Bist Du schon untergegangen oder lebst Du noch?

 

Wenn Sie diesen Text lesen, haben wir es mal wieder geschafft. Und ich habe meine Weihnachtsgeschenke nicht umsonst gekauft – und diesen Text nicht für den Papierkorb geschrieben.

 

21.12.12: Das Ende des Maya-Kalenders

 

Denn wir alle haben den 21. Dezember 2012 hinter uns gebracht, der von esoterischen Kreisen vor dem Hintergrund des ablaufenden Kalenders der Maya als Weltuntergangsdatum festgesetzt wurde. Nach den Berechnungen des Maya-Kalenders endete am 21. Dezember 2012 nach etwa 5126 Jahren ein Zeitalter, welches in 13 je ungefähr 394 Jahre lange Zyklen – sogenannte Baktun – gegliedert war und im Jahr 3114 vor Christus seinen Anfang genommen hatte. Und die 13 war für die Maya eine heilige Zahl.

 

Das Ende ist nahe. So sagen die Maya. Sagen die Esoteriker.

 

Allerdings wurden gerade im Sommer 2012 in einer ehemaligen Maya-Stadt bei La Corona in Guatemala 1.300 Jahre alte Hieroglyphen entdeckt, die weit über das Jahr 2012 hinaus weisen. Darunter eine, die sogar auf das Jahr 4772 (nach Christus) Bezug nimmt.

Der 21. Dezember 2012 wurde also eher von westlichen Apokalyptikern als der letzte Tag gedeutet, nicht so sehr von den Maya selber.

 

Weltuntergänge quer durch die Geschichte

 

Blickt man in die längere und kürzere Geschichte zurück, so findet man zahlreiche Vorhersagen des letzten Tages unserer Erde.

Die frühen Christen selbst hatten eher die Vorstellung, dass Jesus als der Messias noch zu ihren Lebzeiten zurückkehren würde. Zahlreiche Bibelstellen des Neuen Testamentes wie zum Beispiel Markus 13,30 machen dies deutlich. Eine Erwartung, die nicht so eintraf, wie es sich die frühe Christenheit vorstellte. Letztlich der Grund, warum sich überhaupt so etwas wie die Institution ‚Kirche’ mit ihren Strukturen entwickelt hat.

Im Jahr 130 nach Christus vertrat dann ein Rabbi Yose von Galiläa die Ansicht, dass der Messias drei Generationen nach der Zerstörung des Jerusalemer Tempels im Jahr 70 erscheinen und die Endzeit einläuten würde. Auch dieses Datum verstrich bekanntlich ohne Weltuntergang.

Der Bischof und Kirchenvater Hilarius von Portiers (315-367) prophezeite den Weltuntergang für das Jahr 365. Der im Jahr 999 gewählte Papst Silvester II. (950-1003) kündigte das Weltende für den Wechsel ins erste Jahrtausend an. Und im Jahr 1.000 ließ der römisch-deutsche Kaiser Otto III. (980-1002) der Legende nach den Leichnam des Kaisers Karl des Großen exhumieren, damit der tote Kaiser den Kampf gegen den Antichrist anführen könnte.

Auch in der Zeit der Reformation gab es einen christlichen Pastor, Schüler des Reformators Martin Luther, mit Namen Michael Stifel, der durch Berechnungen zu der Überzeugung gekommen war, das Weltende sei für den 3. Oktober 1533 morgens um 8 Uhr zu erwarten. Die Bauern seiner Gemeinde glaubten ihm, verkauften ihren Besitz und ließen die landwirtschaftliche Arbeit liegen. Sie versammelten sich einige Zeit vor der gegebenen Stunde in einer Kirche, empfingen das Abendmahl und warteten auf das Ende. Aber es kam nicht. Stifel wurde von den Bauern vor Gericht gestellt, weil er sie dazu verführt habe, ihr Hab und Gut zu verkaufen. Vier Wochen saß er in Haft. Danach verließ er Mansfeld, wo er Pastor gewesen war. – Auf diese Ereignisse gehen übrigens auch solche Redewendungen zurück wie ‚Da rechnest Du Dir aber einen Stiefel’ oder ‚Du redest heute wieder einen Stiefel’.

In jüngerer Zeit gab es 2011 in den USA einen selbst ernannten Endzeit-Propheten, Harold Camping, der aufgrund Bibellektüre und vorgeblich darauf fußender Berechnungen die Überzeugung vertrat, am 21. Mai 2011 würden die wahren Gläubigen direkt in den Himmel auffahren, die Ungläubigen würden auf der Erde bleiben und die apokalyptische Endzeit erleben, um schlussendlich in der Hölle zu landen. Und am 21. Oktober 2011 würde Gott dann das gesamte Universum zerstören. Auch die Daten dieser ‚Prophezeiung’ verstrichen, ohne die angekündigten Spuren zu hinterlassen.

 

Kein Weltuntergang. Nirgends.

 

Also alles Humbug? Kein Weltuntergang? Nirgends?

Nun, wie man es nimmt: So waren die Menschen 1979 beinahe dabei, die Erde durch einen Atomkrieg selber unbewohnbar zu machen. Auch eine Art Apokalypse. Techniker der amerikanischen Luftabwehr hatten ein Programm laufen lassen, welches einen atomaren Schlag der Sowjetunion simulieren sollte. Die US-Militärs dachten daraufhin, es seien 2.000 sowjetische Atomraketen im Anflug. Der Gegenschlag konnte gerade noch abgewendet werden. – Auf sowjetischer Seite gab es übrigens 1983 einen vergleichbaren Fehlalarm, der nur durch das eigenmächtige Eingreifen des diensthabenden Offiziers nicht in die atomare Katastrophe führte.

 

Und auch durch die Umweltzerstörung und den durch Menschen verursachten Klimawandel sind wir auf einem Weg, der diese Erde etwas vorzeitig zu einem für uns spürbar ungemütlicheren Planeten machen würde – wobei ich nicht weiß, ob das gleich apokalyptisch-finale Ausmaße annehmen wird.

Und dennoch ist uns das Weltende immer nahe. Denn jeden Tag sterben auf diesem Erdenrund etwa 150.000 Menschen. 150.000 mal ein individuelles Weltende. Eine eigene Apokalypse. Nach unserem Glauben der Eintritt in eine Dimension göttlicher Gegenwart jenseits von Zeit und Raum.

Wann das für die Einzelnen eintritt, ist im Regelfall unbestimmt. Wenn ich morgens das Haus verlasse, weiß ich nicht, ob ich an jenem Tag möglicherweise einen tödlichen Unfall erleide oder mir sonst ein Unglück mit Todesfolge widerfährt.

 

Die individuelle Apokalypse ist unbestimmt. „Darum seid wachsam. Denn ihr kennt weder den Tag noch die Stunde“ (Matthäus 25,13).

 

Walter Jungbauer