Bischöfinnen in der Kirche von England

„Noch nicht!“ sagt die Generalsynode

 

„Abstimmung der Bischöfe: 44 für; 3 gegen; 2 Enthaltungen. Abstimmung der Geistlichen: 148 für, 4 gegen; keine Enthaltungen. Abstimmung der Laien: 132 für; 74 gegen; keine Enthaltungen. Dem Antrag stimmten die Bischöfe und die Geistlichen zu; die Laien stimmten dagegen.“

 

Am 20. November 2012 entschied die Generalsynode der Kirche von England gegen die Zulassung von Frauen ins Bischofsamt. Für viele war diese Entscheidung eine schmerzliche Überraschung. „Wie kann ich meine Enkelkinder in eine solche Kirche mitnehmen?“ fragte ein Gemeindeglied seinen Pfarrer. Auch außerhalb der Kirche gab es heftige Reaktionen. „Meine Frau ist wirklich wütend, auch wenn sie nicht mal in die Kirche geht!“ berichtete ein Kollege bei einer Sitzung am nächsten Tag. Die Beschlussfassung der Kirche von England bedeutet für viele, dass die Kirche unfähig ist, für die heutige Gesellschaft Bedeutsames zu sagen. Für viele war und ist diese Entscheidung nicht nachvollziehbar und noch dazu peinlich.

 

Mich hat das Ergebnis nicht wirklich überrascht, denn ich wusste, dass die Abstimmung bei den Laien womöglich sehr knapp ausfallen würde. Trotzdem war ich traurig, enttäuscht – und auch verärgert. Denn der Gesetzesentwurf ist das Ergebnis von sehr viel Arbeit über mehrere Jahre hinweg. 42 der 44 Diözesansynoden hatten dem Gesetzesentwurf zugestimmt.  Dabei stimmten über 77 Prozent der Laien in den Diözesen der Vorlage zu. Bei der Generalsynode hingegen haben ‚nur’ 64 Prozent der Laien dafür gestimmt. Somit wurde die benötigte Zweidrittelmehrheit um lediglich sechs Stimmen verfehlt. Die Synodalen sind zwar von ihren Diözesen gewählt worden, sie scheinen es aber nicht für nötig gehalten zu haben, die Meinung ihrer eigenen Diözesansynode bei der Abstimmung zu beachten. Infolgedessen sind seit der Abstimmung der Generalsynode viele Fragen über die Wahlmethode der Laien-Synodalen gestellt worden.

 

Auch wenn sich mancher dagegen wehren mag, das Pfarramt in der Kirche von England wird weiblicher. Denn etwa die Hälfte derjenigen, die sich auf das Priesteramt in der Kirche von England vorbereiten, sind Frauen. Wenn Frauen weiterhin von der Kirchenleitung ausgeschlossen bleiben, wird die Kirche nicht von ihren Erfahrungen und Gaben auf allen Ebenen bereichert. Der Beschluss ist sicher auch für viele der ökumenischen Partnerkirchen der Kirche von England enttäuschend. Welche Folgen hat er für die Beziehungen der Kirche von England zur Methodistischen Kirche in Großbritannien, die sehr viel Wert auf die Gleichstellung von Männern und Frauen legt? Welche Auswirkungen hat er bei den lutherischen Kirchen in der Porvoo-Gemeinschaft, die seit langem Bischöfinnen haben, oder zu denjenigen alt-katholischen Kirchen der Utrechter Union, die der Zulassung von Frauen zu allen Ämtern zugestimmt haben?

In England wird zunehmend gefragt, mit welcher Autorität die Kirche von England in anderen gesellschaftlichen Debatten spricht – zum Beispiel über Integration, Umgang mit anderen Religionen, Kindesmissbrauch, Homosexualität, Armut –, wenn sie sich der (christlichen und durchaus biblisch fundierten) Verkündigung der Ebenbildlichkeit von Frauen und Männern vor Gott so offensichtlich widersetzt. Diese Fragen zeigen, dass die Entscheidung der Synode sehr schwierige – und grundlegende – Überlegungen nach sich zieht.

 

Seid dem 20. November stellt sich natürlich die Frage, wie es nach dieser Entscheidung weitergehen wird. Die Abstimmung bedeutet keine grundsätzliche Entscheidung gegen die Zulassung von Frauen zum Bischofsamt: Dass es prinzipiell Bischöfinnen geben sollte, hat die Generalsynode schon im Juli 2005 beschlossen. Die Abstimmung ist eine Entscheidung gegen diesen Gesetzesentwurf. Derzeit wird darüber beraten, wie die Synode fortfahren kann. Schon eine Woche nach der Abstimmung in der Generalsynode bestätigte der Erzbischöfliche Rat, dass ein neuer Gesetzesentwurf vorbereitet werden solle. Wie er aussehen wird, steht noch nicht fest. Am 11. Dezember berichteten die englischen Bischöfe, dass sie beabsichtigen, ein einfacheres Gesetz zu erarbeiten. Darin solle in jedem Fall klar zum Ausdruck kommen, dass sowohl die Befürworter als auch die Gegner der Frauenordination „treue Anglikaner“ seien.

Zurzeit hat jede Gemeinde in der Kirche von England das Recht, für die eigene Gemeinde festzulegen, dass keiner Priesterin erlaubt ist, die Eucharistie zu feiern. Sie darf auch entscheiden, keine Gemeindepfarrerin einzustellen oder sich einem Bischof zu unterstellen, der keine Frauen weiht. Ähnliche Maßnahmen waren auch in dem jetzt nicht verabschiedeten Gesetzesentwurf vorgesehen. Den Gegnern der Frauenordination reichten diese Maßnahmen nicht, während sie für die Befürworter an der Grenze zu einer Kirchenspaltung waren. Kann man wirklich noch von einer Kirche sprechen, wenn die Weihen der eigenen Kirche von manchen Gemeinden nicht anerkannt werden? Es geht hier um die Ekklesiologie.

 

Und es geht um Vertrauen, zueinander und in einander. Andere anglikanische Kirchen haben schon seit langem Frauen zu allen kirchlichen Ämtern zugelassen, auch ohne solche Schutzmaßnahmen für Gegner. Die Bischöfinnen sprechen ihre Vorgehensweisen mit denjenigen Gemeinden ab, die Probleme haben, die Autorität einer Frau anzuerkennen. Auch in der Kirche von England müsste dies möglich sein.

 

Ich hoffe sehr, das die Kirche von England bald eine Lösung für diese Frage findet, damit sie eine schwierige Phase der Diskussion hinter sich lassen kann – und eine Kirche werden kann, in der selbstverständlich Frauen und Männer das Evangelium hören und predigen können – und zwar überall und in jedem Amt. Ich bin sicher, dass die Entscheidung am 20. November sich doch als ein Schritt in diese Richtung erweisen wird. Denn „Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus.“ (Gal 3,28). Aber momentan bin ich – wie viele andere – bitter enttäuscht.

 

Charlotte Methuen