Ruhemob

 

Wenn Sie rund um den 3. März mit Ihrem Auto in einer Stadt im Stau stehen sollten, weil eine Horde von Menschen mit Liegestühlen ausgestattet eine verkehrsreiche Kreuzung blockiert, nehmen Sie es gelassen: Sie sind Zeugin beziehungsweise Zeuge eines so genannten ‚Ruhemobs‘. Mit dieser Aktionsform macht die ‚Allianz für den freien Sonntag‘ auf ihre Forderung aufmerksam, den Sonntag arbeitsfrei zu halten und statt dessen den Menschen die notwendige Ruhepause, Zeit zum Aufatmen und zur seelischen Erholung in ihrem Alltag zu lassen.

 

Der ‚Ruhemob‘ ist, in Anlehnung an den ‚Flashmob‘, eine eigene Aktionsforum der Allianz für den freien Sonntag. Beim Ruhemob besetzt (oder ‚beruhigt‘) eine nicht zu kleine Gruppe von Sonntagsschützerinnen und -schützern für einige Minuten öffentliche Plätze, Straßen oder Kreuzungen mit Liegestühlen. Eine Aktionsrednerin oder ein Redner hält eine kurze Ansprache. Danach genießen alle liegend oder stehend einen Moment der Stille.

 

Bereits der Marsch zum Aktionsort, bei dem die Teilnehmenden ihre Liegestühle durch die Straßen tragen, wird dabei genutzt, um die öffentliche Aufmerksamkeit zu erhöhen. Und selbstverständlich werden die Medien vorab über den geplanten ‚Ruhemob‘ informiert, um die Forderung nach dem Sonntagsschutz möglichst breit in die Öffentlichkeit zu tragen.

 

Die 2006 bundesweit gestartete Sonntagsallianz wird bislang von der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung, der Katholischen Betriebsseelsorge, dem Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt (KDA) im Evangelischen Verband Kirche-Wirtschaft-Arbeitswelt, dem Bundesverband Evangelischer Arbeitnehmerorganisationen und der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft getragen, sowie von zahlreichen weiteren Organisationen unterstützt (siehe www.allianz-fuer-den-freien-sonntag.de). Die kleinen Kirchen und die Freikirchen sind dabei noch nicht mit von der Partie. Die Aktionsbewegung ist mittlerweile in acht Bundesländern und 80 Regionen verankert.

 

Der 3. März wurde von der Allianz als Aktionstag gewählt, weil es der Tag ist, an dem der damalige römische Kaiser Konstantin für das Römische Weltreich vor nunmehr 1692 Jahren den Sonntag per Edikt als für alle Bürgerinnen und Bürger arbeitsfreien Tag verkünden ließ (siehe Kasten). Deswegen begeht diese Sonntagsschutzbewegung jedes Jahr am 3. März den ‚Internationalen Tag des freien Sonntags’ und erinnert mit ihren Aktionen daran, dass der Sonntag ein Geschenk des Himmels ist.

 

Bis zu Beginn der Industrialisierung Mitte des 19. Jahrhunderts genoss der Sonntag als arbeitsfreier Tag weitgehend Schutz. Doch mittlerweile verliert die auch im deutschen Grundgesetz (Artikel 140: „Der Sonntag und die staatlich anerkannten Feiertage bleiben als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung geschützt.“) verankerte Sonntagsruhe immer mehr ihre Verbindlichkeit: Während vor 20 Jahren in Deutschland noch regelmäßig 7,5 Millionen Erwerbstätige gelegentlich, regelmäßig oder ständig von Sonntagsarbeit betroffen waren, ist diese Zahl mittlerweile auf 11 Millionen gestiegen. Denn manche Wirtschaftsvertreter wollen den Sonntag als Produktions- und Geschäftstag haben. Für sie bedeutet der freie Sonntag nur Produktionsausfall und Gewinnminimierung.

 

Das Aktionsbündnis der Allianz lädt die Kirchengemeinden dazu ein, bei dieser Aktionsform mitzumachen. Benötigt werden dazu lediglich Liegestühle und bei kühlerer Witterung möglicherweise Decken. In Nordrhein-Westfalen, Hessen und Bayern, wo das Aktionsbündnis bereits zahlreiche regionale Allianzen aufgebaut hat, kann man sich gegebenenfalls vor Ort einige Liegestühle mit Sonntagsallianzmotiven dafür ausleihen. Um den Umstehenden die Aktion zu erläutern, empfiehlt das Bündnis, die Botschaft des Ruhemobs mit Plakaten oder Schildern kurz zu erläutern. Außerdem sollte man neben den Medien vorab auch die kommunale Verwaltung informieren, da ein Ruhemob im öffentlichen Raum angemeldet werden muss.

Ansonsten ist die Allianz natürlich daran interessiert, weitere zahlreiche Mitstreitende zu gewinnen, um weitere Sonntagsschutz-Allianzen in Bundesländern und Regionen aufbauen und mit ihnen gemeinsam gegenüber der Politik ein deutliches Signal für den arbeitsfreien Sonntag aussenden zu können.

Für diejenigen, die an einer Aktion zum freien Sonntag interessiert sind, hat das Aktionsbündnis unter dem Titel ‚Sonntag. Ein Geschenk des Himmels‘ eine kostenfreie Broschüre herausgegeben, welche unter anderem auf der Webseite des KDA unter www.kda-ekd.de zum Download zur Verfügung steht. Darin enthalten sind Gottesdienstbausteine, wie zum Beispiel Predigtentwürfe aus katholischer und evangelischer Feder oder auch ein Kyrie-Entwurf.

 

Walter Jungbauer