Weltuntergang

 

Irgendetwas scheint schief gelaufen zu sein. Schließlich ist es mit dieser Welt ja nach dem Maya-Kalender seit dem 21. Dezember 2012 zu Ende. Der Maya-Kalender geht über dieses Datum nicht hinaus. Ach so, werden nun einige überrascht sagen, habe ich gar nicht bemerkt. Es war ja nun auch kein besonderes Datum, außer dass die Tage wieder länger werden. Um aber noch ein Argument zuzulegen, um den 21.12. plausibel scheinen zu lassen, hat man festgestellt, dass die Sonne und die Milchstraße in einer Konstellation zueinanderstehen, die nur alle zehntausend Jahre vorkommt. Nun, da die Welt, wie auch immer man es berechnet, deutlich älter ist, scheint mir dies als Erklärung aber auch nicht besonders schlüssig zu sein.

 

Für viele Menschen ist dieser Tag jedoch über viele Jahre ein Schreckensdatum gewesen. Menschen, die irgendwelchen obskuren Esoterikzirkeln und diversen Endzeitphilosophien anhängen, bereiteten sich fast schon panikartig auf dieses vermeintliche Weltende vor. Im Internet glühten die Leitungen, über viele Jahre jagten die verschiedensten Horrorszenen durch das Netz und verbreiteten Panik, jedenfalls bei den Menschen, die dafür zugänglich waren.

 

Im Laufe der Zeit kamen natürlich auch verschiedene ironische Kommentare in den sich bildenden Foren zu Tage; so schrieb ein Blogger im United Forum schon 2009: „Dann kann ich 2012 wenigstens mit einer neuen Ausrede kommen, warum ich keine Weihnachtsgeschenke habe, lohnt sich ja nicht mehr welche zu kaufen“. Gut so, es lohnt sich also allemal langfristig zu planen, um Ausreden zum richtigen Zeitpunkt parat zu haben. Immerhin auch was gelernt. Es muss aber auch gesagt werden, dass viele der Einträge, die ich in diesen Foren gelesen habe, sehr ironisch waren.

Und trotzdem stellt sich die Frage, woher kommen die restlichen Beiträge, die sich teilweise sogar wissenschaftlich geben? Es ist wohl Tatsache, dass viele Menschen in diesem Esoterikmarkt mitmischen. Und hier kommen wir wohl zu einer der Grundlagen. In vielen verschiedenen Gestalten kommen die Geschäftemacher daher. Wo eine Nachfrage ist, hier nach dem Sinn der Welt oder des Lebens, erscheinen eben Menschen, die sie befriedigen. Einer der größten Anbieter ist im Internet Questico.de. Den Sinn des Lebens erfahren über die verschiedenen Plattformen, wie hellsehen, wahrsagen, Karten legen, Traumdeutung und was es sonst noch alles gibt. 2500 geprüfte Berater stehen allen zur Verfügung. So weit, so gut oder auch nicht gut. Denn eines fehlt ja noch. Nur kurz festgestellt, das erste Gespräch gibt es gratis. Nun, daraus ergibt sich messerscharf, dass das zweite dann wohl nicht mehr für umsonst zu bekommen ist.

 

Der Astrologe Winfried Noe gibt im Internet auch eine detailreiche Interpretation zum Besten. Für ihn endet auch irgendwie am 21.12. die Zeitrechnung, aber nur, um doch irgendwie weitergeführt zu werden. Seine Horoskope reichen, so man möchte, schon mal bis 2024. Dass auch alles schön logisch klingt, werden unglaublich viele Planetenkonstellationen zum Besten gegeben. Letztendlich blickt aber eigentlich keiner mehr so wirklich durch dieses ganze wirre Erklärungsgestrüpp. Also eine deutliche Entwarnung für die Weltuntergangsjüngerinnen und -jünger. Dass er seine „Erkenntnisse“ mit einer schönen UFO-Geschichte schmückt, die in einem französischen Dorf namens Bugarach mit 189 Einwohnern spielt, dass es dort einen „dramatisch-mysteriösen“ Berg gibt, zu dem Zehntausende regelrecht hinpilgern und an dem friedliebende Außerirdische und böse Soldaten sich gegenüberstehen, das gemahnt doch sehr an einen Science-Fiction-Roman.

 

Wenn wundert es, dass es zum 21.12. und zur ganzen Esoterik einen kommerziellen Markt mit allerlei Möglichkeiten gibt. Gehen Sie doch einmal in eine Buchhandlung, die Bücherwand über Esoterik, in welche Richtung und zu welchem Thema es auch immer gehen soll, ist bestimmt dreimal so groß wie die über religiöse Literatur, und zwar über Christentum und alle anderen Religionen zusammen. Weiter können Sie zu esoterischen Themen natürlich auch viel Geld für Filme ausgeben oder sich im Fernsehen, Radio oder Internet über dieses Thema informieren lassen.

 

Nun, wie wir ja mittlerweile wissen, lässt sich der Weltuntergang mal wieder Zeit. Die Zeugen Jehovas sind ja da auch vorsichtiger geworden mit ihren Vorhersagen, nachdem es 1914, 1925 und zuletzt 1975 mit dem angekündigten Untergang der Welt und der Errettung einiger weniger nicht so recht gepasst hat. Da lobe ich mir doch unser Christentum, für das, wenn Jesus Christus wieder auf die Erde kommt, die Rettung aller Menschen ansteht. Aber auch hier findet sich im Internet eine geradezu erschreckende Vielzahl von Publikationen christlicher Reaktionäre, oftmals evangelikaler Gruppen aus den USA, die einem Angst und Bange machen wollen. Da kann man leider kaum einen Unterschied zu anderen Weltuntergangsprophetien feststellen. Wir dürfen als Christen daran festhalten, dass Gott ein gerechter und gütiger Gott ist. Er hat uns zum Leben erschaffen, zur Freiheit, zur Erkenntnis und zur Gerechtigkeit. Dem Gott, dem ein jeder Mensch wichtig und einmalig ist, dürfen wir uns anvertrauen, und dann wird die Rückkehr Jesu ein fantastisches Erleben sein, kein Ende, sondern ein Weiterführen des Lebens bei Gott.

 

Dirk Hemmerich