Kein Kommentar

Zur Erklärung der Professoren

 

Immer wieder werde ich angesprochen: Wir sollten als alt-katholische Kirchenzeitung doch das am 4. Februar veröffentlichte Memorandum eines großen Teils der deutschen römisch-katholischen Theologieprofessorinnen und -professoren und die Reaktionen darauf dokumentieren und kommentieren. Und ich merke: Ich will das nicht. Einmal ist diese Erklärung ebenso wie die von weit weniger Theologen unterstützte Gegenerklärung so vielfach selbst in den normalen Tageszeitungen dokumentiert worden, dass sie allen, die sich dafür interessieren, leicht zugänglich sind. Und wer die Veröffentlichungen wirklich verpasst hat, kann es leicht im Internet finden.

 

Und was sollen wir von alt-katholischer Seite dazu kommentieren, was nicht sowieso schon vor Wochen x-fach gesagt worden wäre? Wir könnten höchstens darauf hinweisen, dass alle sechs Forderungen in unserer Kirche längst erfüllt sind. Aber das ist allen Leserinnen und Lesern von Christen heute hinlänglich bekannt.

Ich glaube, mein Widerwille dagegen, mich ausführlicher mit dem Thema zu befassen, kommt vor allem daher, dass sich der Satz aus dem Buch Kohelet darauf anwenden lässt: „Es gibt nichts Neues unter der Sonne“ (Koh 1,9). In Zyklen staut sich der Dampf angesichts der Reformresistenz im römisch-katholischen Kessel so auf, dass er ein Ventil braucht. Dann tun sich durchaus kluge und mutige – weil sie zum Beispiel wagen, das Thema der Frauenordination anzusprechen, obwohl Papst Johannes Paul II. mit quasi-unfehlbarer Autorität ausdrücklich verboten hat, darüber weiter zu debattieren – Menschen zusammen und verfassen eine Resolution. Diese löst bei vielen Erleichterung und Zustimmung aus, weil endlich einmal so renommierte Menschen das aussprechen, was sie selbst denken. Andere sehen dagegen den Untergang der Kirche kommen und schreien entsprechend auf. Für ein paar Wochen herrscht große Aufregung.

 

Aber ich habe mich entschieden, mich davon nicht anstecken zu lassen. Denn es wird gehen wie noch jedes Mal, wenn es wieder so weit war: Das Ganze wird von Rom ausgesessen, bis die Aufregung sich wieder gelegt hat. Wie sagte der Freiburger Dogmatikprofessor Helmut Hoping in einem der hiesigen Werbeblättchen in der Schlagzeile: „Deutschland ist nicht der Nabel der katholischen Welt.“ Genau das ist die römische Sicht auch. Übersetzt heißt das: Lasst die sich doch in Deutschland ein bisschen aufregen. Das bringt den Kirchen-Mega-Liner noch lange nicht vom Kurs ab. Daran ändert die Äußerung von Erzbischof Robert Zollitsch über den Dialog nichts, der vielen Hoffnung gemacht hat, denn er sitzt nicht in der Zentrale.

 

Zurück bleiben werden ein paar verwundete Seelen mehr, ein paar, ja wahrscheinlich sogar viele Enttäuschte mehr, die der Kirche den Rücken kehren, ein paar, deren Idealismus zerstört wurde. Aber das wird in Rom gar nicht bemerkt werden. Und die ganz Harten werden sogar sagen: Um die ist es nicht schade. Wer’s nicht glaubt, möge doch mal in einschlägige Internet-Foren hineinschauen und sich über den unchristlichen Ton wundern, der dort herrscht.

Übrigens: Sollte ich mich in meiner Einschätzung täuschen, werde ich mich sehr, sehr für die römisch-katholischen Geschwister freuen!

 

Gerhard Ruisch