Eine Krankenstation für Tansania

Zur Fastenkollekte 2011

 

Mit der diesjährigen Fastenkollekte wollen alle alt-katholischen Bistümer den anglikanischen Schwestern in Sayuni/Tansania zu einer „Dispensary“, einer Krankenstation verhelfen. Dies geht auf einen Beschluss zurück, den die Missions- und Entwicklungshilfeverantwortlichen aller alt-katholischen Diözesen auf dem letzten Alt-Katholikenkongress in Zürich getroffen haben. Jedes Bistum hat sich verpflichtet, einen Betrag von mindestens € 15.000 aufzubringen; lediglich Polen und Tschechien wurden niedrigere Beiträge ermöglicht.

 

Es geht darum, ein Gebiet zu versorgen, in dessen Umkreis über 100 km keine Krankenstation existiert. Zwar betreiben die tansanischen Schwestern bisher dort schon eine Station, die aber nur sehr klein ist. Sie enthält je einen Raum für Labor, Apotheke und Sprechstunden; dazu zwei weitere kleine Zimmer mit je zwei Liegen, die für die nachgeburtliche Erholung von Mutter und Kind genutzt werden. Das soll nun anders werden: Ein Neubau mit zwei Krankenzimmern zu je sechs und acht Betten ist geplant. Unter den Ordensschwestern – die Kommunität umfasst insgesamt 21 Schwestern, die in einem eigenen Gebäude wohnen – sind zwei ausgebildete Hebammen. Dazu soll ein „Clinic Officer“ angestellt werden, ein Mann oder eine Frau mit einer Ausbildung in diagnostischen Grundkenntnissen. Ein junger Mann, der sich jetzt noch in einer medizinischen Ausbildung in Dar-es-Salaam befindet, hält schon jetzt einmal monatlich einen Tag Sprechstunde in Sayuni, wozu immer 70 bis 80 (!) Patienten kommen.

 

Mit später einzuwerbenden Mitteln aus dem Ausland soll ein Clinic Officer – frühestens ab Januar 2011, spätestens aber ab März nächsten Jahres – angestellt werden. Weiter soll eine dritte Hebamme vergütet werden.

 

Gebraucht werden zudem Impfstoffe: Das größte Problem in Tansania ist nicht Aids – das ist zweifellos auch ein großes – sondern die Malaria. Es fehlen außerdem Antibiotica, Schmerzmittel und Verbandsmaterial. In einer weiteren Etappe (bis in drei Jahren) soll ein weiteres Gebäude entstehen mit je einem Raum für Frauen und Kinder.

Man kann sich die medizinische Versorgung in Ländern wie Tansania als Europäer überhaupt nicht vorstellen: Auch in der neuen Krankenstation wird kein Arzt tätig sein; Schwestern und Krankenpfleger müssen hier viele Tätigkeiten verrichten, die bei uns Ärzten vorbehalten sind.

 

Der Schweizer Arzt Dr. Max-Beat Flückiger hat im Oktober vergangenen Jahres die bisherige Krankenstation und das Schwesternhaus besucht, zusammen mit Kanonikus Dirk Jüttner und Christoph Schuler, dem Schweizer Pfarrer und Vorsitzenden von „Partner sein“, der Missions- und Entwicklungshilfeorganisation unserer Schweizer Schwesterkirche. Dr. Flückiger betreut – wie Herr Jüttner – das Projekt ehrenamtlich mit und kennt die Krankenversorgungsprobleme in Tansania aus eigener Anschauung. Er hat eine ganze Liste zusammengestellt, was für die Einrichtung einer solchen Krankenstation noch alles nötig wäre an medizinischen Geräten, Medikamenten und Verbandsmaterial.

Herr Jüttner, der die Verhältnisse in Tansania schon seit vielen Jahren kennt, war stets ein wichtiger Informant für die Missions- und Entwicklungshilfebeauftragten unseres Bistums. Er hat schon mit Frau Dr. Brinkhues eng zusammengearbeitet, dann mit Dr. Golob und schließlich mit dem Verfasser. Er ist Laie und für seine Verdienste von einem tansanischen Bischof zum Ehrendomherrn ernannt worden.

 

Joachim Vobbe