frieden aufleben zu lassen, immer wieder neu.

 

Jutta Respondek