Grußworte zur Frauenordination

 

Erst 1975 führte die bayerische Landeskirche die Frauenordination ein – als zweitletzte bundesweit. Zuvor durften Frauen, die evangelische Theologie studiert hatten, nicht Pfarrerinnen werden. Sie suchten Nischen in Schule und Jugendarbeit. Vom Pfarrerstand, einer Männer-Domäne, waren sie jahrzehntelang ausgeschlossen. „Hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau, ihr seid allesamt einer in Christus Jesus“. Der urchristliche Gleichheitssatz des Paulus verlangt danach, die Gaben und Fähigkeiten von Frauen hoch zu schätzen und sie auch zur Geltung zu bringen.

 

Noch zu jung ist die Einführung der Frauenordination, als dass uns in unserer Kirche nicht der bittere, tiefe Schmerz bei älteren Pfarrerinnen in lebendiger Erinnerung ist, die tapfer gegen größte Widerstände für ihren Zugang zum Pfarrerberuf kämpften. Für ihr Engagement ist ihnen von Herzen zu danken – und für ihren Lebenserfolg: Im Dienst unserer evangelischen Landeskirche sind 2525 Pfarrer, unter ihnen 865 Frauen, ein gutes Drittel. Wir rechnen damit, dass Frauen bald die Hälfte unserer Pfarrerschaft stellen werden. 

 

Wie überhaupt in geisteswissenschaftlichen Fächern studieren mehr Frauen als Männer Theologie und bringen ihre Charismen in die geistige und soziale Kultur unserer Kirche ein. Das 15jährige Jubiläum der Frauenordination, das die alt-katholische Kirche an diesem Pfingstfest feiert, am Fest des Heiligen Geistes, verdient unseren Respekt und unsere Anerkennung. Sie haben als eine katholische Kirche, die Priesterinnen weiht, ihre kirchliche Tradition mit großer Kraft fortgeschrieben.

 

Ich gratuliere Ihnen zu diesem mutigen Schritt Ihrer Kirche und grüße Sie und alle am Pfingstfest mitfeiernden Jubiläumsgäste sehr herzlich.

Ihre

Susanne Breit-Keßler

Regionalbischöfin

 

Liebe Geschwister der Alt-Katholischen Kirche,

 

„Können Sie anhand der Bibel begründen, warum die Evangelisch-methodistische Kirche Frauen ordiniert?“ wurde ich neulich bei einem Gemeindebesuch gefragt. Schon 1956 ebnete die Evangelisch-methodistische Kirche, die damals noch „Bischöfliche Methodistenkirche“ hieß, durch einen Beschluss ihrer Generalkonferenz den Weg für die Frauenordination. In Deutschland gibt es seit den siebziger Jahren ordinierte Pastorinnen. 2005 wurde ich von der Zentralkonferenz der Evangelisch-methodistische Kirche in Deutschland zur Bischöfin gewählt. Doch noch immer ist der pastorale Dienst von Frauen auch in der Evangelisch-methodistischen Kirche nicht für alle Gemeinden selbstverständlich. Bei jener Gemeindebegegnung erinnerte ich daran, dass Frauen und Männer im engen Kreis um Jesus waren. Der auferstandene Christus begegnete zuerst den Frauen. Sie bezeugten: „Der Herr ist auferstanden!“ Ist dies nicht der Kerninhalt christlicher Predigt bis heute? Ich erinnerte an Galater 3,28, wo Paulus die neue Gemeinschaft in der Kirche Jesu Christi so beschreibt: „Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus.“ Gewiss, Paulus sagte auch: „Die Frauen sollen schweigen in der Gemeindeversammlung“ (1. Korinther 14,34). Doch wieso ist diese Bibelstelle höher zu bewerten als Galater 3,28? Außerdem könnte man die Ermahnung zum ordentlichen Benehmen der Frauen in Korinth auch als Beleg dafür deuten, dass Frauen in den ersten Gemeinden die unterschiedlichsten Aufgaben inne hatten.

