Narri, Narro oder …

 

Wenn dieser Tage jemand aus dem Bistum bei uns in Furtwangen anruft, kommt als erstes die Frage: Habt Ihr schon Schnee? Nun, in diesem Jahr hält es sich doch sehr in Grenzen, vor Weihnachten hat es die ganze Pracht (70 cm) weggeregnet. Oft hört man dann die Frage: Wie hält man das nur aus, drei oder mehr Monate tiefer Winter? Nun, die Experten streiten sich, ob Fasnet etwas mit Winteraustreiben zu tun hat, aber nach dem oft langen Einheitsfarbton Weiß (wenn auch meist verbunden mit blauem Himmel) und nur kurzen Begegnungen mit Nachbarn, schließlich wollen alle schnell ins Warme, tut die farbenfreudige Straßenfasnet nicht nur den Augen gut.

 

Während in den Karnevalshochburgen am Rhein bereits am Martinstag (11. November) die tollen Tage eröffnet werden, Prinzenpaar, Prunksitzungen und Kamellen das Geschehen bestimmen, beginnt die Fasnet in Furtwangen am Abend des Dreikönigstags (6. Januar) mit dem traditionellen Klepfen. Zu den Klängen des Narrenmarsches zeigen sich erstmals in der Saison die Hästräger (Verkleidete) der Narrenzunft mit ihren bunten Gewändern und unter Maske und die Fuhrkigeli (Fuhrmannsleute) klepfen mit ihren Peitschen. An den folgenden Tagen wird die Weihnachtsbeleuchtung in der Stadt abgehängt und durch Girlanden mit bunten Stofffetzen ersetzt.

 

Die Schwarzwälder Fasnet ist eine traditionelle „ernste Sach“, aber dennoch fröhliche Veranstaltung. Jeder Ort hat seine eigenen Gestalten, und je nachdem, in welcher Dachvereinigung man ist, darf auch nicht einfach eine neue Figur erfunden werden. In Furtwangen gibt es Hexen und Spättle, Hanseli, Alte Jungfere und Fuhrkigeli. Die Häser (Gewänder) werden selbst hergestellt oder können ausgeliehen werden. Ein Prinzenpaar gibt es nicht, dafür einen Zunftmeister mit Narrenrat.

Zwei Wochen vor dem Fasnet-Sunndig (Sonntag) wird auf dem Marktplatz der Narrenbaum gesetzt: Eine große Tanne, die nur noch die obersten Kränze mit Ästen behalten hat. Unter viel Tamtam, mit allen Hästrägern und Publikum wird das Motto der Saison bekannt gegeben und mit lustigen Versen umrahmt. Währenddessen stürmen die Hexen das Rathaus, werfen allerlei unnützes Zeug in Form von Papierschredder aus den Fenstern und holen den Bürgermeister auf die Gasse. Dieser muss seinen Schlüssel abgeben, denn nun haben die Narren die Hoheit im Städtle.

Der höchste Feiertag der Narren ist der Donnerstag vor dem Rosenmontag, hier wird er G´Schmutziger Dunschtig genannt, was wohl von „schmotzig“ = fettgebacken kommt. Seit dem Golfkrieg 1991- als die Fasnet ausgesetzt wurde - beginnt der Tag mit einem römisch-katholischen Narren-Gottesdienst in der Stadtkirche. Anschließend ziehen die Narren mit Musik durch die Straßen und gehen in Kindergärten und Grundschulen, um dort die Schüler aus der Macht der Lehrer zu befreien. Als fröhlicher Gruß erschallt „Narri-Narro“. Am Nachmittag ist der Kinderumzug, bei dem die Grundschulen und Kindergärten mit den Hästrägern durch die Stadt zum Marktplatz ziehen. Bei allen Umzügen und öffentlichen Auftritten dürfen die Hästräger ihre Larve (Maske) nicht abziehen, und so können sie allerlei Schabernack treiben. Allerdings achtet die Narrenzunft darauf, dass nur lustige Scherze gemacht werden, unangemessenes Verhalten wird geahndet.

 

Am Abend des G´schmutzigen findet schon der nächste Umzug statt, der Hemdglonker: Groß und Klein, Kind und Kegel treffen sich im Schlafgewand mit Fackel zum Umzug durch die Stadt, begleitet von Hästrägern und Kapellen. Ziel ist wieder der Marktplatz, wo ein großes Feuer aufgebaut ist. Eine Strohfigur – der letzte Meckerer – wird verbrannt, und unter theatralischem Geheul springen die mutigsten Hexen übers Feuer. Anschließend ist fröhliches Treiben auf den Gassen und in den Gasthäusern, man sieht zahlreiche Gruppen lustig und vor allem unkenntlich verkleideter Gesellinnen und Gesellen, und bis spät in die Nacht wird gefeiert. Nicht umsonst hat der nächste Tag den netten Namen „Kopfwehfritig“.

 

Am Sonntag findet dann der nächste, der Große Umzug statt. Viele Vereine, private Gruppen und natürlich die Hästräger der Narrenzunft ziehen in bunten Kostümen und lustigen Verkleidungen durch die Stadt. Die Hexen zeigen jetzt so richtig, was sie drauf haben: Schnee oder Konfetti werfen, durch die Haare wuscheln, Hüte klauen. Besonders junge Mädchen verstecken sich dabei gerne, denn die Hexen nehmen sie mit, binden ihre Beine mit Kabelbindern zusammen, stecken sie in eine mitgeführte Konfettiwanne oder bringen sie in den übel duftenden Hexenwagen.

Den Abschluss der Fasnet bildet die Elfimess am Montag Vormittag (ursprünglich nach dem Gottesdienst, eben um 11 Uhr). Bei dieser Saalveranstaltung werden die besten Büttenreden der vorangegangenen Bälle in loser Reihenfolge gehalten.

Am Aschermittwoch treffen sich die Hästräger zum Narrenbaumfällen: In schwarzem Anzug und mit Trauermusik wird die alte Fasnet zu Grabe getragen, der leere Geldbeutel wird bejammert und das Holz des Baumes versteigert.

 

Für unsere Gemeinde in Furtwangen spielt die Fasnet eine ganz eigene Rolle. Es gibt in der Gemeinde keine eigene Fasnet-Veranstaltung, außer dem Familiengottesdienst am Fasnetsundig. Allerdings kommt man auch nicht dran vorbei, denn viele Gemeindemitglieder sind in den diversen Vereinen damit beschäftigt (Narrenzunft, Narrentreffen, Musikvereine…). Andere flüchten und nutzen die Ferien und freien Tage zu einem Urlaub.

Am Fasnetsundig (Sonntag) feiern wir Familiengottesdienst in der Kirche in Furtwangen. Wer mag, darf verkleidet kommen, wir singen fröhliche Lieder und es gibt eine gereimte Predigt. Anschließend versammeln wir uns zum Brunch im geschmückten Gemeinderaum, und wer dann noch nicht genug hat, kann gemeinsam zum Großen Umzug gehen. Auch die Familien aus Gütenbach sind dabei, wobei diese meist zum Kinderumzug nach Gütenbach gehen.

 

Klar ist auf alle Fälle: Es ist Fasnet und wir sind dabei, im Gottesdienst und auf der Straße.

Joachim Sohn