Humor und Kirche – passt das zusammen?

 

Als Pfarrer Strenzl mich vor zwei Jahren gebeten hat, in der alt-katholischen Kirche in Kaufbeuren-Neugablonz eine Narrenmesse mitzugestalten und eine humorvolle „Predigt“ zu halten, war ich freudig überrascht. Jedoch stellten sich bei mir auch Zweifel ein: Schließt sich das nicht aus, habe ich mich zunächst gefragt. Humor und Kirche, passt das zusammen?

Gut, seit vielen Jahren sind die barocken Fastenpredigten von Starkbierveranstaltungen in der Fastenzeit nicht mehr wegzudenken.

 

Früher hat das der Pfarrer übernommen, heute machen das im süddeutschen Raum die Kabarettisten auf Starkbierfesten, zum Beispiel auf dem Nockherberg in München. Aber in einer echten Kirche einen kabarettistischen Impuls zu geben, das ist schon eine Gratwanderung. Bereits bei der ersten Gliederung des Themas fiel mir dann jedoch auf, dass Kabarettisten und Geistliche eine wichtige Gemeinsamkeit haben. Es ist: eine Frohe Botschaft! Und was soll eine Frohe Botschaft verbreiten? Freude! Gut, wir sprechen nicht von irgendeiner Freude, die man schnell mal erlebt, wenn man zu viel Messwein getrunken hat. Wenn Sie meinen, was ich verstehe...

 

Lediglich in der Vermittlung dieser Frohen Botschaft gibt es Unterschiede. Übrigens auch in der Reaktion des Publikums. Denn schallendes Gelächter angesichts der Frohen Botschaft in der Kirche ist eher selten. Es sei denn, ein Ministrant fällt über die Osterkerze, oder wenn bei einer Hochzeit der Bräutigam die Ringe zu Hause vergessen hat, oder der hoch geschätzte Herr Pfarrer nicht singen kann, sich davon jedoch nicht zurückhalten lässt, das „Lobe den Herren“ in höchsten Tönen zu krächzen.

 

Warum wird also in der Kirche nicht so oft gelacht? Natürlich, im Lachen schwingt oft Kritik mit, und jedes Lachen und jeder Freudenausbruch entziehen sich der Kontrolle durch höhere Instanzen. Keine Macht der Welt kommt gegen das Lachen an. Und das ist ja auch gut so. Warum sollen Humor, christliche Liebe und Güte einander ausschließen? Die heilige Crescentia von Kaufbeuren war der Meinung: „Einem Menschen, der nichts als Gott sucht und liebt, ist die Fröhlichkeit gleichsam angeboren.“

 

Wer sich in der Bibel auf die Suche nach dem Humor macht, wird zugegebenermaßen nicht gleich fündig. Es kann aber auch sein, dass wir nicht mehr so stark über manche Formulierungen lachen, weil uns die Texte zu geläufig sind. Die Hörer Jesu haben sicher über manche Wendung gelacht, etwa über den „Balken im eigenen Auge“ oder „das Kamel, das nicht durch ein Nadelöhr geht.“

Oder wenn Jesus zu den Pharisäern, die ja für ihren Gesetzesgehorsam bekannt waren, spricht, „dass sie Mücken aussieben, aber Kamele verschlucken“ (Mt 23,24). Joachim Ringelnatz hat einmal gesagt: Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt!

 

Also in der Bibel soll der Begriff des Lachens nur etwa zwanzigmal vorkommen. Häufiger ist von Freude, Fröhlichkeit, Jubel und Glücklichpreisungen die Rede, die sich indirekt auch auf Lachen und Humor beziehen. Aber auch die Bibel kennt viele humorvolle Passagen, die ich hier mal sehr frei übersetzt nennen möchte:

 

Es steht ja schon im ersten Korinther, äh 14 Euro 20 geschrieben: „In Demut achte einer den anderen höher als sich selbst.“ Das gilt natürlich nicht für Parteien!!! Frei übersetzt findet man in den Klageliedern nämlich die erste Erwähnung der Grünen, denn dort steht: „Sie trugen seltsame Gewänder und irrten planlos umher.“ Und damit kann ja nur die Claudia Roth gemeint sein!

 

Im Epheser 4 ein Viertel steht zum Beispiel auch: „Leget die Lüge ab und redet die Wahrheit.“ Aber wer hält sich schon dran? Der Berliner Bürgermeister Wowereit soll kürzlich in einer Rede zum Eröffnungstermin des Berliner Flughafens gesagt haben: „Ich weiß, ich hab schon viele Versprechen gebrochen, aber ich kann neue machen, und die sind genauso gut!“

 

Wir finden die Fröhlichkeit auch im Neuen Testament. Im Römerbrief steht: „Freut euch mit den Fröhlichen!“ Gut, mancher Römer übertreibt es mit dem Spaß auch. Wenn ich nur mal an den Ber-lust-coni denke. Aber an seinem Beispiel sieht man, zu was die Medizin heute fähig ist.

Ich will jetzt gar nicht darüber spekulieren, wie oft der Berlusconi noch mal in Italien zur Wahl antritt. Halten wir uns lieber an der Bibel fest. Jesus wünscht sich da bei Johannes: „... dass meine Freude in Euch bleibe und Eure Freude vollkommen werde“.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Glauben: Die Bibel ist voll von Freude und Fröhlichkeit. Deshalb heißt sie auch Frohe Botschaft. Und wir Christen sollen feiern und uns jeden Tag freuen! Ich kann das auch beweisen. Im zweiten Buch Mose finden wir: „Sechs Tage sollst du deine Arbeit tun, aber des siebenten Tages sollst du feiern, auf dass dein Ochs und Esel ruhen und deine Magd, Sohn und der Fremdling sich erquicken!“ Ich weiß zwar nicht, wer da mit Fremdling gemeint ist... Egal.

„Feiern, auf dass dein Ochs und Esel ruhen“, das ist nicht nur eine frühe Beschreibung des Ladenschlussgesetzes, das ist kein Aufruf für einen eselfreien Sonntag, das ist mehr! Viel mehr!! Wir Christen sollen uns freuen! Wir sollen feiern. Wir sollen unseren Glauben, unsere Liebe und unsere Hoffnung weiter tragen in Frieden! Bei Lukas 6,23 steht: „Freut euch als dann und hupfet, denn siehe, Euer Lohn ist groß im Himmel!“

 

Erlauben Sie mir, meine persönliche Wahrnehmung noch einmal zu verdichten: Jesus Christus war ein Revoluzzer. Einer, der sich mit den Obrigkeiten seiner Zeit angelegt hat. Um Missstände aufzudecken, benutzte er viele Gleichnisse, damit er von jedem verstanden wurde. Er sprach zu uns nicht in der Sprache der Theoretiker, sondern in der Sprache seines Volkes. Jesus wurde verstanden.

 

Hoffen wir, dass unsere Verantwortlichen in der ganzen Kirche auch solche Worte benutzen, damit sie von allen verstanden werden. Ihnen allen eine schöne Fastnachtszeit.

 

Wolfgang Krebs