Am Anfang ist das Licht

Gedanken zum Ende der Weihnachtszeit

 

Die Krippe wird abgebaut, der Weihnachtsbaum entsorgt, die Weihnachtszeit hat ein Ende. Ich habe es nun auch geschafft, bin nun ebenfalls beim Frühling angekommen!

 

Ganz schön anstrengend war das, so hinterher zu leben. Nicht nur, dass um mich herum die angebliche „Vorweihnachtszeit“ vor Weihnachtsfolklore nur so überquoll, während in meiner Wohnung lediglich 4 Kerzen brannten.

Nein, als ich Nachzügler am Morgen des 24. Dezember den echten Tannenbaum schmückte, und das auch noch selbst, hatte ich meine Umwelt endlich für eine Sekunde eingeholt. Bereits pünktlich zum ersten Advent hatte mich im Büro an der Tischgruppe unmittelbar vor meinen Augen der mit einem Handgriff aufzubauende, fertig geschmückte, hohe Plastiktannenbaum darauf hingewiesen, dass ich irgendwie keine zeitgemäße Auffassung von Weihnachten mehr habe. Nun bin ich nicht nur von gestern, ich bin auch noch nostalgisch. Ich genieße die Weihnachtszeit bis zuletzt. Mein Tannenbaum steht eben bis Mariä Lichtmess - und schon habe ich den Anschluss wieder verpasst. Spätestens nach Dreikönig muss ich an den Karnevalshüten, Plastikpistolen und Federboas vorbei schauen und mir ernsthaft überlegen, wie ich den Tannenbaum denn im Februar wieder los werde.

 

Sei’s drum, es lohnt sich. Ich gleite langsam von der Lichterkette am Tannenbaum zum Lichtermeer an Lichtmess. Wenn ich den Tannenbaum hinaus befördere, dann mit dem Elan des aufkeimenden Frühlings, mit der Kraft der nun spürbar länger werdenden Tage. Und da ich mich schon abgefunden habe, in dieser Hinsicht von gestern zu sein, freue ich mich auch noch ehrlich über eine an Lichtmess gesegnete Kerze, die mir Kraft und Zuversicht für den Neubeginn gibt.

 

Ich habe die dunkle Jahreszeit ausgehalten, dabei auch die eine oder andere dunkle Seite in mir selbst. Nun genieße ich die Feier des Lichtes, die aufkeimende Erwartung des Frühlings und spüre wieder Kraft. Mit meiner gesegneten Kerze gehe ich selbst lichtvoll aus dem Winter heraus, schäle mich aus meinem inneren Wintermantel. „Wenn du kein Stern am Himmel sein kannst, so sei doch eine Lampe im Haus“, sagt ein Zen-Spruch. Das will ich versuchen. Der Frühling verleiht der Natur Kraft, die Bauern gehen wieder an ihre Feldarbeit, alles steht derzeit im Zeichen des Neubeginns. Ich hoffe meinerseits, dem Licht nun Ausdruck zu verleihen, das in der ausgedehnten Weihnachtszeit in mir hat ruhig wirken können.

 

Corina Strenzl