Nie schlimmoder  nur manchmal schlimm?

Fragen und Antwortmöglichkeiten in der relAK-Studie

 

Was halte ich davon, wenn ein verheirateter Mann oder eine verheiratete Frau außerehelichen Geschlechtsverkehr hat? Finde ich das „nie schlimm“? Oder „nur manchmal schlimm“, „fast immer schlimm“ oder gar „immer schlimm“? So lautet eine Frage aus dem relAK-Fragebogen. Zugegeben: Sich für eine der vorgeschlagenen Antworten zu entscheiden, ist gar nicht so einfach. Immerhin ist von einem Vorgang die Rede, der Umbrüche, Enttäuschungen, Trennungen zur Folge haben kann. Oder Symptom einer Entfremdung ist, die schon längst stattgefunden hat. Womöglich handelt es sich auch um eine Sache, die von den Partnern einvernehmlich toleriert wird? In jedem Fall hat man es mit einer ziemlich komplexen Angelegenheit zu tun. Und all dem soll man mit einer von vier Antwortmöglichkeiten gerecht werden?

 

Einigen dürften bei der Bearbeitung des relAK-Fragebogens solche Gedanken durch den Kopf gehen. Und manche fragen vielleicht weiter: Wie aussagekräftig ist eigentlich eine Erhebung, die auf Fragen zurückgreift, auf die man nur äußerst schematisch antworten kann?

 

Nutzen und Grenzen

standardisierter Fragen

 

Tatsächlich ist es unmöglich, den vielen, ganz persönlichen Haltungen, die wir alle zu solchen Lebensproblemen einnehmen, auf diese Weise gerecht zu werden – das ist jedem bewusst, der mit derartigen Frageformaten arbeitet. Aber das Ziel, das man damit verfolgt, ist auch gar nicht so hoch angesetzt: Es geht lediglich darum, Grundeinstellungen und Beurteilungstendenzen zu erfassen. Und die können mit standardisierten Fragen sehr effektiv und für eine große Zahl von Menschen gemessen werden – und zwar so, dass man die Ergebnisse dann auch miteinander vergleichen kann. Viele Fragen der relAK-Studie stammen aus dem „Religionsmonitor“ der Bertelsmann-Stiftung und der „Allgemeinen Bevölkerungsumfrage“ des Leibniz-Instituts für Sozialwissenschaften aus dem Jahr 2008, deren Resultate uns zur Verfügung gestellt wurden. In beiden Fällen handelt es sich um große Datensätze, die uns unter anderem die Möglichkeit geben, die Antworten von Alt-Katholiken mit denen zu vergleichen, die von Mitgliedern der großen Kirchen gegeben wurden. Dabei interessiert uns zum Beispiel, ob Alt-Katholiken mehrheitlich bestimmte Einstellungen miteinander teilen und insofern ein „Profil“ erkennen lassen, das sie von Angehörigen anderer Kirchen unterscheidet.

 

Damit sind zugleich schon die beiden wichtigsten großen religionssoziologischen Studien der letzten Jahre genannt. Der „Religionsmonitor“ möchte religiöse Einstellungen von Menschen aus allen Kontinenten und Weltreligionen untersuchen. Dazu wurden bereits in 21 Ländern Befragungen durchgeführt, die sich regelmäßig wiederholen sollen, um Veränderungen zu erfassen. Auch die „Allgemeine Bevölkerungsumfrage“, die 2008 den Schwerpunkt „Religion“ hatte, ist international angelegt, es liegen bereits Vergleichsdaten aus den Jahren 1991 und 1998 vor. Für Deutschland wurde dabei ein Trend erkennbar, dass traditionelle Religiosität im Erleben der Menschen eine immer geringere Rolle spielt. Wir sind gespannt, wie sich „alt-katholische Religiosität“ in diesen Trend einordnen lässt.

 

Wiederholungen und

„offene“ Fragen

 

Einigen dürfte auch auffallen, dass sich im relAK-Fragebogen manche Fragen – leicht variiert – wiederholen. Warum das? Genügt es nicht, ein einziges Mal zu antworten? Nun, wie das Ergebnis einer Gewichtsmessung zuverlässiger wird, wenn man den entsprechenden Gegenstand ein zweites oder drittes Mal auf die Waage legt, so werden auch Resultate einer Befragung treffsicherer, wenn eine womöglich vielschichtige Sache unter unterschiedlichen Aspekten abgefragt wird.

 

Es gibt in unserer Studie jedoch auch ein sogenanntes „offenes“ Frageformat. Hier verzichten wir auf vorgegebene Antwortmöglichkeiten – und das heißt auch auf eine exakte Vergleichbarkeit der Daten. Dafür laden wir Sie ein, Ihre Gedanken frei zu formulieren. Offene Fragen verwenden wir an der Stelle, an der wir von Ihnen negative und positive Seiten der alt-katholischen Kirche sowie Ihre Wünsche und Erwartungen an die Kirchenleitung erfahren wollen. Im Nachhinein werden wir erkunden, ob sich bestimmte Kritikpunkte oder Wünsche und Erwartungen wiederholen. Wir werden ein Kategoriensystem entwerfen, Ihre Antworten den Kategorien zuordnen und so auf Schwerpunkte in den offenen Formaten aufmerksam machen. Ähnliche offene Fragen wurden übrigens auch in der Sinus-Studie „Religiöse und kirchliche Orientierungen“ gestellt. Dies ist eine empirische Studie zur Situation der römisch-katholischen Kirche in Deutschland aus dem Jahr 2005. Ein Vergleich der beiden katholischen Kirchen erscheint uns spannend.

 

Dirk Kranz

Andreas Krebs