Abschaffung der Sklaverei

 

Am 23. August wird der „Internationale Tag zur Erinnerung an den Sklavenhandel und seine Abschaffung“ begangen. Über Jahrtausende war es selbstverständlich, Menschen aller Rechte zu berauben und sie als Sklaven zu halten. Dass Sklaverei heute geächtet und weitgehend eingedämmt ist, ist sicher eine der großen Errungenschaften der Zivilisation. Es hat jahrhundertelangen Einsatzes vieler mutiger Menschen mit einer Vision und mit einem Gespür für Gerechtigkeit bedurft. So lange sie aber noch besteht, bedarf es dieses Einsatzes weiter.

 

Niemand darf in Sklaverei oder Leibeigenschaft

gehalten werden

 

So steht es in Artikel 4 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948, ebenso in Artikel 4 der Europäischen Menschenrechtskonvention von 1953. Bis dieser Satz weltweit zur verbindlichen Rechtsnorm wurde, sind unzählige Männer, Frauen und Kinder während vieler Jahrhunderte, gerade in der Neuzeit, aus ihrer Heimat verschleppt und  als menschliche Ware recht-, schutz- und besitzlos in gewaltsamer Abhängigkeit von ihren „Eigentümern“ gehalten worden.

Das begann sich erst zu ändern, als die Forderungen der Französischen Revolution in der Welt bekannt wurden. Schon 1791, am 23. August, begann in der damaligen französischen Kolonie Santo Domingo (heute Dominikanische Republik/Haiti) ein Sklavenaufstand. Dieser gilt als Ausgangspunkt für die Bemühungen, den Sklavenhandel abzuschaffen. Dies gelang in den Jahrzehnten danach schrittweise; 1792 verbot bereits Dänemark den Sklavenhandel, Großbritannien folgte 1807, 1808 die Vereinigten Staaten, der Sklavenhandel kam  erst allmählich zum Erliegen. Beim Wiener Kongress 1815 erließ Großbritannien ein allgemeines Verbot des afrikanischen Sklavenhandels. Erst 1848 wurde die Sklaverei in Frankreich endgültig abgeschafft. In Deutschland kam es erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts zu einer Anti-Sklaverei-Bewegung.

Um die Erinnerung an die Unmenschlichkeit der Sklaverei und des Menschenhandels lebendig zu erhalten, erklärte die UNESCO 1998 den 23. August, also das Datum des Sklavenaufstandes in Santo Domingo, zum Internationalen Gedenktag.

 

Sklaverei ist in der Geschichte der Christenheit nicht immer und überall abgelehnt oder entschieden bekämpft worden. Schon aus dem Urchristentum sind Haussklaven bekannt (s. Philemonbrief u. a.). Neuere Forschungen deuten darauf hin, dass das Aufleben der Sklaverei nach der Entdeckung Amerikas nur dadurch erklärt werden kann, das es im Mittelalter insbesondere in Südeuropa stets Sklaven gab (s. Hauptseminar „Christentum und Sklaverei“ der Kath.-theol. Fakultät der Universität Tübingen 2011). Freilich haben insbesondere pietistische Christen, Methodisten und Quäker maßgeblichen Anteil an dem Verbot des Sklavenhandels durch Großbritannien. William Wilberforce sei beispielhaft genannt. Auch in den USA waren Methodisten, Quäker und Kongregationalisten führend im Kampf gegen die Sklaverei. „Sklaverei ist Sünde“, war das Leitwort der amerikanischen Anti-Sklaverei-Bewegung.

Beendet sind Sklaverei und Menschenhandel bis heute nicht. Geschätzt wird, dass gegenwärtig 27 Millionen Menschen in Sklaverei leben; Kinder, Jugendliche und Frauen sind es vor allem.

Zu der 3sat-Sendung im September 2011 über moderne Sklaverei sagte der Moderator Gert Scobel in seiner Kolumne: „Wenn Sie genau hinsehen, werden Sie erkennen, wie sehr auch unsere scheinbar heile Welt von Sklaverei durchsetzt ist. Die Frage ist lediglich, wie bewusst wir uns dessen sind. Denn wir können durchaus etwas gegen Sklaverei tun: Bewusst einkaufen, auf fair gehandelte Produkte achten und bei Geldanlagen in Ethics Fonds investieren und vor allem strikt gegen Kinderpornografie, Missbrauch und Frauenhandel einschreiten, wo es nur geht. Kurzum: Sklaverei ist die soziale Pest der Globalisierung. Man sollte ihre Mechanismen kennen und verstehen. Das Gute ist: Wir alle können etwas dagegen tun.“

 

Veit Schäfer