Es ist also durchaus angemessen, die Linie vom Neuen Testament und von der dort beschriebenen Gemeinschaft der Nachfolger und Nachfolgerinnen Jesu zu der Kirche von heute zu ziehen und aufgrund des biblischen Befundes Frauen zu allen Ämtern zuzulassen. Es ist nicht nur der veränderten gesellschaftlichen Situation geschuldet, sondern es entspricht der Gemeinschaft der Kinder Gottes, wie sie nach dem Neuen Testament Gestalt gewinnt, wenn Frauen und Männer sich gemäß den ihnen von Gott gegebenen Gaben in der Kirche einbringen können. Ich bin dankbar, dass sich nicht nur Kirchen in reformatorischer Tradition für die Frauenordination entschieden haben. Dass das Katholische Bistum der Alt-Katholiken Regina Pickel-Bossau und Angela Berlis am Pfingstmontag 1996 zu Priesterinnen weihte, war ein Hoffnungszeichen für Frauen und Gott sei Dank auch für viele Männer in allen Konfessionen. Solche Ermutigungen sind nötig auf dem Weg zu vertiefter Gemeinschaft von Frauen und Männern in der Kirche.

Als ordinierte Frauen und als kirchliche Laiinnen bringen wir mit Beharrlichkeit unsere Gaben ein, darauf vertrauend, dass die Kirche sich dem Geist Jesu Christi öffnet, der Grenzen überwindet. Mein Gruß und Segenswunsch gilt allen Schwestern und den Brüdern im Bistum der Alt-Katholiken. Möge die Freude an dem, was in den vergangenen 15 Jahren gewachsen ist, beflügeln zum Einsatz für mehr Gemeinschaft und mehr Gerechtigkeit in Kirche und Welt.

 

Bischöfin Rosemarie Wenner,

Evangelisch-methodistische Kirche

 

 

Liebe Schwestern und Brüder in der alt-katholischen Kirche!

 

Mit großer Freude, Dankbarkeit und Hoffnung denke ich heute an die Einführung der Priesterinnenweihe in Ihrer Kirche vor 15 Jahren! Noch deutlich spüre ich die Spannung, die Unruhe, als klar war, dass es zu einer Entscheidung innerhalb der alt-katholischen Kirche über die Frauenordination kommen würde.
Ich war damals auf einer theologischen Tagung im Ausland und erinnere mich, dass wir uns alle gemeinsam fragten: Ob Sie es schaffen werden, sich durchzusetzen, die Widerstände und Argumente dagegen zu entkräften – die Frauen und viele verbündeten Männer in der alt-katholischen Kirche? Und welche Freude, als dann die Nachricht kam, dass die RepräsentantInnen Ihrer Kirche sich klar zur Weihe von Priesterinnen bekannt hatten!

Die Widerstände, die Argumente dagegen kannte ich ja nur zu gut! Im Jahr 1975 sah ich mich am Ende meines Studiums und mit dem Ziel, eine der ersten Pfarrerinnen der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern zu werden, mit den gleichen Sätzen, Haltungen und dem Zitieren von Bibelworten konfrontiert! Damals, auf der Tagung der Landessynode in Rummelsberg habe ich die gleiche Spannung, Unruhe aber auch Hoffnung und Erwartung auf einen neuen Anfang in der Zulassung von Frauen ins ordinierte Amt gespürt. Mit meinem ersten theologischen Examen war diese Entscheidung dann gefallen! Ich habe seither in den mehr als 30 Jahren als Pfarrerin meiner Kirche immer mehr erfahren dürfen, welcher spirituelle und menschliche Reichtum in unserer gemeinsamen Arbeit als Frauen und Männer in der Kirche liegt.

