Abschied und neuer Anfang

Alt-Katholiken in Kroatien und Bosnien-Herzegowina

 

Vom 5.-7. November fuhr ich mit den beiden Bischöfen Bernhard Heitz und John Okoro erst nach Zagreb, dann nach Dubrave Donje bei Tuzla in Bosnien, dann nach Šaptinovci in Slawonien und dann noch einmal in Kroatiens Hauptstadt, nach Zagreb.Der Grund für diese weite Reise in wenigen Tagen war der Wechsel in der Zuständigkeit. Bischof em. Bernhard Heitz wurde von seiner Verantwortung für die Gemeinden in Kroatien und Bosnien entpflichtet und Bischof John Ekemezie Okoro trat die Nachfolge an. Meine Aufgabe bestand darin, sowohl die Predigten und Ansprachen der beiden Bischöfe als auch sonst alles an Gesprächen zu übersetzen, was wichtig war. Außerdem fuhr ich die gesamte Strecke.

In Zagreb stand zuerst ein Besuch beim Vorsitzenden des Synodalrates, Prof. Damir Boras, in seinem Büro in der philosophischen Fakultät der Zagreber Universität auf dem Programm, deren Dekan Prof. Boras ist. Hier stellte sich Bischof Okoro vor und Bischof Heitz wurde verabschiedet. Darüber hinaus wurden einige Punkte im innerkirchlichen Bereich wie auch im Verhältnis zur römisch-katholischen Mehrheitskirche und zu anderen Kirchen angesprochen. Speziell ging es um die Situation auf der Insel Rab.

 

Nach den Gesprächen in Zagreb fuhr ich mit beiden Bischöfen quer durch Slawonien bis Slavonski Brod und dann in Bosnien erst durch die „Republika Srpska“ - leicht zu erkennen durch serbische Sprache und kyrillische Schrift - und später dann durch das Gebiet der kroatisch-muslimischen Föderation an vielen Moscheen und Minaretten vorbei nach Dubrave Donje bei Tuzla. Hier übernachteten wir im Pfarrzentrum. Auch hier gab es erst längere Gespräche mit Klärung der Standpunkte. Pfr. Jozo Kljajić legte Wert auf die richtige Bezeichnung der dortigen Alt-Katholiken. Sie seien nicht Teil der „Kroatischen alt-katholischen Kirche“, sondern nennen sich „Alt-Katholische Kirche in Bosnien und Herzegowina“. Dies sei wichtig, so Pfr. Kljajić, denn so sei die Kirche auch staatlicherseits registriert. Am nächsten Tag, einem Samstag, war um 10.00 Uhr Eucharistiefeier. Hier wurde Bischof Bernhard ein sehr herzliches Dankeschön für all seinen uneigennützigen Dienst ausgesprochen. Bischof John stellte sich vor und versprach, im Sinne seines Vorgängers zu wirken.

 

Nach dem Gottesdienst und den Gesprächen hatten wir es sehr eilig, denn für 16 Uhr war der nächste Gottesdienst in Šaptinovci anberaumt. Also nochmals quer durch Slawonien zu diesem Ort nahe der ungarischen Grenze, wo wir schon mit Glockengeläut erwartet wurden. Pfarrangehörige, Kinder und Erwachsene in slawonischer Volkstracht, geleiteten uns in die Kirche, wo es wieder um Abschied und Neubeginn ging. Nach dem Gottesdienst gab es noch ein Abendessen für alle in sehr heiterer Atmosphäre.

 

Und dann nochmals ins Auto und nach Zagreb, das wir kurz vor Mitternacht erreichten. Am nächsten Morgen, dem Sonntag, wurde in der Pfarrkirche Sveti Križ Gottesdienst gefeiert, bei dem es wieder um die selbe Thematik ging wie bei den vorangegangenen Liturgien, bei dem aber auch zwei Kinder getauft wurden. Die Teilnahme an den Gottesdiensten war in allen drei Gemeinden gut, auch das Interesse daran, dem scheidenden Bischof zu danken und dem neuen Bischof das Vertrauen zu schenken. In Stenjevec wurde noch die voriges Jahr neu eingeweihte Kirche Sveti Antun besucht und eine kurze Segensandacht gehalten. Hier gab es auch noch Begegnung und Gespräch mit Herrn Dubrović, dem leider schwer kranken Ministerialbeauftragten für Kirchen und Religionsgemeinschaften in Kroatien. Nach dem Mittagessen in einem nahegelegenen Lokal starteten wir in Richtung Wien, wo wir in der Nacht reichlich müde ankamen.

 

Den Menschen in diesen Gemeinden fiel es sichtlich schwer, von Bischof Bernhard Abschied zu nehmen. Immer wieder hieß es: „Kommen Sie wieder, auch privat! Sie sind bei uns immer gern gesehen, wir wissen, was wir Ihnen verdanken.“ Bischof John wurde von Anfang an große Herzlichkeit entgegen gebracht. Für mich war es eine hochinteressante Reise mit vielen ganz besonderen Erlebnissen.

 

Diakon Georg Spindler