Freiburg vor dem Papstbesuch

 

Ich kann mir nicht vorstellen, dass es noch Freiburger gibt, die nicht mitbekommen haben, dass am 24. und 25. September der Papst da sein wird. Die Erzdiözese Freiburg hat die Stadt mit Plakaten übersät, auf denen zu lesen ist „Herzlich willkommen Papst Benedikt XVI.!“ Sogar zwei Lieferwagen mit diesen Plakaten fahren durch die Stadt.

 

Alles ist perfekt organisiert; ein Domkapitular wurde zum hauptamtlichen Organisator bestellt.

Außerdem berichtet die Presse ausführlich über die Vorbereitungen, die Beeinträchtigungen durch Besucheransturm und Sicherheitsmaßnahmen und über die Kosten. Und welcher Alt-Katholik je noch die Frage stellen mag, wie der Papst wohl zu unserer Kirche und zum Ergebnis der römisch-katholisch/alt-katholischen Gesprächskommission steht, hat nun die Antwort: Papst Benedikt hängt an unserer Kirche. Zu sehen an St. Ursula in Freiburg.

 

Je mehr allerdings bekannt wird, wie teuer das ganze Unternehmen wird und wie stark die Beeinträchtigungen für die Bevölkerung sein werden – die ganze Innenstadt kann weder mit dem Auto noch mit dem Fahrrad angefahren werden, die Geschäfte rechnen mit starken Umsatzeinbußen, wer dem Münsterplatz, dem Flugplatz und dem Konzerthaus zu nahe kommt, wo der Papst wirklich auftritt, muss mit Personenkontrollen rechnen -, desto mehr steigt auch die Kritik vor allem in Leserbriefen in der „Badischen Zeitung“. Kirchenferne ereifern sich, dass sie mit ihren Steuergeldern den Papstbesuch mitfinanzieren müssen, denn es ist klar, dass auch auf die Stadt und das Land hohe Kosten zum Beispiel für den Polizeieinsatz  und die Baumaßnahmen (auf dem Flugplatz werden richtige Straßen angelegt, die hinterher wieder entfernt werden) entstehen.

 

Kritisiert werden allerdings auch die Kosten,welche die Erzdiözese tragen muss, auch weil der Organisator sich in der Zeitung ungeschickt ausgedrückt hat. 11 Millionen könne man sich leisten bei 435 Millionen Kirchensteuereinnahmen im Jahr – keine sehr feinfühlige Äußerung. „Und das sind nur die Kosten, die sie zugeben“, sagte mir eine kirchliche Angestellte in leitender Position wörtlich, die bedauerte, dass das Geld an anderer Stelle fehlt. Nun fordern immer mehr Menschen, und keineswegs nur unkirchlich gesinnte, der Papst solle zu Hause bleiben und man solle mit dem Geld die Hungersnot am Horn von Afrika bekämpfen.

 

Ich bin sehr gespannt, wie sich das bis zum Besuch noch entwickeln wird – Sie werden in der November-Ausgabe von Christen heute mehr darüber erfahren können. Ich hoffe sehr, der Besuch wird das Ansehen der Kirchen in unserer Stadt eher stärken als noch weiter nach unten ziehen. Für uns als Gemeinde ist jedenfalls klar: Wir werden dem Papst ja kaum begegnen, wohl aber den Tausenden von Besuchern, die in der Stadt sein werden und die wegen ihrer zentralen Lage an unserer Kirche vorbeikommen. Ihnen wollen wir offen und gastfreundlich begegnen. Wir werden die Kirche öffnen, Kaffee anbieten und einfach da sein. Und wir hoffen darauf, dass dabei manches gute Gespräch entsteht. Wegen der Sperrung der Innenstadt rechnen wir am Sonntag mit einem schlechten Gottesdienstbesuch, ein Problem, das wir mit der evangelisch-methodistischen Gemeinde gemeinsam haben. Angesichts dieser Aussicht haben wir beschlossen, dass wir gemeinsam feiern, gleichzeitig mit dem großen Papstgottesdienst am Flugplatz. Da scheint mir eine gemeinsame Eucharistiefeier doch ein starkes ökumenisches Signal.

 

Gerhard Ruisch