Und welcher Segen ist seither in Ihrer und unserer Kirche aus dieser Entscheidung erwachsen! Die Fehlentwicklungen der christlichen Kirche des Westens seit dem 4. Jahrhundert konnten korrigiert werden. Frauen sind wieder, wie schon am Anfang der Frühen Kirche, zur Verkündigung des Evangeliums und Leitung der Eucharistiefeier zugelassen!

Ich gratuliere, auch im Namen meiner Kolleginnen, die im Theologinnenkonvent der bayrischen Landeskirche zusammengeschlossen sind, von Herzen zu diesem großen Tag!

Möge weiterhin Segen aus der Arbeit der Priesterinnen für die Gemeinden der alt-katholischen Kirche, aber auch für die gesamte Ökumene erwachsen. Möge es vor allem zu einem inspirierten und gleichberechtigten Miteinander von Frauen und Männern in allen Kirchen der christlichen Konfessionsfamilie kommen!

Herzliche Glück- und Segenswünsche von Ihrer

 

Brigitte Enzner-Probst, Pfarrerin

 

 

Friede und Freude!

 

Ich freue mich mit Euch an Eurem Weihejubiläum. Das ist ein Ereignis, das uns einlädt, Gott für das Geschenk des Geistes, den Ihr empfangen habt, Dank zu sagen. Mir scheint, durch Euren Dienst und Euer Zeugnis beschenkt Ihr als Frauen uns mit dem Zeichen des Evangeliums von der Gleichheit unter den Menschen: „Ihr aber sollt euch nicht Rabbi nennen lassen; denn nur einer ist euer Meister, ihr alle aber seid Geschwister. Auch sollt ihr niemand auf Erden euren Vater nennen; denn nur einer ist euer Vater, der im Himmel. Auch sollt ihr euch nicht Lehrer nennen lassen; denn nur einer ist euer Lehrer, Christus. Der Größte von euch soll euer Diener sein.“ (Mt 23,1-12).

Jesus ruft dazu auf, unsere Verhaltensweisen völlig zu ändern. Doch wir stellen fest, dass sich die Herrschaftsmächte  weiterhin unter den Menschen ausbreiten; Herrschaft der Männer über die Frauen, der Weißen über die Schwarzen, der Reichen über die Armen, der Einwohner eines Landes über die Ausländer, der Kleriker über die Laien. Die Liste dieser Herrschaft der einen und der Unterdrückung der anderen ist lang.

Nun gibt es aber keine Hierarchie unter den Menschen. Die Herrschaftsverhältnisse sind kein Schicksal. Dieser Glaube an die Hierarchie, übertragen durch Kulturen und Religionen, hält die Ungleichheit wach und verleugnet das Wort Jesu : „Ihr seid alle Schwestern  und Brüder.“ Danke, dass Ihr da seid und uns zeigt, dass dies möglich ist.

Durch Euren Dienst habt Ihr als Frauen eine besondere Verantwortung in der Verkündigung der Auferstehung Jesu für unsere Zeit. Der Evangelist Johannes betont die persönliche Erfahrung Maria Magdalenas am Ostermorgen. Eine beispielhafte Erfahrung. Der Evangelist will sie mit den ersten christlichen Gemeinschaften teilen. Das schrittweise Erkennen des auferstandenen Jesus, das Maria Magdalena erfahren hat, ist verbunden mit einer Sendung: „Geh zu meinen Brüdern und sag ihnen“. Diese Sendung richtet Maria Magdalena wieder auf und macht sie für die gute Nachricht verantwortlich. Sie bricht sofort auf, um den Aposteln Bescheid zu sagen. Sie bleibt nicht bei Jesus stehen, das Dringende liegt woanders.

Dank an Euch, dass Ihr heute an dieser frohen Verkündigung der Auferstehung Teil habt. Das Grab ist geöffnet. Schließen wir den nicht ein, der kommt, um uns zu befreien.

Friede und Freude für Euch und Euer Weihejubiläum.

Einen guten Weg der Hoffnung!

 

Jacques Gaillot, Bischof von Partenia