Frauenordination in der Ökumene

Ein kurzer Überblick

 

Wenn die Informationen im aktuellen Artikel „Frauenordination“ in der Internet-Enzyklopädie Wikipedia stimmen, leben etwa 85 Prozent der Christen in Kirchen, die die Frauenordination ablehnen. Wie viele Christinnen und Christen allerdings tatsächlich zu den Befürwortern oder zur ablehnenden Gruppe gehören, ist damit nicht geklärt, da es auch innerhalb der Kirchen, welche die Frauenordination (noch) nicht durchführen, Mitglieder gibt, welche sich für eine Frauenordination aussprechen – wie auch umgekehrt. In Deutschland gehöre rund die Hälfte zu Kirchen, welche die Frauenordination befürworten.

Die römisch-katholische Kirche alleine vereinigt mit etwa 1,1 Milliarden Mitgliedern bereits etwa die Hälfte der ungefähr 2,2 Milliarden Christinnen und Christen der Welt auf sich. Sie zählt zu den Konfessionen, welche die Frauenordination grundsätzlich ablehnen. In diese Gruppe von Kirchen zählen auch die orthodoxen Kirchen sowie solche Kirchen wie die Selbstständig Evangelisch-Lutherische Kirche (SELK) oder die Lutherische Kirche der Missouri-Synode.

Zu klaren Befürwortern der Frauenordination zählen dagegen beispielsweise die Evangelisch-methodistischen Kirchen, die meisten evangelischen Kirchen, die unierten Kirchen wie zum Beispiel die United Church of Christ, die Heilsarmee oder auch die Herrnhuter Brüdergemeine.

Innerhalb vieler konfessioneller Familien sind sowohl befürwortende Teilkirchen wie auch ablehnende Teilkirchen zu finden. Hierzu zählen unter anderem die alt-katholischen Kirchen. Während der überwiegende Teil der alt-katholischen Kirchen mittlerweile die Frauenordination befürwortet und den Frauen der grundsätzliche Zugang in alle drei Stufen des geweihten Dienstes offen steht, lässt die tschechische Kirche Frauen bislang nur für das Diakonat zu, und die polnische Kirche akzeptiert lediglich die Frauenordination der anderen alt-katholischen Kirchen, ohne diesen Schritt für sich nachzuvollziehen.

Auch in den Mitgliedskirchen der Anglikanischen Gemeinschaft ist das Bild unterschiedlich: Auf der einen Seite lehnen vor allem anglikanische Provinzen in Afrika wie Nigeria oder Tansania und in Asien wie Korea die Frauenordination ab, in manchen, wie beispielsweise in Pakistan oder im Kongo sind Frauen lediglich zum Diakonat zugelassen, und in Neuseeland, den USA und Australien gibt es im Gegensatz dazu sogar schon die ersten anglikanischen Bischöfinnen. Bei den Baptisten sind ebenfalls regionale Unterschiede festzustellen: Während in europäischen Baptisten-Gemeinden überwiegend Frauen als Pastorinnen zugelassen sind, gibt es in den USA sowohl Befürworter als auch Gegner, während die asiatischen Baptisten die Frauenordination ablehnen.

 

Walter Jungbauer