Religiosität in der Alt-Katholischen Kirche

 

Eine empirische Studie

 

Kirchen und „Milieuverengung“

 

Seit einigen Jahren ist die sogenannte „Sinus-Studie“ in aller Munde. Die vom Heidelberger Marktforschungsinstitut „Sinus“ durchgeführte Erhebung „Religiöse und kirchliche Orientierungen“ bestätigt für die römisch-katholische Kirche einen verbreiteten Verdacht: dass sie mit ihrer Botschaft und ihrem Angebot nur noch begrenzte Ausschnitte unserer Gesellschaft, nur noch ganz bestimmte „Milieus“ erreicht. Bereits vor über fünfzig Jahren hat Klaus von Bismarck dafür den Ausdruck „Milieuverengung“ geprägt – damals mit Blick auf die evangelische Kirche. Das Problem ist also keineswegs neu, und es ist auch nicht auf eine bestimmte Konfession beschränkt. Interessant ist, dass die Teilnehmer der Sinus-Studie auch nach Wünschen und Erwartungen gefragt wurden, die sie an die römisch-katholische Kirche haben. Angehörige der besonders kirchenfernen „experimentalistischen“ und „hedonistischen“ Milieus forderten etwa, die römisch-katholische Kirche müsse ihre Strukturen reformieren und Frauen zum Priesteramt zulassen. Solche Äußerungen sind eine wichtige Rückmeldung für Gemeinden und Kirchenleitungen: Sie zeigen Probleme auf, die jeden nachdenklich machen sollten, der die Kirchen künftig nicht als gesellschaftliche Nischenexistenzen sehen will.

 

Und die alt-katholische Kirche?

 

Auch in dieser Zeitschrift wurde die „Sinus-Studie“ intensiv diskutiert (CH 4/2008, 5/2008, 5/2009). Dabei stellte sich unvermeidlich die Frage, wie eigentlich die Situation der alt-katholischen Kirche aussieht. Erreicht sie mit ihrem reformorientierten Profil jene Menschen, die sich von der römisch-katholischen Kirche entfremdet haben? Oder konkurriert sie mit ihr um die gleichen, eher traditionellen und konservativen Milieus? Um solche Fragen beantworten zu können, fehlt bislang eine verlässliche empirische Grundlage. Hier möchten wir mit unserer Studie „Religiosität in der Alt-Katholischen Kirche“ („RelAK“) Abhilfe schaffen. Sie wird in einer Kooperation des Alt-Katholischen Seminars der Universität Bonn mit dem Institut für Psychologie der Universität Trier und der alt-katholischen Bistumsleitung durchgeführt. Unter anderem wollen wir herausfinden: Aus welchen sozialen Milieus kommen Alt-Katholiken? Welches Gottesbild und Kirchenverständnis haben sie? Welche Stärken und Schwächen nehmen sie an ihrer Kirche wahr, und welche Erwartungen haben sie?

 

Ihre Hilfe ist gefragt!

 

Wir wollen diese Fragen mit wissenschaftlich erprobten Erhebungsins-trumenten und statistischen Auswertungsmethoden beantworten. Dazu brauchen wir Ihre Hilfe: Füllen Sie doch bitte unseren Fragebogen aus. Wie das geht, steht in der Anzeige oben. Wir würden uns freuen, wenn möglichst viele von Ihnen an der Befragung teilnehmen würden. Sie müssen dazu übrigens nicht unbedingt alt-katholisch sein! Wir interessieren uns auch für anderskonfessionelle Personen aus dem Umfeld alt-katholischer Gemeinden und auch für solche, die einmal alt-katholisch waren, inzwischen aber wieder ausgetreten sind. Für die Bearbeitung des Fragebogens benötigen Sie nicht mehr als fünfzehn Minuten Zeit.

 

Wie geht es weiter?

 

In den folgenden Ausgaben von Christen heute werden wir Sie genauer über die Hintergründe unserer Studie informieren: Was sind eigentlich „Milieus“? Wie wurden sie vom „Sinus-Institut“ ermittelt, und welches Modell liegt RelAK zugrunde? Gibt es noch weitere wichtige religionssoziologische Studien – und wie werden sie in Rel-AK berücksichtigt? Was hat man in anderen Kirchen über Wünsche und Erwartungen verschiedener Milieus herausgefunden, und welche pastoralen Konsequenzen wurden daraus gezogen?

Die Befragung soll bis Ende Juni dauern. Die Auswertung erfolgt anonym. Selbstverständlich werden die Rohdaten nicht an Dritte weitergegeben, auch nicht an die Kirchenleitung. Die Ergebnisse wollen wir unter anderem in Christen heute veröffentlichen. Wir hoffen, auf diese Weise eine Art Bestandsaufnahme der Situation geben zu können, in der sich die deutsche alt-katholische Kirche zur Zeit befindet. Dabei wollen wir uns bewusst auf eine Beschreibung beschränken und daraus von unserer Seite keine Ratschläge oder Handlungsvorgaben ableiten. Was eventuelle Konsequenzen betrifft, setzen wir vielmehr auf eine öffentliche Debatte – und würden uns freuen, wenn auch diese Zeitschrift ein Forum dafür werden könnte. So hoffen wir, dass unsere Studie als Grundlage einer offenen Diskussion über Strukturen, pastorale Konzepte und den zukünftigen Weg unserer Kirche dienen kann.

 

Dirk Kranz

Andreas Krebs