Natur und Kunst

Interview mit Klaus Simon, der den Altar der Namen-Jesu-Kirche gestaltet

 

In einem Waldatelier im Kottenforst bei Bonn hat der Bildhauer Klaus Simon aus der so genannten „dicken Eiche“, die im Winter umgefallen ist und die jahrzehntelang für viele Bonner Familien ein beliebtes Ausflugsziel war, die Prinzipalien für die Namen-Jesu-Kirche in Bonn gestaltet. Der in Bad Godesberg geborene, heute in Krefeld lebende und tätige Künstler hat „durch seine künstlerische Arbeit in den vergangenen Jahrzehnten der Holzskulptur – auch im Hinblick auf ihren Ursprung, den Baum – einen neuen Rang und eine neue Aufmerksamkeit verschafft“ (Frank Günter Zehnder). Wir haben Klaus Simon im Wald besucht.

 

Herr Simon, ist der Altar für die Namen-Jesu-Kirche der erste Altar, den Sie gestalten?

Nein, mein erster Altar ist 1988 für die Kunststation St. Peter in Köln entstanden.

 

Wie viele Altarräume haben Sie im Laufe der Jahre gestaltet?

Das ist schwer zu sagen: Es sind Kirchen in Ahrensburg, Dresden, Weingarten, Köln, Freiburg, Oldenburg, Osnabrück, Ohrbeck, Altomünster, Bad Säckingen, Bonn. Es sind eine ganze Reihe. Mir ist dabei wichtig, dass diese Orte eine Ausstrahlung haben, dass man nicht das Gefühl hat, da ist ein Altar abgesetzt worden als Kunstwerk und dann steht er da. Es sind immer Räume, die insgesamt gestaltet sind. So entstehen besondere Orte. Es geht um den Versuch, einen ganzheitlichen Raum zu schaffen, der eine spirituelle Ausstrahlung hat.

 

Was macht das Altarprojekt für die Namen-Jesu-Kirche für Sie so reizvoll?

Der Kottenforst ist der Wald meiner Kindheit. 1998/99 habe ich die besonderen Bäume, die Naturdenkmale, im Kottenforst fotografiert und in einer Ausstellung im Bonner Landesmuseum, damals in der Ausstellungshalle „Alte Rotation“, gezeigt. Im Zentrum der Ausstellung „Parforce“ standen auch Skulpturen aus Bäumen des Kottenforsts. Im Januar ist der herausragendste Baum des Kottenforstes, die „Dicke Eiche“, unter der Schneelast gestürzt. Die Bonner Forstdirektion hat mir die Erlaubnis erteilt, aus der Mitte dieses Naturdenkmals eine Scheibe von 1,50 m herauszuschneiden, um daraus einen Altar zu gestalten. Dadurch entsteht eine ganz besondere Situation. Man erhält einen Baum in zwei Zuständen und an zwei verschiedenen Orten: eine Baumpassage im Wald und der Altar in der Namen-Jesu-Kirche. Im Wald kann der Besucher durch die Baummitte wie durch ein Tor schreiten. Es ist wie eine Reise ins Bauminnere. Hier wird sich jeder fragen, wo das fehlende Stück ist, und in der Kirche wird im Altar, im Ambo, Osterkerzenleuchter und in der Kathedra die Größe der Natur anschaulich.

Was ist das Besondere an dem Baum?

„Es gibt eine Redensart: „Das hat mich wie der Blitz getroffen!“ Das Besondere an dem Baum sind zwei Blitzschläge, die er im Laufe seines Lebens überwallt hat, das heißt durch das Überwachsen wieder verheilt hat. Und es ist gelungen, diese Einschläge im Altar und im Ambo sichtbar und wahrnehmbar zu machen.

 

 

Ist es Ihr Anliegen, die Menschen dazu zu bringen, dass sie Fragen stellen und sich mit ihrer Wirklichkeit in all ihrer Schönheit und Brüchigkeit auseinandersetzen?

Ja. Wir haben das ja auch in dem Kreuz hier im Altar für die Namen-Jesu-Kirche. Da ist die Senkrechte gesägt als sauberer Kanal, der durch den ganzen Altarblock führt, und horizontal hat man den Dehnungsriss aus dem Baum, der durch den Sturm entstanden ist, so dass das ein merkwürdiges Kreuz entsteht: Man hat die Horizontale als Riss, der nicht gleichförmig den Baum durchläuft, sondern der sich verändert, weil sich Lebensrisse immer verändern. In diesem Zeichen ist genau diese Spannung von Bruch und Schönheit.

 

Stefanie Weimbs-Rust