Franziskus

 

Vorbild in Glauben und Ehrfurcht vor der Schöpfung:

 

Im liebevollen Umgang mit der Schöpfung berühren wir das Geheimnis Gottes

 

Franz von Assisi war sicher ein großes Vorbild, was einen liebevollen Umgang mit der Schöpfung angeht. Er ging sogar so weit, dass er seinen Brüdern die Tierhaltung zum reinen Nutzen für den Menschen oder das Reiten (außer es sei aus gesundheitlichen Gründen nicht anders möglich) verbot. Er wollte ihnen damit klar machen, dass die Schöpfung nicht uns gehört und wir sie nicht für unsere Zwecke benutzen dürfen. In allem Geschaffenen sah er die Schönheit und die Anmut des Schöpfers selbst, und alles Geschaffene rief er zum Lob Gottes auf. Nicht nur sein Sonnengesang ist weltberühmt sondern auch seine Vogelpredigt, die Geschichte vom Wolf von Gubbio oder die Geschichte, in der er einem Vogelhändler die Turteltauben abkauft und ihnen von den Brüdern Behausungen bauen lässt. Viele andere Überlieferungen gibt es, in denen die Beziehung von Franziskus zur Schöpfung sehr deutlich wird. Franziskus sagte auch, man sehe im Umgang eines Menschen mit der Schöpfung die Ehrfurcht zum Schöpfer. Er hatte damit sicherlich nicht unrecht.

In einer Zeit, in der uralte Regenwälder aus Profitgier abgeholzt werden, Tiere zur „Fleischgewinnung“ auf engstem Raum unter unwürdigsten Bedingungen gehalten werden, zum Schlachten durch halb Europa gekarrt, in der Tiere für die Kosmetikindustrie unvorstellbare Qualen leiden müssen, und vieles mehr. Die Liste wäre endlos lang! Allein die täglich aussterbenden Tierarten, auch bei uns in Europa, weil die Menschen mehr Platz brauchen und die Lebensräume der Tiere einfach verschwinden. Auch unsere behüteten Haustiere haben es da oft nicht besser. Zu oft werden sie als Spielgefährten und „Verwöhnobjekte“ angesehen, statt dass wir ihnen auf Augenhöhe begegnen und mit ihnen artgerecht umgehen. Und wenn sie unbequem werden, setzt man sie einfach aus oder gibt sie ab.

 

Steter Tropfen höhlt den Stein

 

Wir Menschen haben schon viel zu sehr auf negative Weise in die Natur eingegriffen. Der kleine Minderbruder Franziskus hat uns gezeigt, dass jeder Einzelne etwas dazu beitragen kann, die Schöpfung zu bewahren. Mir hat sein Vorbild gezeigt, dass auch ich mit meinen begrenzten Möglichkeiten etwas dazu beitragen kann. Wir können nicht verhindern, dass die Umwelt aus Profitgier zerstört wird, wir haben keinen direkten Einfluss auf die Machthaber dieser Welt, aber ich finde, jeder kann das, was in seinen Möglichkeiten steht, dazu tun. Steter Tropfen höhlt den Stein, heißt es in einem Sprichwort. Und wenn viele das Wenige, was in ihren Möglichkeiten steht, beitragen, dann wird aus dem vielen Wenigen immer mehr.

 

Ich werde da oft gefragt: was kann ich schon dazu beitragen? Jede Menge! Man kann zum Beispiel überlegen, ob man unbedingt in ein wasserarmes Land reisen muss, wo ich in einem Hotel wohne, das täglich Tonnen von Wasser verbraucht, für das die Bevölkerung täglich kilometerlange Fußmärsche auf sich nehmen muss. Oder: Brauche ich jeden Tag Fleisch oder Fisch? Wie können wir Menschen aus den ärmeren Ländern, den Entwicklungsländern helfen, ohne Umweltzerstörung ein menschenwürdiges Leben zu führen? Wir können hier vor unseren Haustüren Lebensräume für unsere einheimischen Tierarten schaffen, den Kindern einen respektvollen Umgang mit der Schöpfung beibringen. Auch diese Liste wäre lang.

 

Wir werden das Denken der Mächtigen dieser Welt nicht verändern, aber indirekt kann jeder eine ganze Menge dazu beitragen, dieser Welt und Gottes Schöpfung zu helfen.

 

Mir hat Franziskus ein großes Vorbild gegeben im Umgang mit der Schöpfung. Gehe ich mit offenen Augen und Ohren durch die Natur, dann muss ich unwillkürlich in Franziskus´ Lobgesang auf den Schöpfer einstimmen ob dieses Wunders der Schöpfung.

 

Über das, was wir tun sollen, finden wir in der Bibel viele Stellen: Wir sollen „die Welt in Heiligkeit und Gerechtigkeit leiten“, so steht es im Buch der Weisheit (9,3). In Psalm 36,7 heißt es: „Gott hilft Menschen und Tieren“. Und sogar Jesus gibt in den Evangelien den Jüngern den Auftrag: „Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen“ (Mk 16,15).

 

Franziskus hat sich nicht lange bitten lassen, dieser Aufforderung zu folgen. Aber ich denke, das Wichtigste, was wir von ihm lernen können, ist ein liebevoller und verantwortungsbewusster Umgang mit Gottes Schöpfung. Franziskus hat die Schöpfung und den Schöpfer innigst geliebt, in einer Weise, die für viele Menschen heute wie damals sicherlich befremdlich anmutet. In seiner Liebe zur Schöpfung brachte er seine Liebe zum Schöpfer, zu Gott zum Ausdruck.

 

Er wollte die Denkweise der Menschen ändern. Vom rein verstandesmäßigen Nutzendenken zum Herzensdenken. Und wenn wir ehrlich sind und einem Tier in die Augen schauen oder die Kraft eines alten knorrigen Baumes spüren, dann wird es schwer, die alte Ansicht aufrecht zu erhalten, Tiere hätten keine Seele und Pflanzen schon gleich gar nicht. Es liegt in unserer Hand, zu bewahren und zu behüten, was uns anvertraut ist. Gottes Schöpfung!

 

Schwester Britta Alt, Regensburg