Liebe für alle – Hass für keinen

 

So lautet das Motto der Religionsgemeinschaft Ahmadiyya-Muslim-Gemeinschaft. Sie hat im Juni in Karlsruhe ihre geistliche Jahresversammlung (Jalsa Salana) abgehalten, an der mehrere Tausend Menschen teilnahmen.

Das Medienecho auf diese religiöse Großveranstaltung war überwiegend positiv, dazu hat das Leitwort der Gemeinschaft gewiss ebenso beigetragen wie ihre „ausgezeichnete Öffentlichkeitsarbeit“, die ihr von der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) bescheinigt wird. Das Foto zeigt ein Beispiel der Plakataktion der Ahmadiyya-Gemeinschaft, wie sie in Karlsruhe an Straßenbahnhaltestellen zu finden waren.

 

Die Gemeinschaft entstand in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts in Nordindien. In Deutschland tritt sie seit den 1950er Jahren auf. Hier soll es etwa 250 Gemeinden geben. Der Hessische Rundfunk berichtete kürzlich, dass die Gemeinschaft in Hessen als Körperschaft des Öffentlichen Rechts anerkannt und somit den christlichen Religionsgemeinschaften gleichgestellt wurde. Die Ahmadiyyah-Gemeinschaft versteht sich als reformislamische Bewegung, wobei sie allerdings nach Einschätzung der EZW streng sunnitisch ist und ihre religiöse Einstellung als „puritanisch-konservativ“, teilweise als fundamentalistisch zu gelten habe. 1974 wurde die Ahmadiyyah-Gemeinschaft vom pakistanischen Parlament und von der Islamischen Weltliga zur „Nichtmuslimischen Minderheit“ erklärt, woraufhin viele Anhänger fliehen mussten. Zu den Sonderlehren der Gemeinschaft gehört unter anderem die Überzeugung, dass Jesus nicht den Kreuzestod starb, sondern gerettet wurde und nach Kaschmir gelangte, wo er im Alter von 120 Jahren in Srinagar gestorben sei; dort wird heute noch das Grab Jesu besucht und verehrt.

 

Den überwiegend wohlwollenden Berichten über die Ahmadiyyah-Gemeinschaft stehen auch kritische Stimmen gegenüber, die Widersprüche sehen zwischen den aufgeklärt-menschenfreundlichen Leitlinien der Bewegung und konkreten Äußerungen in Wort und Schrift. Die EZW stellt jedenfalls eine ausgeprägt apologetische Haltung der Ahmadiyyahs fest, die den theologischen Dialog erschwere. Berichtet wird von Ausfällen gegen Bibel, Christentum und andere Religionen. Dabei wird man sagen können, dass, leider, keine Religion frei ist von solchen Erscheinungen.

 

Wer mehr über die Ahmadiyyah-Muslim-Gemeinschaft wissen will, findet im Internet reichlich Stoff zur Meinungsbildung. Auf die einschlägige Webseite der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen http://www.ekd.de/ezw/Lexikon_2588.php sei eigens hingewiesen.

 

Veit Schäfer